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Meinung

Vermehren vs. Züchten – (Auch) die Gesundheitsvorsorge macht den Unterschied

Der Vergleich zweier echter Kleinanzeigen: gleicher Preis, aber extreme Unterscheide in der Gesundheitsvorsorge

Der Vergleich zweier echter Kleinanzeigen: gleicher Preis, aber extreme Unterscheide in der Gesundheitsvorsorge

20. März 2015
Lesezeit ca.: 12 Min., 0 Sek.   • zu den Quellen springen
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4 Kommentare

Wenn wir uns entscheiden, mit Katzen zusammen leben zu wollen, kommt unwillkürlich eine Frage auf: Woher soll die Katze kommen? Kleinanzeigenportale im Internet sind für viele von uns eine Anlaufstelle. Dort finden sich Katzen in Hülle und Fülle – vor allem aber in den unterschiedlichsten Preisklassen. Wer hier nur auf Optik und Preis schaut, kann aber schnell unbeabsichtigt in die Falle tappen. In die Falle von Menschen, die undurchdacht Katzen verpaaren – sogenannte Vermehrer*innen. Der Kauf bei Ihnen kann für uns und unser zukünftiges Tier, aber auch den Tierschutz vielerlei Probleme mit sich bringen. Warum genau und was Vermehrer*innen von seriösen Züchter*innen unterscheidet, erklärt dieser Artikel.

Zucht bedeutet Selektion und Wissen um Genetik

In der Biologie bedeutet der Begriff "Zucht" die durchdachte Verpaarung zur Erhaltung oder Verbesserung genetischer Eigenschaften [vgl. Quelle 1]. Eine sorgfältige Auswahl der Verpaarungspartner ist dabei das A und O.

Ohne Wissen um die Genetik der Katzen kann keine gezielte Zucht – und damit Verbesserung – stattfinden. Es bedeutet aber auch, dass tolles Aussehen und lieber Charakter nicht die einzigen Entscheidungsgründe zur Verpaarung sein dürfen. Denn zur verantwortungsvollen Zucht gehört weit mehr! Nicht zuletzt auch das Wissen um die katzengerechte Aufzucht und die gesundheitlichen Grundlagen.

Aber auch, wenn wir nicht "offiziell züchten" möchten, müssen wir unbedingt einige wichtige Dinge beachten.

Verpaarung von Tieren mit unbekannten Vorfahren ist Glücksspiel

So ist das Grundwissen um Erb– und Infektionskrankheiten – z. B. HCM, PKD, HD, FelV, FIV etc. -, ihre Vererbung bzw. Übertragungswege mehr als wichtig. Denn nur so können wir sie verhindern und allen beteiligten Tieren viel unnötiges Leid ersparen. Auch die Blutgruppen der zukünftigen Elterntiere spielen dabei eine entscheidende Rolle: die Kombination zweier "unpassender" Blutgruppen kann zu einem qualvollen Tod der Kitten führen (-> Feline Neonatale Isoerythrolyse).

Vor allem gibt es aber auch "versteckte" Gene, die das Aussehen und die Gesundheit beeinflussen. Diese vererben sich über mehrere Generationen, ohne zwingend nach außen hin sichtbar zu sein oder "Probleme zu machen". Das heißt: Nicht alles was wir sehen, wird sich genau so auf die Kitten übertragen. Und auch Einiges das wir nicht sehen, beeinflusst ihr Aussehen und ihre Gesundheit. Um herauszufinden was (versteckt) vererbt wird, ist es nötig, sich auch die Vorfahren der zukünftigen Elterntiere – und ihre Genetik – genau anzusehen.

Dazu müssen wir die Vorfahren aber überhaupt erst einmal kennen. Ohne dieses Wissen ist verantwortungsvolle Zucht nicht möglich. Mehr noch: Eine Verpaarung ohne dieses Wissen erhöht das Gesundheitsrisiko für die Elterntiere und die zukünftigen Kitten.

Der Stammbaum ist mehr als nur Papier – Vereinszugehörigkeit nur ein Puzzleteil von vielen

Um Elterntiere und Vorfahren genau nachverfolgen zu können, müssen sie irgendwo dokumentiert sein. Dazu dient der Stammbaum: er listet mehrere Generationen von Tieren, ihre Farben und Rassen auf. Zudem ist er ein Beleg für die Reinrassigkeit des jeweiligen Tieres[2,3].

Aufgrund des Stammbaums können wir recherchieren, welche Gene, Krankheiten und welches Aussehen möglicherweise bei den zukünftigen Kitten auftreten. Er erleichtert die gesundheitliche Vorsorge und hilft zu entscheiden, mit welchen Tieren verantwortungsvoll gezüchtet werden kann – oder eben nicht.

Um dieses Dokument überhaupt für die eigenen Tiere zu bekommen, ist die Mitgliedschaft in einem Zuchtverein nötig. Im besten Fall stellt dieser auch Regeln auf, unter welchen Umständen, wie oft und mit wem die eigenen Katzen verpaart werden dürfen. Diese Regeln und Dokumentationen geben einer Zucht einen gewissen Rahmen und machen die verantwortungsvolle Auswahl der zukünftigen Elterntiere erst möglich. Außerdem bietet ein Verein häufig Wissensvermittlung zu Genetik, Trächtigkeit, Aufzucht & Komplikationen während der Geburt. Letztlich dient er auch als Zusammenschluss erfahrener Personen, die einander bei Fragen und Problemen zur Seite stehen können. Idealerweise übt er auch eine gewisse Kontrolle auf seine Mitglieder aus, sich an Regeln zu halten, die dem Wohl der Tiere dienen.

Zwar ist auch hier nicht immer alles Gold was glänzt, denn auch Menschen mit Vereinszugehörigkeit und Stammbäumen können undurchdacht verpaaren. Aber genau deshalb ist es wichtig, nach Gesundheitstests zu fragen und sich die Ergebnisse, sowie die Stammbäume und Impfpässe schwarz-auf-weiß vorlegen zu lassen. Dieses Paket zusammen lässt Rückschlüsse zu, wie seriös die Verpaarungen angegangen werden.

Somit sind Stammbaum und Vereinszugehörigkeit erst der Anfang einer seriösen Zucht: noch vor der ersten Verpaarung stellen wir nämlich weitere wichtige Weichen für die Gesundheit unserer zukünftigen Kitten.

Umfassende Gesundheitsvorsorge vor der ersten Verpaarung und gezielte Deckung

Denn noch bevor wir die erste Verpaarung planen, sind zahlreiche – kostspielige – Gesundheitstests angesagt. Infektionskrankheiten (FIV, FelV, Katzenschnupfen, Katzenseuche etc.) und Parasiten müssen selbstverständlich ausgeschlossen werden. Alle entsprechenden Impfungen müssen vorliegen. Dies sind die grundlegenden Punkte, die sich auch für jede "Nicht-Zuchtkatze" gehören.

Für Tiere, die wir verpaaren möchten, müssen wir aber weit darüber hinausgehen: die Tests auf Erbkrankheiten sollten lückenlos sein und müssen in vielen Fällen auch wiederholt werden. Ein einzelner Test auf diese Krankheiten bringt oft nichts, denn so manche Krankheit entwickelt sich erst im Lauf des Lebens. Auch die Vorfahren der zukünftigen Elterntiere müssen frei von den jeweiligen Krankheiten sein – sonst können sich diese "versteckt" weiter vererben.

Um eine Blutgruppenunverträglichkeit zu vermeiden, müssen wir natürlich auch die Blutgruppen der zukünftigen Elterntiere kennen. Erst, wenn all diese Untersuchungen ohne auffälligen Befund ausgefallen sind, können wir uns Gedanken um eine sinnvolle Verpaarung gesunder Tiere machen.

Ohne Kosten ist die Gewinnspanne groß

Vergleich zweier Kleinanzeigen zum Katzenkauf: gleicher Preis, aber extrem unterschiedliche Gesundheitsvorsorge (beide Kleinanzeigen abgerufen von ebay-kleinanzeigen.de am 01.07.2022, 17:30Uhr)

Nicht wenige Menschen sparen sich diese – teuren – Untersuchungen. Vielfach fehlt zudem das Wissen um Genetik und Vorfahren der Elterntiere. So kann keine gezielte Auswahl der Verpaarungspartner stattfinden. Stattdessen werden Tiere verpaart, nur weil sie toll aussehen oder weil die eigene Katze einmal Kitten haben soll. Oder weil das Verkaufen von Kitten ohne Gesundheitsprophylaxe und katzengerechte Aufzucht relativ leicht verdientes Geld ist.

Dabei wird das Gesundheitsrisiko für Elterntiere und Kitten vollkommen vernachlässigt. Die Folge: ob die Tiere gesund sind und bleiben, ist reines Glücksspiel. Denn Erb- und Infektionskrankheiten sieht man keiner Katze an. Sie sind oft auch nicht sofort tödlich, sondern entwickeln sich im Lauf der Jahre: die Katze leidet über lange Zeit und verursacht häufig enorm hohe Kosten für die tierärztliche Versorgung. Es sei denn, sie kippt eines Tages einfach plötzlich tot um – wie zum Beispiel bei einer HCM.

Mixe sind nicht gesünder als Rassekatzen

Denn entgegen so mancher Vorurteile sind Mixe und Hauskatzen nicht per se gesünder als Rassekatzen. So sollen Untersuchungen zufolge vor allem rasselose Hauskatzen und Mixe noch vor allen anderen Rassen beispielsweise von der Erbkrankheit HCM betroffen sein [4,5,6]. Aber auch eine Vielzahl anderer Erbkrankheiten kann Hauskatzen und Mixe treffen[7]. Denn Erbkrankheiten sind nicht an Rassen, sondern Genkombinationen gekoppelt. Und die kann jedes Tier in sich tragen und weiter geben.

Werden zwei Mixe mit unbekanntem Genprofil und Gesundheitsstatus miteinander verpaart, haben die zukünftigen Kitten sogar ein noch größeres Risiko, krank zu werden. Logisch, denn beide Elternteile bringen verschiedene Mixe von Genkombinationen mit, die zusammen ein unschönes Ergebnis bringen können.

Im Gegenteil kann das Wissen um genetische Komponenten und die gezielte Auswahl der Elterntiere – wie bei der verantwortungsvollen Zucht – dazu führen, dass Krankheiten möglicherweise weniger häufig auftreten [vgl. Quelle 8].

Etikettenschwindel und Unwahrheiten: gepunktetes Fell, langes Fell und Co.

Leider schrecken viele Menschen, die undurchdacht verpaaren auch nicht davor zurück, mit unwahren Aussagen zu werben. So werden gepunktete oder langhaarige Hauskatzen oft als Rassekatzen (Bengal, Maine Coon etc.) ausgegeben, um mehr Geld mit den Kitten zu verdienen. Langes und gepunktetes Fell kommt jedoch auch bei Hauskatzen häufig vor und ist kein Hinweis auf irgendeine Rasse oder auch nur weite Verwandtschaft.

So kann die einfache Wildfärbung der Hauskatze eben einfach getigert oder gepunktet ausfallen, ihr Fell kurz oder lang sein. Diese "Genvorgaben" tragen alle Katzen in sich – ob Rasse oder nicht. Erst dann, wenn ein Stammbaum vorliegt, handelt es sich tatsächlich um eine Rassekatze [3]. Doch auch beim Stammbaum und dem Impfpass wird oft gelogen: Ausreden, dass Stammbaum und Vereinszugehörigkeit extrem teuer und der Impfpass nur gerade "verlegt" worden sei, sind leider häufig.

Tatsächlich kostet ein Stammbaum wenig Geld: nur etwa 30 – 50 €. Das Ausstellen eines solchen Dokuments rechtfertigt also keinen Preisaufschlag von teilweise mehreren hundert Euro! Auch eine Vereinszugehörigkeit kostet keine Unsummen – tatsächlich sind es die vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen, die den Geldbeutel enorm belasten. Diese können und sollten jedoch unabhängig von einer Vereinszugehörigkeit sowieso erfolgen.

In vielen Fällen, in denen ein Impfpass angeblich "gerade nur nicht zu finden" sei, existiert er faktisch erst gar nicht: die Kitten sind noch nicht einmal geimpft oder entwurmt. Damit fehlt ihnen selbst die minimalste Gesundheitsvorsorge.

Hier zu sparen ist ein erstes ungutes Zeichen – über die Beweggründe auch noch zu lügen, direkt das Zweite.

Zu frühe Abgabe, mangelhafte Sozialisation und Aufzucht erhöhen das Risiko auf Verhaltensauffälligkeiten

Doch nicht nur die Gesundheit der zukünftigen Kitten ist wichtig für sie selbst und ihre neuen Halter*innen. Auch ihr Verhalten spielt eine entscheidende Rolle, damit es allen Beteiligten dauerhaft gut geht. Dabei wird die Verhaltensentwicklung durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst.

So spielen "Genvorgaben", die Erfahrung und Ernährung der Mutterkratze während der Trächtigkeit eine Rolle. Aber auch die Kittenstube, also die Aufzucht und Sozialisation der Kitten, ihre Ernährung und Erfahrungen tragen ihren Teil dazu bei. Daher ist es wichtig, sie selbst und ihre Mutterkatze artgerecht zu halten und zu ernähren.

Die artgerechte Ernährung beispielweise liefert alle benötigten Nährstoffe für das gesunde Wachstum. Nur so entwickeln sich Knochen, Organe und Gehirn altersgerecht und geben die Grundlage für wichtige Entwicklungsschritte. Dies beeinflusst letztlich die Ausbildung von Nerven und Gehirnarealen, die für Denken, Entwicklung und Verhalten zuständig sind. Sind im Kittenalter schon Mangel oder Ungleichgewichte vorhanden, kann das irreparable Schäden für das ganze Leben nach sich ziehen.

Eine behütete Kittenstube mit unterschiedlichen Reizen, Kontaktmöglichkeiten und viel Sicherheit durch die Mutterkatze ist grundlegend. Genau so sind aber auch der Umgang mit Mutterkatze und Geschwistern, sowie Erziehung auf Katzenart elementarere Grundbausteine. Damit sich diese Grundbausteine richtig festigen können, braucht es Zeit: mindestens die ersten zwölf – besser 14 – Lebenswochen. Denn auch nach der achten Woche lernen Kitten wichtige Lektionen von Mutterkatze und Geschwistern.

Eine zu frühe Trennung hat nachweislich negative Effekte auf das Verhalten von Katzen und wird sie ihr Leben lang begleiten[9]! Darunter leidet nicht nur die Katze, sondern auch ihr zukünftiger Mensch. Auch die Einzelhaltung entgegen der sozialen Tendenzen der Katze kann enorme Probleme verursachen. Da helfen auch keine (unwahren) Ausreden, dass die Mutterkatze angeblich das Kitten verstößt oder ein Urlaub bzw. dringender Krankenhausaufenthalt bevorsteht: häufige Aussagen, um die Kitten vor der "teuren" Lebensphase loszuwerden.

Risiko im Tierheim zu landen für Vermehrerkatzen ungleich größer

Das alles zusammen – vermeidbare Krankheiten, Verhaltensstörungen – bedingt, dass Katzen aus undurchdachten Verpaarungen deutlich häufiger im Tierheim landen als verantwortungsvoll gezüchtete Rassekatzen. Untersuchungen zufolge werden nämlich vor allem (unkastrierte) Mischlinge und verhaltensauffällige Tiere abgegeben – und das teils bereits im Kittenalter[10].

Befragungen aus den Jahren 2019 und 2022 zufolge stammen deutlich weniger als ein Fünftel aller in Deutschland angeschafften Katzen von Züchter*innen (etwa 13 – 17 %) – dagegen deutlich mehr als ein Drittel (37% – 40 %) aus "privater Hand"[11,12]. Wird hier wenig Wert auf Gesundheitsvorsorge vor und nach der Geburt, katzengerechte Aufzucht und Entwicklung gelegt, sind Probleme vorprogrammiert. Und damit leider auch unzählige, unnötige Leidensgeschichten und voller werdende Tierheime.

Tiere, Menschen und der Tierschutz sind die Leidtragenden undurchdachter Vermehrung

Unter undurchdachter Verpaarung leidet also allen voran das Tier – aber auch seine Menschen und in vielen Fällen ebenso der Tierschutz. Denn wenn Kitten produziert werden, denen nicht einmal gesundheitliche Vorsorge und minimale Entwicklungsgrundsteine gegönnt werden, belastet das das Zusammenleben mit dem Menschen enorm. Unsauberkeit, Aggression, Beißen und Kratzen an Füßen und Händen sind oft Probleme, die zur Abgabe des Tieres führen.

Natürlich tragen auch die Käufer*innen solcher undurchdacht entstandenen Tiere an diesem Problem eine Mitschuld: wo keine Nachfrage, da kein Angebot. Auch das Informieren über solche Punkte gehört zur Vorbereitung der Katzenhaltung. Und im Zweifel auch der Verzicht auf solche "Wühltischkitten".

So lange sich jedoch die Vermehrung von Katzen ohne jegliche oder mit nur minimalster Gesundheitsvorsorge finanziell derart lohnt (Gewinnspannen von teils mehreren hundert Euro pro Tier!), so lange wird es Menschen geben, die das tun. Doch auch ein geringer Kaufpreis täuscht nicht über eingesparte Gesundheitsvorsorge hinweg.

Fazit: Tierschutz oder verantwortungsvolle Zucht – zum Wohl von Katze und Mensch

Zusammenfassend bleibt also zu sagen, dass Menschen, die vermehren sich vor allem durch umfassende Gesundheitsvorsorge von seriösen Züchter*innen unterscheiden. Aber auch in Punkten, die das Verhalten der zukünftigen Kitten beeinflussen. Dabei beginnt die Vorsorge bereits weit vor der Verpaarung und erst recht Geburt: Impfungen und Entwurmungen der Kitten sind nur die absoluten Mindestvoraussetzungen, aber bei Weitem nicht die einzigen.

Diese Mindestvoraussetzungen deckt jedoch auch der seriöse Tierschutz ab – häufig sogar noch mehr: Tests auf häufige Infektionskrankheiten und Kastration der Tiere sind dort mittlerweile weitestgehend Standard. Allerdings zu einem oft deutlich günstigeren Preis als beim Kauf von Vermehrer*innen! Bei beiden Bezugsquellen finden wir zudem Kitten und Tiere, die wie Rassekatzen aussehen. Im Tierschutz manchmal sogar welche, die auch wirklich welche sind – im Gegensatz zum Vermehrer ohne jegliche Vereinszugehörigkeit oder Stammbäume.

Wer also Wert auf Gesundheitsvorsorge noch vor der Geburt legt, geht zu seriösen Züchter*innen. Wem die Gesundheitsvorsorge ab der Geburt reicht, ist mit einem Tier aus dem seriösen Tierschutz gut beraten. Zu Vermehrer*innen zu gehen und weniger Gesundheitsvorsorge mit mehr Geld zu bezahlen, rechnet sich nicht. Im Gegenteil: es rächt sich oft!

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zuletzt überarbeitet: 29.Juli. 2022
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Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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Quellen und weiterführende Infos
  • [1] "Lexikon der Biologie: Züchtung, Zucht,": " www.spektrum.de
  • [2] "Rassehund ohne Abstammungsnachweis ist die Hälfte wert": " anwaltniemeyer.de
  • [3] "Hundekauf: Rassezugehörigkeit als Beschaffenheitsmerkmal": " www.ra-kotz.de
  • [4] "Evaluation der systolischen und diastolischen Funktion bei der felinen hypertrophen Kardiomyopathie mittels Gewebedoppler": " edoc.ub.uni-muenchen.de
  • [5] "Die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) bei Katzen": " www.tierkardiologie.lmu.de
  • [6] "Herzpatient Katze": " www.kardio-vet.de
  • [7] "Krankheiten der Katze", Lutz/Kohn/Forterre, Thieme Verlag, 5. Auflage 2015, zum Beispiel hier: www.thieme-connect.de
  • [8] "Prevalence of Autosomal Dominant Polycystic Kidney Disease in Persian and Persian-Related Cats in Brazil": " www.researchgate.net
  • [9] "Eine spätere Entwöhnung verringert Verhaltensstörungen bei Katzen": " cordis.europa.eu
  • [10] "Aufkommen und Vergabe von Hunden und Katzen in den Jahren 2004 bis 2009 in einem niederösterreichischen Tierheim.": " vetdoc.vu-wien.ac.at
  • [11] "Ohr, Renate: Heimtierstudie 2019, Göttingen": " www.uni-goettingen.de
  • [12] "Haustier-Studie 2022 – Tierhalter*innen legen Wert auf umweltfreundliche, nachhaltige und regionale Produkte": " www.earsandeyes.com

4 Antworten zu “Vermehren vs. Züchten – (Auch) die Gesundheitsvorsorge macht den Unterschied”

  1. Nicole.G sagt:

    Danke Miriam für den ausführlichen Text. Ich konnte wieder lernen. Das mit den Erbkrakheiten war mir bekannt, das mit den Blutgruppen jedoch nicht.
    Als ein Argument, welches ich sogar nachvollziehen kann, wurde mir als Grund für den fehlenden Stammbaum genannt, dass man als Vereinsmitglied mit seinen Katzen zu Ausstellungen gehen müsste und das wäre ja Quälerei für die Tiere.
    Ich bin nicht sicher, ob die Aussage stimmt, aber sie wirkt hervorragend.
    Nein, ich habe kein Kitten bei einem Vermehrer gekauft, ich war bisher nur Tierschutzkundin. Allerdings ist das Thema gerade in meinem privaten Umfeld aktuell, deshalb mein Interesse daran.
    LG
    Nicole.G

    • MIRIAM sagt:

      Hallo Nicole,
      “Pflichtausstellungen” ist ein interessantes Thema – und tatsächlich eines, das oft gern als Ausrede genutzt wird. Tatsächlich ist es so, dass viele Vereine “empfehlen”, mindestens eine Ausstellung zu besuchen bzw. mindestens eine gewisse “Bewertung” des jeweiligen Tieres zu erreichen, bevor mit dem Tier gezüchtet wird. Vor allem dann, wenn es Zweifel oder Unsicherheiten an der Rassezugehörigkeit, der Farbe, dem Aussehen gibt. Einfach, um sicher zu gehen, das es dem jeweiligen Rassetyp entspricht und jemand mit Ahnung sich das Tier mal angeschaut hat. Eine wirkliche Verpflichtung gibt es nicht.

      Festgeschrieben in den Vereinsregelungen sind jedoch in der Regel eine Vielzahl an Gesundheitstests, Regeln und Einschränkungen bei der Zucht: zum Beispiel ab welchem Alter gedeckt werden darf, welche Tiere miteinander verpaart werden dürfen, dass unter einem bestimmten Alter oder eine gewisse Häufigkeit nicht überschritten werden darf etc. In der Realität sind diese Regelungen häufig der wirkliche Knackpunkt, warum viele Menschen nicht in einen Zuchtverein wollen: sie können nicht einfach machen, was sie möchten und müssen Rücksicht auf das Wohl und die Gesundheit der Tiere nehmen. Meiner Erfahrung nach sind ist da einerseits viele Problematiken nicht bewusst – und andererseits interessieren sie häufig auch einfach gar nicht. Bei vielen Vereinen musst du halt viele Nachweise vorlegen: woher kommt das Tier, ist es gesund, welche Untersuchungen wurden gemacht, mit wem soll gedeckt werden, welcher Wurf entsteht dadurch? Fehlen Nachweise, werden Regelungen nicht beachtet oder “Mist gemacht” kann es – je nach Verein, nicht alle sind da so hinterher – Geldstrafen oder gar den Ausschluss aus dem Verein geben.

      Letztlich ist der pauschale Satz, Ausstellungen seien Quälerei für die Tiere auch nicht korrekt. Sicherlich ist es das, wenn man komplett unvorbereitet hingeht und das eigene Tier dort nicht gut versorgt. Wenn man sich auf Ausstellungen aber mal wirklich in Ruhe umschaut, wird man sehen, dass nur die wenigsten Tiere wirklich akut gestresst sind. Die meisten Tiere sind es gewohnt, werden gut versorgt und lümmeln entspannt in ihrem Bettchen und Liegen. Die kleinen “Rampensäue”, die es gerade zu genießen, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen habe ich persönlich etwa in der gleichen Anzahl gesehen wie richtig gestresste Tiere: also eher in der Minderheit. Und auch a liegt es wieder am Mensch, ob er so ein Tier nochmal ausstellt – oder es einfach in Ruhe zuhause lässt. Zur Not kann man nämlich immer noch jemanden aus so manchem Verein zu Besuch bitten, um sich die Tiere zuhaus in der gewohnten Umgebung anzuschauen.

      Alles in allem wird dieses “Argument” meiner Erfahrung nach mehr als Ausrede genutzt – und der wahre Grund liegt woanders: nämlich in der Weigerung, sich Regelung und Kontrolle zum Wohle des Tieres zu “unterwerfen”.

  2. Sandra sagt:

    Ich stimme dir grundsätzlich zu und finde diesen Artikel hier ausgewogener und auf den Punkt gebracht im Vergleich mit der vorigen Version (die mit den “Oops-Würfen” quasi auf einem Level mit der Massenvermehrung krimineller Tierhändler).

    Ich denke: Ja, das wäre super, wenn es in unserem Handel mit Haustieren für Produzenten und Erwerber zum sozialen Standard würde, vor allem Wert auf möglichst umfassende Gesundheitsvorsorge zu legen – und deren Preis entsprechend selbstverständlich zahlen zu mögen.

    In den Aufzuchtbedingungen und Aufwendungen zur Gesundheitsvorsorge unterscheiden sich nicht nur diverse Pivatleute von Vereinszüchtern (so dass man freilich immer vergleichen und prüfen sollte, was man für den geforderten Kaufpreis erhält).
    Auch die Anforderungen verschiedener Rassekatzenzuchtvereine sind unterschiedlich:
    Teils können dort z.B. mal drei Würfe in zwei Jahren produziert werden oder die Mutterkatze darf nicht erst ausdrücklich ab einem bestimmten Alter gedeckt werden. Gerade in der Zucht relativ seltener Rassen kann man sich leicht Verpaarungen genehmigen lassen, die den Inzuchtkoeffizienten deutlich erhöhen. Informationen über die Gesundheit der Zuchttiere finden sich – neben den üblichen klangvollen Namen, Rasse und Fellfarben sowie ggf. Show-Auszeichnungen – nicht unbedingt im Stammbaum. Wie realistisch mag es ferner sein, dass alle (rechtzeitig) davon erfahren können, wenn ein mit vier Jahren aus Altersgründen aus der Zucht genommenes vielfaches Elterntier in mittlerem Alter erkrankt u./od. stirbt… Manchmal müssen nach den Richtlinien des Vereins die Tiere nur entwurmt u. zweifach RCP-geimpft, aber z.B. nicht vor Abgabe auf Giardien u. Chlamydien getestet worden sein, teils nicht mal z.B. auf FeLV (worauf jede Tierheim-Katze untersucht wird). Oder sie müssen bei Abgabe keinen Mikrochip-Transponder implantiert bekommen haben, der ihre Identifikation ermöglicht (was heute selbst manche Privatanbieter machen). Ebenso gehören die aktuell möglichen Gentests nebst jährlicher Ultraschall-Untersuchung etwa des Herzens der Elterntiere keineswegs überall zum Pflichtprogramm. Zumindest Zwingerhaltung wird inzwischen untersagt, aber nicht alle möglichen Gesundheitstests u. Nachweise sind in jedem Zuchtverein verpflichtend. Insofern lohnt es sich, auch bei verschiedenen Vereinszüchtern genau nachzufragen, was man (und das neue vierbeinige Familienmitglied) jeweils für welches und oft gleiches Geld bekommt: Die Gewinnspannen aller Produzenten unterscheiden sich beträchtlich.

    Gerade die ja noch nicht lange erhältlichen Gentests auf Erbkrankheiten wirken leicht missverständlich. Ein solches Gentest-Paket kostet beim hier führenden Labor für jedes Elterntier einmalig 50-60 €. Falls in einer Kitten-Annonce steht, die Eltern seien “HCM- / PKD-frei / negativ”, dann würde dies allein (ähnlich wie die Ausstellung eines Stammbaums durch den Verein) keine erheblichen Mehrkosten bedeuten für Kitten, die ansonsten jeweils “von (bislang) gesunden und zu besichtigenden Elterntieren, liebevoll in der Familie aufgezogen, mehrfach entwurmt und zweimal RCP-geimpft mit 14 Wochen abzugeben” wären.
    Eigentlich könnte solchen Test echt jeder machen lassen, der seine Briten, Maine Coons, Ragdolls (was auch immer) Kitten haben lässt! Und warum nicht, wenn es so günstig und einfach möglich ist (da reicht ein Abstrich), es erzeugt jedenfalls ein besseres Gewissen und zeigt sich werbewirksam verantwortungsvoll.
    Dass heute die meisten Vereinszüchter schon fast ermüdend selbstverständlich etwa mit “HCM-negativ getesteten” Elterntieren werben, suggeriert interessierten Rasse-Liebhabern, solche Erkrankung sei grundsätzlich auszuschließen (es dürfte ja jegliche Grundlage ihrer genetisch bedingten Entstehung fehlen). Allerdings sind bisher bei Katzen nur sehr wenige und auch nur mutmaßlich verantwortliche Genmutationen ausgemacht worden und es bedarf weiterhin regelmäßiger Ultraschall-Untersuchungen, welche auch immer nur eine Momentaufnahme liefern, um sagen zu können, ein Tier sei – bis dato – HCM-frei. Die wiederum kostet dann pro Elterntier jedes Jahr bis zu 200 € und nicht jeder findet eine Tierarztpraxis in erreichbarer Nähe, wo sie überhaupt gemacht werden kann.
    Aber inwiefern ihre Tiere “HCM-frei” seien, das schreiben natürlich auch die wenigsten Züchter auf ihren Homepages. Alle bemühen sich, und vielleicht barft mancher Vermehrer gar und hat die Katzen-Großeltern noch in der Nachbarschaft und lässt für 400 € zusätzlich chippen und verteilt seit fünf, sechs Jahren jedes Jahr einen Wurf desselben Katzenpaars (da lohnt sich auch eine Blutgruppenbestimmung) und bislang ist aus der Verpaarung wirklich noch kein Vorfahre und Nachkomme tot vom Kratzbaum gekippt – oder auch nur etwa an FORL erkrankt, herrje, was soll’s.
    Man weiß es bloß nie aus einer Annonce und wenn man vor allem den Phänotyp einer bestimmten Züchtung sowie am liebsten noch ein Schnäppchen sucht, das ganz okay zu sein scheint… Eine Gesundheitsgarantie gibt’s sicher nirgends.

    Ich persönlich würde ein Kitten bemühter Mitmenschen aus einem ungeplanten Wurf sowie die eine oder andere Privatperson, die ihre Katzen sporadisch verpaart gegenüber den zwei genannten Optionen “Tierheimkatze oder Rassekatzenvereinszüchtung” nicht prinzipiell ausschließen.
    Doch Leute, die mit dem Verkauf von nur notdürftig versorgten und aus fragwürdigen Gründen ganz dringend (zu jung) abzugebenden Kitten Geschäfte machen, finde ich gleichfalls schrecklich, – und es gibt zu viele davon, die ihre Kätzchen auch noch jedes Jahr loswerden.

    Inzwischen ist das – für mich verständliche – Unbehagen, mit seinen Tieren an Ausstellungen teilzunehmen, glaube ich, auch kein Argument mehr, um nicht Mitglied eines Vereins zu sein, – sofern jemand denn Rassekatzen züchten möchte -, da die Shows nicht mehr bei allen Vereinen obligatorisch sind.
    Viele Jahrzehnte gab’s ja in der Rassezucht gar keine Gentests, wenig Gesundheitstests: Der Schwerpunkt lag darauf, nach wechselnden Modevorstellungen bestimmte Phänotypen (und teils Wesenszüge) selektiv zu kreieren, zu erhalten u./od. zu verbessern. Ideen “typvoll” eugenischer Schönheitsideale und “Reinrassigkeit” gehören für mich in die Zeit der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, als man etwa auch menschliche Nasen vermaß und fragwürdigen Obsessionen von “Rassereinheit”, Rassenzugehörigkeit und -Rasseeigenschaftszuschreibungen anzuhängen pflegte. Daran denke ich auch bei diesen Shows (die ja nicht ganz so rituell-spaßig relativierbar sind wie etwa Miss-Wahlen oder Gildekönigs-Schießen). Da wurden und werden Haustiere vor allem nach Typ vermessen und bewertet. Und sie mussten und müssen für die Zucht so jung sein, dass viele Krankheiten erst später auftreten, wenn sie nach wenigen Jahren etliche Nachkommen hatten, mit denen teils schon intensiv weiter gezüchtet worden war… Weil etwa alle “den prämierten Deckkater” wollten… Rassezuchtpraxis verkleinert den Genpool: Es waren Linienzucht an sich und züchterische Einkreuzungen, durch die bestimmte erbliche Erkrankungen erst “rassespezifisch” geworden sind und sich später in der gesamten Hauskatzenpopulation haben ausbreiten können. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir etwas ironisch, wenn Rassekatzenzuchtvereine heute verstärkt Gesundheitssorge als das exklusive Qualitätsmerkmal ihrer Arbeit verstanden wissen wollen. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts begannen viele neue Modezüchtungen damit, dass Leute ihre irgendwie als speziell empfundenen Hauskatzen nicht selten erstmal inzestuös verpaarten, einzelne Exemplare anderer Rassekatzen einkreuzten und sich auf Zuchtvereins-Shows eine Anerkennung ihrer Kreation seitens irgendeines Verbands errungen haben. Es ist für mich ein fragwürdiges Hobby mit einem fragwürdigen Verhältnis zum Haustier als eine Art von designbarem Modeaccessoir, das gleichzeitig ein möglichst pflegeleichtes Familienmitglied darstellen darf. Ohne diesen gesamten Hintergrund würde heute niemand auf den Gedanken kommen, bevorzugt Rassekatzen-Mixe und “edle, typvolle Rassekatzen” – mit od. mit gerade nur verlegtem od. mit gefälschtem oder auch ohne Stammbaum – möglichst mit etwas Profit verkaufen zu wollen – und es auch können! Und Hauskatzen ohne Rassebetitelung wären nicht vielen “höchstens 100 € wert” (selbst wenn sie noch auf irgendwas getestet, irgendwie geimpft und vielleicht gechippt wären). Womöglich sollten wir zunächst unser Verhältnis zu Haustieren in ihrem unveräußerlichen Wert überprüfen…

    • MIRIAM sagt:

      Hallo Sandra,
      Danke für deinen Kommentar und deine Gedanken! Du hast recht: es läuft leider viel zu viel falsch – egal, wo man hinschaut und leider wird sehr sehr oft das Tierwohl unter Prestige oder Geldgier vergessen. Gesunde Tiere mit guter Aufzucht sollten unser aller Wunsch und Ziel sein. Leider sieht das nicht jeder Mensch so.

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