Veröffentlicht: 02.November 2014 um 16:00 Uhr - vor über 2 Jahren aktualisiert

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Wie machst du das? – Erziehung bei Katzen

Tiffy zeigt Zunge

Die Erziehung von Katzen ist ein kontroverses und komplexes Thema. Manche Katzenhalter setzen auf Druck, Gewalt und negative Signale, manche Katzenhalter arbeiten mit positiver Verstärkung und wieder Andere sind einfach nur überfordert und lassen ihren Katzen – so verzweifelt wie sie sind – alles durchgehen. Meiner Meinung nach darf es keine Gewalt in der Erziehung geben, ebenso wenig eine vollkommene Narrenfreiheit. Welche Lösungen ich für Alltagsprobleme gefunden habe und warum meine Katzen so sind, wie sie sind, möchte ich heute erklären.

Gleich vorweg: hier gibt es wenige Regeln, so gut wie keine Verbote und es klappt trotzdem hervorragend. Einige wenige wichtige Dinge müssen aber meiner Meinung nach durch die Katzen erlernt werden – allein schon, um sie vor möglichen Gefahren zu schützen. Abgesehen davon bin ich recht gelassen und lasse auch mal "Fünfe grade sein" – was nicht bedeutet, dass hier alles drunter und drüber geht. Im Gegenteil: viel fordernde Beschäftigung, sättigendes Futter, viel Zuneigung und artgerechte Wohnungseinrichtung helfen mir, damit gravierende Probleme gar nicht erst entstehen und "wegerzogen" werden müssen. Das ist für beide Seiten angenehmer als die Katze einzuschränken, zu maßregeln und sich als Dosi ständig zu ärgern.

Ich selbst würde sagen, dass ich meine Katzen nicht erziehe, sondern eher leite, hin zu Situationen und Verhaltensweisen, die erwünscht sind oder geduldet werden. Die unerwünschten Verhaltensweisen werden abtrainiert oder zumindest so "unaufregend" gemacht, dass es sich für die Katze nicht mehr lohnt, sie zu zeigen.

artgerechte Haltung ist die halbe Erziehung

Immer wieder lese ich, dass Dosis sich über "Fehlverhalten" ihrer Katze ärgern. Nach mehrmaligen Nachfragen kommt dann heraus, dass etwas in der Haltung optimiert werden muss und es oft kein Wunder ist, dass sich die Katze bei derartiger Haltung "daneben" benimmt. Dann denke ich oft "Gott sei dank sind meine Drei nicht so!" – aber eigentlich müsste es heißen "Mir sei Dank, dass meine Katzen nicht so sind!", denn viele "Probleme" treten bei einer Haltung, die dem Katzenwesen entspricht gar nicht erst auf. Was nicht heißen soll, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte oder keine Fehler mache!

Nein! Ich gehe allerdings anders mit Fehlern um und suche sie vor allem erst einmal bei mir selbst. Denn ein "Fehlverhalten" der Katze lässt sich im Großteil der Fälle auf schlechte Haltung, zu wenig Beschäftigung, unsägliche Erziehungsmethoden, Hunger oder körperliche Erkrankungen zurückführen. So darf man sich nicht wundern, wenn die Katze bettelt und Essen vom Tisch klaut, weil sie zu wenig zu fressen bekommt. Oder wenn sie die Tapeten von den Wänden schält, weil man ihr einen "Kitten-Plüsch-Spielbaum" als einzige Kratzmöglichkeit hinstellt.

Meine Katzen sind ganz sicher nicht besonders brav, streng erzogen oder faul – sie stellen einfach nur deshalb wenig Blödsinn an, weil sie kaum eingeschränkt, dafür aber so gut wie möglich gehalten werden. Da kommt wenig Frust auf, wenig Aggression, wenig Unterforderung – was auch dazu führt, dass sie kein "Fehlverhalten" zeigen müssen. So "einfach" und doch so "kompliziert" ist es bei uns. Ich muss mir kaum Gedanken über Erziehung machen. Und tue alles dafür, dass es auch so bleibt.

Wie ich Problemen vorbeuge

Mehrkatzenhaltung

Kasimir und Muffin liegen zusammen auf dem Sofa

Manchmal braucht man den Kumpel auch einfach nur zum Kuscheln

Damit Niemand aus Frust vor Einsamkeit, Unterforderung und fehlenden sozialen Kontakten zu Artgenossen "unleidig" und verhaltensauffällig wird, halte ich drei Katzen. Besonders die beiden Kater könnten nicht ohne einander leben. So oft wie es – meist spielerische – Kloppe gibt, so oft hocken die Beiden aufeinander und genießen die Nähe des jeweils Anderen. Es wird gezickt, geschubst, gezwickt und geärgert – das könnte ich als Mensch niemals ersetzen. Tiffy hält sich meist vornehm zurück und wünscht sich wohl so manches Mal, dass die Kater etwas weniger wild spielen würden. Aber trotz der Tatsache, dass sie als Kitten das erste halbe Jahr in Einzelhaltung bei mir leben musste (ich sage ja: die Weisheit hab ich nicht mit Löffeln gefressen ;) ) und extrem auf mich fixiert ist, kann ich an ihrem Verhalten erkennen, dass sie ohne die beiden Herren unglaublich unglücklich wäre.

Sie putzt die Kerle kaum, lässt sich erst recht nicht putzen und findet spielen auch nur ab und an mit Kasi toll – aber wehe: wenn einer der Herren zum Tierarztbesuch außer Haus ist! Die Dame würde es nie zugeben, aber da ist ein wenig mehr als Freundschaft ;) Und genau die bereichert das Leben aller Drei, auch, wenns manchmal Knies gibt. Sozial ausgelastete Katzen sind zufriedene Katzen, sind "brave" Katzen.

Futter

Kasi und Muffin fressen Barf

Kasi und Muffin fressen immer zusammen

Bei uns gab es seit Jahren nur mittelklassiges bis hochwertiges Nassfutter und zwar so viel, wie meine Katzen möchten. Da alle Drei von klein auf gewohnt sind, dass sie nicht hungern müssen und vor allem am eigenen Leib erfahren durften, was "satt" ist, überfrisst sich hier Keiner. Ich muss nicht rationieren und keiner ist dick. Keiner klaut Essen vom Tisch, ist frustriert oder führt Affentänzchen oder Schrei-Orgien auf, weil der Magen schon wieder in den Knien hängt. Meine Katzen wissen selbst gut und dürfen selbst entscheiden, wann sie genug haben. Darauf kann ich mich verlassen, weil niemand durch rationiertes oder minderwertiges Futter "lernen" musste, alles Essbare in sich reinzuschaufeln.

Mittlerweile sind wir komplett auf Rohfütterung umgestiegen: das sättigt noch mehr und länger und die Katzen haben durch das Kauen der großen Fleischstücke noch ein wenig zusätzliche Beschäftigung – ganz zu schweigen von gesundheitlichen Aspekten. Satte Katzen sind zufriedene Katzen, sind "brave" Katzen.

Kratzbaum

Kratzbaum

Unser Kratzbaum

Unser Kratzbaum ist etwa 2m hoch und hat nur wenig "Klimbim": eine lange Säule zum Ausstrecken und dran-hochrennen, auf der anderen Seite zwei Absteigshilfen und oben eine breite, gepolsterte Aussichtsplattform. Da das ein "richtiger" Kratzbaum und kein "Spielbaum" mit unzähligen Höhlen, kurzen Stämmen und Rollen – wie die meisten käuflichen Exemplare – ist, hab ich auch keine Probleme mit Tapeten- oder Möbelkratzen. Der Baum steht direkt auf dem Weg zwischen Schlaf- und Fressplätzen bzw. den Katzenklos.

Als Standort ist das ideal, da Keiner Umwege laufen muss, um daran zu kratzen. Man darf nicht vergessen, dass das Kratzen nicht nur dem Krallenschärfen, sondern auch dem Markieren und "Abreagieren" dient – alles vollkommen normale Verhaltensweisen für Katzen. Man muss ihnen eben "nur" die passende Möglichkeit dazu geben. Katzen, die ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben dürfen sind zufriedene Katzen, sind "brave" Katzen.

Beschäftigung

Muffin spielt am Fummelbrett

Muffin beschäftigt sich gern mit dem Fummelbrett

Alle drei Katze haben unterschiedliche Bedürfnisse im Spiel: Muffin würde sich am liebsten den ganzen Tag kloppen und Intelligenzspielzeuge leeren oder clickern, Tiffy lieber Spielangeln und Bällchen jagen und Kasimir mag Jagdspiele, Intelligenzspiele und das Clickern gleichermaßen – ist allerdings etwas langsam und gemütlich ;) Damit keiner zu kurz kommt, Frust schieben muss oder unterfordert ist, ist hier eigentlich täglich wechselndes Entertainment-Programm. Geclickert wird zeitweise zweimal am Tag, teilweise auch ein paar Wochen gar nicht.

Es werden Leckerchen geworfen, mit der Spielangel gewirbelt, die Intelligenzspielzeuge abwechselnd ausgepackt und manchmal gönnen wir uns auch einen ganz faulen Tag. Je nachdem, was mir meine Katzen signalisieren und was sie brauchen, gehe ich entsprechend darauf ein. Ausgelastete Katzen sind glückliche Katzen, sind "brave" Katzen.

Zuwendung, Vertrauen und Respekt

Doch nicht nur die materiellen, sondern auch die emotionalen Vorraussetzungen für die Katzenhaltung finde ich äußerst wichtig. Hier weiss jede Katze, dass sie das bekommt, was sie braucht. Dass sie sich jederzeit ankuscheln kann, sich bei mir "ausheulen" kann, wenn sie einen schlechten Tag hat und dass ich respektiere, wenn sie einen anderen Willen als ich hat. Wer nicht spielen will, nicht gestreichelt werden will, nicht auf dem Arm genommen werden will, der muss das nicht über sich ergehen lassen: keiner wird hier zu irgendwas gezwungen, was er nicht möchte – wenn man von notwendigen, medizinischen Behandlungen absieht. Die mag keine Katze gern, trotzdem müssen sie sein. Das wird wiederrum auch von den Katzen respektiert. Sie wissen, dass es Momente gibt, in denen Widerstand zwecklos ist und ich niemandem wehtue oder ihn ohne Grund zu etwas zwinge.

Jeder der Drei kann hier jederzeit ankommen und wird seinen Bedürfnissen entsprechend behandelt. Ob das nun das dringende Öhrchen-kraulen, eine Spielzeit oder einfach nur das Liegen auf "Mamas" Schoß ist. Natürlich gibt es Momente, in denen es so gar nicht passt: wenn beispielsweise die wichtigen Papiere durcheinander geworfen oder wichtige Telefonate durch "Aufmerksamkeits-Maunzen" torpediert werden sollen. Aber alle Drei wissen, dass es danach wieder Zeit für sie gibt. Das bringt Vertrauen, eine starke Bindung und Selbstsicherheit.

Seelisch gesunde Katzen sind zufriedene Katzen, sind "brave" Katzen.

wenig Einschränkungen und Verbote

Meine Katzen dürfen (fast) Alles. Was nicht bedeutet, dass sie das auch tun oder sie viel Blödsinn machen. Sie kommen oft gar nicht erst auf dumme Gedanken. Sie dürfen in alle Zimmer – auch ins Bett und die Küche – dürfen auf den Tisch – wir haben Lappen und Reinigungsmittel – dürfen jagen, toben, manchmal laut sein und auch ihre "doofen fünf Minuten" haben. Sie dürfen ihren eigenen Willen haben und mich auch mal kacke finden – nach Tierarztbesuchen zum Beispiel ;) Ich möchte nicht sagen, dass ich "bei meinen Katzen" wohne, aber ich lebe "mit ihnen zusammen". Sie kennen nur die reine Wohnungshaltung, da fände ich es nicht sonderlich angemessen, ihnen auch noch den Zugang zu einzelnen Zimmern zu verwehren. Sie dürfen auf die Schränke, auf Stühle, das Sofa und ab und zu mal in den tollen höhlenartigen Kleiderschrank – ich habe eine zuverlässige Fusselbürste.

Sie dürfen nicht: Essen klauen, auf die heiße Herdplatte laufen, giftige/unverträgliche Substanzen zu sich nehmen (Spülwasser, Duschgel oder Ähnliches) oder Tapeten und Möbel zerkratzen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, tun sie das sowieso von sich aus schon gar nicht. Irgendwie zählt das also nicht zu den Verboten, oder? Ich kann ihnen sogar so weit vertrauen, dass sie während des Frühstücks am Ende des Tisches sitzen und eben nicht versuchen, Essen zu klauen oder anzusabbern. Trotzdem würde ich natürlich nicht so weit gehen, das Essen auf dem Tisch zu lassen und erst einmal eine Runde spazieren zu gehen – es sind und bleiben eben Katzen ;)

Manch einem mag das für seinen eigenen Katzenhaushalt zu weit gehen – viele Dosis dulden beispielsweise keine Katze auf dem Tisch – für uns klappt das prima. Und zwar ohne, dass ich oder die Katzen sich einschränken müssten. Ich lasse sicher nicht alles durchgehen und achte auf gewisse Grundregeln, aber da meine Katzen sowieso die "schlimmsten" Verhaltensweisen nicht an den Tag legen, kann ich entspannt sein und auch mal etwas mehr zulassen.

"Fünfe grade sein lassen"

Muffin zeigt seine Zähne

Auch „Widerworte“ gibts hier mal.

Es gibt durchaus Zeiten, da wird alles angepfötelt, Kulis, Stifte und Papier vom Tisch geschmissen. Tage, in denen einer der Drei (oder gar alle Drei) den Schalk im Nacken haben und bewusst etwas "über sie Stränge schlagen", in denen viel gerannt und nur wenig Rücksicht auf meine Nerven genommen wird. Aber das sind vereinzelte Tage – Tage an denen ich mich freue, dass sie anscheinend so viel Übermut im pelzigen Hintern und so viel Vertrauen in mich haben, um sich so gehen zu lassen. Diese Tage gehen vorbei. Dann hebe ich eben den Kuli auch zum fünfzehnten Mal zum Boden auf und schaue, wie Kasi sich sichtlich freut, mich mal so "veräppeln" zu können: ich gönne ihnen den Spaß. Ich würde ja auch nicht wollen, dass man mir bei extrem guter Laune den Tag durch Verbote oder Nörgeln verdirbt.

Ich bin der Meinung, meine Drei haben auch mal das Recht dazu, komplett abzudrehen – solange dabei nichts zu Bruch geht und sich keiner verletzt: "Go for it!" ;)

kätzische Eigenheiten berücksichtigen und vorausschauend handeln

Katzen haben gewisse Eigenheiten – wie zum Beispiel die sprichwörtliche Neugier, Eigensinnigkeit und Unabhängigkeit – die man im Zusammenleben einfach respektieren muss. Auch, wenn meine Katzen eigentlich nicht zum Klauen neigen, würde ich (wie bereits erwähnt) sie niemals lange unbeaufsichtigt mit meinem Essen allein lassen. Katzen können noch so gut erzogen sein: wenn etwas sehr verlockend ist, dann kann katz der Versuchung oft einfach nicht widerstehen. So versuche ich von vornherein die Versuchung so klein wie möglich zu halten: kein Essen rumstehen lassen, benutztes Geschirr zeitnah wegräumen, keine spitzen oder scharfen Gegenstände herumliegen lassen, Kleinteile mit denen sie nicht spielen sollen ebenfalls direkt wegräumen. Katzen erziehen zur Ordnung ;) Wer diese Ordnung nicht einhalten kann oder möchte, ist selbst Schuld, wenn etwas Unerlaubtes gemacht wird. Man kann Katzen eben nur bedingt erziehen und die wohlerzogenste Katze wird die Regeln übertreten, wenn sie sich unbeobachtet fühlt.

Es liegt also an mir als Dosi solche Dinge zu vermeiden, indem ich die Katze von Dingen fernhalte, die sie "nichts angehen". Wenn ich doch einmal Essen habe stehen lassen und die Wurst fehlt, muss ich mir selbst an die Nase fassen. Wegräumen oder über sich selbst ärgern, nicht über die Katze ;)

wie Erziehung bei uns abläuft

Um da hin zu kommen, wo wir jetzt sind, war natürlich auch Erziehungsarbeit nötig – besonders im Kittenalter, aber auch nicht selten heute noch. Da ich kein Freund von Anbrüllen, Schlagen, Angst-machen oder Unterdrücken bin, musste ich eine andere Lösung finden, meinen Katzen unerwünschtes Verhalten abzutrainieren. Auch ohne das Prinzip des Clickerns zu kennen, war mir vor 13 Jahren – als Tiffy bei mir einzog – schon klar, dass es einen anderen Weg als Einschüchterung und Strafe geben muss. Ich habe letztlich für mich herausgefunden, dass eine gesunde Mischung aus Geduld, Konsequenz und vor allem Belohnung (klingt erstmal paradox, oder?) uns gut zum Ziel führt. Da ich mit der oben ausführlich geschilderten Haltungsmethode schon viele Probleme im Vorhinein umgehen konnte, war der Rest auch nicht weiter schwierig – wohl aber teilweise nervenaufreibend und langwierig.

Erziehung im Kittenalter

Kitten sind in der Regel neugieriger als erwachsene Katzen, haben mehr Energie und mehr Unsinn im Kopf. Die kleinen "Wibbelköppe" zu erziehen ist da oft scheinbar eine Si­sy­phus­ar­beit. "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" trifft hier größtenteils zu, das Erziehen erwachsener Katzen dauert meist länger und ist anstrengender, denn sie haben bereits erlernte Verhaltensmuster, die man zunächst durchbrechen muss, um sie neu zu "programmieren". Wer dem Kitten erlaubt, mit Händen und Zehen zu spielen – das ist ja so süß! – wird in einem Jahr einen ausgewachsenen 5-Kilo-Kater an den Zehen kleben haben, der tiefe Wunden reisst – das ist nicht mehr süß ;)

Also habe ich zu Beginn der Kittenzeit bereits gewisse Grundregeln eintrainiert. Und zwar durch positive Verstärkung – heute weiss ich, dass man das so nennt, früher hab ichs einfach gemacht ;) . Unerwünschtes Verhalten wurde teilweise ignoriert, teilweise ohne großes "Brimborium" unterbrochen. Kratzte "Kitten" an der Tapete, habe ich es weggesetzt und stattdessen an den Kratzbaum gebracht, habe ihm gezeigt, dass "das hier ganz toll ist" (Babysprache und ganz lieb Lob und so ;) ).

Sprang "Kitten" auf die Herdplatte habe ich es heruntergesetzt und jedes Mal gelobt, wenn es statt heraufzuspringen auf dem Boden sitzen geblieben ist. Sobald ich bemerkt habe, dass es doch springen will, habe ich die Vorbereitungen unterbrochen, entweder durch Ablenkung mit einem Spielzeug ("Och, schau mal: ganz zufällig liegt hier ein Ball!") oder durch ein Klatschen in die Hände. Auch ein bestimmend (nicht übermäßig laut!) ausgesprochenes "Nein!" wirkt Wunder: "Kitten" ist beeindruckt und abgelenkt. Manche Kitten lernen es schnell, andere brauchen länger und wiederrum andere testen gerne immer wieder ihre Grenzen. Da ist Geduld und Konsequenz erforderlich. Was einmal verboten ist, bleibt verboten – keine Gewalt und immer, immer wieder herunter setzen. Auch, wenn es gefühlte 5000 Mal sind. Irgendwann versteht es auch das hartnäckigste Kitten ;)

Diese Methode lässt sich auf so ziemlich jede Situation übertragen, die in einem normalen Katzenhaushalt auftreten: Haltungsfehler vermeiden, unerwünschtes Verhalten ignorieren oder emotionslos stoppen und bessere Alternativen anbieten.

dranbleiben: Erziehung auch im Erwachsenenalter

Auch, wenn die Katze im Kittenalter bereits alles Wichtige gelernt hat, muss doch so manches Mal "altes Wissen" wieder "aufgefrischt" werden. Auch lernt die Katze im Laufe ihres Lebens eine Vielzahl an Situationen kennen, die Leitung durch den Halter bedürfen. Wenn die Katze Vertrauen zu ihrem Halter hat und gewisse Grundregeln akzeptiert, muss das keine große Sache sein. Auch bei uns gibt es Situationen, wo ich die Katzen "umleiten" muss. Das mache ich nicht, indem ich an ihnen herumzerre, sie anbrülle oder schlage, sondern indem ich ruhig und gelassen rede.

Ich kann mich lebhaft an einen Videoanruf (Skype) einer befreundeten Katzenhalterin erinnern, während dem Tiffy sich einen Spaß draus machte, immer durchs Bild zu laufen. Ein im Plauderton ausgesprochenes "Madame, es reicht jetzt, nimm den Hintern da weg!" reichte, damit sie damit aufhört – mein Gegenüber hat sich köstlich amüsiert ;) . Im Grunde ist das größtenteils alles, was ich machen muss, damit meine Katzen unerwünschtes Verhalten nicht mehr zeigen: normales Ansprechen mit Namen reicht. In ganz schlimmen Fällen (Katze begibt sich unabsichtlich in Gefahr) reicht ein Händeklatschen oder ein "Zzzt!".

Soll das des nachts belegte Bett wieder zur Rennstrecke auserkoren werden, reicht ein "Jungs, es reicht!" – ja, es sind fast ausschließlich die Kater, die auch nachts gern mal Schabernack im Kopf haben ;) Wird es zu bunt, schicke ich sie raus aus dem Schlafzimmer – ohne aufzustehen, nur mit Worten und ohne die Tür zu schließen – sie wissen, dass es nicht erwünscht ist, nachts Theater zu machen. Manchmal müssen sie im Übermut allerdings daran erinnert werden ;) Wenn ich etwas von einer Katze möchte, spreche ich sie mit Namen an und sie weiss dann meist schon, dass das, was sie gerade macht, mir zu diesem Zeitpunkt nicht so passt ;)



Alles in Allem läuft die Erziehung hier recht entspannt ab. Das kann es eben aber auch nur, weil ich bereits im Kittenalter die wichtigsten Grundsteine zu Erziehung und Vertrauen gelegt habe und viele Probleme von Vornherein durch entsprechende Haltung vermeide.

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  1. Ich finde ja, dass Du Dich damit ganz schön weit aus dem Fenster lehnst. Vermutlich bist Du den ganzen Tag zu Hause und kannst sofort reagieren, wenn mal was passiert? Der Grossteil kann das nicht. Und auch bei artgerechter Haltung und geeignetem Kratzbaum kratzen Katzen an Tapeten, weil sie es einfach cool finden. Oder machen Pippi auf dem Sofa weil grad Streit zwischen den Katzen herrscht nach einem Tierarztbesuch. Dass Du das so abtust als wäre das alles Dein Erfolg weil Du so eine tolle Verhaltensexpertin bist, ist wie ein Schlag ins Gesicht für diejenigen die nicht mit so ‚tollen‘ Katzen gesegnet sind. Schon mal daran gedacht, dass Dein Artikel ein Argument dafür ist sich gegen eine ältere Katze aus dem tierheim zu entscheiden? Da weiss ich nicht was ich bekomme. Also nehme ich lieber eine junge, die kann ich noch erziehen. Ich finde den Artikel voll daneben.

    • Huhu Steffi!
      Danke für deinen – wenn auch etwas unpassenden – Kommentar! Es soll tatsächlich Dosis geben, die bis 21 Uhr am Abend arbeiten und sich trotzdem noch entsprechend um ihre Katzen kümmern können. Das ist keine Frage der zeitlichen Einteilung, sondern des Willens und des reingesteckten Herzbluts. Ich habe in dreizehn Jahren Katzenhaltung nicht einmal erlebt, dass meine Katzen auf das Sofa machen, weil sie sich nicht verstehen. Wenn es so weit kommt, sollte man die Haltung überdenken. Und Katzen kratzen sicher nicht an Tapeten, weil sie es „cool“ finden, da solltest du dich noch einmal gründlicher mit dem Verhalten von Katzen auseinander setzen.

      Meine Katzen sind sicher nicht besonders toll oder brav, auch sicher nicht gut erzogen, jedoch gehe ich auf jedes Tier, jede Situation und jede Verhaltensauffälligkeit individuell ein. Ich selbst habe eine alte Katze und plädiere auch für die Aufnahme gerade von alten Katzen aus dem Tierheim. Auch alte Katzen kann man erziehen und sich mit ihnen arrangieren. Man muss es nur wollen.

      Ich bin weder eine Verhaltensexpertin, noch eine überragende Dosi – mir ist nur sehr wichtig, wie meine Tiere leben. Fehler mache ich sicher auch genug, doch ich gehe auch entsprechend mit Lösungsansätzen um. Das ist definitiv mein Erfolg. Aber eben ein Erfolg, den auch jeder Andere mit ein bisschen Einfühlungsvermögen ebenfalls erreichen kann.

      Liebe Grüße
      Miriam

    • Hallo Steffi,
      das einzige, was hier unpassend ist, ist dein Kommentar.
      Katzen kratzen an Tapeten weil sie sich nicht wohlfühlen, sei es das ein Kratzbaum fehlt, sie einsam oder krank sind, das Katzenklo nicht sauber ist………. Aus dem gleichen Grund machen sie auch „Pipi auf dem Sofa“.

      Ich konnte beim Lesen des Artikels nicht feststellen , dass Miriam sich als Expertin aufspielt. Sie schreibt (kurz gesagt) über das, was sie bei ihren Katzen beobachtet hat und was ich zu 99 % bestätigen kann.

      Wenn du eine ältere Katze aus dem Tierheim nimmst, wirst du über ihre Vorlieben und Angewohnheiten normalerweise informiert und weißt, worauf du dich einlässt. Auch einer älteren Katze (aus dem Tierheim) kannst du beibringen, dass es beispielsweise nicht erwünscht ist, auf den Herd zu springen. Das habe ich übrigens nicht irgendwo gelesen, sondern entspricht meinen Erfahrungen.

      Damit meine Katzen zufrieden sind, muss ich nicht 24/7 anwesend sein, aber ich muss einige Dinge, die Miriam sehr schön unter der Überschrift: „Der Katzenkauf“ beschreibt, beachten.

      Und das:“ Immer wieder lese ich, dass Dosis sich über „Fehlverhalten“ ihrer Katze ärgern. Nach mehrmaligen Nachfragen kommt dann heraus, dass etwas in der Haltung optimiert werden muss und es oft kein Wunder ist, dass sich die Katze bei derartiger Haltung „daneben“ benimmt.“ kann ich nun 1000% bestätigen und fett unterstreichen.

      Wenn du mit „nicht so tollen Katzen gesegnet bist“, solltest du mal überdenken, ob du überhaupt als Dosi geeignet bist.

      • Da ich den Luxus habe fast immer 24 Stunden seit den Kindertagen bei unseren beiden grauen Damen zu Hause zu sein, kann ich Steffis Argument gut verstehen. Mit einem stressigen Berufsleben ist so ein individueller Umgang mit Hausgenossen sicherlich um einiges schwerer. Zumal wenn die Bezugsperson fix und alle bzw. sogar gestresst vom Job nach Hause kommt, ist die Aura wohl kaum zur sanften Erziehung geeignet.
        Ich habe das in den letzten Monaten sehr oft bei Allegra beobachtet. Sie saß sofort erwartungsvoll auf dem Bett, wenn ihr Wolfgang nachts genervt aus dem Büro kam. Doch er war oftmals so voller Anspannung, dass sie sich recht schnell und enttäuscht zurückzo Erst mitten in der Nacht oder morgens unternahm sie wieder Versuche sich ihm zu nähren – wenn er ‚runtergekommen‘ war.
        Umgang & Erziehung hängen eben auch extrem von der inneren Ruhe der Bezugsperson ab. Maus & Allegra reagieren sehr sensibel auf unsere Launen & Stimmungen. Da nützt es auch nicht viel, wenn wir uns verstellen …

        So ist auch die Stimmlage mit der wir unsere Katzen ‚totquatschen‘ von besonderer Bedeutung. Und wenn etwas mal gar nicht geht, reicht ein lautes energisches ‚Heh‘. Im schlimmsten Fall puste ich der Maus – unserer kleinen Zicke, einmal ins Gesicht und funkele sie an. Aber das war eher in ihren Sturm und Drang-Tagen häufiger mal nötig ;-)

        VG Silke

      • Huhu Silke!
        Natürlich kann es einfacher sein, wenn man oft bzw. viel zu Hause ist, aber grundlegend ist es nunmal nicht. Ich war zu Kittenzeiten meiner Drei jeweils 8-12 Stunden außer Haus und hab es trotzdem irgendwie hinbekommen. Die eigene Laune und innere Angespanntheit ist da tatsächlich das größere Übel – man kann manchmal gar nicht viel Kraft und Zeit aufbringen, wenn man von der Arbeit total kaputt ist. Ich glaube, das ist bei den Katzen aber auch Gewöhnungssache. In der wibbeligsten Phase ist Erziehung besonders wichtig und vor allem auch die Art, wie man damit umgeht. Ich denke, hier wird der Grundstein dafür gelegt, wie das spätere Zusammenleben und das „Artig-sein“ später klappt. Gut, dass diese Zeit bei uns vorbei ist :D

        Liebe Grüße
        Miriam

  2. Stimmt :-)
    Ich sage zwar immer unsere Damen wickeln uns um die Pfote. Und wir arrangieren uns mit ihnen, aber wenn ich mir den kleinen Nachbarskind ansehe und den Stress den er teilweise macht, war unsere Umgang mit den Katzenkindern wohl nicht so verkehrt. Obwohl zwischen Theorie und Praxis war das auch bei den beiden ein weites Feld …

  3. nicht Nachbarskind sondern Hund. Das blöde Korrekturprogramm ist schlecht erzogen ;-)

  4. Tolle geschrieben.
    Fast alles mache ich hier auch. Meine vier dürfen nicht allein in die Küche und ins Bad, die Zimmer sind so klein da stehen zwangsläufig Sachen draußen die für Katzis nicht geeignet sind.
    Ansonsten dürfen sie in jedes Zimmer und die Zimmer sind auch nach ihren Bedürfnissen eingerichtet.

    Lustig fand ich den Satz das Erziehung von Kitten einfacher als von älteren Katzen wäre. :)
    Ich hab vier Stück alles Nottiere. Zoey kam mit 3 und Timmy mit 5 Jahren, die brauchten kaum Erziehung. Schnitzel kam mit 1 Jahre total verstörtes Tierchen, schrie nur nachts, war auch der Abgabegrund er wurde immer weggesperrt, abends, einfach mit ins Bett geholt und fertig. Er machte auch kaum Blödsinn.
    Und nun hab ich hier Tigri kam mit 11 Monaten und macht nur Blödsinn. ;) Den juckt kein ablenken, nein sagen, selbst mal ein leichtes Kissen kann fliegen ihm doch egal. An ihm verzweifel ich ordentlich :D Wird aber sehr wahrscheinlich auch an der Streuner Vergangenheit liegen. Wobei er langsam lernt, was ich möchte wenn ich nein sage. Tigri ist nun 15 Monate alt.
    Es ist nämlich ganz wichtig das er lernt wenn ich nein sage muss er es lassen. Ich bin Pflegestelle für Hamster und wenn ich an den Gehegen bin muss er weg bleiben. Das fällt ihm sehr schwer. Aber er lernt jetzt Sitz und weiß wenn er das tut dann gibt es Leckerli und langsam klappt es. :D

    Ups was für ein langer Text. Eigentlich wollte ich nur danke für deinen tollen Artikel sagen. ;)

  5. Hätte da eine Frage zum Kratzbaum, ist der selbstgemacht? Wenn ja, wo sind die Sisalstämme her und welchen Durchmesser haben Sie. Sind die Holzplatten behandelt?

    • Huhu Silvia!
      Ja, der Kratzbaum ist – zumindest zum Teil – selbstgemacht. Die Sisalstämme sind von unserem ganz alten Plüschkratzbaum und haben einen Durchmesser von 12cm. Das geht, ich würde jedoch eher 14cm nehmen – bzw. werde, denn die Stämme müssen bald ausgetauscht werden. Wo ich die Stämme dann kaufe, da bin ich noch unschlüssig. Die Plattformen bestehen aus Birkenholz (kein Leimholz), die obere, breite hat eine Dicke von 1,2cm und die runden Plattformen sind jeweils 3cm dick.

      Behandelt sind sie mit mehreren Schichten Klarlack – so splittert nichts und die Oberflächen sind abwaschbar.

      Liebe Grüße
      Miriam

  6. Von der Bearbeitung her und dem Preis – klingt erstmal teuer, aber woanders wird´s in der Qualität noch teurer – kann ich :http://www.kingkratzbaum.de/Ersatz-Staemme.html empfehlen .

    Hab´da schonmal ´ne Kuschelmulde und einen Ersatzstamm bestellt und war sehr zufrieden.

    LG, Angi

  7. Ah´hatte vergessen du wolltest ja welche mit 14 cm oder mehr, da sind die zu empfehlen und aus Vollholz: http://shop.petfun.de/de/ergaenzungen/sisalstamm.html ist wohl mit der günstigste Anbieter für die Qualität.

  8. hi ich habe auch drei katzen die dritte ist noch sehr jung ihr muss man noch einiges beibringen lg

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