Bloglogo


5 Gründe, warum ich meinen Katzen die Krallen schneide – und: worauf du dabei achten solltest

Katzenkrallen sitzen normalerweise in einer schützenden Hauttasche - sind sie jedoch zu lang, können sie das Verletzungsrisiko für die Katze erhöhen

Katzenkrallen sitzen normalerweise in einer schützenden Hauttasche - sind sie jedoch zu lang, können sie das Verletzungsrisiko für die Katze erhöhen

08. Oktober 2021
Lesezeit ca.: 8 Min., 6 Sek.  
, ,
noch keine Kommentare

Das Thema “Krallen schneiden bei Katzen” löst kurioserweise in “sozialen” Medien öfter mal einen regelrechten Shitstorm aus. Sei es, weil manche Menschen nur schwarz/weiß-Denken können oder weil sie vollkommen falsche Vorstellungen davon haben. Zum Beispiel, dass Krallenschneiden das selbe wäre wie das verpönte Declawing. Mit diesem und weiteren Vorurteilen möchte ich heute aufräumen. Und euch erzählen, warum ich seit Jahren die Krallen meiner Katzen kürze. Auf dass die Missverständnisse und Anfeindungen deswegen vielleicht einmal weniger werden.

Meine Katzen sind furchtbar kratz- und Krallenpflege-faul

Obwohl ich großen Wert auf katzengerechte Kratzmöglichkeiten lege und meinen Katzen verschiedene Ausführungen anbiete, sind sie seit jeher ziemlich kratzfaul. Dabei liegts nicht daran, dass sie die angebotenen Optionen unangemessen finden. Sie kratzen einfach wenig, dafür markieren sie lieber mit Wangenreiben. So konnte ich in der neuen Wohnung die Kratzflächen auf drei Stämme und zwei horizontale Kratzpappen reduzieren – selbst das scheint schon zu viel 😀

Das bedeutet aber auch, dass Janis und Lara sich ihre Krallen wenig abnutzen. Da sie sie zudem auch wenig durch Beknabbern pflegen, ergeben sich so einige unangenehme Probleme.

Sie zeigen ihre Liebe mit viel Körperkontakt und Treteln – leider auch im Gesicht

Unter Anderem auch, dass meine Haut extrem leidet. Denn meine Katzen sind nicht nur kratzfaul – sie sind auch Pattexkatzen, die ihre Liebe mit übertriebener Körpernähe zelebrieren. Mehrere Stunden am Tag liegt eine von beiden auf oder neben mir, berührt mich und tretelt direkt auf meiner Haut. Beide verbringen zudem gern Zeit auf meiner Schulter, ein "Abdocken" wird teilweise mit Festkrallen quittiert. Besonders am Abend kommt dann noch ein dringendes Nähebedürfnis hinzu: vor allem Janis liegt im / am Gesicht und muss mich berühren. Dabei wird – natürlich – auch getretelt.

Alle Versuche, ihnen den Kralleneinsatz sanft abzutrainieren, sind gescheitert. Auch hier ist das Krallenkürzen also für uns alle vorteilhaft: ich habe keine Schmerzen mehr, meine Haut wird nicht massakriert und meine Katzen können weiterhin Wohlfühlen durch Treteln ausdrücken. Sie deswegen wegzusetzen oder anderweitig zu bestrafen entspricht nicht meinen Erziehungsmethoden, schließlich ist Nähe für beide ein ausgeprägtes Grundbedürfnis.

Unsere Krallenschere

Wir haben mehrere Krallenscheren ausprobiert und sind letztlich bei einer ganz Einfachen geblieben: die liegt gut in der Hand, ist leicht und einfach zu handhaben

Niemand bleibt hängen und verletzt sich, meine Bettlaken bleiben (meistens) heile

Ein anderer Punkt ist die Verletzungsgefahr. Katzen können ihre Krallen zwar in schützende Hauttaschen einziehen, aber bei manchen Katzen wird aus "lang" irgendwann einfach "zu lang". Und dann muss der Halter eben einschreiten.

Denn mit den Krallen hängenzubleiben macht nicht nur Löcher in Textilien – es kann auch dazu führen, dass sich die Katze im schlimmsten Fall nicht mehr selbstständig befreien kann. Und dann wird sie ziehen, sich winden und versuchen zu flüchten. Die Folge davon können verdrehte bis gequetschte Gliedmaßen, ausgerissene Krallen und Selbstverletzung sein. Vom Stress und Trauma bei dieser Aktion ganz zu schweigen.

Ich möchte das meinen Katzen und mir gerne ersparen. Einmal in der Woche für zwei Minuten stressfrei Krallen zu schneiden ist da in meinen Augen ein gangbarer Weg. Dass meine Bettlaken und Decken dadurch weniger Löcher haben ist nur ein netter Bonuspunkt.

Stressfrei, denn es gehört seit Jahren zu unserem medical Training

Dass es stressfrei abläuft ist vor allem Gewöhnungs- und Routinesache. Denn seit etwa sechs Jahren gehört das Krallenschneiden zu unserem Routinealltag. Angefangen hat alles mit Katze Tiffy, sie konnte sich ihre Krallen im Alter ab etwa zehn Jahren nicht mehr so gut selbst pflegen. Als sie immer öfter in Textilien festhing war klar, dass ich ihr helfen musste. So waren meine beiden jetzigen Katzen also bereits ab dem Einzug bei mir daran gewöhnt, dass da "regelmäßig was mit den Krallen passiert".

Neugierig und lernwillig wie Kitten sind, ging die Gewöhnung ans Krallenschneiden quasi wie von selbst. Schließlich waren von Tag eins an Abtasten und eine nähere körperliche Untersuchung einfach Teil der täglichen Beautyroutine. So haben wir neben Augensäubern und Bürsten das Krallenschneiden eben einfach mit ins Programm integriert. Dementsprechend bedeutet es für meine Katzen keinen Stress und ist nichts Besonderes.

Medical Training

Beim Medical Training üben wir gemeinsam mit unseren Haustieren das Aushalten von medizinisch notwendigen Handlungen. Dabei gewöhnen wir sie auf sanfte Weise an sonst eher unangenehme Handgriffe, beispielsweise das Festgehalten- oder Genau-untersucht-werden. Auch die freiwillige Einnahme von Medikamenten, das Inhalieren oder die Augentropfen-Eingabe können hierbei geübt werden.
Ziel ist es, dass die Katze im Ernstfall darauf vorbereitet ist und deutlich weniger Stress hat. Das Training dient aber auch dazu, es dem Halter und Fachpersonal deutlich einfacher zu machen.

Auch geschnittene Krallen hindern sie nicht am Klettern

Doch es geht nicht nur um die Vorteile, die wir drei Mädels durch das Krallenschneiden haben. Wichtig ist mir auch immer auf mögliche negative Punkte zu schauen: Stress entfällt aufgrund der Routine und sanften Trainingsweise bei uns. Aber viele Halter befürchten auch, dass die Katze durch die geschnittenen Krallen im Alltag eingeschränkt sein könnte. Speziell das Thema "Klettern" wird dabei immer wieder angesprochen.

Für uns konnte ich in den letzten Jahren beobachten, dass die gekürzten Krallen meine Katzen weder am Klettern, noch am Fummelbrett irgendwie beeinträchtigen. Sie flitzen die Kratzstämme hoch und runter und spießen regelmäßig Leckerchen, Fleischbrocken und Futtertiere auf. Für die Beutejagd brauchen sie sie als Wohnungskatzen ohnehin nicht und Konkurrenten müssen sie auch nicht in die Flucht schlagen. Da es keine Kämpfe zwischen ihnen gibt, bei denen sie "scharfe Waffen" zur Verteidigung haben müssten, sind scharfe Krallen bei uns insgesamt eher kein Must-Have.

Im Großen und Ganzen bleibt also zu sagen, dass wir hier vom Krallenschneiden profitieren, meine Katzen aber nicht auf natürliche Verhaltensweisen verzichten müssen oder in irgendeiner Art dadurch eingeschränkt sind.

Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen Krallenschneiden und Zehenamputation

Bitte nicht verwechseln: Beim Krallenschneiden werden nur die "Fingernägel" gekürzt, beim Declawing wird die Kralle mitsamt Zehenglied operativ entfernt

Krallen schneiden vs. Declawing = Maniküre vs. Amputation

Meiner Erfahrung nach werden Einschränkungen vor allem von Menschen befürchtet, denen der gravierende Unterschied zwischen "Declawing" und "Krallenschneiden" nicht ganz klar ist. Declawing ist vor allem in den USA ein großes Thema, denn dort ist es – teilweise noch – erlaubt und leider durchaus üblich. Hier in Deutschland ist es jedoch verboten, denn es ist ein medizinisch unnötiger Eingriff, der langanhaltendes und extremes Tierleid mit sich bringt. Schließlich wird dabei ein Zehenglied mitsamt Krallen operativ entfernt – deutlich gesagt also amputiert.

Selbst wenn das fachgerecht geschieht – was leider nicht immer der Fall ist – leidet das Tier danach oft lebenslang an Schmerzen und wiederkehrenden Infektionen. Auch die Palette an Verhaltensstörungen nach dem Eingriff ist ellenlang. Die Aufklärung über die Folgen für das Tier erfolgt nicht flächendeckend und ist insgesamt mehr als unzureichend.

All diese Folgen hat das Krallenkürzen jedoch nicht. Krallen wachsen wieder nach, es wird nur ein minimales Stück bereits totes Gewebe entfernt. Vereinfach gesagt könnte man sagen: Fingernägel schneiden (= Krallen kürzen) ist deutlich anders als Finger abschneiden (= Declawing). Dementsprechend sind auch die Folgen und Beeinträchtigungen vollkommen unterschiedlich.

Krallenschneiden ist nur in Ausnahmefällen nötig

Auch, wenn Krallenkürzen in der Regel einfach nur harmlos ist, ist es für viele Katzen schlicht unnötig. Denn tatsächlich pflegen sich die meisten Katzen ihre Werkzeuge selbst: durch Kratzen, durch Beknabbern der Krallen. In der Regel sind es nur alte, dicke, bewegungseingeschränkte oder zahnlose Katzen, denen man mit Kürzen ein wenig helfen muss. So lange die Katze nicht an Textilien hängenbleibt und es beim Laufen auf Hartböden kein "Klackergeräusch" gibt, brauchen wir Halter in der Regel nicht einzugreifen.

Ich persönlich bin gegen das Krallenkürzen, wenn es nur darum geht, Tapeten oder Textilien zu schützen. Schließlich ist dieses Verhalten meist nur ein Zeichen davon, dass die Katze unzufrieden ist mit ihren angebotenen Kratzmöglichkeiten. Hier gibt es deutlich katzengerechtere Lösungen als das Krallenkürzen.

Krallenschneiden ist nur in Ausnahmefällen nötig

Nur dann, wenn die Katze die Krallenpflege selbst nicht mehr schafft und / oder in Textilien hängebleibt ist das Krallenschneiden wirklich nötig

Stress und Verletzungen beim Krallen schneiden vermeiden

Egal, warum wir unserer Katze die Krallen kürzen möchten, es gibt drei grundlegende Punkte, die absolut immer eingehalten werden müssen:

  • Gewalt und Zwang sind tabu
  • Nur die Krallenspitzen schneiden
  • Was du nicht (richtig) siehst, schneidest du nicht

Katzen sind an den Pfoten sehr berührungsempfindlich. Nicht nur scheue Katzen können sich gegen das Krallenschneiden extrem wehren. Bevor wir also Gewalt und Zwang anwenden, lassen wir es im Zweifelsfall lieber bleiben oder nehmen uns (Wochen oder Monate) Zeit für ein sanftes Training. Es ist für alle Beteiligten extrem kontraproduktiv, wenn die Katze menschliche Berührungen negativ einspeichert.

Wer beim Krallenkürzen zu viel abschneidet verletzt die Katze! Besonders bei dunklen Krallen ist das eine Herausforderung. Daher werden nur etwa 1 – 2 mm der Krallenspitze gekürzt und auch nur dann, wenn wir als Halter genau sehen, was wir tun. Lieber öfter ganz wenig schneiden als zu viel.

Wer unsicher ist, fragt sein Fachpersonal des Vertrauens um Rat. Sie haben nicht nur geeignetes Werkzeug zur Hand, sie können uns auch zum Selbermachen anleiten.

Gefällt dir der Blogbeitrag?

5 / 5 ( 17 Bewertungen)

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut mir leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lass uns diesen Beitrag verbessern!

Wie kann ich diesen Beitrag verbessern?

Du möchtest uns unterstützen?
Für alle unsere Leser*innen, denen "Danke" sagen und Inhalte teilen nicht reicht: Du kannst uns beim nächsten Amazon-Einkauf über einem Klick auf unseren Partnerlink unterstützen oder uns bequem eine Kleinigkeit von unserer Amazon Wunschliste mitbestellen.

* Beim Kauf über unseren Partnerlink erhalten wir eine kleine Provision. Bitte beachte dazu unsere Datenschutzhinweise.

zuletzt überarbeitet: 08.Oktober. 2021
Aufrufe insgesamt: 1332

Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


Hier findest du uns auch noch: Info-SeiteFacebookYouTube

Meowsletter

Du möchtest bequem über Neuigkeiten von uns benachrichtigt werden? Dann abonniere unseren Meowsletter (Datenschutzhinweise).

Was sagst du dazu?

Bitte lies vor dem Schreiben unsere FAQ. Du kannst hier vollkommen anonym kommentieren - allein die Angabe eines Kommentartextes ist nötig. Kommentare werden vor ihrer Freischaltung durch mich geprüft. Dies kann manchmal etwas dauern. Bitte beachte die Datenschutzhinweise.