Tipp: sensible Katzen jetzt schon auf Silvester vorbereiten

In knapp zwei Monaten steht der Jahreswechsel vor der Tür. Mit ihm auch das Neujahrsfeuerwerk. Dann leiden wieder viele Tiere unter dem Lärm, den ungewohnten Gerüchen und Lichtern. Jedes Jahr aus Neue machen sich zahlreiche Halter*innen also große Sorgen um diese eine Nacht des Jahres. Jedoch kann frühzeitige Vorbereitung und Training viele dieser Sorgen und Ängste nehmen.



Frühzeitig vorsorgen statt panischem Aktionismus kurz vor Silvester

Ich brauchte in den letzten Jahren keinen Kalender, um zu wissen, wann Silvester kurz bevorsteht. Denn pünktlich wenige Tage davor erreichten mich zahlreiche Mails, die mich wegen Silvester um Rat fragten. Fragen wie “Welche Beruhigungsmittel kann ich nehmen?” ärgern mich dabei am meisten.

Schließlich zeigt das, dass die Traumata und Ängste der eigenen Katze von manchen Menschen nicht ernst genommen werden. Dabei ist Silversterangst die Angst, mit der wir als Halter*innen am einfachsten umgehen, bei der wir am besten vorsorgen können. Denn Silvester ist ein jährlich wiederkehrendes, zeitlich exakt eingrenzbares Ereignis. Wer sehr sensible Tiere hat, darf sich nicht erst “kurz vor knapp” mit so einem wichtigen Thema befassen.

Die Gabe von Beruhigungsmitteln mag in einigen Fällen unumgänglich sein – sie sollte aber nicht als “Allheilmittel” betrachtet werden und ist nur wenigen, extrem panischen Tieren überhaupt nötig. Zumal die Medikamentengabe auch Nebenwirkungen haben kann und nur mit Vor- und Nachbereitung stattfinden sollte.

Freigänger an den Stubenarrest gewöhnen

Nicht nur im Fall von gesundheitlichen Problemen ist es ungemein wichtig, dass es auch Freigänger gewohnt sind, ein paar Tage im Haus zu bleiben. Und zwar ohne die Einrichtung auseinander zu nehmen, zu bepieseln oder vor Langeweile einzugehen. Auch in den Tagen rund um Silvester kann Stubenarrest zu ihrer Sicherheit beitragen. Schließlich entlaufen jedes Jahr rund um den Jahreswechsel zahlreiche Katzen. So muss sowohl der dazugehörige Mensch, als auch die Umgebung und das betreffende Tier auf diese Ausnahmesituationen vorbereitet sein.

Und da Vorbereitung und Gewöhnung nicht von heute auf morgen möglich sind, macht es Sinn, das jetzt schon anzugehen.

Unsicheren Tieren Rückzugsorte bieten

Unsichere Tiere brauchen mehr als alles andere sichere Rückzugsorte. Dort sollten sie sich sicher fühlen und nicht gestört werden. Das gilt das ganze Jahr über, für Silvester aber ganz besonders. Ob das ein Karton, die Transportbox, das Bett, der Kleiderschrank oder etwas ganz anderes ist, hängt von der Katze selbst und auch vom Training ab.

Hier beispielsweise steht das ganze Jahr über ein Karton: gehen meine Katzen dort hinein, bedeutet das “Bitte nicht stören“. Ich fasse nicht hinein, ändere nicht den Standort und locke niemanden heraus. Damit die Verknüpfung “Sicherheit” gewährleistet ist, gab es zu Anfang viel positive Verstärkung: Leckerchen, liebe Worte und Streicheleinheiten.

Auch, wenn meine Katzen sehr selbstbewusst sind, hat ihnen dieser Karton schon so manche unangenehme Situation abgemildert.

Das eigene Zuhause zur Wohlfühlzone machen

Nicht nur Rückzugsorte sind wichtig: die gesamte Umgebung der Katze sollte ihr Sicherheit und Wohlbefinden geben. Dann kann sie Angstsituationen möglicherweise besser meistern und sich schneller wieder beruhigen. Um das zu erreichen, müssen wir aus Katzensicht denken.

Ein wichtiger Wohlfühlfaktor für die Katze ist Geruch – genauer gesagt: gewohnter “Zuhausegeruch”. Um diesen zu stärken, markiert die Katze regelmäßig bestimmte Stellen in der Wohnung mit den Sekreten aus Wangen, Pfotenballen und anderen Körperregionen. Das können wir als Halter*innen auf zweierlei Art nutzen: Einerseits sollten wir niemals gleichzeitig alle Markierstellen gründlich wegputzen: Ruhig auch mal ein paar Stellen unberührt lassen -vor allem, weil wir als Menschen die verteilten Pheromone ohnehin nicht riechen. Besonders vor solchen Ereignissen wie Silvester ist es gut, wenn möglichst viel in den eigenen vier Wänden für die Katze gewohnt riecht.

Andererseits können wir diese Gerüche, diese Pheromone auch ganz bewusst selbst in der Wohnung verteilen. Zum Beispiel durch Pheromon-Sprays oder Verdampferstecker. Feliway Classic oder Feliway Optimum sind Beispiele für solche Pheromonstecker. Wichtig zu wissen ist, dass sie nicht sofort ihre Wirkung entfalten: ein paar Wochen Vorlaufzeit ist für das Pheromoneverteilen wichtig.


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Aber auch andere Sinne sind für die Katze wichtig: zum Beispiel das Gehör. Leise Hintergrundgeräusche können ein wenig von der Silvesterknallerei ablenken. Viele Katzen mögen klassische Musik. Vor allem aber scheint spezielle Katzenmusik sich nachweislich beruhigend auf die Katze auszuwirken.

Ob wir dabei nun auf spezielle Geräte – z. B. RelaxoPet oder iCalmCat – zurückgreifen oder allein auf Musiktracks (Beispiele auf YouTube hier, hier oder hier), hängt ganz von den Vorlieben unserer Katze ab.

Nahrungsergänzungen: Eine ruhige Grundstimmung kann Angst ein wenig kleiner machen

Auch Nahrungsergänzungen können zu ruhiger Grundstimmung und Wohlgefühl beitragen. Als Beispiele seien hier Purapep Comfort, Zylkene oder Anxitane (Deutschland) bzw. Telizen (Niederlande) genannt.

Sie bestehen aus natürlichen Zutaten, die bestimmte körperliche Prozesse bei der Katze unterstützen und positiv auf die “Wohlfühlzentren” im Gehirn wirken. Im Gegensatz zu richtigen Medikamenten ist ihre Wirkung aber nicht garantiert. Das bedeutet: selbst, wenn sie richtig angewandt und dosiert werden, müssen sie nicht jeder Katze helfen. Nebenwirkungen kann es bei ihnen allerdings in manchen Fällen natürlich dennoch geben – hier solltest du dich vor der ersten Gabe mit der Tierarztpraxis deines Vertrauens besprechen.

Wichtig ist ebenfalls, dass Nahrungsergänzungen ebenso wie Pheromone eine gewisse Vorlaufzeit benötigen: sie wirken nicht von heute auf morgen, sondern müssen erst mehrere Wochen verabreicht werden, damit sich ihre Wirkung entfalten kann.

Training kann beim Aushalten und Entspannen helfen

Diese beruhigende Musik können wir zusätzlich auch noch im Unterbewusstsein der Katze mit “Entspannung” verknüpfen. Dazu spielen wir sie über Wochen oder Monate immer dann ab, wenn die Katze ohnehin von sich aus entspannt ist: beim Dösen, Kuscheln, Gemütlich-machen. Hat die Katze die Musik mit Wohlgefühl verknüpft, können wir sie auch in stressigen Situationen als kleinen Helfer einschalten.

Das Ziel dabei ist nicht, dass die Angst völlig verschwindet, wenn wir diese Musik abspielen! Stattdessen soll der Klang unterbewusst für eine ruhigere Grundstimmung sorgen: Angstspitzen können möglicherweise abgeflacht werden, die Entspannung nach angstauslösenden Situationen schneller wieder eintreten. Das allein hilft schon vielen Katzen sehr. Wie wir unser Entspannungstraining gestaltet haben, kannst du hier nachlesen:

Runder, weißer Bluetooth-Lautsprecher mit Schriftzug "Katzen-Entspannung"

Entspannungstraining für Katzen – Warum meine Katzen jetzt regelmäßig Katzen-Musik hören

Zu den positiven Erfahrungen die wir fördern können, zählt die Entspannung. Auch, wenn sich “Entspannungstraining für Katzen” zunächst etwas merkwürdig und vielleicht auch esoterisch angehaucht anhört, folgt es ebenso lerntheoretischen Grundsätzen.

Aber auch Desensibilisierung und Gegenkonditionierung können bei Angstauslösern wie Silvesterknallerei helfen. Bei der Desensibilisierung wird die Katze sanft und kleinschrittig an den unangenehmen Reiz / die unangenehme Situation gewöhnt. Und zwar so langsam und behutsam, dass sie dabei ihre Angst verliert. Sozusagen “Sche*ß egal”-Einstellung ohne Beruhigungs- oder Betäubungsmittel. Bei der Gegenkonditionierung wird etwas Unangenehmes zu etwas Angenehmen gemacht.

Für das Silvestertraining eignen sich so zum Beispiel Audio- und Videoaufnahmen von Feuerwerk: zunächst ganz leise / dunkel, dann immer lauter / heller.

Hilfestellungen in Buch- und Videoform

Je nach Umgebung und Tier gibt es jedoch noch zahlreiche andere (zusätzliche) Lösungsmöglichkeiten. Ob Entspannungsmusik oder Nahrungsergänzung. Rund um das Thema “Silversterangst” gibt es bereits viele Inhalte von anderen Autorinnen – so möchte ich ganz bequem darauf verweisen, ohne selbst das ganze Thema abhandeln zu müssen 😉 Wer dazu Hilfestellungen sucht, kann sie beispielsweise hier finden:

Beruhigungsmittel nur, wenn gar nichts mehr geht: gut beraten und vorbereitet

Trotz aller Vorbereitungen gibt es immer noch Tiere, die in der Silvesternacht unter schlimmer Panik leiden. Herzrasen, Hecheln, panikartige Flucht sind dann die Folge. Das sollten wir nicht einfach so hinnehmen, ohne der Katze zu helfen. Schließlich kann sich diese Angst auch in den Alltag einschleichen und die Katze nachhaltig ängstlicher machen – im schlimmsten Fall entwickeln sich daraus ernstzunehmende Angststörungen.

Was also tun, um die Katze während der Ausnahmesituation “Silvester” herauszunehmen? In solch extremen Fällen helfen oft nur noch richtige Medikamente. Die Gabe dieser Medikamente muss gut vorbereitet und auf die jeweilige Katze und ihren Gesundheitszustand abgestimmt sein. Auch mögliche Nebenwirkungen müssen bedacht werden. Aus diesen Gründen sind sie verschreibungspflichtig: nur tiermedizinisches Fachpersonal darf uns dazu beraten und sie unseren Katzen verschreiben. Eine frühzeitige Vorbereitung ist also auch bei diesem Thema unerlässlich.

Beruhigen nicht Sedieren!

Bitte achte zum Wohle deiner Katze darauf, dass die Medikamente nicht sedieren ( = betäuben) und nicht muskelentspannend sind! Werden nur die Muskeln der Katze und ihre Reflexe “ausgeschaltet”, bleiben die Sinne hellwach. Die Katze kann also trotz immenser Panik nicht flüchten und sieht nach außen ruhig aus – ist aber innendrin in einem emotionalen Ausnahmezustand!

Dies gilt zum Beispiel für Medikamente mit dem Wirkstoff Acepromazin (Prequillan, Vetranquil, Calmivet etc.) zu. Untersuchungen haben ergeben, dass sie sich zum Einsatz gegen Angstzustände nicht eignen, sondern im Gegenteil die Geräuschangst vergrößern können.

Wenn du nicht weißt, wie deine Katze reagieren wird: Vorbereitung ist nie unnütz!

Falls du das erste Silvester mit deiner Katze verbringst, kannst du natürlich nicht wissen, wie sie auf die lauten Geräusche, die Lichtblitze und ungewohnten Gerüche reagiert. Auch nach einem Umzug in eine neue Wohngegend kann die Silvestererfahrung völlig von dem abweichen, was ihr bisher gewohnt seid. Es gibt viele Gründe, warum es dir nicht möglich sein kann die Reaktionen deiner Katze im Voraus einzuschätzen.

Aber im Grunde ist es auch nicht wirklich wichtig zu wissen, ob deine Katze in dieser Nacht nun sehr viel oder nur wenig Angst hat. Denn frühzeitige und katzengerechte Vorbereitung hilft in jedem Fall. Vielleicht verhindert sie nicht, dass deine Katze große Angst entwickelt – aber zumindest kann sie ihr helfen, schneller und besser damit umzugehen. Und genau das macht oft einen entscheidenden Unterschied für die Katze.

Auch bei “nur wenig Angst” “lohnt” es, sich die Mühe für Vorsichtsmaßnahmen zu machen. “Zu viel vorbereiten” schadet in keinem Fall – zu wenig hingehen schon.

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2 Kommentare

  1. Liebe Miriam,
    ein sehr wichtiges Thema, das meiner Meinung nach nicht oft genug verbreitet werden kann!

    In diesem Jahr wird es aufgrund der Bestimmungen ja (hoffentlich) zum ersten Mal etwas ruhiger und somit auch für unsere drei Rabauken etwas entspannter. In den letzten Jahren hat es ihnen an Silvester immer geholfen, etwas Musik laufen zu lassen, um runterzukommen.

    Danke für deine Sammlung an Tipps!

  2. Gerade deine Einstellung Training statt Beruhigungsmittel gefällt mir gut! Ich bin zwar wahrscheinlich etwas spät dran, aber ich werde die Gewöhnung nun auch beginnen. Für meinen Kater ist es das erste Silvester, weshalb es umso aufregender wird, wie er sich verhält. Mit deinen Tipps (super praxisnah, was mir gefällt), bekommen wir das aber bestimmt gewuppt.

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