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Meinung

Warum mir “adopt don’t shop” zu einseitig ist….

"Adopt don't shop" malt da schwarz/weiß, wo es viele Grautöne gibt

"Adopt don't shop" malt da schwarz/weiß, wo es viele Grautöne gibt

28. Februar 2020
Lesezeit ca.: 22 Sek.  

4 Kommentare

Knackige Slogans sind eingängig und lassen sich gut vermarkten. Sie bleiben im Kopf und zementieren Sichtweisen. "Adopt don’t shop" ist so ein Slogan, der häufig bei Tierschutzthemen auf den Tisch kommt: "Adoptiere statt zu Kaufen". Auch, wenn der Hintergedanke ehrenwert ist, finde ich diese Parole zu einseitig. Warum, möchte ich heute niederschreiben.

Sachlich und juristisch betrachtet: Auch im Tierschutz wird gekauft

Bei der Übergabe eines Tierschutztieres fließt Geld. Damit wird sie in aller Regel rechtlich als Kauf eingestuft ‐ auch wenn der Begriff "Schutzgebühr" schicker klingt als "Kaufpreis". Die "Adoption" eines Tieres ist rechtlich gesehen nicht möglich: hier gibt es nur Kauf, Verwahrung oder Verleihung. Wobei nicht alle dieser "Überlassungsarten" von allen Gerichten letztlich auch so eingestuft werden.

Auch, wenn Tiere vor dem Gesetz keine Sachen sind, fällt die Eigentumsübertragung juristisch gesehen häufig ganz nüchtern unter "Kauf". Damit ist auch der "Schutzvertrag" ‐ so schön der Titel auch klingen mag ‐ nichts anderes als ein Kaufvertrag. Der sich an gewisse Bedingungen halten muss, um gültig zu sein. Nicht alle Vertragsklauseln sind rechtlich bindend.

Der Begriff "Adoption" dagegen verklärt nicht nur die Tatsachen, er zielt auch häufig auf eine emotionale Manipulation ab.

Sachliche Diskussion fast unmöglich ‐ Widersprüche im eigenen Denken

Geht es nur um irgendeine Diskussion, die ein Tierschutzthema berührt, befindet man sich sogleich in einem verbalen Minenfeld. Sachliche Argumente stoßen auf Mauern der pauschalen Anti-Haltung. Der Tierschutz und alles was damit zusammenhängt, gilt für viele Menschen als "heilige Kuh" – Aufzeigen von Schwachstellen als Gotteslästerung. Ähnlich unsachlich wird auch oft argumentiert.

So bestehen manche Tierschutzkäufer darauf, ihr Tier "adoptiert" zu haben ‐ auch, wenn ihnen gänzlich bewusst ist, dass sie es letztlich auch "nur" gekauft haben. Diese Herzenssicht ist meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung. Im Grunde geht es dabei nur um ein Wort, das nicht viel wiegt. Nicht in Ordnung ist es in meinen Augen, wenn diesem Wort mit einer Provokation Gewicht verliehen wird. Nämlich dann, wenn im gleichen Atemzug "Rassekäufern" die gleichen Beweggründe für eine "Adoption" vehement abgesprochen werden. Rein rechtlich kaufen alle. Rein emotional beanspruchen manche Tierschutzkäufer das "Adoptieren" für sich. Das ist widersinnig und schafft unnötige Grenzen. Entweder alle oder Keiner.

Ebenso unschön wird es, wenn in Diskussionen bewusst Provokationen oder verbale Spitzen gegen die "Gegenseite" verteilt werden: "Ich adoptiere, weil mir Tierleid nicht egal ist" oder "Ich war beim Züchter, weil ich kein gestörtes Tier will". Beides ist dumm und ignorant. Weder sind alle Tierschutzkatzen gestört, noch ist allen Rassekäufern Tierleid egal.

Solange solche emotionalen Verbalpfeile von einer auf die andere Seite geschossen werden, gerät das wichtige Thema "Tierschutz" in einem Haufen übersteigerter Egos aus den Augen.

"Adoption" klingt zwar süß, manipuliert aber auch

Mit dem Begriff "Adoption" geht viel schwarz/weiß-Denken einher: Wer adoptiert, rettet Jemanden ‐ in dem Fall das Tier ‐ aus einer problematischen Situation. Nicht selten fühlt sich ein solcher "Retter" derartig moralisch überlegen, dass er "Käufer" verbal herabwürdigt.

Das wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf ihn selbst, im Zweifel auch auf die Tierschutz-Organisationen, die offensiv mit dem falschen Begriff "Adoption" werben. Und es treibt Keile zwischen Tierliebhaber: "Wir Adoptanten" gegen "Die Käufer". Auf sie mit Gebrüll, Fackeln und Mistgabeln…! Im Zweifel lässt sich das an zurückgehenden Unterstützer- oder Spendenzahlen ablesen. Oder daran, dass Tierschutz pauschal ins Lächerliche, Übertriebene gezogen wird. Beides hilft seriösem Tierschutz nicht. Es schadet massiv.

Dieser falsche Begriff dient lediglich dazu, emotionalen Druck auszuüben: wer möchte schon gerne "schlechter" sein, nur weil er ein Tier "kauft"? Herzerweichende Leidensgeschichten und mitleiderregende Fotos sind keine vernünftige Vermittlungshilfe. Verstand und sachliches Abwägen sind Grundpfeiler, damit das aufgenommene Tier lange Freude an seinem neuen Zuhause hat. Und das ist es letztendlich, worauf alle hinarbeiten sollten: Tierschutz, Züchter und Interessenten gleichermaßen.

"Tierwohl" ist häufig nicht Motivation zum Kauf im Tierschutz

Wenn man Parolen wie "Adopt don’t shop" ausspricht, setzt das den pauschalen Gedanken voraus, alle Menschen würden aus Tierschutzgründen ein bestimmtes Tier zu sich holen. Als würde allen Menschen das Tierwohl an erster Stelle stehen. Das trifft für einige wenige Menschen sicherlich zu. Viel häufiger jedoch holen sich Menschen ein Tierschutztier, weil es naheliegend und schlicht günstiger als beim Züchter und Vermehrer ist.

Es kommt sogar vor, dass sich Menschen manchmal gar über die "hohe Schutzgebühr" beschweren. Und dann beim Vermehrer kaufen, wo sie letztlich draufzahlen: Sie vergessen, dass Tierschutztiere in aller Regel bereits Grundimmunisierung und Kastration hinter sich haben. Das diese medizinische Grundversorgung in der Schutzgebühr enthalten ist und der zukünftige Halter sich nicht mehr darum kümmern muss. Dass die Schutzgebühr im Endeffekt weit weniger kostet als diese grundlegenden medizinischen Notwendigkeiten zusammen.

Solange Vermehrer ihre Tiere günstiger ‐ oder kostenlos ‐ abgeben und dem Großteil der Menschen Kostenersparnis über den Tierschutz geht, laufen Slogans wie "Adopt don’t shop" ohnehin größtenteils ins Leere.

Der Vorwurf des Statussymbols kann für beide Seiten gelten

Rassekäufer müssen sich oft anhören, sie hätten sich ein Tier nur zugelegt, weil es ihnen als Statussymbol dienen soll. Dabei bleibt die Frage, wie eine Katze ein Statussymbol sein kann. Zum Angeben? Um sich selbst besser zu fühlen oder nach außen hin besser dazustehen? Um Bewunderung zu ernten? Das mag in manchen Fällen durchaus zutreffen. Und zwar für beide Seiten.

In vielen Fällen ernten Rassekäufer jedoch eher Anfeindungen von ganz radikalen Tierschützern als irgendwelchen "Applaus" oder Bewunderung von irgendwem. "Mein Haus, mein Auto, meine Rassekatze" mag zwar in manchen Köpfen toll klingen. In den meisten Köpfen "da draußen" jedoch klingt ein "Da hat wer unnötig viel Geld ausgegeben" nach. Nur wenige verstehen, warum sich jemand bewusst entscheidet, so viel Geld auszugeben. Und noch weniger lassen sich durch so etwas beeindrucken. Und das ist auch gut so. Denn im Endeffekt macht eine Rassekatze ihren Halter nicht "besser" oder "schlechter".

Andersherum lässt sich in den letzten Jahren aber auch beobachten, dass Tierschutztiere als Statussymbole dienen können: dieser "Retter" ist ein guter Mensch, er tut etwas gegen das Tierleid und wirkt auf viele Menschen schon allein deshalb sympathischer. Je dramatischer die Lebensgeschichte des Tiers, je elender sein vorheriges Leben, desto größer ist der Zuspruch von außen. Natürlich ist es immer gut, einem Tier in Not zu helfen ‐ jedoch macht das einen Menschen insgesamt nicht automatisch sympathischer, "besser" oder "schlechter".

Alle Käufergruppen wollen im Endeffekt das gleiche: ein passendes Tier zum Liebhaben

Sowohl Käufer im Tierschutz, beim Züchter und Vermehrer ist Eines wichtig: ein Tier zu finden, das den eigenen Ansprüchen entspricht. Und der Großteil der Menschen legt da viel Wert auf Optik und "Pflegeleichtigkeit". So sind im Tierschutz schwarze, getigerte, alte und kranke Katzen oft "Ladenhüter". Kitten, langhaarige und optisch besonders "auffällige" Tiere gehen weg die die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Am besten vermitteln sich Tiere, die Rassekatzen stark ähneln oder gar welche sind. So sind die meisten Menschen. Dass es durchaus auch viele Ausnahmen gibt, macht diese Regel nicht ungültig.

Auch Stabilität und Vorhersagbarkeit sind wichtige Themen: Käufer möchten wissen, wie der Charakter, die Macken und Vorlieben eines Tieres sind. Ob die Katze schmusig ist oder die Gefahr besteht, sich den einen oder anderen Kratzer einzufangen. Logischerweise ist Letzteres eher weniger beliebt. Ebenfalls sind Krankheiten und Verhaltensstörungen in sehr vielen Fällen ein No Go.

Unnötige Grenzen im gleichen Graufeld

Weder sind alle Menschen aus der Gruppe der Tierschutzkäufer auf Tierwohl bedacht, noch sind alle Menschen aus der Gruppe der Rassekäufer oberflächliche Egoisten. Stattdessen bestehen alle Gruppen aus Menschen unterschiedlicher Einstellung dem Tier gegenüber. Keine Gruppe ist homogen "schwarz" oder "weiß". Manche Menschen aus diesen Grppen entsprechen sicherlich den gängigen Klischees. Manche davon haben wiederum als erste Priorität, einem Tier zu helfen. Der Großteil aber sucht einfach eine Katze, die zu den zukünftigen Menschen, zum zukünftigen zuhause passt.

Das, was diese Gruppen am Ende wirklich unterscheidet ist die Summe, die sie bereit sind für die Anschaffung des Tiers auszugeben. In fast allen Fällen läuft es nur auf diesen einen Punkt hinaus. Von daher sind in meinen Augen alle Käufergruppen gleich, haben nur einen unterschiedlich großen Geldbeutel ‐ bzw. den Willen, diesen unterschiedlich weit zu öffnen. Die Motive sind bei einigen wenigen Vertretern dieser Gruppe andere, das ist klar. Aber sie gelten nicht für alle Vertreter.

"Richtige" Adoption geht anders – widerspricht aber dem Grundsatz des Slogan

Jedes Jahr ‐ besonders im Frühjahr und Herbst ‐ kommen wieder unzählige Kitten auf die Welt, die ein neues Zuhause suchen. Unkastrierte Freigänger, so mancher Bauer und "UPS"-Würfe sorgen dann für ordentlich Nachschub im Tierschutz und deutschen Wohnzimmern. Häufig kommt es vor, dass diese Tiere ohne Geldzahlung den Eigentümer wechseln: in dem Fall handelt es sich um eine Adoption im landläufigen ‐ aber nicht rechtlichen ‐ Wortsinne.

Unüberlegte, spontane Anschaffung und damit freie Plätze bei Vermehrern sind die Folge. Also genau das, was der Tierschutz zurecht nicht möchte. Die Adoptanten dieser Tiere fühlen sich aber häufig mehr als "Retter" der armen Tiere denn als Helfer der Vermehrer. Sie haben schließlich adoptiert und gerettet. Auch diese Scheuklappensicht arbeitet gegen den Tierschutz.

Kauf im Tierschutz kann auch Nachteile bringen

Es dürfte bekannt sein, dass kein Tierheim oder Tierschutzverein im Geld schwimmt. Das vorhandene Geld wird für die nötige Grundversorgung wie Futter, Impfungen, Kastrationen und im Bedarfsfall für nötige Tierarztbesuche ausgegeben. Geld für mehrmalig wiederholte Tests auf Infektionskrankheiten oder Parasiten bleibt da oft nicht übrig. Geld für Spezialuntersuchungen auf Erbkrankheiten erst recht nicht. Da bleibt es nicht aus, dass auch einmal ungewollt und unentdeckt kranke Tiere vermittelt werden.

Zumal mehrmalige Test auf Infektionskrankheiten auch nur dann Sinn machen, wenn über Wochen garantiert die gleichen Tiere zusammenleben und eine strenge Quarantäne eingehalten wird. Das ist in vielen Fällen mit der Realität im Tierschutz nicht vereinbar. Über Umwege finden zusätzlich sehr viele Tiere vom Vermehrer den Weg ins Tierheim. Und die Quote für Erbkrankheiten ist bei solchen unüberlegt verpaarten Mix- und Hauskatzen leider erhöht.

Kauf beim Züchter kann auch rational "richtig" begründet sein

Auch ist die Vergangenheit der betreuten Tiere im Tierschutz nur selten bekannt. Die Aussagen der abgebenden Personen hierzu entsprechen oft nicht der Wahrheit. So müssen Tierschützer nicht nur das Beste aus den finanziellen Mitteln, sondern auch den ihnen zur Verfügung stehenden Informationen machen. Ein guter Fall ist es, wenn feste Betreuungspersonen viel Zeit mit den Tieren verbringen können, um eigene Erfahrungen beizusteuern. Aber auch das kann nicht immer geleistet werden.

Das Risiko, dass das neue Tierschutztier also unentdeckte Krankheiten oder Verhaltensstörungen mitbringt, ist definitiv gegeben. Und es ist größer als beim Kauf eines Tieres beim wirklich seriösen Züchter. Dessen muss sich Jeder bewusst sein, bevor er sich für oder gegen ein Tierschutztier entscheidet.

Manche Menschen sehen (gerne) darüber hinweg, manche Menschen möchten das ‐ aus welchen Gründen auch immer ‐ nicht. Ein Grund kann zum Beispiel die Verantwortung gegenüber bereits beim Käufer lebenden Tieren sein: ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden gehen vor. Sonst gibt es nur weitere tierische Wanderpokale.

Schwarze Tierschutzschafe dürfen nicht "mitgemeint" sein

Wie auch unter Züchtern und Vermehrern tummeln sich unter den Tierschutzvereinen schwarze Schafe. Und das ist nur im Auslandstierschutz. Veruntreuung von Spendengeldern und Vermittlung von wissentlich kranken Tieren sind da nur die Spitze des Eisbergs. Ob man an einen seriösen oder unseriösen Tierschutzverein gerät ist vor allem Recherchesache ‐ ein pauschales "Kauf im Tierschutz" kann ich nicht aussprechen.

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Die Anschaffung eines Tieres ist nur Teil des Problems

Ein Tier schafft man sich nur einmal an. Würden wir in einer idealen Welt leben, wäre das Thema damit erledigt. Und auch die Tierheime deutlich leerer. Denn dann müssten Tiere nur noch in extremen Ausnahmefällen dort versorgt werden: zum Beispiel, wenn der Besitzer verstirbt, das Tier entlaufen ist oder wenn Streuner Hilfe brauchen.

Die Realität aber sieht anders aus. Denn der Großteil der Tiere im Tierschutz sind erwachsene Katzen, die im alten Zuhause ‐ aus welchem Grund auch immer ‐ nicht mehr gewollt werden. Umzugs- oder Trennungsopfer, (angeblich) verhaltensgestörte oder kranke Tiere. Tiere, die sich nicht mehr mit Mensch oder Tier verstehen, Tiere, denen der Mensch überdrüssig geworden ist. Tiere, die ab einem gewissen Zeitpunkt mehr "Arbeit" als Freude bringen. Und bei manchen Haltern liegt diese Schwelle erstaunlich niedrig…

Einstellung gegenüber Tieren das wahre Grundproblem

Denn das meiner Meinung nach wahre Grundproblem am übervollen Tierschutz ist die Einstellung vieler Menschen den Tieren gegenüber: "Tiere als Wegwerfartikel". Wenns stört, weg damit. Scheinbar ist vielen Menschen schon die geringste Verantwortung schon zu viel. Spricht man dem Tier auch noch eigene Gefühle und Bedürfnisse ab, geht die Abgabe gleich noch leichter.

Ist halt unbequem, kostet Geld und macht Arbeit. Da entledigt man sich in der heutigen Überflussgesellschaft lieber dem "Störfaktor" als noch Energie hinein zu investieren. Da hilft auch keine Aufklärung, keine Unterstützung bei Problemen. "Weg damit" geht schneller und einfacher. Kostet zwar mittlerweile bei einigen Tierheimen Geld, aber dann "verwandelt" sich das geliebte Familienmitglied eben binnen Minuten in ein Fundtier…

"Adopt" und "Shop" können beides richtige Entscheidungen sein, wenn alles passt

Das Tier muss zum neuen Menschen, zum neuen Zuhause passen. Sonst wird das mit dem Glücklichsein nichts. Aber Glücklichsein und Zueinanderpassen hat nichts damit zu tun, woher das Tier stammt oder wie viel es in der Anschaffung gekostet hat.

Wer ein Rassetier möchte, soll zum seriösen Züchter mit Papieren und umfassenden Vorsorgeuntersuchungen gehen. Wem Rasse, Abstammungspapiere und generationenübergreifende Gesundheitschecks nicht wichtig sind, geht zum seriösen Tierschutz. Denn beides hat seine Berechtigung.

Wenn das "Wie" stimmt, ist das "Woher" fast egal: Plädoyer für mehr Sachlichkeit

Wären alle Tiere kastriert, gekennzeichnet und gut gehalten, hätten wir keine übervollen Tierheime! Verantwortung-übernehmen vor und nach der Anschaffung sind grundlegende Eckpfeiler der Tierhaltung. Wer "A" sagt, sollte sich nicht erst überlegen müssen, ob er auch "B" sagt. Das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber nur in verschwindend geringen Ausnahmefällen. Da liegt meiner Meinung nach das wirkliche Problem.

Solange Gegenständen eine größere Wertschätzung als Haustieren entgegengebracht wird, werden Tierheime niemals leerer – auch dann nicht, wenn Niemand mehr beim Züchter oder Vermehrer kaufen würde. Einerseits gibt es zu viele Menschen, die einfach selbst "mal eben" für sich selbst und die Umgebung Tiere nachproduzieren, anderseits machen auch "unbequeme Wanderpokale" die Tierheime voll.

Wer mit Grundwissen und Willen an die Tierhaltung herangeht ‐ und nicht mit "ich will jetzt aber!" ‐ hält sein Tier besser und länger. Und sorgt so automatisch dafür, dass nicht noch ein weiteres Tier im Tierschutz landet. Das dann wieder ein Anderer kaufen kann…

Viel öfter sollte meiner Meinung nach der Spruch "Ein Haustier ist (jetzt) nichts für dich" lauten. Damit wir übereilte Entscheidungen und übervolle Tierheime Schritt-für-Schritt vermeiden können. Und das müssen wir dringend!

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zuletzt überarbeitet: 11.März. 2020
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Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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4 Antworten zu “Warum mir “adopt don’t shop” zu einseitig ist….”

  1. Alexandra sagt:

    Moin Miriam, interessantes Thema, welches sich natürlich trefflich diskutieren lässt. Und wie Du auch sagst, höchst emotional von den unterschiedlichen Seiten. Es fällt mir allerdings leicht, sachlich zu bleiben dabei, darum zunächst: Ja, ja, ja, voll auf Deiner Seite: die Einstellung bei der Anschaffung eines Tieres, das Einfühlen, Zeit, Geld, Wissen, Information ist das große Problem. Nur weil das alles oder teilweise nicht stimmt, sitzen so viele Tiere in den Tierheimen, bei Vereinen […]. Aber auch, weil ihre Herrchen und Frauchen versterben und niemand die “Erbmasse” übernehmen will. Wobei ich kein Verständnis für Menschen habe, die sich mit 70 noch Welpen jeglicher Art in’s Haus holen. Hier kann ich nur zur Pflegestelle raten oder zur Aktion “Senioren für Senioren”.

    Zustimmen kann ich Dir allerdings nicht, dass ein “Großteil” der Menschen ausschließlich auf’s Geld schaut bei der Anschaffung eines Tieres. Aber klar, es ist natürlich einfacher geworden in Zeiten von Ebay & Co., unbestritten. Hierunter leiden dann Mensch UND Tier.

    Vor zwei Wochen war ich nach langer Zeit im größten TH in Hamburg und man musste regelrecht anstehen, um Beratung zu bekommen bzw. eine Katze zu “adoptieren”. Meiner Erfahrung nach beschäftigen sich sogar sehr viele Menschen mit dem Tierschutzgedanken und gehen eher diesen Weg, aber der Eindruck ist natürlich subjektiv.

    Ich musste meinen letzten von 4 Katern am 17. Januar im Alter von knapp 19 Jahren einschläfern lassen und schaue mich nun in Ruhe um, welches Tier/Tiere am besten zu mir passt/en. Mindestens 2 sollen es werden. Und hier dann meine gänzlich differente Meinung zu Deiner: Nie, nie, nie käme ich auf den Gedanken, ein Tier bei einem Züchter zu holen, und das nicht, weil mir das Geld fehlen würde, sondern einzig und alleine, weil ich Züchten (und erst recht Vermehren) für absolut unmoralisch halte, sogar moralisch verwerflich, solange Tiere beim Tierschutz sitzen und ein neues Zuhause suchen. Alle meine Katzen (und auch meine Meerschweinchen früher) stammen aus dem Tierschutz. Meine ersten beiden Kater waren 7 und 10 Jahre alt, als ich sie aus den TH holte. Ich habe einen davon wissentlich mit FIV genommen, er bekam später Diabetes, welcher behandelt werden musste, Krebs, Giardien, E Coli und und und. Später kam noch ein nicht sozialisierter Wildling hinzu und noch ein Kater, der nicht mehr Zuhause bleiben konnte. Die Zeit war nicht immer einfach, aber auch bei einem Züchtertier habe ich keine “Gewährleistung”, was Krankheiten betrifft.

    Nun bin ich wieder auf der Suche wissentlich nach älteren Tieren, behinderten Tieren (Ataxie, dreibeinig, einäugig etc.) und schaue diesmal auch über die Ländergrenzen hinweg, weil es den Tieren dort eben noch mieser geht, so wie den Menschen dort auch. DAS ist nicht einfach, weil es soooo viele Katzen gibt, die ein “gutes Zuhause” brauchen. Meine Motivation? Ja, lässt sich nicht leugnen … ich fühle mich um Klassen besser, ein leidendes Tier zu nehmen als ein Züchtertier, dass noch nie etwas Schlechtes von Menschen erfahren hat, die brauchen mich einfach nicht. Ich möchte meinen künftigen Katzen etwas “zurück” geben, nämlich die Erfahrung, dass nicht alle Menschen gefühllose und rohe Monster sind wie die, die ihnen Leid und Schmerzen zugefügt haben.

    Daher recherchiere ich viel, um an einen seriösen Verein zu geraten. Nicht einfach, weil es auch soooo viele Vereine gibt.

    Anyway, ich denke, jeder soll das tun, was er meint tun zu müssen, Hauptsache er liebt seine Tiere und behandelt sie artgerecht, liebevoll und mit großem Wissen. Außerdem muss ich nicht alles verstehen 🙂

    Gruß
    Alexandra

    • MIRIAM sagt:

      Huhu Alexandra!
      Danke für deine Meinung! Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche nach deinen zukünftigen Katzen. Was Auslands-TS-Vereine angeht, kann ich leider nicht wirklich helfen. TS-Stellen in Deutschland allerdings kenne ich einige – falls du also ein paar weitere Anregungen brauchst, melde dich 😉

  2. Viki sagt:

    Liebe Miriam,

    ich lese deinen Blog schon seit Jahren, aber immer in einer “On-Off-Beziehung” sozusagen. 😉
    Heute ist wieder so ein Tag, wo ich viel Zeit hier verbringe, mir bereits bekannte Artikel zum drölftzillionsten Mal lese oder einfach mal die, in die ich vorher nicht rein geschaut habe. Der Artikel ist nun schon ein Jahr alt, aber vllt findet dieser Kommentar ja trotzdem zu dir. 🙂

    Da ich selber seit 2019 nun (eigene) Katzenbesitzerin bin, möchte ich mich gerne zu diesem Thema auch äußern, da es mir gerade auf instagram immer wieder begegnet.

    Kurz: ich bin kein Fan dieses Slogans.

    Meine zwei Norweger Jungs stammen von einer seriösen Züchterin, die ich seit inzwischen 6 Jahren kenne. Bis meine Jungs bei mir einzogen, hat es eine ganze Weile gedauert, aber das warten hat sich gelohnt. Die zwei kamen im Alter von 17 Wochen zu mir und sind Halbbrüder. Schon seit meiner Teeniezeit, als ich das erste Mal ein Bild eines Norwegers irgendwo im Internet gesehen hatte, stand für mich fest: ich möchte später mal selber zwei Norweger haben. Es war Liebe auf den ersten Blick was diese Rasse betrifft.

    Bis ich meine Züchterin fand zog damals viel Zeit ins Land. Trotzdessen ich ausschließlich bei Vereinszüchtern und ansprechenden Züchter Homepages geschaut habe, war doch nie “die richtige” dabei. Erst bei der Züchterin meiner Jungs stimmte alles: ich fühlte mich bestens aufgehoben und die Besuche bei ihr haben mich darin bestärkt, dass ich dort tolle Katzen kriege und sie dort im besten Umfeld und bester Gesundheitsvorsorge aufwachsen. Dafür bin ich gerne einmal quer über 400km durch Deutschland gefahren.

    Es ist ein Fakt, dass die wenigsten (reinrassigen) Rassekatzen in Tierheimen / im Tierschutz sitzen. Ausnahmen gibt es gelegentlich, aber sind keine Regel. Daher, weil ich Norweger wollte, fiel der Tierschutz für mich flach.

    Ich finde den Tierschutz aber absolut wichtig und unterstütze ihn total. Tierschutz fängt ja schon damit an, seine Tiere zu kastrieren wenn man kein ernsthaftes Zuchtinteresse hat. Tierschutz ist, (wenn Rassekatze) einen verantwortungsvollen Züchter zu suchen und nicht “um Geld zu sparen” beim Vermehrer zu kaufen. Dieses “Stammbaum brauche ich nicht”-Gerede ist hauptsächlich der fehlenden Information geschuldet. Ich erlebe es tagtäglich auf instagram, gerade dann, wenn Scottish Folds mit im Spiel sind. “Ich wusste es nicht besser / Ich habe mich vorher nicht informiert”
    Tierschutz bedeutet auch, sich vorher ausgiebig zu informieren. Eine BKH hat andere Ansprüche als eine Bengalkatze. Eine Savannah hält man nicht “mal eben so”.

    Was ich sagen möchte: nicht eine Seite ist grundsätzlch besser als die andere oder macht etwas richtig und die andere falsch. Dahingehend stimme ich dir voll zu. Wo ich nicht ganz sicher bin, ist die Geldsache. Aber das sei ja mal dahingestellt, klingt für mich aber durchaus plausibel.

    So oder so: es säßen auch dann noch unzählige Tiere im Tierheim, wenn es keine Züchter gäbe. Daher empfinde ich persönlich diese “Lageranfeindung” immer furchtbar mühselig und unnötig. Am Ende des Tages wollen beide Seiten doch (hoffentlich) nur eines: das es den Tieren gut geht. Und, wie du ja auch schreibst, sich ein Tierschutztier ins Zuhause zu holen um sich dann “besser” zu fühlen, ist auch nicht der richtige Weg. Meine Vorrednerin Alexandra hat ja schon so etwas erwähnt, aber ich kenne leider tatsächlich Leute, die sich “niemals ein gesundes Tier holen würden” und ausschließlich darauf achten, dass es “am besten Lähmungen oder fehlende Gliedmaßen hat”. Das kann doch auch nicht der richtige Weg sein – nur um zu beweisen, was für ein Gutmensch man ist? Mögliche Einschränkungen des gewählten Tieres als (gerade in sozialen Netzwerken) Aushängeschild zu nutzen finde ich genauso daneben wie beim Vermehrer zu kaufen.

    Ich hoffe mein Text macht halbwegs Sinn.
    Grundsätzlich würde ich mich auch für Tierschutztiere interessieren. Und wer weiß, vielleicht zieht ja irgendwann einmal, wenn es meine Jungs nicht mehr geben sollte, ein Tierschutztier (bzw bei Katzen zwei) bei mir ein. Aber bis dahin vergeht hoffentlich noch viel, viel, viel Zeit…

    • MIRIAM sagt:

      Huhu Viki,
      dann mal "herzlich Willkommen zurück" 😉 Für mich macht dein Text sehr viel Sinn. Und zwar nicht nur, weil ich es ebenso sehe wie du, sondern weil du das Ganze von mehreren Seiten beleuchtest und niemandem etwas vorwirfst. Leider ist das in der Diskussion um dieses Thema absolute Mangelware.

      Ich muss sagen, dass ich bei deinem Satz, dass du Leute kennst, die sich bewusst nur “nicht-gesunde” Tiere ins Haus holen, echt schlucken musste: Es gibt Menschen, die sind absolute Profis für bestimmte Krankheiten, können damit (auch emotional) umgehen und wissen, worauf sie sich einlassen. Die sagen nicht selten "Ich weiß, was ich tue und will nicht, dass die Katze sonst ewig auf ein Zuhause wartet". Da muss ich sagen, finde ich eine solche Einstellung echt gut. Weil da das Herz und das Know-How Hand-in-Hand gehen und es wohl keinen besseren Platz für das Tier gibt. Wenn alles drumherum auch stimmt, natürlich. Dann gibt es aber die Sorte Menschen, die leider nicht "widerstehen" können, wenn Mitleid im Spiel ist. Oder die ganz bewusst Tiere zu sich holen, die Mitleid erregen, um sich nach außen hin hervorzutun. Das ist dann etwas, wo ich arge Probleme mit habe. Weil eben oft nicht das Bewusstsein dafür da ist, dass es nunmal einen erhöhten Pflegeaufwand gibt. Wenn ich mich so umhöre, gibt es leider sehr viele Tiere, die oft "Rückläufer" sind, obwohl den neuen Haltern vorher mehr als deutlich klar gemacht wurde, welche Verantwortung dadran hängt. Man überschätzt sich und schon ist das Tier wieder der Dumme. Ärgert mich.

      Das ist ein Grund, warum ich mich selbst für solche Tiere nicht als geeignet betrachte: ich glaube, ich könnte keine angemessene Versorgung bieten – wahrscheinlich auch emotional. Und das muss ich niemandem antun. Wenn man ein gesundes Tier hat und es im Lauf der Jahre krank wird, wächst man hinein. Man lernt kontinuierlich und entwickelt seine Routinen. Ganz plötzlich – überspitzt gesagt – ins kalte Wasser geworfen zu werden würde ich mir selbst wohl eher nicht zutrauen. Ich bewundere Jeden, der es kann. Keine Frage. Ich bewundere aber genau so auch Jeden, der sich bewusst dagegen entscheidet, weil er weiß, dass im Endeffekt das Tier leiden würde. Darum: Lieber den Verstand einschalten, als nur Emotionen entscheiden lassen. Leider forciert der Slogan, um den es im Artikel geht, das genaue Gegenteil.

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