Faktencheck

Nur 4% Fleisch im Katzenfutter? Einem weit verbreiteten Missverständnis auf der Spur

Katzenfutterdeklaration mit 4%-Angabe

Katzenfutterdeklaration mit 4%-Angabe

22. Oktober 2013
Lesezeit ca.: 3 Min., 29 Sek.  
, ,
7 Kommentare

Immer wieder hört man die Aussage, dass bestimmte Katzenfuttersorten nur 4% Fleisch enthielten und darum nicht für die Ernährung einer Katze geeignet seien. Diese Aussage beruht jedoch auf Unwissen in Bezug auf die Vorgaben zur Katzenfutterdeklaration. Kein Futter enthält nur 4% Fleisch! Warum diese Angabe auf Futterverpackungen zu finden ist und was sie tatsächlich bedeutet, möchte ich hier einmal aufzeigen.

Gesetzgeber schreibt vor, wie Katzenfutter zu deklarieren ist

Der Gesetzgeber schreibt in seinem Leitfaden zur Kennzeichnung von Einzelfuttermitteln und Mischfuttermitteln (.pdf-Download) vor, wie Katzenfutter deklariert werden muss. Punkt 4.2.2.1 c gibt klar vor:

Wird ein Einzelfuttermittel durch Wort, Bild oder Grafik besonders hervorgehoben, ist dafür der Gewichtsprozentsatz anzugeben.

Damit verpflichtet sich der Futterhersteller, die Menge dessen, womit er wirbt, auch genau anzugeben. Wird also eine bestimmte Tier- bzw. Fleischart auf der Verpackung notiert, muss sie auch mit ihrem Prozentsatz in der Deklaration auftauchen. Alle anderen Inhaltsstoffe, die nicht extra hervorgehoben werden, müssen also auch nicht angegeben werden. So kann ein weitaus höherer Anteil an Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen enthalten sein, als die Deklaration erahnen lässt.

Labeling codes gehen ins Detail

Deutlich mehr ins Detail geht die FEDIAF, ein Verband aus europäischen Futterherstellern. In einem ihrer freiwilligen Übereinkünfte wurde festgelegt, wie Katzenfutter deklariert werden sollte: das sind die sogenannten "Labeling codes"

Ab Seite 60 dieser "Labeling Codes" kann nachgelesen werden, was es mit diesen "ominösen Prozentangaben" auf sich hat. Hier eine (verkürzte) Zusammenfassung am Beispiel von Futter mit Huhn:

  • "Mit Huhn Geschmack": muss kein Huhn enthalten, geschmacksgebender Aromastoff ist anzugeben
  • "Aromatisiert mit Huhn": zwischen 0% und 4% Huhn
  • "Mit Huhn" / "Enthält Huhn": mindestens 4% Huhn, Huhn muss in der Deklaration notiert werden
  • "Reich an Huhn" / "Mit extra Huhn": mindestens 14% Huhn
  • "Huhn": mindestens 26% Huhn
  • "Huhn pur": neben Nährstoffzusätzen, Wasser/Brühe und erlaubten Zusätzen nur Huhn

Dass auf manchen Dosen also "(u. a.) 4% Huhn" aufgedruckt ist, heisst also nicht, dass nur 4% Hühnerfleisch enthalten wären. Es bedeutet lediglich, dass der Hersteller der Regelung folgt, das Huhn in der Deklaration anzugeben, weil er damit auf der Dose werben möchte.

Wie viel und was ist nun wirklich drin?

In der Regel enthalten Nassfuttersorten etwa 60% Fleisch und Nebenerzeugnisse (Beispiel) – neben den Anteilen vom Tier, das angegeben ist, wird häufig Rind und Schwein verwendet (das übrigens in Fertigfutter auch bezüglich des Aujeszky-Virus vollkommen unbedenklich ist!).

Wichtig ist ebenfalls zu wissen, dass "Huhn" nicht auch "Hühnerfleisch" oder "Muskelfleisch vom Huhn" meint! Damit sind alle Erzeugnisse vom Huhn gemeint: Muskelfleisch, Innereien, Eintagsküken, Eierschalen, Federn, Köpfe usw.

Dabei müssen die verwendeten tierischen Nebenerzeugnisse nicht zwingend minderwertig sein. Werden sie jedoch nicht näher aufgeschlüsselt, liegt der Verdacht nahe, es könnten (geringe Mengen) weniger katzentaugliche Inhaltsstoffe enthalten sein: Speiseabfälle, Horn, Hufe etc. Ob dies tatsächlich so ist, kann letztlich nur der Hersteller beantworten. Ob er dies wahrheitsgemäß tut, steht auf einem anderen Blatt.

Warum wird eine solche intransparente Deklaration genutzt?

Hersteller müssen angeben, was sie im Futter verarbeiten. Nutzen sie eine Deklaration, bei dem sie nur einen kleinen Teil der Bestandteile klar benennen, halten sie sich für den Rest eine größere Flexibilität offen. Sie können andere Tierarten einmischen, die nicht angegeben sind. Dies macht es möglich, die Zusammensetzung an die aktuelle Marktsituation anzupassen: Preis und Verfügbarkeit bestimmen mit, was letztlich in den Dosen landet. So kann der Preis auch für den Verbraucher niedriger gehalten werden.

Jede Charge kann so eine gänzlich andere Zusammensetzung enthalten – unter dem gleichen Ettikett.

Was ist das Problem an einer solchen Deklaration?

Dem Verbraucher ist es gänzlich unbekannt, welche Rohstoffe in welchen Mengen verarbeitet werden. Ob nur hochwertige tierische Nebenerzeugnisse oder auch eher wenig katzentaugliche eingesetzt werden. Dies führt nicht nur zu (teilweise unnötigen) Spekulationen. Es führt auch dazu, dass der Verbraucher keinerlei Kontrolle darüber hat, was genau er verfüttert.

Nicht nur für unverträgliche und allergische Tiere stellt dies ein Problem dar.

zuletzt überarbeitet: 26.November. 2019
Aufrufe insgesamt: 6711


Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Ich bin 36 Jahre alt und halte seit 18 Jahren Katzen. Derzeit lebe ich mit meinen beiden Katzen Janis und Lara im schönen Ruhrpott. Meine Neugier treibt mich seit zehn Jahren dazu, mein Wissen über Katzen ständig zu erweitern. Auf diesem Blog geht es nicht nur um persönliche Erfahrungen, sondern auch um praxisnahe Tipps und die Wissensvermittlung.

Hier findest du uns auch noch: Info-SeiteFacebookYouTube

Meowsletter

Du möchtest bequem über Neuigkeiten von uns benachrichtigt werden? Dann abonniere unseren Meowsletter (Datenschutzhinweise).

7 Antworten zu “Nur 4% Fleisch im Katzenfutter? Einem weit verbreiteten Missverständnis auf der Spur”

  1. Christian Beyer sagt:

    Interessanter Artikel, muss ich schon sagen. Mein kleiner Streuner frisst eigentlich alles, doch das mit den 4% war mir neu. Das sollte ich wohl besser anpassen. Wie steht’s eigentlich mit online einkaufen? Irgendwelche Erfahrungen dazu gemacht, ob die Qualität darunter leidet? Da ich ja eh nicht prüfen kann, ob das für mich wichtige drin ist, bin ich ja völlig ungeschützt. Ich arbeite nämlich oft zu den Öffnungszeiten der Zoohandlung in meiner Nähe und komme deshalb nur schwer an gutes Futter ran ;-/
    Ich habe hier was gefunden, aber ich weiß nicht, ob ich online kaufen soll …

    • Miriam sagt:

      Hallo Christian,
      ich bestelle unser Katzenfutter fast nur online, denn in den ansässigen Fach-Tiermärkten gibt es meist ausschließlich weniger hochwertiges Futter (erst recht im Supermarkt). Wenn man wirklich gutes Futter möchte, ist man eigentlich gezwungen, online zu bestellen.

      Natürlich gibt es auch da immense Qualitätsunterschiede: schlechtes Futter gibt es auch online. Du kannst aber auch dort die Zusammensetzungen des Futters vor der Bestellung prüfen, die Deklarationen sind im überwiegenden Teil der Fälle in den Shops angegeben. Du bist also keinesfalls “ungeschützt” ;)

      Wenn du dir den Shop, den du verlinkt hast, genauer anschaust, wirst du auch sehen, dass du dort die Deklarationen zu den einzelnen Futtersorten nachlesen kannst. Der verlinkte Shop ist an sich sehr gut. An Nassfutter gibt es dort hochwertige Marken, mit denen du nicht viel falsch machen kannst.

      Ich kann dir nur empfehlen, einen Online-Kauf zu versuchen. Der verlinkte Shop ist gut und zuverlässig und hat gute Marken im Sortiment. Man bekommt es bequem geliefert und muss nicht schleppen. Dadurch, dass alle wichtigen Infos in den Artikelbeschreibungen angegeben sind, kann man sich genau das Futter aussuchen, das die gewünschte Qualität hat. Falls du weitere Fragen hast, meld dich einfach noch einmal.

      Liebe Grüße
      Miriam

      • Nicole sagt:

        Guter Artikel. Wusste ich nicht und bin auch sehr streng wenn’s darum geht. Für ab und zu kann man da jetzt vllt Mal eine Ausnahme machen aber ich denk mir wenn der Hersteller sich nur an die Mindest Deklaration hält hat wohl schon was zu verbergen sonst könnte er auch drauf schreiben was und wieviel da jetzt genau drin ist um Spekulationen vorzubeugen
        Liebe Grüße

  2. […] ließ: die Autorin behauptet, in den meisten Dosenfuttern wäre nur 4% Fleisch enthalten. Ein Irrglaube, dem sonst nur uninformierte Menschen […]

  3. […] in solch deklarierten Produkten wären nur 4% Fleisch enthalten. Ich hatte mich bereits in einem anderen Artikel dazu geäußert. Aber gerne auch noch einmal hier – denn dies war auch während des […]

  4. […] Anteil an Huhn mit der Bezeichnung "Fisch" zu betiteln – auch, wenn es von den Vorgaben für die Deklaration von Futter her gesehen durchaus in Ordnung […]

  5. […] "u.a. 4% XY" lesen. Dies bedeutet nicht, dass nur 4% Fleisch enthalten wären (siehe Artikel). Es bedeutet, dass sich die Futterhersteller hier eine gewisse Flexibilität bei der […]

Was sagst du dazu?

Bitte lies vor dem Schreiben unsere FAQ. Du kannst hier vollkommen anonym kommentieren - allein die Angabe eines Kommentartextes ist nötig. Kommentare werden vor ihrer Freischaltung durch mich geprüft. Dies kann manchmal etwas dauern. Bitte beachte die Datenschutzhinweise.