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Zucker im Katzenfutter: nicht schädlich, aber unnötig

Wie viele andere enthält dieses Futter Zucker, um Optik und Geschmack zu verbessern

Wie viele andere enthält dieses Futter Zucker, um Optik und Geschmack zu verbessern

21. Oktober 2014
Lesezeit ca.: 6 Min., 33 Sek.   • zu den Quellen springen
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19 Kommentare

Manche Hersteller verwenden Zucker, um Geschmack, Farbe und Geruch ihrer Produkte zu verbessern. Viele Katzenhalter fragen sich, ob dieser Zucker im Futter für ihre Katze schädlich ist. Hierzu kursieren – besonders im Internet – zahlreiche Bedenken und Gerüchte. Insgesamt ist zu sagen, dass Zucker im Katzenfutter die Katze nicht krank macht, für sie aber vollkommen unnötig ist.

Zucker im Katzenfutter: der Zweifachzucker Saccharose

Reden wir über Zucker im Katzenfutter, so ist Saccharose, der sogenannte Haushaltszucker gemeint. Dies ist ein Zweifachzucker, der aus je einem Molekül Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker) besteht. Damit zählt Zucker zu den einfachen Kohlehydraten. Er ist im Katalog für Einzelfuttermittel als Inhaltsstoff aufgelistet. Saccharose wird aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben gewonnen.

Funfact

Auch Laktose (Milchzucker) wie er in der Muttermilch der Kätzin enthalten ist, zählt zu den Zweifachzuckern. Dabei ist er allerdings anders aufgebaut als Saccharose, denn er besteht aus einem Molekül Schleimzucker (Galaktose) und einem Molekül Traubenzucker (Glukose). Er wird im Körper auch durch ein anderes Enzym abgebaut.

Wie wird Zucker im Körper verarbeitet?

Zweifachzucker muss im Körper erst in seine Bestandteile Glukose und Fruktose ‐ beides Einfachzucker ‐ aufgespalten werden. Sie können dann vom Körper aufgenommen und weiter verarbeitet werden. Dieser Vorgang findet im Dünndarm statt[13]. Danach gelangt die Glucose über den Darm ins Blut und versorgt vor allem Hirn, Nieren und rote Blutkörperchen mit schneller Energie[1,17]. Dagegen wird die Fructose nur langsam ins Blut aufgenommen, in der Leber weiterverarbeitet und abgebaut.

Der Einfachzucker Glucose lässt den Blutzuckerspiegel stark ansteigen, Fructose hat nur wenig Auswirkungen auf ihn. Auch beim Abbau von Aminosäuren, den kleinsten Bausteinen der Proteine, entsteht Glucose. Diesen Prozess nennt man Gluconeogenese. Er findet hauptsächlich in Niere und Leber statt.

Sehr große Mengen Zucker im Futter können bei der Katze Verdauungsprobleme verursachen: Durchfall und Bakterienüberproduktion im Dünndarm[10,13,16,18].

Die Katze braucht weder Kohlenhydrate, noch Zucker

Wie alle Kohlenhydrate können Zucker theoretisch auch der Katze als Energieträger dienen[15,16,17]. Dabei liefern Kohlehydrate dem Körper schneller Energie als beispielsweise tierisches Fett.

Da die Katze aber strikter Karnivore ist, sind Kohlenhydrate für sie gänzlich verzichtbar, sofern ihr genug Aminosäuren mit der Nahrung zugeführt werden[1,2,3,10,14,15,17]. Denn sie kann ihren Energiebedarf komplett aus tierischen Proteinen und tierischem Fett bestreiten[2,15]. So stellt die Katzenleber aus Proteinen ‐ vielmehr den darin enthaltenen Aminosäuren ‐ selbst Glucose her (Gluconeogenese). Zudem ist ihre Fähigkeit Kohlenhydrate zu verdauen stark eingeschränkt, auch wenn der Verarbeitungsprozess von Fertigfutter sie etwas verdaulicher macht[13,15,16,18].

Ist die Katze jedoch krank, trächtig oder säugt sie, können Kohlenhydrate für zusätzliche Energie sorgen.

Bräunungsreaktionen verbessern Fleischgeschmack und Farbe im Futter

Zucker wird in kleinen Mengen (unter 1%[4]) im Katzenfutter eingesetzt, um Geschmack, Geruch und Farbe zu verbessern. So dient er letztlich also auch dazu, das Auge des Menschen als Futterkäufer anzusprechen. Aber auch die Zunge der Katze hat etwas davon. Und das nicht etwa, weil sie "süß" schmecken könnte: dazu fehlen ihr die entsprechenden Geschmacksknospen[1,17].

Für diesen Zweck kann zum Beispiel Karamell eingesetzt werden. Er entsteht, wenn Zucker stark erhitzt wird. Karamell verleiht Fleisch, Gelee und Sauce eine dunklere, intensivere Farbe. Gleichzeitig wirkt er als Geschmacksverbesserer. Denn die sogenannte Maillard-Reaktion führt dazu, dass sich Farbe, Geschmack und Geruch des Futters verbessern[5]. Hierbei reagiert der Zucker unter Hitzeeinwirkung mit den Aminosäuren der Proteine. Der Zucker verändert sich dabei so, dass er "verbraucht" wird und nicht mehr vom Körper als Zucker aufgenommen wird.

Die Katze als Fleischfresser hat eine besondere Vorliebe für die Geschmacksrichtung "umami". Die Geschmacksknospen für diesen "Fleischgeschmack" sind bei ihr besonders ausgeprägt. Durch die Erhitzung von Fleisch in Zusammenhang mit Zucker, intensiviert sich dieser Geschmack. Da die Nase bei Katzen auch einen Einfluss auf den Appetit hat, kann intensivierter Geruch zu besserer Akzeptanz des Futters führen. Denn es wird vermutet, dass der Geruch eines Futters für Katzen wichtiger sein könnte als sein Geschmack[17].

Zucker verursacht keine Zahnprobleme, Übergewicht oder Diabetes bei der Katze

Zucker und Kohlenhydrate lösen keinen Diabetes mellitus bei Katzen aus[6]. Vielmehr gelten Übergewicht und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse als Hauptfaktoren[3,6,11,12,13,15,17,18,19]. Dabei ist auch Übergewicht keine zwingende Folge von Zuckeraufnahme mit der Nahrung[4]. Denn Übergewicht entsteht schlicht dann, wenn die Energieaufnahme höher ist als der Verbrauch ‐ und zwar egal, aus welchen Quellen dieser Energieüberschuss herrührt[11,12,13,15,16,17]. Allerdings sollten kohlenhydratlastige Futtermittel und jene mit Zweifachzuckern bei bereits bestehendem Diabetes vermeiden werden[11].

Karies spielt insgesamt aufgrund der speziellen Zusammensetzung des Zahnschmelzes und des Speichels kaum eine Rolle bei der Katze – ein Zusammenhang mit Zuckeraufnahme aus der Nahrung besteht nicht[2,4]. Andere Zahnerkrankungen wie Gingivitis, Parodontitis und FORL haben ebenfalls gänzlich andere Ursachen als Zucker. Zahnbelag, Zahnstein, Virenerkrankungen, Entzündungen im Maulraum und Störungen im Kalziumstoffwechsel gelten hier als mögliche Ursachen[7,11].

Zuckerzusatz macht die Katze nicht süchtig…

Eine Aufnahme von Zucker lässt das Gehirn Dopamin ausschütten[8]. Es gilt als Glücks- oder Belohnungshormon. Ein hoher und regelmäßiger Zuckerkonsum soll die Synapsen im Gehirn gar dauerhaft derart "umprogrammieren", dass es ständig nach Zucker verlangt[8]. Mahlzeiten mit viel Zucker über einen längeren Zeitraum könnten also zu suchtähnlichem Verhalten führen.

In Katzenfuttern werden jedoch nur sehr geringe Mengen Zucker (unter 1%[4]) eingesetzt (Beispiel). Diese Menge reduziert sich jeweils noch einmal durch Koch- und Bräunungsprozesse, sodass im fertigen Produkt kein oder nur minimalste Mengen Zucker übrig bleiben. Derart geringe Mengen – auch über längeren Zeitraum – lösen kein suchtähnliches Verhalten aus.

…und ist kein Lockstoff

Um die Geschmacksrichtung "süß" schmecken zu können, werden bestimmte Geschmacksknospen auf der Zunge benötigt. Bei der Katze sind diese nicht aktiv[1,17]. Dementsprechend kann Zucker selbst nicht als Lockstoff wirken, denn die Katze ist nicht in der Lage, ihn herauszuschmecken.

Wohl aber kann die mit Zucker einhergehende Geschmacks- bzw. Geruchsverbesserung des Futters dazu führen, dass zuckerhaltige Futter von vielen Katzen lieber gefressen werden. Doch nicht nur Zucker ist ein solcher Geschmacksverbesserer: auch Hefen, sowie spezielle Fett-, Protein- oder Aminosäurenzusätze werden dazu von Herstellern eingesetzt.

Dass Katzen bestimmtes Futter fressen und anderes verweigern, liegt vielmehr an ihrer Nahrungsprägung. Diese Nahrungsprägung beginnt bereits im Mutterleib und wird im Lauf der ersten Lebensjahre gefestigt[9]. Auch die sogenannte "Neophobie" – Angst vor Neuem – spielt hier mit hinein[9]. Katzen fressen also in der Regel das, was sie gewohnt sind und verweigern Neues. Um dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen sind viel Geduld und durchdachte Vorgehensweise nötig.

Damit solche Probleme erst gar nicht entstehen, ist abwechslungsreiche Fütterung ab der ersten Aufnahme fester Nahrung äußerst wichtig.

Welche zuckerhaltigen Inhaltsstoffe gibt es im Katzenfutter noch?

Katzenfutteretiketten mit Angabe von Inulin und getrockneten Rübenschnitzeln

Inulin und getrocknete Rübenschnitzel dienen als Ballaststoff und sind gleichzeitig zuckerhaltige Inhaltsstoffe

Alle Kohlenhydrate bestehen aus mehr oder weniger langen Ketten der Einfachzucker Glucose und Fruktose. Dies betrifft sowohl Ballaststoffe, Getreide als auch Bindemittel und Probiotika. Als Beispiele seien hier Inulin, Rübentrockenschnitzel, Tompinambur, Cassia Gum, Fructo-Oligosaccharide oder Mono-Oligosaccharide genannt.

Kohlenhydrate dienen dazu, dem Futter eine feste Konsistenz zu verleihen, die Darmflora zu verbessern oder den Kotabsatz zu erleichtern. Getreide und Kartoffeln werden im Katzenfutter beispielsweise als Proteinlieferant eingesetzt, sie enthalten aber auch Stärke: ein langkettiges Kohlenhydrat. Ein weiterer zuckerhaltiger Inhaltsstoff ist Zellulose. Sie wird eingesetzt, um Futter- und Kotvolumen zu erhöhen und ein schnelleres Sättigungsgefühl zu erreichen.

Viele dieser Inhaltsstoffe müssen ebenso wie Zucker erst im Darm aufgespalten werden. Da sie aber weitaus komplexer zusammensetzt sind als Zucker, dauert dieser Prozess länger. Der Blutzuckerspiegel schwankt weitaus weniger stark und schnell. Manche dieser Inhaltsstoffe werden allerdings gar nicht vom Körper verarbeitet, sondern unverändert ausgeschieden.

zuletzt überarbeitet: 18.April. 2020
Aufrufe insgesamt: 30299


Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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Quellen und weiterführende Infos
  • [1] "Magen-Darm-Erkrankungen bei Hund und Katze: fallbezogene diätetische Behandlung", Royal Canin, z. B.: " issuu.com
  • [2] "Basic small animal nutrition", Chapter 1, Hills - veterinary nutrition academy Level 1, 2011
  • [3] "Diabetes mellitus – Diätetische Unterstützung von Hunden und Katzen", Claudia Rade, kleintier konkret, S1, 2012, Enke Verlag, z. B.: www.katzendiabetes.info
  • [4] "Zucker in Katzennahrung - Ist das schädlich? " de.scribd.com
  • [5] "Maillard-Reaktion": " www.chemie.de
  • [6] "Ernährung von Katzen und Hunden mit Diabetes mellitus", Royal Canin, Mai 2012: " www.katzendiabetes.info
  • [7] "Erkrankungen der Maulhöhle der Katze", Dr. med. vet. Maja Hirsch, Idexx, z. B.: authorzilla.com
  • [8] "Macht Zucker süchtig?": " verbraucherfenster.hessen.de
  • [9] "Verhaltensbiologie der Hauskatze", Gansloßer, Filander Verlag, 2010
  • [10] "Waltham pocket book of essential nutrition for cats and dogs", Mars, 2009
  • [11] "Tierärztliche Ernährungsberatung", Dr. Nadine Dillitzer, Urban & Fischer Verlag, 2. Auflage, 2012
  • [12] "Praxishandbuch Katzenkrankheiten - symptombasierte Diagnostik und Therapie", Jacquie Rand, Urban & Fischer Verlag, 1.Auflage, 2009
  • [13] "Differentialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze", Reto Neiger, Enke Verlag , 2. Auflage, 2014
  • [14] "Klinische Diätetik für Kleintiere", Hand / Thatcher, Remillard / Roudebush, Schlütersche GmbH & Co. KG, Band 1, 4. Auflage, 2002
  • [15] "Ernährung von Hund und Katze", Case / Carey / Hirakawa, Schattauer Verlag, ,2. Auflage, 1999
  • [16] "Klinische Diätetik für Hund und Katze", Lewis / Morris / Hand, Schlütersche Verlagsanstalt, , 1990
  • [17] "The Cat Encyclopedia", Royal Canin, 2017
  • [18] "Krankheiten der Katze", Lutz / Kohn / Forterre, Enke Verlag, 5 . Auflage, 2015
  • [19] "Wie entsteht Diabetes mellitus?": " www.tfa-wissen.de

19 Antworten zu “Zucker im Katzenfutter: nicht schädlich, aber unnötig”

  1. ginivra sagt:

    Liebe Miriam,

    das sind echt immer wieder spannende Artikel hier.
    Dankeschön für diese detaillierte Auflösung der verschiedenen Zuckerdinger und das ganze Drumherum.
    Da haben wir wirklich eine Menge dazugelernt – nicht nur die Katze, sondern auch der Mensch!

    >°.°<
    prrrt.

  2. Kerstin sagt:

    Klasse Artikel!!! Danke für deine Mega-Recherche und Aufklärungsarbeit!

  3. Hallo,
    ich habe auf meiner Homepage einen Artikel der Dich womöglich auch interessieren könnte.

    Tschau
    Friedhelm

    http://fvoellmer.weebly.com/zucker-in-katzennahrung.html

    • Huhu Friedhelm!
      Danke für deinen Kommentar und die verlinkten Infos!
      Das liest sich alles recht interessant und ist eine gute Ergänzung zu den Infos hier, wenn es darüber scheinbar auch andere Aussagen gibt. Aber je mehr Infos man hat, umso besser kann man sich einen Überblick verschaffen.

      Liebe Grüße
      Miriam

  4. Frida sagt:

    Vielen vielen Dank für diesen toll recherchierten Artikel! Dadurch habe ich die chronischen Durchfallprobleme meines Katers fast gelöst. Bin grade noch am austesten, aber Jellyprodukte zu meiden, hat schon wahnsinnig viel gebracht.

    • Miriam sagt:

      Huhu Frida,
      danke für deine Rückmeldung! Es soll wohl nicht selten sein, dass diese Inhaltsstoffe Verdauungsprobleme verursachen – besonders bei sensiblen Katzen. Da ist es dann natürlich nicht so leicht, der Ursache auf die Spur zu kommen, wenn man gar nicht wirklich weiss, was so alles im Futter drin ist oder sein kann. Ich wünsche deinem Katerchen weiterhin gute Besserung und hoffe, ihr findet auch noch den letzten kleinen Schubs zur vollständigen Genesung. Manchmal sind leider so viele Faktoren ursächlich :(

      Alles Gute für euch!
      Liebe Grüße
      Miriam

  5. Frizzi sagt:

    danke für diesen ausführlichen Bericht :-)
    auch wir ahben wieder viel gelernt!
    lg Frizzi

  6. Karina Tigranjan sagt:

    Vielen Dank für deinen Bericht. Welches Trockenfutter würdest du demnach empfehlen? Hab bis jetzt immer applaws gekauft und nun festgestellt, dass es Zuckerrüben Zusatz hat. Muss mich also wieder umschauen und weiß langsam echt nicht wie ich ein gutes finden soll.

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