16.Dezember 2014 18:00 Uhr intern , aus unserem Alltag 16

Warum katzen-fieber.de entstand – oder: welche Fehler ich machen musste, um zu lernen

Asche einer verstorbenen Katze

Lesezeit ca.: 6 Min., 56 Sek.

Viele von euch kennen mich als neugierige, hilfsbereite Quasselstrippe oder als Klugscheißer, Besserwisser oder Oberlehrer – je nachdem, auf welchem Fuß ihr mich erwischt oder wie eure eigene Einstellung ist ;) Es ist kein Geheimnis: Ich heiße Miriam, halte drei verrückte Katzen und stehe hinter "www.katzen-fieber.de". Nur Wenige aber wissen, was hinter dieser Fassade steckt. Nur Wenige wissen, warum katzen-fieber.de entstand oder warum ich oft so nachdrücklich versuche, andere Dosis auf Fehler und Verbesserungen aufmerksam zu machen.

Die Wahrheit ist einfach: weil ich die meisten der Fehler, vor denen ich heute ausdrücklich warne, selbst einmal gemacht habe. Ich habe sie gemacht und in vielen Situationen erhebliches Lehrgeld dafür bezahlt. Wenn mans genauer nimmt, dann waren es leider sogar oft meine Katzen, die dieses Lehrgeld zahlen mussten. Darauf bin ich selbstredend alles andere als Stolz und auch heute kann ich über das, was ich in den letzten Jahren gelernt habe, oft nicht stolz sein, weil einige traurige Geschichten dahinter stecken.

Lucy aufgebahrt im Kleintierkreamtorium

meine Katze Lucy kurz vor ihrer Einäscherung

Angefangen hat Alles mit meinem 18ten Lebensjahr, meiner ersten eigenen Wohnung und meiner ersten eigenen Katze: Tiffy. Die Anschaffung war – so muss ich heute sagen – alles Andere als durchdacht: eher spontan. Dementsprechend "mau" sah es damals auch mit meinem Katzenwissen aus. Tiffy kam allein zu mir, ungeimpft und mit 10 Wochen. Nach dem obligatorischen Besuch beim Tierarzt kurz nach ihrem Einzug versicherte mir dann der Tierarzt auch sogleich, dass Einzelhaltung und Trockenfutter vollkommen oki wären und eine Kastration für weibliche Katzen absolut unnötig, ja sogar mit zu vielen Risiken verbunden wäre.

Rückblickend könnte ich mir mehr als kräftig in den Hintern treten, diesen Schmuh geglaubt zu haben. Wenn man aber kein Internet oder katzenerfahrene Menschen um sich herum hat – und selbst auch noch ein "wenig" naiv durch die Weltgeschichte läuft – glaubt man das so.

Trotzdem blieb Tiffy nicht lang allein: das Katzenfieber hatte mich damals schon voll erwischt: Lucy zog bei uns ein und die beiden Mädels verstanden sich gut – unkastriert und mit Trockenfutter gefüttert :( Lucy schleppte uns Katzenschnupfen ein und zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie viel Verantwortung ich da übernommen hatte. Ich stand zu der Verantwortung und pflegte Lucy gesund.

Lucy war eine angst-aggressive Katze und die ersten Jahre im Zusammenleben waren für mich schwierig. Ich habe erst spät wirklich realisiert, welch enormen Stress es für sie bedeutet, wenn sie vor allem Angst hatte. Bisher hatte es mir gereicht, dass sie zwar nicht für mich, aber eben für Tiffy da war – denn so war ja auch der Plan. Erst mit ungefähr Lucys fünftem Jahr habe ich bewusst daraufhin trainiert, ihr die Angst zu nehmen. Ich hatte nicht wirklich einen Plan dabei und erst Recht keine Ahnung, dass es so etwas wie Therapeuten für Tiere gibt.

Katze Lucy

Lucy in ihrer Liebslingshöhle

Interessanterweise habe ich es trotzdem geschafft, ihr im Lauf des nächsten Jahres die Angst zu nehmen. Bis Lucy im Alter von 6 Jahren starb – der Katzenschnupfen kam zurück, schlimmer als beim ersten Mal – wurde sie nicht einmal wieder krank und nur still rollig. Noch bevor Lucy ging, war mir klar, dass unsere kleine Familie noch nicht komplett war, so zog Perserkater Teddy zu uns und die Zahl "3" fühlte sich perfekt für mich an. Teddy kam vom Vermehrer, was ihm und mir letztlich zum Verhängnis wurde. Als er als erster Kater einzog, kam mir zu Ohren, dass die ausschließliche Verfütterung von Trockenfutter zu Harnsteinen führen könne, besonders bei Katern. Also bin ich auf eine gemischte Fütterung von Nass- und Trockenfutter umgestiegen.

Perserkater Teddy

Kater Teddy

Teddy starb im Alter von 3 Jahren – und für mich brach eine Welt zusammen. Auch, wenn es sich fies anhört, so hatte ich doch zu ihm eine ganz besondere Beziehung, ich habe ihn nicht mehr geliebt als Lucy oder Tiffy, sondern anders. Bei ihm war es auch das erste Mal, dass eine Krankheit (ich vermute heute, es war PKD) so plötzlich und hart zugeschlagen hatte: bei Lucy hatte ich wochenlang Zeit, sie zu pflegen und mich zu verabschieden, Teddy starb binnen 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome in der kalten Klinik.

So war ich wieder allein mit Tiffy und Lucy und spürte schnell, dass wir nicht vollständig waren. Irgendwas fehlte. Ich wollte gerne noch die passende Nummer Drei für uns. Es sollte wieder ein Perserkater sein, denn ich habe mich seit Teddys Einzug unsterblich in diese Rasse verliebt. Doch diesmal war ich vorsichtiger, ging durchdachter und informierter an die Sache heran: ich suchte mir einen seriösen Züchter und verliebte mich in meinen jetzigen Perserkater Kasimir.

Kasimir als Kitten

Kasimir als Kitten

Bei den drei Besuchen bei seiner Züchterin habe ich dann auch schnell bemerkt, warum man bei manchen Menschen von "Vermehrern" und bei anderen von "Züchtern" spricht: Kasimir hatte nicht nur einen Stammbaum, Gesundheitspapiere und Impfpass, auch seine Kinderstube, seine Eltern und seine Züchterin waren so ganz anders als ich es von Teddys Vermehrerin gewohnt war. Schon beim ersten Besuch wusste ich aus vollem Herzen "Hier bist du richtig! Das hier wird ganz anders!" und ich hätte mich am liebsten bei der Züchterin einquartiert :D

Kurz nach Kasis Einzug starb Lucy und Tiffy wurde dauerrollig. Da ich absolut keine Ahnung hatte, was das mittlerweile ununterbrochene Geschrei sollte und mittlerweile einen eigenen Internet-Anschluss hatte, landete ich irgendwann in meinem ersten Katzen-Forum. Du meine Güte… wie viele Informationen! Und so viele Fehler, die du grad machst. Ach du Schande: Dauerrolligkeit ist das und das kann so schlimm enden? In den kommenden Tagen machte ich einen Kastrationstermin für Tiffy aus. Dabei wurde dann festgestellt, dass sich ihre Gebärmutter bereits mit einer nicht unerheblichen Menge an Flüssigkeit gefüllt hatte und mit entfernt werden musste. Drei Wochen hat es gedauert, bis sich Tiffy nach der OP und der schweren Infektion wieder allein auf den Beinen halten und allein fressen konnte.

Tiffy

vor ihrer Kastration war Tiffy dürr und kantig

Ich lernte in der Zeit, wie man eine Katze zwangsfüttert, wie oft meine Katze auf die Toilette gebracht werden musste und wie man am besten Fieber misst und Tabletten gibt. Ich lernte, wie verdammt dumm ich gewesen war. Und ich lernte auch, mehr über die pelzigen Mitbewohner zu lernen, mit denen ich nun schon so lange mein Leben teilte. Das Trockenfutter wurde ganz abgeschafft, die Katzen bekamen einen vernünftigen Kratzbaum, vernünftige Toiletten, vernünftige Näpfe und auch viel mehr – und artgerechtere – Beschäftigung.

Der Gedanke, Kasi einen gleichgeschlechtlichen Kumpel ins Haus zu holen, lag da nicht mehr fern. Und so zog Muffin ein. Und so wurde unsere 4er-WG das, was sie heute ist. Ich habe im Lauf der Jahre gelernt, genauer hinzusehen, mich mehr zu informieren, Aussagen zu hinterfragen. Und auch wissenschaftliche Texte zu lesen und zu analysieren :D Ich lernte, wo ich verlässliche Informationen herbekomme und von welchen Quellen ich in Zukunft besser die Finger lassen sollte.

Muffin als Kitten

Muffin als Kitten

Ich lernte, mit Schuldgefühlen zu leben und aus Fehlern zu lernen. Ich lernte, wie wichtig es ist, offen und neugierig für Neues zu sein und immer danach zu streben, Alles besser zu machen. Ich lernte, dass es immer etwas gibt, dass man noch lernen kann.

Heute möchte ich Andere dazu bewegen, meine Fehler nicht zu machen. Nicht, weil ich mit Wissen glänzen will, sondern weil ich möchte, dass andere Katzen es von Anfang an besser haben als es meine Katzen bei mir hatten. Und ich möchte anderen Dosis ersparen, auf dem Weg zu Verbesserungen genauso viele Tränen vergießen zu müssen wie ich – vom gezahlten Geld mal ganz abgesehen… Aus diesem Grund ist katzen-fieber.de entstanden: um anderen Dosis, Leid, Tränen und falsche Entscheidungen zu ersparen.

Als Mahnmal für alle meine Fehler und meine zwei geliebten Katzen, die den Weg bis hierhin leider nicht mit mir gehen konnten.



Als Lektüre unsere Erfahrungsberichte:

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Über Miriam


Miriam ist 34 Jahre alt und lebt seit 16 Jahren mit Katzen zusammen. Vor acht Jahren begann sie, ihr Wissen über artgerechte Katzenhaltung durch die Recherche in verschiedenster Fach-Lektüre zu erweitern. Mit jeder Menge Neugier und (Galgen-)Humor teilt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen Interessierten. Nebenbei hat sie bereits ein Buch veröffentlicht, gibt Seminare zur Rohfütterung und hält Vorträge über verschiedene Aspekte der artgerechten Katzenhaltung. Himbeeren und Sushi machen ihr das Leben mit ihren drei pelzigen Sklaventreiberinnen erträglicher.

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bisher wurden 16 Kommentare zum Artikel geschrieben:

  1. Hallo Miriam,
    ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich ganz herzlich für deinen Blog zu bedanken.
    Auch wenn die Gründe für die Entstehung leider eher traurig sind, freue ich mich, dass es deine Seite gibt und der Blog so regelmäßig und ausführlich gepflegt wird.
    Man merkt, dass dir das Wohl der kleinen Fellkugeln sehr am Herzen liegt und weiß aus eigener Erfahrung, wie mühsam Aufklärungsarbeit ist.
    Vielen lieben Dank und weiter so!

    • Huhu BlackRainbow!
      Danke für deine lieben Worte. Mir lag das Wohl meiner Katzen schon immer am Herzen, nur wusste ich lange Zeit nicht, was sie brauchen, um sich wirklich wohl zu fühlen. Es ist oft hart zu lernen und sich selbst Fehler einzugestehen. Zum Glück habe ich irgendwann umgedacht und bin froh über jeden Leser, der diese Fehler gar nicht erst macht oder zumindest bereit ist, dazuzulernen. Du hast recht: Aufklärungsarbeit ist schwierig und nicht immer führt sie zum Ziel.
      Umso wichtiger, dass wir weiter machen!

      Liebe Grüße
      Miriam

  2. Liebe Miriam, deine Geschichte ist wirklich traurig, obwohl sie ja zu viel Gutem führt! Auch ich bin ja aus der Not heraus auf die Idee gekommen, mit purrmania artgerechtes Spielzeug für Katzen zu entwickeln und herzustellen, was der Markt einfach nicht hergegeben hat. Die Anschaffung einer Katze ist in den seltensten Fällen wirklich überlegt und auch ich muss sagen, dass seriöse Züchter einen wichtigen Beitrag darstellen, da sie Kitteninteressenten nicht nur manchmal ablehnen, sondern auch sehr viel Aufklärungsarbeit in Sachen Haltung und Ernährung leisten. An unseren vielen Messeständen hören wir auch immer wieder die abenteuerlichsten Geschichten und ich bin froh, hierbei regelmäßig auf Katzenfieber verweisen zu können! Danke dafür! <3 Kerstin

    • Huhu Kerstin!
      Ich danke für deinen Kommentar! Ich finde es beruhigend – und auch irgendwie erschreckend zugleich – wie viele Katzenhalter Fehler machen und nicht gänzlich informiert sind – wobei ich mich da durchaus einschließe. Ich denke, in den letzten Jahren hat sich viel getan und viele Menschen arbeiten daran, dass es immer besser wird. Das ist wirklich eine schöne Entwicklung. Auch Kasis Züchterin hat damals so einige Dinge klargemacht und mich genau unter die Lupe genommen, so sollte es auch sein.

      Liebe Grüße
      Miriam

  3. Puh, das ist eine wirklich traurige Geschichte. Doch ich denke, das wichtigste ist, dass man aus Fehlern lernt und so ehrlich zu sich selbst ist und sich die Fehler dann auch eingesteht.

    Für mich als neu-Katzenbesitzerin ist dein Blog wirklich Gold wert. Ich lese schon länger hier „still“ mit und sauge alles in mich auf :)

    Ich danke dir für die Mühe und Arbeit die Du in deine Beiträge steckst, diese sind immer informativ und ich mag deinen Schreibstil sehr gerne.

    Ich finde es toll, dass Du dein Wissen mit uns teilst. Danke dafür.

    Dir und deinen Fellnasen eine wunderschöne Weihnachtszeit.

    • Huhu Verena!
      Danke für deine lieben Worte. Es tut gut zu hören, dass Jemand etwas mit dem anfangen kann, was ich schreibe ;) Ich teile das, was ich selbst lerne gern, denn ich weiss, dass es genug andere Katzenhalter gibt, die ebenso denken und alle unterstützen sich ja auch untereinander.

      Ich wünsche dir und deinen Stubentigern auch eine schöne Weihnachtszeit!
      Liebe Grüße
      Miriam

  4. Hallo Miriam,
    hab heute deine Seite entdeckt und sehe so viele Parallelen…
    So wie du es beschreibst, ging es mir auch am ersten Tag meiner lebenslangen Abhängigkeit von meinen geliebten Pelzpopos in Katzenform!
    Ich trage auch manchmal sehr schwer, obwohl es schon Jahre her ist, an Selbstvorwürfen, dass ich so vieles hätte besser machen können für meine Lieblinge, wenn ich besser informiert gewesen wäre. Aber es versöhnt mich, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass meine Augensterne wußten und wissen, dass ich immer mein Bestes gebe, um ihnen gerecht zu werden. Ich möchte auch nicht aufhören zu lernen es vielleicht noch besser zu machen. Ich würde auch nach 25 Jahren Katzenhaltung nicht behaupten alles zu wissen – das wäre vermessen – und freue mich, dass es Gleichgesinnte gibt.
    Mach weiter so!
    Viele Grüße
    Popester

    • Huhu popester!
      Danke für deinen Kommentar! Ich glaube, dass wir alle am Anfang Fehler machen: die Einen machen vielleicht kleinere Fehler, die Anderen – inklusive mir – Größere. Die Selbstvorwürfe kenne ich leider auch und dass ich es heute (hoffentlich) besser weiss, macht es auch nicht leichter. Ich halte jetzt 13 Jahre Katzen und habe das Gefühl, ich stehe grade erst am Anfang vom Lernen und vom tieferen Einblick. Ich möchte nie aufhören zu lernen, also werdet ihr noch ne ganze Weile was von mir hören ;)

      Liebe Grüße
      Miriam

  5. Okay, das hat mir die Tränen in die Augen getrieben.
    Es gehört schon viel Mut dazu, seine Fehler zuzugeben.
    Hut ab für so viel Kraft! Ich glaube, dass sehr viele Tierschützer mit Fehlern beginnen, kein Meister ist vom Himmel gefallen.
    Diese Aussagen, die du vom Tierarzt hören musstest, kann ich vom Hörensagen bestätigen. Es kommen in unser Tierheim, in dem ich als Katzenpflegerin arbeite, so viele Leute, die diesen Unsinn ebenso wiedergeben und ganz fest daran glauben. Der Tierarzt hat ja schließlich eine Ausbildung. Da ist es schwer, einem popeligen Tierpfleger was abzukaufen :(

    Wirklich eine sehr persönchliche Geschichte von dir.
    Das soll jetzt nicht falsch klingen, aber ich denke, durch diese harten Lektionen, die deinen Tieren einige Strapazen bereitet haben, konntest du dafür umso mehr fremde Katzen von Leuten retten, die hier von dir so gut informiert wurden.
    Es ist eine harte Schule, durch die du gehen musstest, aber jetzt ist dein Wissen wirklich enorm und ich habe richtig tiefen Respekt vor dir und deiner Achtung den – meiner Meinung nach – wunderbarsten Geschöpfen, die über diesen Planeten stolzieren.

    Ich komme mir auch oft bei Vermittlungsgesprächen wie eine verrückte Katzentussi vor, weil ich eben darauf beharre, dass ein Balkon vernetzt ist oder nur hochwertiges Futter gegeben wird. Die Leute schütteln oft den Kopf und meinen, ich übertreibe. :/
    Aber ich sehe es als Bestätigung, dass ich mit meiner Einstellung nicht übertreibe oder gar allein dastehe. Auch wenn mein Wissen im Vergleich zu deinem echt noch gering ist. ;)

    Als mein Herzkater Billy vor 5 Jahren starb, brach auch für mich eine Welt zusammen. Er lag tot im Garten, ich weiß bis heute nicht, was passiert ist. Ich war so dumm und ließ ihn abends zuvor nach draußen. Ob er angefahren wurde oder ein unerkanntes Herzproblem hatte, ich habe keine Ahnung. Jedenfalls war das mein Impuls, nie wieder eine Freigängerkatze zu besitzen und einfach alles grundlegend zu verändern. Da unser großer Garten zu schade wäre, um die Katzen nicht ins Freie zu lassen, haben wir kurzerhand ein 2000 m² Gehege gebaut. Es hat mich viele aufreibende Stunden gekostet, das alles katzensicher zu machen, aber jetzt kommt keiner raus und keiner rein! Ich wünschte auch, ich hätte Billy damals über Nacht eingesperrt. Ich wünschte, er wäre noch bei mir und ich hätte diesen dummen Fehler nicht gemacht. Aber ich sehe es so: Vielleicht wären mehr meiner Katzen gestorben, wäre mir meine Herzkatze mit seinen gerade mal 3 Jahren nicht entrissen worden.

    Villeicht sind es diese tiefgehenden Schockmomente, die einem die Augen öffnen müssen.
    Du hast jedenfalls deine „Fehler“ (du hast ja im guten Glauben gehandelt und nichts absichtlich falsch gemacht) meiner Meinung nach schon tausendfach wieder behoben!

    Übrigens habe ich erfolgreich schon ein paar neue Katzeneltern auf deine Seite hinweisen können. Das kleine Kätzchen Anna und ihr großer Katerfreund müssen jetzt kein Whiskas-TroFu mehr essen! :)
    Und der dicke Timmy kriegt auch kein Katzen-Fast-Food mehr. Frauchen war geschockt und hat mich im Tierheim angerufen, dass es krank ist, was alles in Billigfutter verarbeitet wird!

    Ganz liebe Grüße
    Kathrin

    • Huhu Kathrin!
      Danke für deinen ausführlichen Kommentar! Es tut gut, wenn man verstanden wird und sieht, dass man mit den Fehlern und Zweifeln nicht allein da steht! Ich bin ehrlich gesagt gern "Katzentussi", aber ich kann verstehen, auf welche Weise du das meinst. Es ist frustrierend, wenn man auf gutgemeinte und fundierte Ratschläge merkwürdige Blicke oder ignorantes Gequassel als "Antwort" erhält. Als Tierpfleger sowas mitzubekommen ist aber glaub ich noch ein Stückchen härter als es für mich ist, schließlich willst du deine liebgewonnenen Schützlinge in ein gutes Zuhause vermitteln. Ich kann mir vorstellen, dass du oft Bauchweh wegen manchen Interessenten hast.

      Ich denke, für den Tod von Billy kannst du nichts, auch, wenn du das rein rational sicher selbst weisst. Woher hättest du denn wissen sollen, dass gerade in dieser Nacht etwas passiert? Du bist kein Hellseher! Aber: Ja, ich weiss: der Kopf weiss das, aber das Herz denkt da anders :( Es ist unglaublich schwer, sowas zu verkraften. Die Idee mit dem eingezäunten Garten finde ich ehrlich gesagt grandios. Auf deine Katzen kann man neidisch sein ;)

      Neue Leser sind mir immer herzlich willkommen: davon lebt die Seite und der Blog und ich hab unter Umständen jemand Neues, mit dem ich mich austauschen kann ;)
      Liebe Grüße
      Miriam

  6. Liebe Miriam,

    Ich hab auch so einen Fehler auf dem Gewissen: Wir haben unseren kleinen Findelkater Tom von der Katzenhilfe geholt und nicht gewusst, dass man in dem jungen Alter wohl noch gegen den FIP-Erreger hätte impfen können (und leider hatten wir auch niemand, der es uns gesagt hat). 5 Monate später ist er genau daran gestorben.

    Ansonsten hab ich den anderen Kommentaren gar nicht mehr viel hinzu zu fügen, außer nochmal „Danke“ für die Offenheit zu sagen! Nur wenn wir unsere Fehler teilen, können andere daraus lernen – und damit ist allen geholfen, egal ob Mensch oder Fellchen ;)

    Ganz liebe Grüße,
    Friederike

    • Huhu Frederike!
      Um dir ein wenig deine Zweifel zu nehmen: die Impfung gegen FIP ist sehr umstritten und die meiste Leute, die sich damit auskennen, raten davon ab, weil die Wirksamkeit einfach nicht gesichert ist. Zudem kann man selbst unter Laborbedingungen eine Ansteckung mit dem Corona-Virus nicht verhindern, die Mutation des Corona-Virus – die ja letztlich zu FIP führt – kann man leider auch nicht beeinflussen. Das ist alles natürlich kein Trost, ich will damit nur sagen: du hast NICHTS falsch gemacht!

      Ich danke euch für eure lieben Worte!
      Liebe Grüße
      Miriam

  7. Liebe Miriam,
    vielen Dank für diese Seite! Sie ist so informativ und hat mir bei vielen Fragen geholfen. Letztes Jahr haben mein Mann und ich entschieden, dass wir uns eine Katze anschaffen wollten. Die Katze meiner Freundin war trächtig, sie selber wollte zwei behalten und ich habe gesagt, dass ich eine nehmen würde, wenn es drei Kitten werden. Es wurden genau drei Kitten geboren und allen (für mich neuen) Erkenntnissen zum Trotz, dass man vor allem Kitten NIEMALS zum Leben als Einzelkatze verdonnern darf, wollten wir Simba als einzelne Wohnungskatze halten. (Immerhin hatten meine Eltern auch immer Katzenkinder zu Einzelkatzen gemacht, aber vor 20 Jahren war man vielleicht noch der Meinung, dass Katzen Einzelgänger sind.) Der kleine Simba zog ein und brachte VIEEEEL Energie mit. Nach 5 Tagen beschlossen wir zusammen mit meiner Freundin, dass Simba zu ihr zurück kommt und mit seinem Bruder bei ihr lebt (zum Glück Tür an Tür mit mir) und die Schwester kommt zurück zu ihrer Mama. Jetzt war ich wieder Katzenlos, für meinen Simba aber die beste Entscheidung! Nach einem halben Jahr war ich immernoch endlos traurig, dass wir keine Katze mehr haben und so habe ich meinen Mann dazu überredet einer älteren Katze aus dem Tierheim ein Zuhause zu geben. Leider ist mein Mann immernoch nur für eine Einzelkatze gewesen und so haben wir gezielt nach einer Katze gesucht, die sich nicht mehr mit Artgenossen versteht. Eine Freundin hat mich auf eine Internetseite aufmerksam gemacht, die rumänische Katzen vermittelt. Dort wurden wir fündig. Eine ältere Katzendame von 8 Jahren namens Regina wartete auf ein zuhause als Einzelkatze, weil sie sich auf ihrer Pflegestelle zwischen den anderen Katzen total unwohl fühlte und sich nur verkrochen hat. Regina heißt jetzt Lilly, ist seit 2 Monaten bei uns und blüht hier total auf. Sie tobt, schläft und kuschelt was das Zeug hält, und das seit dem ersten Tag bei uns (trotz des langen Transports von Rumänien nach Deutschland)! Mein Mann und ich arbeiten beide Teilzeit und so ist die kleine Maus auch nicht ganz so oft alleine. Aberdurch deine Seite habe ich echt so viel nützliches über die Haltung, Ernährung, etc. gelernt! Vielen Dank dafür, dass ich jetzt weiß wie ich meine Einzelprinzessin artgerecht (so weit es als Einzelkatze artgerecht sein kann) verwöhnen kann!
    Weiter so!!! So einige Katzenhalter können hier noch einiges dazu lernen!
    Liebe Grüße
    Nina

  8. Hallo Miriam,
    vielen Dank für „Katzen-fieber“!!! Was hab ich alles schon lernen können auf dieser Seite. Ich habe drei langhaarige Katzen, eine davon hatte Giardien, ist behandelt, auch schon negativ getestet. Aber immer wieder bekommt sie Durchfall. Sie soll kein Zucker und kein Getreide fressen. Dank Deiner bestimmt mühevollen Recherchen (wie schreibt man das?) weiß ich jetzt, wie man Futterzusammensetzungen deuten kann. Auch habe ich bisher immer auf Trockenfutter gesetzt und nur wenig Nassfutter gegeben, das werde ich jetzt andersherum machen. Keiner erklärt so genau und verständlich wie Du. Deine Seite ist Gold wert, ich werde sie weiterempfehlen. Mach weiter so, die Katzen dieser Welt und ihre Halter danken es Dir.
    Liebe Grüße aus Bayern von Petra.

  9. Hallöchen nochmal Liebe Miriam,

    nun bin ich schon seit Tagen mit Deinem Blog zu Gange und entdecke immer wieder tolle Artikel!

    Vielen Dank für diese absolut ehrlichen Geschichte! Viele Kommentare konnte ich entdecken, die ja bereits aussagen, dass dieser Artikel Balsam für die Katzenhalter-Seele ist, da wir wohl alle am Anfang unsere Fehler gemacht haben…

    Eigentlich suche ich gerade nach einer Lösung für eine bestimmte Situation aber so kam ich eben genau zu diesem Artikel.
    Wenn ich schon Deinen Blog aufsauge, gehört selbstverstädlich auch Dein Anfang und die Beweggründe dazu!

    Also wie gesagt: Beide Daumen und alle 8 Pfoten, die es bei uns gibt – hoch!!!
    Alle Achtung vor Deiner Ehrlichkeit!
    Ich denke, dass Du schon sehr vielen Dosis mit Deiner großartigen Seite geholfen hast!

    Danke für die vielen, wirklich toll recherchierten Artikel und Informationen!

    Liebe Grüsse aus dem „Pott“ von Herr Rossi, Mana und Kathi ;-)

    • Huhu Kathi!
      Danke für deine lieben Worte. Ehrlichkeit ist und war mir immer wichtig im Umgang mit anderen Menschen – da ist es nur konsequent, wenn ich es auch mit meinen Lesern bin. Dieser Artikel sagt ja nicht nur aus, dass Keiner unfehlbar ist, sondern auch, dass man immer weiter an sich arbeiten, sich immer weiter hinterfragen sollte. Ich denke, das tut uns allen gut.

Schreib mir, was du darüber denkst







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