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Rohfüttern ist keine Religion! – Gegen Missionierung im Namen des rohen Knochens

Nicht jede Katze ist neugierig auf Rohfütterung

Nicht jede Katze ist neugierig auf Rohfütterung

16. April 2021
Lesezeit ca.: 4 Min., 5 Sek.  
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5 Kommentare

Wie die Meisten von euch wissen, füttere ich meine Katzen seit über sieben Jahren roh. Noch viel länger lese ich in verschiedenen Foren und Gruppen mit, wie andere Katzenhalter dabei vorgehen und welches neue Wissen es gibt. Dabei bekomme ich immer wieder mit, wie verbissen manche Menschen Anderen die Rohfütterung aufdrängen wollen. Von übertrieben dargestellten Vorteilen, über das Verschweigen von Nachteilen bis hin zu persönlichen Vorwürfen reicht dabei die Liste der "Argumente". Es nervt mich, es macht mich wütend. Heute muss das mal raus.

Lieber gute Dose als schlechtes Rohfutter

Denn es gehört zur Rohfütterung weit mehr als nur das Adjektiv "roh"! Sicherlich ist es für Aminosäuren und Nährstoffe von Vorteil, wenn sie eben nicht gekocht sind. Aber eine vernünftige Zusammenstellung der Mahlzeiten ist weitaus wichtiger! Eine unausgewogene rohe Mahlzeit ist für die Katze auf Dauer schlechter als jedes noch so minderwertige Fertigfutter.

Klar, hat Fertigfutter seine Nachteile. Aber immerhin können wir uns als Verbraucher in fast allen Fällen darauf verlassen, dass wenigstens der Mindestbedarf an Nährstoffen damit abgedeckt wird. Bei unausgewogen zusammengestellten Rohmahlzeiten ist das nicht der Fall. Bevor wir also jemanden zu etwas überreden, von dem er weder selbst überzeugt ist, noch genug weiß, sollten wir lieber zweimal nachdenken.

Schonmal Menschen getröstet die der Überzeugung waren, sie fütterten ihre Katze mit Dosenfutter schwerkrank – weil Andere ihnen das eingeredet hatten? Ich schon mehrmals. Ist nicht schön. Und macht wütend!

Rohfutter ist nicht für jede Katze und für jeden Halter geeignet

Zudem gibt es auch schlicht Katzen, für die die Rohfütterung nichts ist. Sei es, weil sie bestimmte Krankheiten haben oder während der Umstellung extrem gestresst reagieren. In dem Fall könnte dann natürlich selbst gekochtes Katzenfutter eine tolle Alternative zu gekauftem Fertigfutter sein – Aber auch der Halter ist hier ein großer Faktor. Und zwar nicht nur im Sinne von "hat keinen Bock".

Es gibt schlicht Menschen, die sind zu ängstlich und zu unsicher, um ihrer Katze selbstgemachtes Futter zu verfüttern. Da mag so mancher andere Halter nur müde drüber lächeln oder es als Ausrede abtun: Dennoch werden solche Menschen durch rumpelndes Missionieren nicht sicherer. Im Gegenteil. In manchem Haushalt sprechen auch einfach bestimmte Lebensumstände gegen die Rohfütterung. Oder der zeitliche Faktor. Niemand sollte sich hier anmaßen, besser bescheid zu wissen als der betreffende Halter selbst.

Nicht jede Katze profitiert von den Vorteilen der Rohfütterung

Geht es um die Vorteile der Rohfütterung für die Katze, so werden vor allem oft verbesserte Zahngesundheit, besseres Allgemeinbefinden und Entertainment beim Fressen aufgezählt. Und für sehr viele Katzen trifft das auch durchaus zu. Es gibt aber die kleinen Ausnahmen, die trotz jahrelanger Rohfütterung immer noch unter extremen Zahnstein leiden. Die das rohe Futter nur lustlos herunterwürgen und im Gegenzug für jede Dose Fertigfutter einen Freudentanz aufführen.

Oft kann man die Ursachen dafür sicherlich finden und abstellen – aber manchmal ist stures Beharren nicht der richtige Weg. Erst recht nicht, wenn dieses Beharren nur auf Druck von Außen geschieht. Das macht weder Halter noch Katze wirklich glücklich.

Nicht jeder "Vorteil" ist auch einer: wenn Esoterik und Geldgier mitmischen

Eine nicht kleine Gruppe unter den fleißigen Missionierern hat schlicht andere Motive als bloße innere Überzeugung. Oftmals kann man erleben dass besonders diejenigen, die Produkte oder Dienstleitungen rund um die Rohfütterung der Katze verkaufen besonders hartnäckig "bekehren" wollen. In meinen Augen ist das doppelt verwerflich: nicht nur Druck machen, sondern Druck machen, damit man selbst verdient.

Wiederrum andere Missionierer fühlen sich durch ihre Einstellung zu großen Konzernen zu ihrer Aufgabe berufen. Ihr wisst schon: alles, was von großen Unternehmen kommt ist es Teufels und nur die Natur wird alles automatisch richten. Zur Not auch mit natürlichen Produkten, die der Katze schaden oder unnütz für sie sind. Hauptsache Natur. Auch auf solche Leute sollte man besser nicht hören. Ihnen fehlt ebenso die notwendige Objektivität wie denjenigen, die nur daran verdienen wollen.

Nicht Jeder kann und muss roh füttern – und ist dann dennoch kein schlechter Halter!

Rohfütterung ist kein Allheilmittel, kein garantierter Gesundmacher. Sie ist nicht das einzig Wahre!Sie hat ihre Vorteile, aber eben auch ihre Nachteile. Für manchen von uns wiegen die Nachteile schwerer als die Vorteile. Das ist so und wird auch so bleiben – selbst, wenn die Missionierer vor Wut in Flammen aufgehen. Jemand, der nicht roh füttern kann oder will ist deswegen kein schlechter Halter. Er muss sich nicht schämen und sorgt sicherlich damit auch nicht dafür, dass seine Katze genau deswegen krank wird.

Bitte lasst euch von Anderen deswegen kein schlechtes Gewissen machen!

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zuletzt überarbeitet: 23.April. 2021
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Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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5 Antworten zu “Rohfüttern ist keine Religion! – Gegen Missionierung im Namen des rohen Knochens”

  1. Ursel sagt:

    Liebe Miriam,
    du sprichst mir aus der Seele!
    Ich finde missionieren mit Druck grundsätzlich verwerflich. Das kennt man ja inzwischen auch von Vegetariern, Veganern, von Ökobilanz-Vorrechnern und nicht zuletzt von religiösen Eiferern.
    Ich finde es immer merkwürdig, dass solche Menschen mit ihrer einzig selig machenden, unreflektierten Überzeugung oft so agressiv auftreten und glauben, sie hätten die “Wahrheit” gepachtet. Ist vielleicht auch eine Art Rassismus …
    Liebe Grüße
    Ursel

  2. Heike sagt:

    Liebe Miriam, ich kann Deinem Artikel zur Rohfütterung nur zustimmen: Ich selber habe auch, nach ausgiebigem Lesen all Deiner Infos dazu und weil es mir einleuchtet, dass rohes Futter für eine Katze weitaus authentischer ist als Dosenfutter,versucht, meine Katze und einen draußen mitlebenden, obdachlosen Kater roh zu füttern:
    Es hat sie offensichtlich…angeekelt! Einzig rohes Hähnchenbrustfilet wurde mit Begeisterung
    begrüßt, auch teilweise gefressen, aber bei 35 Grad im Sommer war die Entsorgung der Reste doch ein Problem…Dazu kommt bei meinem Tieren auch die Tatsache, dass sie “in Etappen” fressen, also nicht konstant
    alles “verputzen”, – auch das behindert eine Rohfütterung erheblich.Das sind konkrete Gründe, die einen dann auch wieder auf fertiges oder selbstgekochtes Frischfutter zurückgreifen lassen,- allerdings auf sehr wertiges. Trotzdem plagt mich immer wieder genau die Frage, die Du beschreibst: Ist man deswegen jetzt eine
    schlechte Halterin?
    Ich persönlich fand diese Art der Fütterung auch grenzwertig und unangehnehm,- es fühlte sich einfach nicht
    richtig an von der konkreten Art der “Verabreichung”….brrrrrhhhh….nee,- mir wurde fast übel…
    Und da sollte man sich auch dann, wie Du schreibst, auf seine persönlichen Gefühle dazu, seine Eindrücke
    bei den “Testtigern” und dem daraus resultierenden Gesamteindruck verlassen dürfen und nicht von anderen
    Menschen unter Druck setzen lassen. Das sehe ich genauso wie Du.
    Es ist wie überall im Leben: Jeder Mensch muss seine oder ihre ganz persönliche Wahrheit finden, die für
    einen selber stimmt,- sogar bei der Fütterung seiner “Lieblings-Tiger”…- viele Grüße! Heike

    • MIRIAM sagt:

      Hallo Heike!
      Exakt das: Wer sich damit – aus welchem Grund auch immer – nicht wohlfühlt, soll / kann / muss es nicht machen. Auch mit gutem Dosenfutter werden die Katzen satt und bekommen alles, was sie brauchen. Ein schlechtes Gewissen müssten wir haben, wenn unsere Tiere Hunger leiden müssten oder wir ihnen Nahrung geben, bei denen wichtige Nährstoffe fehlen (und wir das wüssten). Bei allem anderen gibt es hundert verschiedene Grautöne zwischen schwarz und weiß.

      Liebe Grüße
      Miriam

  3. Georg sagt:

    Hallo Miriam,

    da sprichst du ein wirklich heiß diskutiertes Thema an. Ich stimme dir zu, dieses “missionieren wollen” geht mir auch gewaltig auf die Nüsse. Besonders von Leuten, die überteuerte online Barf-Kurse anbieten.

    Meine bisherigen Katzen bekamen meistens Dosenfutter mit sehr hohen Fleischanteil, möglichst mit genau ausgewiesenen Innereien, was 1995 sehr schwierig zu bekommen war. Mein damaliger Tierarzt hatte den goldenen Tipp für mich, ein Katzenfutter von einem lokalen kleinen Hersteller, das entsprechend etwas teurer war, dafür aber frei von Zucker und Getreide. Da meine erste Katze mit 2 Kindern mich im Wald adoptiert hatte, sie hatte dort gelebt, habe ich sie 1 – 2 mal die Woche auch mit selbst gemachten Sachen gefüttert. Das war mal Filet aus Pute oder Hähnchenbrust, ohne Fett und Gewürze äußerlich angebraten, innen noch roh. Das hatte ich mit dem Tierarzt abgesprochen, die 3 Katzis waren davon begeistert. Die haben aber ohne mäkeln alles gefuttert, was ich ihnen serviert hatte. Mein “Plätscherbrunnen” aus Keramik wurde von ihnen als Trinkbrunnen genutzt. Leider waren alle 3 schon mit Krebs krank, als sie zu mir kamen.

    Später hatte ich einen Einzelgänger-Kater, der ein ähnliches Dosenfutter bekam, aber auch ab und zu mal Fleisch aus meiner Küche. Er starb mit ca. 16 Jahren im Schlaf an Herzstillstand und war bis dahin kerngesund. Trotz seines Alters war er sehr verspielt und aktiv, was wahrscheinlich daran lag, daß er ein Bengal-Mischling war. Er war aber auch sehr auf mich fixiert und extrem schmusebedürftig. Er mochte bis auf Fisch auch alles, was ich ihm servierte und mäkelte nie. Auch dieser Kater nutzte meinen Brunnen ungefragt.

    Zahnprobleme hatten sie alle nicht.

    Wenn ich umgezogen bin und wieder 1 oder 2 Katzen bei mir einziehen, diesmal aus dem Tierheim vor Ort, werde ich wieder auf gutes Dosenfutter und 1 – 2 mal wöchentlich Fleisch aus meiner Küche setzen. Natürlich werde ich das auch mal roh anbieten, Hühnerherzen, Filet, etwas Rindfleisch. Vielleicht mögen sie es, wenn nicht, dann zwinge ich es ihnen nicht auf. Auch Leckerlis werde ich wieder aus Fleisch selbst machen mit einem Dörrautomaten, die kamen schon damals gut an. Und ich werde das Futter mit etwas Gemüse wie Möhre oder Brokkoli anreichern, daß ich ca. 5 % davon drin habe. Das finden Katzen ja auch in den Mägen ihrer Beutetiere und verspeisen das mit. Ich denke, damit mache ich nichts falsch. Auf jeden Fall werde ich mir dazu nochmal deine Testberichte und Empfehlungen ansehen.

    Was ich auf keinen Fall anbieten möchte: Trockenfutter. Das habe ich damals nie angeboten, meine bisherigen Katzen haben es sicher nie vermißt, vielleicht auch nie gekannt.

    lG

    Georg

  4. Maaren Greie sagt:

    Liebe Miriam, ein wunderbarer Kommentar. Eine meiner vier Katzen liebt rohes Fleisch. Leider liebt sie ausschließlich Huhn oder Pute. Ich habe versucht sie zu barfen aber junge Dame hat sehr standhaft geweigert anders Fleisch essen. Nachdem sich deutlich sichtbar das Fell verändert hat, blieb uns nichts anderes übrig als zum noch dogmatisierten Trockfutter zu greifen! Etwas anders wollte die Dame einfach nicht essen. Jetzt gibt es alle paar Tage ihr heiß geliebtes Huhn bzw Hühnerbrust und hochwertiges Trockenfutter und das Fell sieht wieder wunderbar aus.
    Viele Grüße
    Maaren

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