Stiftung Warentest Nassfuttertest 05/2024 – nicht mehr als eine Momentaufnahme einer Teilbewertung

Seit ein paar Tagen ist der neue Futtertest der Stiftung Warentest mit dem Titel “Delikates für Diven” online. Er beschäftigt sich mit 27 Nassfuttersorten für Katzen – teils aus dem Supermarkt, teils aus dem Zoofachhandel. Und natürlich ruft er wieder laute Stimmen und auch Verschwörungsmärchen hervor. Ich habe ihn mir ausführlich angesehen und möchte eine kleine unaufgeregte Analyse und ein kleines Fazit anbieten.

Keine Testergebnisse oder Auflistung von Testsiegern!

Ich biete hier bewusst keine Auflistung von Testsiegern, bemängelten Punkten oder genaue Testergebnisse an, sondern möchte lediglich einige Knackpunkte aufgreifen und erklären, warum auch dieser StiWa Test wieder einmal nur die halbe Wahrheit über Katzenfutter zeigt. Hier kannst du direkt zum vereinfachten Fazit springen: -> vereinfachtes Fazit



Testergebnisse umrandet von Zusatz-Informationen

Wie in allen Stiftung Warentest (StiWa) veröffentlichten Futtertests sind die eigentlichen Testergebnisse begleitet von zusätzlichen Infotexten. Im Jahr 2020 drehte sich dabei alles um Körpergewicht bei Katzen und Biofutter – in diesem Jahr erfahren wir mehr über den Umweltaspekt so mancher Verpackung und ein paar Infos zu den unterschiedlichen Ernährungsbedürfnissen von Hunden und Katzen.

So empfiehlt die StiWa, vor allem zu Futter aus Dosen und Schalen zu greifen, denn diese seien zu 90% bzw. 75% recycelbar. Im Gegensatz zu Pouches, bei denen nur der Alu-Anteil recycelt werden könne, die Kunststoffummantelung jedoch nicht. Einen Hinweis gibt es dazu: Egal, welche Verpackung, sie gehörten in den gelben Sack oder die Wertstofftonne. Man solle die größtmögliche Packung wählen, um Müll zu sparen.

Außerdem gibt es den Tipp “ab und zu” Trockenfutter zu verfüttern, denn das würde viel Müll einsparen. Dem kann ich mich als Ernährungsberaterin für Katzen nicht anschließen: meine Priorität liegt bei gesunder Fütterung (welche Trockenfutter in meinen Augen nicht ist) – Mülleinsparung ist ein untergeordneter Nebenaspekt.

Kein guter Anfang: Schwierige Aussagen im Begleittext

Einige der in der Einleitung und im Begleittext notierten Formulierungen (Haustier “mit Allüren“, “Nörgelkatzen“, “wählerischer Gaumen”) finde ich persönlich nicht gut gewählt, denn sie befeuern leider falsche Vorurteile gegen Katzen. Das geht besser! Stattdessen würde mich mir einen Infotext wünschen, der aufklärt, warum Katzen “wählerisch” sein können, was die Futterauswahl (u. A. die Testsieger dieses Tests!) und die Futterprägung damit zu tun hat.

Denn mit dem Wissen darum, müssen Katzen nicht wählerisch sein oder an ihrem Futter nörgeln.

Nur die halbe Wahrheit über Fleisch, Getreide und Zucker

Der Aussage (Zitat) “Katzen und Hunde brauchen individuelle Nahrung. Fleisch ist kein absolutes Muss” kann ich mich nur bedingt anschließen: Ja, Katzen und Hunde haben – wie die StiWa im Text verdeutlicht – unterschiedliche Bedarfe an Nährstoffen, Fleisch ist für die Katze jedoch tatsächlich ein Muss. Denn nicht nur die Nährstoffe, sondern auch das “Drumherum” bestimmen über die Nährstoffaufnahme und -verwertung.

Weiterhin finden sich im Begleittext folgende Aussagen (Zitat) “Getreide liefert Ballaststoffe, die Miezies Verdauung gut tun” und “Dabei stellt der Zuckergehalt in Fertigfutter kein Problem dar.

Diese Aussagen geben in meinen Augen nur die halbe Wahrheit wider: Ja, Katzen können Getreide als Ballaststoff nutzen und Zucker ist in den geringen Mengen, in denen es im Katzenfutter verwendet ist, für gesunde Katzen auch nicht problematisch. Das große Aber: beides ist im Katzenfutter völlig unnötig und sorgt vor allem für “hübsche Optik” und Einsparungen bei den Rohstoffpreisen. Kranke Katzen könnten damit tatsächlich Probleme haben und es gibt weitaus bessere Alternativen.

Die einzige Ausnahme, die laut StiWa-Angabe bei dem Test übrigens über den Wert von 2 g Zucker pro 100g Futter gekommen ist, ist das Benevo vegane Futter für Hunde und Katzen – ein Futter, dem StiWa insgesamt ein sehr vernichtendes Urteil gibt, da es laut ihnen u. A. verschiedene Nährstoffversorgungs-Mängel aufweist.

Für den Testverlierer Strayz “Huhn & Zucchini” bemängelt die StiWa im Begleittext die Werbeaussage “ohne Zuckerzusatz”, im Bereich “Deklaration & Werbeaussagen” bekommt die Sorte nur die Note “befriedigend (2,9)” – unter Anderem auch wegen der zusätzlichen Aussagen “getreidefrei” und “hoher Fleischanteil”. Laut StiWa verstärkten alle drei Werbeaussagen Vorurteile: ein hoher Fleischanteil ginge nicht automatisch mit einer guten Nährstoffbilanz einher und Katzen könnten Getreide auch als Ballaststoff nutzen.

Diese Aussagen mögen alle so stimmen, aber sollten die Werbeaussagen des Herstellers zutreffen (Fleischanteil und Zuckerzusatz kann StiWa nicht ermitteln, Gluten- und Reisbestandteile konnten sie nicht nachweisen), sehe ich persönlich keinen Grund, sie abzustrafen. Sie beschreiben lediglich Alleinstellungsmerkmale (tatsächlich treffen diese Eigenschaften nämlich auf fast kein anderes Produkt aus dem Test zu!) und die Eigenschaften der Futterzusammensetzung.

Gesamtbewertung besteht aus mehreren Puzzleteilen

Wie in jedem vergangenen Test setzt sich auch bei diesem die Gesamtnote aus mehreren Teilergebnissen zusammen:

Die ernährungsphysiologische Qualität macht mehr als die Hälfte (60%) der Gesamtbewertung aus. Vereinfacht gesagt testet die Siftung Warentest, ob der Nährstoffgehalt der vorliegenden Futter die Vorgaben für Nährstoffempfehlungen einhält. Sie zieht dabei die Empfehlungen der FEDIAF heran – einem freiwilligen Zusammenschluss europäischer Futterhersteller – und des NRC – einem Zusammenschluss, der aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien Empfehlungen herausgibt.

Außerdem stützt sie sich für die Bewertung des Phosphorgehalts auf drei verschiedene Studien zu anorganischem (also durch nicht-natürliche Zusätze zugefügten) Phosphor:

Weiterhin fließen auch die Fütterungsempfehlungen (15%), Schadstoffe (10%, Zitat “Kein Futter enthielt sie in bedenklichen Mengen“), Verpackung (5%) und Deklaration & Werbeaussagen (10%) zu jeweils unterschiedlichen Gewichtungen in die Gesamtbewertung mit ein.

Auf der Webseite der Stiftung Warentest gibt es weitere Informationen darüber, was und wie getestet wurde: So haben wir getestet.

Weitere Untersuchungen (ohne Einfluss auf die Gesamtbewertung) waren: Untersuchungen auf Spuren tierischer Bestandteile wie Haare, Horn, Borsten (alle Produkte waren unauffällig), Bestimmung des Zuckergehalts in den Futtersorten und Überprüfung auf Gluten- oder Reisbestandteile in den als “getreidefrei” deklarierten Sorten (alle Produkte waren unauffällig). Zudem wurden mithilfe einer DNA-Bestimmung die enthaltenen Fleischsorten ermittelt.

Die Produkte für den Test seien laut StiWa im September bis Oktober 2023 eingekauft worden – die Anfrage zu den Preisen sei im Februar 2024 bei den jeweiligen Herstellern erfolgt.

Zwei Bewertungsteile beziehen sich auf den Doseninhalt, der Rest auf das Drumherum

Schauen wir uns also die Bewertungspuzzleteile an, fällt auf, dass nur zwei davon sich auf den Doseninhalt beziehen: ernährungsphysiologische Qualität (also “Nährstoffgehalte”) und Schadstoffe. Sie machen zusammen 70% der Gesamtbeurteilung aus.

Alle anderen Punkte beeinflussen die Bewertung zu 30%, haben mit dem Futter an sich aber nichts zu tun. Es geht hierbei um Dosenaufdruck und Werbeversprechen. Keine Punkte, die für mich in der Frage “Ist das Futter gut?” wirklich zählen. Klar ist es super, wenn ich alles gut lesen kann, es keine überzogenen – oder leeren – Marketingsprüche gibt, aber über das Futter an sich sagen sie nichts aus.

Immerhin gibt die Stiftung Warentest an, dass – vereinfacht gesagt – Futter die in der ernährungsphysiologischen Qualität nicht gut abschneiden, dies durch die anderen Punkte nicht “ausgleichen” können, um am Ende dadurch eine bessere Note zu erhalten. Dennoch denke ich, dass diese restlichen Punkte als “Bonusinfos” ohne Einfluss auf die Gesamtnote besser eingeordnet wären.

Wie immer: Bewertung von Nährstoffgehalten, nicht auch Rohstoffqualität

Wo wir auch direkt schon wieder bei meinem Kritikpunkt sind, den ich an allen StiWa-Futtertests auszusetzen habe: Die StiWa kann nur eine Teilbewertung von Futter vornehmen. Sie können nur die Nährstoffgehalte und Fleischsorten (und ein paar andere Kleinigkeiten drumherum) testen – nicht aber, wie viel Tierisches enthalten ist, wie viel davon Fleisch, wie viele und welche Nebenerzeugnisse es sind. Das ist aber ebenfalls ein wichtiger Teil der Bewertung, wenn wir uns Futter näher anschauen.

Es ist für die StiWa unmöglich, das zu testen, denn dafür gibt es keine Laboruntersuchungsmöglichkeiten. Das gibt sie auch immer wieder zu (Beispielzitat aus dem Test 05/2024 “Im Labor lässt sich der konkrete Fleischanteil allerdings nicht ermitteln“). Dennoch suggeriert die StiWa mit ihrem – zwangsläufig unvollständigen – Test, nur allein anhand ihrer Ergebnisse ließen sich gute von weniger guten Futtern unterscheiden. Das ist in meinen Augen aber nur die halbe Wahrheit.

Was die StiWa testen kann – und tatsächlich auch testet – ist, ob sich Haare, Huf oder Borsten im Futter befinden. Also ob ganz, ganz minderwertige Proteinquellen eingesetzt werden. In diesem Test konnten sie das in keinem der getesteten Futter nachweisen. Ob aber zum Beispiel schwerer verdauliche Inhaltsstoffe wie Lunge, Euter, Knorpeliges oder bindegewebslastige Inhaltsstoffe eingesetzt werden (und in welcher Menge), kann nicht geprüft werden – obwohl auch das ein Punkt wäre, der Schlüsse über die Futterqualität zulässt.

Mit Vorurteilen rund um den Fleischanteil aufräumen

Futter mit Gruppendeklarationen und der 4%-Angabe der geschmacksgebenden Sorte enthalten alle mehr als 4% Tierisches. Was genau davon enthalten ist, wie viel Fleisch und wie viele Nebenerzeugnisse (und vor allem, welche), kann uns auch die Deklaration nicht sagen – der Aufdruck bedeutet jedoch keineswegs “nur 4% Fleischanteil”! Mehr dazu hier: Es gibt kein Katzenfutter mit nur 4% Fleischanteil! Einem weit verbreiteten Missverständnis auf der Spur

Tierische Nebenerzeugnisse sind übrigens nicht per se schlecht. Und Lebensmittelqualität bei Tierfutter ist nicht mehr als eine Werbeaussage: Alle Tierfutter enthalten sogenanntes K3-Material, etwas anderes darf gemäß Gesetzgeber auch gar nicht ins Futter – das ist jedoch nicht schlimm, weil auch K3-Material völlig in Ordnung sein kann. Mehr dazu hier: “Tierfutter in Lebenmittelqualität” – mehr als nur Werbeblabla?

Bewertung der Nährstoffgehalte: viele wichtige Fragen bleiben offen

So wichtig die Bewertung der ernährungsphysiologischen Qualität auch ist, hier hat sie mich mit vielen Fragen und Widersprüchlichkeiten zurück gelassen. In der Tabelle zur Bewertung der einzelnen Futter finden sich auch Hinweise zu den bemängelten Punkten der jeweiligen Futter. Manche beziehen sich auf einen hohen Preis, zu hohe oder niedrige Fütterumgsempfehlungen, fehlende Angaben oder kleine Schrift auf den Verpackungen. Das größte Gewicht aber dürften dabei die bemängelten Punkte bezüglich der Nährstoffgehalte haben.

Dazu ist direkt einleitend zu sagen, dass sich die von der StiWa herangezogenen Empfehlungen von FEDIAF und NRC in manchen Punkten unterscheiden. Die StiWa gibt aber nicht an, bei welchen Nährstoffen sie welchen Empfehlungen gefolgt ist. Damit hat sich für mich schon das erste Fragezeichen in meinem Kopf ergeben.

Keine Angabe über zugrundegelegte “Grenzwerte”

Meine zweite Frage ist, woher die StiWa die Grenzwerte für “zu viel” (z. B. Kalzium, Natrium, Phosphor) hat, denn weder FEDIAF, noch NRC geben für diese Nährstoffe Höchstwerte an. “Mehr als der Bedarf” – so wie in einigen Bewertungstexten der StiWa angegeben – muss nämlich zwangsläufig weder “schlecht”, noch “zu viel” bedeuten. Das ist tatsächlich abhängig von vielen verschiedenen Faktoren.

Bei Kalzium und Phosphor unter Anderem von einem ausgewogenen Verhältnis dieser beiden Nährstoffe. FEDIAF und NRC geben zwar – unterschiedliche – Empfehlungen dafür an, die StiWa nennt jedoch keine konkret gemessenen Ergebnisse, um die jeweilige Bewertung einorden zu können.

Weiterhin bemängelt sie so manches Mal eine ungünstige Kationen-Anionen-Bilanz. Eine Bilanz, die unter ungünstigen Bedingungen zusammen mit anderen Faktoren zu einem erhöhten Harnstein-Risiko führen kann. Welche Kationen-Anionen-Bilanz sie als günstig erachtet, gibt sie nicht an.

Bewertung aufgrund einer Vermutung oder eines Missverständnisses?

Bezüglich Phosphor ist mir ein weiterer Punkt aufgefallen: die StiWa gibt an, dass sie sich auf die obigen Studien zum anorganischen Phosphor bezieht. Denn zu viel dieses anorganischen (also durch nicht-natürliche Zusätze hinzugefügten) Phosphors zusammen mit einem ungünstigen Kalzium/Phosphor-Verhältnis könnte Nierenerkrankungen begünstigen.

Die StiWa kann aber nicht überprüfen, ob das ermittelte Phosphor tatsächlich anorganisch ist oder aus organischen Quellen (wie z. B. Knochen, Eierschale) stammt. Auch die Deklarationen müssen darüber nämlich keinen Aufschluss geben, weil diese Rohstoffe schlicht unter den Sammelbegriff “tierische Nebenerzeugnisse” fallen.

Im letzten Test 2020 hat die StiWa zugegeben, dass sie das nicht unterscheiden kann. Dieses Mal fehlt dieser wichtige Hinweis leider. Futter dennoch mit dieser Wissenslücke in diesem Punkt zu bewerten – und das ganz ohne Einordnung – finde ich nicht angemessen.

Abwertung wegen eines hohen Fettgehalts – Kollision mit der Modellkatze

Der Testverlierer Strayz “Huhn & Zucchini” wurde vor allem aufgrund seines hohen Fettgehalts “abgestraft”. Laut StiWa sei die Angabe zum Fettgehalt mittlerweile durch den Hersteller geändert worden – wir können also heute kaum mehr vergleichen, wie hoch die Angabe zum Testzeitpunkt war.

Alles in allem ist tierisches Fett ist für die Katze ein gesunder Kalorien- und Nährstofflieferant. Die Stiftung Warentest sagt zu ihrer Bewertung des Futters: “Durch den hohen Fettgehalt kommen bei passender Portion eine Vielzahl an Nährstoffen zu kurz.” Hier kommen bei mir wieder Fragen auf und ich kann so nicht wirklich damit konform gehen.

Zu den Hintergründen sei geschrieben: StiWa geht von einer leicht übergewichtigen 4kg Modellkatze und ihrem täglichen Kalorienbedarf aus. Und errechnet danach die Fütterungsmenge. Daraus ergibt sich auch, wie viel Nährstoffe die errechnete Futtermenge mit sich bringt. Wo bei einer normalgewichtigen Katze diese Kalorien-Nährstoff-Balance noch passen mag, ist das bei einer Katze die weniger Kalorien braucht (weil sie übergewichtig ist), natürlich anders – denn weniger Kalorienbedarf = weniger Futtermenge = weniger Nährstoffgehalt.

Da die StiWa nicht preisgibt, mit welchem Fett- oder Kalorienbedarf sie rechnet, mit konkret welchen Nähstoffempfehlungen, mit welcher ihrer Ansicht nach “passenden Portion” sie rechnet, kann niemand die Bewertung einordnen. Ich persönlich würde mich der aufgebauten Argumentationskette allein schon aufgrund der Grundlage der angenommenen Modellkatze nicht so anschließen. Das gilt übrigens für alle Beurteilungen der Nährstoffe.

Hier gehts zum Statement von Strayz: Stiftung Warentest, wir müssen reden!

Aufschlussreich: Schwein in fast allen Futtern mit Gruppendeklaration enthalten

Wirklich aufschlussreich – aber keineswegs überraschend – empfand ich die Auflistung der gefundenen Fleischsorten. Auffallend dabei: so gut wie alle Futter mit Gruppendeklarationen enthielten (neben dem was auf der Dose stand) noch andere Fleischsorten, die nicht deklariert waren. Genauer gesagt fand die StiWa in ihnen zusätzlich zum Deklarierten vor allem Schwein/Wildschwein und Rind. Für den Testsieger Whiskas “mit Geflügel in Sauce” heißt das konkret: es wurden Huhn und Schwein nachgewiesen.

[Unsachlicher Kommentar meinerseits: Hier können Schweine also nicht nur pfeifen, sondern auch fliegen 😉 ]

Bei den Futtern, die eine offenere Deklaration aufwiesen, wurde auch nur das nachgewiesen, was deklariert war.

Interessant ist auch, dass laut StiWa in der “Pastete mit Fasan” von Miamor, kein Fasan – dafür aber nur Huhn – nachgewiesen wurde. Dazu schreibt die Stiftung Warentest (Zitat): “Der Pastete von Miamor mangelt es nicht nur an Vitamin B1, Jod und Proteinen – wir fanden auch keinen Fasan. Laut unserer Analyse ist er nicht nachweisbar, was daran liegen kann, dass zu wenig Fasan-DNA enthalten ist. Steht “mit Fasan” auf der Dose, muss der Fasangehalt mindestens 4 Prozent des Futters ausmachen“. [Bisher (Stand 30.04.2024) hat sich Miamor noch nicht öffentlich dazu geäußert]

Schwein im Fertigfutter ist kein Problem

Schweinefleisch ist für die Katze eine – preiswerte – und gut zusammengesetzte Proteinquelle. Warnungen vor dem Aujeszky-Virus beziehen sich auf rohes Schweinefleisch. Fertigfutter ist gekocht. Damit ist das Virus – sollte es denn jemals enthalten gewesen sein – ohnehin abgetötet.

Nur Momentaufnahme ausgewählter Sorten: ein Test könnte heute gänzlich anders ausfallen

Letztlich gibt es noch zwei weitere Gründe, diesen Stiftung Warentest Futtertest mit Vorsicht zu genießen. Einen davon finden wir kleingedruckt in der Bewertungstabelle und einen im Begleittext:

Laut Hinweisen in der Bewertungstabelle seien drei Produkte seit dem Einkauf der StiWa im September / Oktober 2023 verändert worden, bei zweien die Kennzeichnung. Von vier Produkten aus dem Test – so gibt die StiWa nach Herstellerangabe an – seien nur noch Restbestände am Markt.

Außerdem schreibt die Stiftung Warentest (Zitat): “Einzelne Testergebnisse lassen sich nicht auf andere Futter desselben Anbieters übertragen, wie das Beispiel Nestle zeigt. Drei der Menüs der Nestle-Marke Purina bekommen unterschiedliche Noten: Sehr gut, Gut und Ausreichend.” In Tests der vergangenen Jahre noch und in ihrer FAQ gab die StiWa an, dass sich die Testergbenisse generell nicht auf andere Sorten desselben Herstellers übertragen lassen. Fällt das Testergebnis des Futters “Huhn & Zucchini” also gut aus, muss das nicht auch auf die Sorte “Buckelwal mit Blattgold” oder “Mammut mit Möhrchen” zutreffen.

Zusammengefasst bedeutet das: die Testergebnisse beziehen sich nur auf die Sorten, die getestet wurden und einige von ihnen wurden seit dem Test auch schon wieder verändert. Besonders bei Futtern mit Gruppendeklaration kann der Inhalt je nach Charge gänzlich anders zusammengesetzt sein – bei gleicher Deklaration. Damit sind die Ergebnisse des StiWa Futtertest bei einigen Futtersorten schon heute, spätestens aber bei der nächsten Produktanpassung schon gar nicht mehr zutreffend.

Vereinfachtes Fazit: wackelige Momentaufnahme einer Teilbewertung

Stiftung Warentest bewertet die einzelnen Futtersorten vor allem nach ihrem Nährstoffgehalt. Das ist ein ungeheuer wichtiger Punkt, jedoch nicht der einzige, der Aufschluss über die Futterqualität gibt. Andere getestete Punkte sagen über genau jene Futterqualität nichts aus, fließen jedoch zu nicht unerheblichen Teil in die Gesamtbewertung mit ein. Selbst die Bewertung der Nährstoffgehalte ist teilweise widersprüchlich und hinterlässt wichtige Fragen.

Etwas, das wir bei der Betrachtung dieser Testergebnisse, aber vor alleim beim Einkaufen im Hinterkopf behalten sollten: Die Ergebnisse beziehen sich nur auf die getestete Futtersorte – und auch nur auf den Zeitpunkt des Tests! Heute oder in ein paar Wochen könnten die Ergebnisse schon anders aussehen – zumindest bei jenen Sorten, die Gruppendeklarationen aufweisen., also bei allen Testsiegern und insgesamt fast allen getesteten Futtern. [Etwas, das tatsächlich ursächlich für mäkeliges oder wählerisches Fressverhalten sein kann. ]

Sicherlich liefert der Test einige wichtige Aspekte, kann aber nur einen Gedankenteil abdecken, den wir beim Futterkauf im Hinterkopf behalten sollten. Jemandem, der sich nicht ganz so tief ins Thema reinknieen möchte, würde ich empfehlen: nimm den Test zusammen mit anderen Hinweisen, um gutes Futter zu erkennen – aber nicht diesen Test alleine!

Finanzierung der Stiftung Warentest ist öffentlich einsehbar – kein Grund für Verschwörungsmärchen!

Ein Blick in die öffentlich einsehbare Finanzübersicht der Stiftung Warentest zeigt, wie sie sich finanziert: Zu knapp 90% kommen die Einnahmen aus Büchern, verkauften Tests und Steuergeldern. Denn die Stiftung Warentest wird vom Bundes­ministerium der Justiz und für Verbraucher­schutz unterstützt. Unter Anderem, damit sie unabhängig von sämtlichen Herstellern bleiben kann.

Nur etwa 9% der Einnahmen kommt aus Lizenzverträgen mit Herstellern. Damit diese mit StiWa-Logo und Testurteil ihrer Produkte werben dürfen, müssen sie der Stiftung Warentest Gebühren zahlen.

Nur weil die Stiftung Warentest Testergebnisse nicht den persönlichen Prioritäten entsprechen, heißt das noch lange nicht, dass sie gekauft oder bestochen wurde. Fertigfutter zu bewerten geht aus vielerlei Blickwinkeln – nicht nur unserem eigenen!

Für mich als Ernährungsberaterin für Katzen hat dieser Test sehr geringe Aussagekraft, denn ich habe keine genauen Angaben über Ergebnisse, getestete Werte und nur begrenzte Angaben zu zugrundegelegten Empfehlungen. Aber es ist interessant zu sehen, in welchen Bereichen Knackpunkte bei der Nährstoffversorgung durch Fertigfutter liegen könnten.

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Ein Kommentar

  1. Liebe Miriam,

    danke, danke, danke für deine Einschätzung dieses Katzenfuttertests! Und bei deinen Ausführungen bleibst du so sachlich!

    Mich macht das immer ärgerlich, wenn die StiWa bei den Futtertests zum wiederholten Mal so unzulänglich testet. Weil ja der ein oder andere Mensch sich auf die Bewertungen der StiWa verlässt und meist gar nicht den zugehörigen Text liest, wie und was denn getestet wurde. Man hat dabei den Eindruck, dass oft die hochwertigen Futter die schlechtesten Bewertungen bekommen.
    Und ich muss gestehen: das schürt bei mir die Vorurteile gebenüber den Tests insgesamt der StiWa – was natürlich auch doof ist, aber eben meinungsbildend sein kann.

    Dass du uns hier wiedermal kostenlos so tolle Aufklärung präsentierst: tiefe Verbeugung vor deiner Arbeit und deiner Fachkunde!
    Meint Ursel

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