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Aufklärung

Meine TOP 8 Mythen rund ums Katzenfutter – getreidefrei, Zucker, Fleischanteil und Co.

So viele Futtersorten wie es gibt, so viele Vorurteile kursieren dazu

So viele Futtersorten wie es gibt, so viele Vorurteile kursieren dazu

09. Juli 2021
Lesezeit ca.: 7 Min., 1 second  
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7 Kommentare

Unter Katzenhaltern kursieren viele Falschinformationen über Fertigfutter. An verschiedenen Stellen werden sie geradezu mantraartig wiederholt und leider kaum hinterfragt. Stattdessen befeuern sogar viele Tierärzte, Futterhersteller und Ernährungsberater so manchen Unsinn. Vielfach, um die eigenen Produkte und Dienstleistungen besser dastehen zu lassen. Dabei lässt sich so mancher Mythos sehr leicht entkräften. Oft ist dies aber gar nicht erwünscht, denn das gefährdet Einnahmen und erschüttert Weltbilder. Ich versuche es trotzdem wieder einmal 😉

Getreidefreies Trockenfutter ist automatisch besser für die Katze

Manchen Katzenhaltern ist der Aufdruck "getreidefrei" auf den Trockenfutter-Verpackungen sehr wichtig – in der Annahme, dieser Zusatz würde das Futter pauschal katzengerechter machen. Jedoch enthalten getreidefreie Trockenfutter zum Ausgleich statt Getreide andere pflanzliche Inhaltsstoffe wie Kartoffeln, Erbsen, Linsen oder Bohnen. Manchmal sogar in der gleichen hohen Menge.

Für die Katze macht dies aber keinen Unterschied – es sei denn, sie ist tatsächlich auf bestimmte Getreidesorten allergisch. Ein wirklicher Unterschied und Vorteil besteht nur dann, wenn der pflanzliche Anteil auch insgesamt wirklich geringer ist. Und das ist er bei getreidefreien Trockenfuttern nicht automatisch.

Katzenfutter in Lebensmittelqualität ist hochwertiger

Aufdruck "100% Lebensmittel-Qualität" auf einer Katzenfutterdose

Auch Futter mit dem Aufdruck "Lebensmittelqualität" enthält nur K3-Material, das nicht für den menschlichen Verzehr zugelassen ist

Auch die Bezeichnung "Lebensmittelqualität" oder "lebensmitteltauglich" soll dem Verbraucher suggerieren, das Futter sei höherwertiger als anderes Katzenfutter. Tatsächlich aber enthalten alle Tierfutter das Gleiche: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse der Kategorie 3. Also fleischige Inhaltsstoffe, die nicht für den menschlichen Verzehr zugelassen sind.

Zwar unterscheidet sich bei manchen Inhaltsstoffen der Nutzen für die Katze, aber katzengerechtes K3-Material ist immer noch kein Lebensmittel. Die Hersteller werben mit dieser Bezeichnung nur, weil sie nicht offiziell definiert ist: man könnte also schlicht alles so bezeichnen. Mehr dazu im Blogartikel "”Tierfutter in Lebenmittelqualität” – mehr als nur Werbeblabla?".

Futter ohne Zusatzstoffe für Nährstoffe ist gesünder

Angabe der Zusätze für Nährstoffe auf einer Dose Katzenfutter

Ein Alleinfuttermittel muss alle Bedarfe der Katze abdecken – dazu werden Nährstoffzusätze eingesetzt

So mancher Verbraucher hält es für besser, wenn sein bevorzugtes Katzenfutter wenig bis gar keine Nährstoffzusätze enthält. Allerdings muss jedes Fertigfutter zusätzliche Nährstoffe enthalten, wenn es alle Bedarfe der Katze abdecken möchte. Schließlich enthalten die eingesetzten Rohstoffe zwar durchaus eine Vielzahl an Nährstoffen, aber eben nicht automatisch alle und nicht in der benötigten Menge.

Wirbt ein Hersteller mit der Aussage, es seien keine Nährstoffzusätze zugefügt, so gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder werden "heimlich" Nährstoffzusätze verwendet, die nicht angegeben werden müssen – oder das Futter ist unausgewogen und deckt nicht den Bedarf der Katze.

Da dies von den zuständigen Behörden nur geprüft wird, wenn ein Hinweis oder eine Beschwerde eingeht, kann der Hersteller sein Futter so einstufen, wie es ihm beliebt. Denn der Leitfaden zur Kennzeichnung von Einzelfuttermitteln und Mischfuttermitteln sieht allein den Hersteller/Inverkehrbringer des Futters in der Verantwortung zur Richtigkeit der Angaben (Punkt 3.2 & Seite 13, Fußnote 28) – eine Prüfung erfolgt "nur im Einzelfall" (Punkt 3.4). Der Aufdruck "Alleinfuttermittel" ist also leider keine Garantie, dass die Katze wirklich alles erhält, was sie zum gesundbleiben benötigt.

So schreibt zum Beispiel die Fachtierärztin für Tierernährung Dr. Natalie Dillitzer in ihrem Buch "Tierärztliche Ernährungsberatung" (Elsevier GmbH Verlag):

"Sowohl bei Trockenfuttermitteln als auch bei Dosennahrung gibt es Produkte auf dem Markt, die nicht den Kriterien eines Alleinfuttermittels entsprechen (z.B. Produkte, denen keine Vitamine zugesetzt werden oder die damit werben, frei von Zusatzstoffen zu sein)."

(Zitat 2. Auflage 2012, Seite 365)

Auch die regelmäßigen Laboranalysen der Stiftung Warentest zeigen immer wieder, dass selbst Fertigfutter mit Nährstoffzusätzen teilweise sehr geringe Mengen an Nährstoffen enthalten (bspw. 2014, 2017, 2020).

Zucker im Katzenfutter ist schädlich und macht krank

Nassfutter mit beigesetztem Zucker

Dieses Futter enthält Zucker für die von vielen Verbrauchern bevorzugte braune Farbe

So mancher Katzenhalter ist fest davon überzeugt, dass Zucker im Katzenfutter schädlich sei und die Katze krank mache. Tatsächlich trifft beides nicht zu: weder Diabetes, noch Zahnerkrankungen sind die Folge. Auch wird die Katze davon nicht süchtig, dick oder verhaltensauffällig.

Zucker im Katzenfutter ist schlicht eines: unnötig für die Katze. Für viele Halter ist die damit einhergehende braune Farbe des Futters jedoch ein absoluter Kaufanreiz. Der Katze bringt das keinen Vorteil. Mehr dazu im Blogartikel "Zucker im Katzenfutter: nicht schädlich, aber unnötig".

Schweinefleisch im Katzenfutter ist nicht gut

In vielen Köpfen sind Vorurteile über Schweine fest eingebrannt. Auch ihr Fleisch bleibt von diesen negativen Glaubenssätzen nicht verschont. Da fallen dann gleich Rückschlüsse auf Schweinefleisch in Katzenfutter. Tatsächlich aber ist Schwein im Katzenfutter keine Ursache für Allergien, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen oder Krebs.

Im Gegenteil: es ist aufgrund seiner Aminosäurenzusammensetzung ein gut verdauliches Futter für die Katze und wird auch in sehr vielen Katzenfuttern eingesetzt – und zwar in fast allen Fällen ohne es auch auf der Verpackung anzugeben. Bedenken bezüglich des Aujeszky-Virus bestehen bei Fertigfutter übrigens auch nicht: das Virus stirbt beim Erhitzungsprozess des Futters.

Tierische Nebenerzeugnisse sind schlecht

Auflistung der Nebenerzeugnisse auf einer Nassfutter-Dose

Hier sind die tierischen Nebenerzeugnisse klar aufgeschlüsselt

In Katzenfutter dürfen nur tierische Nebenerzeugnisse der Kategorie 3 eingesetzt werden. Dies umfasst sowohl Haare, Wolle und Knorpel – als auch Knochen, Innereien und Blut. Letztere sind für die Katze nicht nur gut, sie bringen auch viele wichtige Nährstoffe ins Futter. Und zwar ganz ohne Zusätze. Es kommt also auf die Art der tierischen Nebenerzeugnisse an, ob sie der Katze einen Nutzen bringen oder eher weniger. Schließlich ist die Katze kein "Filetfresser", sondern verzehrt ihre gesamte Beute mit Haut und Haar.

Auch das Vorurteil, hinter dem Begriff "tierische Nebenerzeugnisse" versteckten sich so unappetitliche Dinge wie Gülle, Klärschlamm, Urin, Kot oder eingeschläferte Haustiere ist eine absurde Falschinformation. Diese Dinge sind laut Gesetzgeber in Heimtierfutter nicht zulässig. Mehr dazu im Blogartikel "”Tierfutter in Lebenmittelqualität” – mehr als nur Werbeblabla?".

Viel "frisches Fleisch" im Trockenfutter ist besser

Deklaration einer Trockenfutter-Verpackung

Die Angabe "20 % Frischgeflügel" lässt keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Fleischanteil zu – noch nicht einmal auf die genaue Fleischsorte

Die Katze ist ein strikter Fleischfresser und von Natur aus auf die Verwertung von viel Tierischem angewiesen. Also glaubt so mancher Verbraucher, der Aufdruck "frisches Fleisch" am Anfang einer Trockenfutter-Deklaration wäre wichtig. Denn dies müsse bedeuten, dass besonders viel davon enthalten sei. Schließlich ist der Anteil dessen, was am Anfang der Deklaration steht, am größten.

Doch auch hier lauert wieder ein Trugschluss: "frisches Fleisch" ist die Angabe vor Verarbeitung der Rohstoffe. Während des Trocknungsprozesses des Trockenfutters geht aber viel Gewicht verloren. Da frisches Fleisch ungefähr 50 – 75 % Feuchtigkeit enthält, fällt der Anteil an "frischem Fleisch" nach der Trocknung um etwa die Hälfte bis zwei-Drittel kleiner aus.

Infolgedessen kann der tatsächliche Fleischanteil des Trockenfutters auch schonmal deutlich kleiner ausfallen als auf den ersten Blick gedacht, denn die EG-Verordnung Nr. 767/2009 schreibt in Artikel 17 (Unterpunkt e) vor, dass Einzelfuttermittel in absteigender Reihenfolge auf Basis ihres Feuchtegehalts angegeben werden müssen – mehr Feuchtigkeitsgehalt = weiter vorn in der Deklaration. So manches derartig deklariertes Trockenfutter enthält in Wahrheit deutlich mehr Pflanzliches als Tierisches.

Manche Futter enthalten nur 4% Fleischanteil

Zusammensetzung einer Dose Nassfutter

Dieses Nassfutter – Sorte "mit Ente & Geflügel" – gibt nur die vom Gesetzgeber zwingend vorgeschriebenen Angaben preis

Der alte Klassiker: Katzenfutter mit Gruppendeklaration ist bei vielen Haltern unbeliebt. Manche davon stützen sich auf den alten Mythos des angeblich nur 4 %-igen Fleischanteils. Tatsächlich aber enthält kein Nassfutter nur 4 % Fleischanteil und die 4 % Angabe sagt rein gar nichts über die Zusammensetzung des Futters aus.

In der Regel enthalten alle Nassfutter etwa 60 – 70 % Tierisches – auch diejenigen mit 4 %-Angabe! Nur weiß der Verbraucher eben nie, was in welchen Mengen wirklich verarbeitet wurde. Das ist der echte Nachteil solcher Futter – für allergische Tiere und wissbegierige Halter. Mehr dazu im Blogartikel "Nur 4% Fleisch im Katzenfutter? Einem weit verbreiteten Missverständnis auf der Spur".


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zuletzt überarbeitet: 12.Juli. 2021
Aufrufe insgesamt: 2548

Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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7 Antworten zu “Meine TOP 8 Mythen rund ums Katzenfutter – getreidefrei, Zucker, Fleischanteil und Co.”

  1. Monika sagt:

    Hallo Miriam,
    vielen Dank für diesen tollen und informativen Beitrag.
    Ein Punkt hat mich ein wenig schockiert- Du schreibst, dass letzendlich jedes Tierfutter Fleisch aus der Kategorie 3 enthält.
    Gibt es tatsächlich keine Ausnahmen? Ich kaufe nur bestimmte Marken, die ich vorher gründlichrecherchiert habe – (z.B. Lucky Kitty, bzw. Katzenfutterkonserven vom Metzger vor Ort) – und war bisher der Meinung, das dort Fleisch verarbeitet wird, welches höherwertig ist, als Kategorie 3. Ist das ein Irrtum oder habe ich Deinen Beitrag falsch interpretiert?

    • MIRIAM sagt:

      Hallo Monika,
      das hast du ganz richtig verstanden: jedes einzelne Katzenfutter besteht aus K3-Material. Laut Gesetzgeber darf auch nichts anderes verwendet werden. Schockiert musst du deswegen aber keinesfalls sein, denn K3-Material ist nichts Schlechtes. Und es ist auch nicht zwingend minderwertig. Ich weiß, dass so einige Hersteller das suggerieren – aber das ist nicht wahr. Im Blogartikel zu der Werbeaussage der Lebensmittelqualität habe ich das Ganze ein wenig ausführlicher aufgedröselt.

  2. Steffi sagt:

    Wieder ein sehr interessanter und informativer Artikel, liebe Miriam. Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße, Steffi

  3. Anna sagt:

    Liebe Miriam, vielen Dank für diesen Beitrag. Er kommt mir genau richtig, denn ich werde ganz bald eine frischgebackene Katzenmama mit ganz wenig Erfahrung. Die widersprüchlichen Infos über Katzenfutter im Internet und von anderen Katzenbesitzern in allen möglichen Foren haben mich nur komplett verunsichert.
    Mit Deinen klar verständlichen Infos kann ich jetzt viel mehr anfangen 🤗

    • MIRIAM sagt:

      Hallo Anna,
      nicht nur als frisch gebackene Katzenmama ist man verwirrt, glaub mir. Auch viele Halter, die schon jahrzehntelang Katzen halten fallen auf Werbeaussagen und Falschinformationen rein. Die ganzen gesetzlichen Vorgaben, freiwilligen Vereinbarungen und Interpretationen von Werbesprüchen machen es uns auch nicht leicht. Manches kann man relativ einfach hinterfragen, bei manchem dauert es länger.

  4. Ursel sagt:

    Liebe Miriam,
    danke, dass du es immer wieder versuchst mit der Aufklärung! Dafür bist du ja bekannt, beliebt und berühmt!
    Was ist aber, wenn z.B. bei “Tasty Cat Ente & Kaninchen” bei der Zusammensetzung deklariert ist:
    Entenfleisch, -leber, -herz (34,5%), Kaninchenherz, -leber, -lunge, -niere (34,5%), Fleischbrühe (30%), Mineralstoffe (1%).
    Da dachte ich, dass auch tatsächlich Enten-muskel-fleisch außer den Innereien verwendet wurde, weil es an erster Stelle steht. Du schreibst aber in der Antwort an Monika, es darf lt. Gesetzgeber nichts anderes als das K3-Material verwendet werden, was kein Muskelfleisch beinhaltet. Oder habe ich da was falsch verstanden? Und was ist mit den Futtern aus reinem Hühnerfilet, die es als Ergänzungsfutter ja auch gibt.
    Hach, es ist aber auch ein elend schwieriges Thema mit dem industriellen Katzenfutter!
    Herzliche Grüße
    Ursel

    • MIRIAM sagt:

      Huhu Ursel!
      Auch Muskelfleisch gibt es als K3-Material. Das sind nicht nur tierische Nebenerzeugnisse bzw. Innereien. Die Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 zum Beispiel spricht in Artikel 3.1 (Definitionen) von “„tierische Nebenprodukte“: ganze Tierkörper oder Teile von Tieren oder Erzeugnisse tierischen Ursprungs beziehungsweise andere von Tieren gewonnene Erzeugnisse, die nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind”. Und in Artikel 10 (extra für Kategorie 3): “Schlachtkörper und Teile von geschlachteten Tieren[…]”.

      K3 Material könnte man vereinfacht übersetzen mit: Ist Fleisch und anderes Tierisches, das der Gesetzgeber nicht als Menschenessen zugelassen hat. Eine Aussage über die Qualität oder die “Fleischart” kann man damit nicht treffen. Dementsprechend ist auch Muskelfleisch und Filet, das in Heimtierfutter verarbeitet wird, K3 Material. Darum wiederhole ich ja auch immer wieder die alte Leier, dass K3-Material nix Schlechtes sein muss 😀

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