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Warum ist meine Katze (plötzlich) aggressiv? – 5 mögliche Gründe

Tiere mit Zähnen beißen auch mal zu

Tiere mit Zähnen beißen auch mal zu

19. Juli 2019
Lesezeit ca.: 7 Min., 21 Sek.  
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Zeigt die Katze sich aggressiv, ist guter Rat teuer. Tritt dieses Verhalten plötzlich auf, sind viele Halter ratlos. Denn es geht nicht nur um den Schutz aller Beteiligten, sondern auch um die Frage "Warum?" Nur wer den Grund für die Aggressivität kennt, kann zukünftig vorbeugen. Klar ist: keine Katze ist grundlos aggressiv. Diesem Verhalten liegen immer schwerwiegende Ursachen zugrunde. Diese herauszufinden, ist ein Puzzlespiel. Ein wichtiges Puzzlespiel, das gelöst werden muss – denn alle Beteiligten leiden darunter. Auch die Katze selbst.

Richtig mit einer aggressiven Katze umgehen

Es ist nicht nur wichtig, den Grund für aggressives Verhalten herauszufinden, sondern auch, sich bei einem Angriff richtig zu verhalten. Und zwar so, dass die ganze Situation nicht weiter angeheizt wird. Dies könnte einen weiteren, stärkeren Angriff provozieren. Hier geht der Schutz des Menschen vor. Folgende Punkte sollten auch in aller Panik bedacht werden:

  • Kein Augenkontakt mit der Katze, nicht "Aufplustern": Anstarren und sich vor der Katze aufbauen können als Drohung verstanden werden
  • Kopf senken, wortlos wegdrehen und zügig (aber nicht hektisch) gehen, möglichst ein Hindernis (z. B. Tür) zwischen sich und die Katze bringen
  • Keine lauten Geräusche und hektischen Bewegungen (Schreien, unnötig mit den Armen wedeln etc.)
  • Mit Kissen, Decken, Karton, Handtuch etc. das Gesicht schützen – der Katze nicht hinterherlaufen oder in die Ecke drängen!
  • Raum oder Gebiet verlassen und Katze Zeit zum Beruhigen lassen – nicht bedrängen, sondern warten, bis sie eventuell von allein wieder kommt
  • Katze nicht schlagen! Höchstens wegschubsen, um sie fernzuhalten
  • Bisse zeitnah ärztlich versorgen lassen!

Nicht jedes unerwünschte Verhalten ist Aggression

Nicht selten wird jedes Fauchen, Brummen oder Kratzen als Aggression gewertet. In vielen Fällen ist dies jedoch vollkommen normales Spiel- oder Verteidigungsverhalten. Negative Aggression im eigentlichen Sinne ist es dann, wenn mit Vorsatz angegriffen wird, um Schaden anzurichten. Wenn die Katze auf ihr Gegenüber zugeht und ohne (direkt erkennbare) Provokation Zähne und Krallen einsetzt. Also nicht "Die Katze beißt beim Spiel oder weil sie bedrängt wird". Das ist kein aggressives Verhalten, sondern ganz normal. Und sollte auch so gewertet werden. Dagegen muss man als Halter nichts tun, außer in Zukunft Körpersprache besser deuten zu lernen und Grenzen zu respektieren.

Dauert das aggressive Verhalten an, ist kompetente Hilfe nötig

Aggressivität und seine Ursachen müssen immer zeitnah tierärztlich abgeklärt werden. Das ist nicht nur wichtig um zukünftige Angriffe zu vermeiden, sondern auch, um das Wohl der Katze im Blick zu behalten. Hat das aggressive Verhalten nachweislich keinen körperlichen Grund, kann neben Haltungsfehlern auch eine psychische Ursache vorliegen. Um diese zu finden und zielgerichtet zu therapieren, kann ein Verhaltenstherapeut für Katzen Sinn machen. Oft ist nämlich eine seelische Ursache nicht sofort ersichtlich oder nicht einfach abzustellen. Je länger und öfter das Verhalten auftritt, umso schwerer wird die Therapie! Ein objektiver Therapeut findet mit seinem geschulten Auge zusätzlich auch noch Schwachstellen in der eigenen Haltung, welche das aggressive Verhalten auslösen oder befeuern könnten.

Wie die Katze selbst unter ihrem aggressiven Verhalten leidet

Ein Angriff bedeutet immer starke negative Emotionen und blitzartig freigesetzte Energie. Anschließend folgen Erschöpfung, Verwirrung und Angst – teilweise über Stunden oder Tage. Es ist eine überaus stressige und teilweise traumatische Erfahrung, auch für den Angreifer selbst. Eine Katze greift erst in Ausnahmesituationen an und versucht alles, um den Ausbruch zu verhindern. Auch für sie ist er nicht angenehm: er belastet körperlich und seelisch. Er zerstört Vertrauen und lässt alle Beteiligten unsicher, vielleicht ängstlich zurück. Je öfter diese negativen Situationen auftreten, umso mehr brennen sie sich ins Gedächtnis. Ständig unter Stress zu stehen ist für Niemanden angenehm und kann die Lebensqualität entscheidend negativ beeinflussen. Natürlich kann das auch das Immunsystem und damit letztlich die Gesundheit ganz direkt belasten.

Gründe für Aggressionen bei Katzen

Es gibt vielfältige Gründe für Aggression bei Katzen. Vielfach ist auch eine Kombination mehrerer Ursachen verantwortlich dafür, dass die Katze angreift. Hier ist der Halter in der Pflicht, sachlich an Ursachenforschung und Lösungsfindung heranzugehen. Auch Fehler, die wir uns selbst nicht gern eingestehen wollen, können ganz reale Probleme hervorrufen. Fehlendes Wissen im Katzenverhalten, Bequemlichkeit und Haltungsfehler sind Punkte, die wir einfach abstellen können. Andere Ursachen für Aggression bei Katzen sind da vielschichtiger. Fünf Beispiele dafür werden im Folgenden beschrieben:

Krankheit und Schmerz zünden das Pulverfass

Schmerzen und Krankheiten sind wohl die häufigsten Auslöser für aggressives Verhalten bei Katzen. Ob Zahnschmerzen, Bewegungsschmerzen aufgrund von Arthrose oder nur Bauchweh vom Futter: dies alles kann schlechte Laune in Aggression verwandeln. Der erste Gang sollte also immer zum kompetenten Tierarzt führen, wenn Aggression bei der Katze beobachtet wird. Blutuntersuchungen, Blick ins Maul inklusive Zahnröntgen und genaues Abtasten können erste Anhaltspunkte liefern. Wichtig ist das spezielle Zahnröntgen: kein Tierarzt kann Schädigungen an den Zähnen nur durch einfaches ins-Maul-schauen oder normale Röntgenaufnahmen sehen. Zahnerkrankungen und damit -schmerzen kommen bei der Katze sehr häufig vor. Dies sollte immer im Hinterkopf behalten werden. Zeigen erste Untersuchungen keine Ergebnisse, können zusätzlich CT/MRT und ein Besuch beim Spezialisten Sinn machen.

Der Zusammenhang zwischen körperlicher Gesundheit und Aggression ist ein bedeutender Faktor und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden!

Angst und schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit prägen für die Zukunft

Nicht immer ist die Vergangenheit der eigenen Katze bekannt. So kann es vorkommen, dass sie aus einem Grund angreift, den wir als aktuelle Halter gar nicht kennen. Misshandlungen (körperlich und seelisch) sind oft ein Grund, in bestimmten Situationen vollkommen die Fassung zu verlieren. Dieser Ausbruch ist dann häufig mit großer Angst – bis Panik – verbunden. Auslöser, die das Ganze dann wieder an die Oberfläche bringen können Gerüche, Geräusche, Gegenstände oder spezifische Situationen (z. B. Streit zwischen zwei Menschen) sein. Um diesen Auslösern auf den Grund zu gehen, hilft oft nur ein extrem detailliertes "Angriffs-Protokoll": Was genau ist passiert, bevor die Katze angegriffen hat? Was war anders als sonst? War eine bisher unbekannte Person anwesend? usw.

Nur, wenn die Auslöser genau bekannt sind, können sie zukünftig vermieden oder positiv besetzt werden.

Überforderung und Stress sorgen für schlechte Laune

Wer ständig mit Eindrücken bombadiert wird, kann nicht zur Ruhe kommen. Ob dies nun ständig schreiende/grabbelnde (kleine) Menschen, der übergriffige Besucherhund oder Mobbing von Mitkatzen betrifft: Überforderung führt zu einer aggressiven Grundstimmung. Diese kippt leichter als bei entspannten Tieren. Der Katze müssen ruhige, sichere Rückzugsorte zugestanden werden, an denen sie von Niemandem gestört wird. Auch das Fressen, Trinken und zur-Toilette-gehen muss ohne ständige Störung möglich sein. Spiel sorgt zusätzlich dafür, dass aufgestaute negative Energie abgebaut werden kann. So kann es auch das Stresslevel der Katze senken.

Unterforderung und Langeweile sind Ursachen für Frust

So paradox es sich anhört: auch das genaue Gegenteil von Überforderung kann zu Aggression führen. Unterforderung ist genau so ungünstig. Die Katze staut zu viel Energie, Wut und Frust auf. In brenzligen Situationen ist sie dann eher bereit, anzugreifen als eventuell den Rückzug anzutreten. Vielen Menschen geht es ebenso, anders als diese kann die Katze ihre Probleme aber nicht frühzeitig und konstruktiv zur Sprache bringen. Wird sie längerfristig und regelmäßig im Alltag übersehen, kann dies in der Folge zu Aggression (oder auch Resignation) führen. Nicht nur aus diesem Grund sind regelmäßiges Spiel, Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten dem Katzenseelen-Wohl zuträglich.

Missachtung von Grenzen und Bedürfnissen wird durch Aggressivität quittiert

Die Katze mal harmlos zu ärgern ist eine Sache. Eine gänzlich Andere ist es, sie ständig zu drangsalieren, ihre Grenzen zu überschreiten und sie bis zum Platzen zu provozieren. Damit geht man ihr nicht nur unnötig und extrem auf die Nerven, man kann damit auch zielgerichtet dafür sorgen, dass die Katze uns "negativ abspeichert". Lustig ist das nicht, weder für Mensch noch für die Katze. Die Katze als Raubtier mit kräftigem Kiefer, spitzen Zähnen und scharfen Krallen wird sich wehren. Im schlimmsten Fall eben auch in Situationen, in denen sie gerade nicht provoziert wird. Einfach, weil vergangene Situationen gezeigt haben, dass von einem bestimmten Menschen Negatives ausgeht.

Trägt man als Mensch erst einmal diesen "Stempel", werden sich manche Katzen nie wieder neutral verhalten. Also: die Katze ist ein eigenständiges Wesen mit eigenem Willen und eigenen Bedürfnissen. Dagegen sollte nur in Ausnahmesituationen (z.B. beim Tierarzt, bei der Medikamentengabe) verstoßen werden.

zuletzt überarbeitet: 17.Juli. 2019
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Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Ich bin 36 Jahre alt und halte seit 18 Jahren Katzen. Derzeit lebe ich mit meinen beiden Katzen Janis und Lara im schönen Ruhrpott. Meine Neugier treibt mich seit zehn Jahren dazu, mein Wissen über Katzen ständig zu erweitern. Auf diesem Blog geht es nicht nur um persönliche Erfahrungen, sondern auch um praxisnahe Tipps und die Wissensvermittlung.

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