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Meinung

Erziehung von Katzen: Mein Plädoyer für mehr Lob im Alltag

Positive Erlebnisse sind wichtig in der Erziehung

Positive Erlebnisse sind wichtig in der Erziehung

11. Juni 2020
Lesezeit ca.: 4 Min., 40 Sek.  
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2 Kommentare

"Erziehung" ist für viele Menschen ein negativ belegtes Wort. Hat etwas von "Ziehen" und "Drücken". Klingt streng, anstrengend und irgendwie einschränkend. Tatsächlich ist das aber nur ein Wort ‐ wirklich entscheidend ist erst die Ausführung dahinter. Dass diese auch beim Haustier Katze mit kontinuierlichen positiven Reizen deutlich besser von der Hand geht, ist vielen Menschen nicht bewusst. Darum möchte ich heute etwas dazu schreiben. Ein "Plädoyer für mehr Lob im Alltag" sozusagen.

Positives formt mehr und langfristiger als Negatives

Nicht nur aus der trockenen Lerntheorie ist das bekannt: was positiv abgespeichert ist, machen wir immer wieder gerne. Es hinterlässt ein gutes Gefühl, die ganze Situation wird gleich ein wenig schöner. Auch die beteiligten Mitmenschen und ihre Beziehung zu ihnen erscheint gleich in einem ganz anderen Licht. Erleben wir solche Situationen häufig, kann das echt ein Boost fürs Selbstbewusstsein sein. Dies gilt für uns Menschen, aber auch für unsere Katzen.

Dagegen werden negative Erlebnisse zwar zukünftig möglichst vermieden, sie drücken aber auch enorm aufs Gemüt. Und wenn solche Situationen häufiger auftreten, beschattet das auch unsere Beziehung zu unserer Umgebung. Letztlich ist Negatives auch nur eine Einbahnstraße: im Gegensatz zur Belohnung kann die Katze nicht erkennen, welche Alternativen sie hat. Mit Strafe ‐ egal, in welcher Ausführung ‐ sagen wir ihr nur "Nein, das nicht!" aber nicht "Was denn sonst?".

Kurz: Positive Erlebnisse ‐ zu denen auch Lob gehört ‐ sind auch für unsere Katzen erstrebenswert. Und sie werden ihr Möglichstes tun, um häufig darin baden zu können. Weil sie dadurch auch genau gelernt haben, was sie dürfen ist das gleich noch zielführender. Wir als Halter können also selbst mit so "billigem" Aufwand wie lobenden Worten enorm dazu beitragen, dass Erziehung deutlich einfacher von der Hand geht.

"Belohnung" muss nicht zwingend fressbar sein

Katze riecht an Keksen

Weil er der Versuchung vorbildlich widerstanden hat, wurde er nach dem Sprung vom Stuhl belohnt

Beim Begriff "Belohnung" denken viele sofort an Leckerchen. Spreche ich davon die Katze im Alltag mehr zu belohnen, ploppt in vielen Köpfen automatisch das Bild von der fettgefütterten Katze auf. Tatsächlich aber ist Belohnung so viel mehr. Denn: Schlicht alles, was deiner Katze Freude bringt, kann für sie eine Belohnung sein.

Also auch liebe Worte, ein Spiel, Bürsten, Kuscheln und Streicheln. Hört sich banal an, die dahinter liegende Wirkung ist jedoch nicht zu unterschätzen. Du denkst jetzt "Mach ich doch eh schon alles täglich"? Wunderbar! Aber warum ist es dann abwegig, das auch als Belohnung für positives Verhalten einzusetzen?

Denn eine Belohnung muss nicht zwingend superdupertoll sein, sie soll einfach nur ein positives Gefühl vermitteln. Und zwar im richtigen Moment. Denn ja: auch der Zeitrahmen spielt bei einer Belohnung eine große Rolle. Es sollte möglichst weniger als zwei Sekunden zwischen erwünschtem Verhalten und Belohnung vergehen. Sonst ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Katze nicht begreift, wofür sie belohnt wird.

Und genau da liegt der Vorteil von verbalem Lob: Leckerchen, Bürsten oder die Spielangel hast du nicht immer zur Hand, wenn deine Katze etwas richtig macht. Ein "Super, fein gemacht!" kannst du aber in fast allen Fällen zum richtigen Zeitpunkt einsetzen.

Auch erwachsene Katzen machen verschiedene Entwicklungsphasen durch

Nicht nur in den ersten Lebensmonaten ist Erziehung durch die Mutterkatze und uns Halter ein aktuelles Thema. Denn die Katze lernt ihr Leben lang. Warum also hören wir irgendwann auf, sie für erwünschtes Verhalten zu belohnen? Hört man sich so um, werden aber (verbale) Strafen wie ein lautes "Nein" lebenslang als Erziehungsmethode genutzt. Das finde ich widersprüchlich. Vor allem vor dem Hinblick, dass Positives in der Erziehung so viel besser wirkt.

Katzen machen in ihrem Leben verschiedene Entwicklungsstadien durch, auch ihr Umfeld ändert sich tagtäglich ein klein wenig. Da macht es in meinen Augen sehr viel Sinn, ihr einfach mal zu zeigen, dass sie den Alltag klasse meistert. Würden wir uns doch insgeheim auch öfter wünschen, oder?

Auch Positives sollte anerkannt und nicht übergangen werden

Herz aus Katzenstreu auf Streuschaufel

Scheinbar sind auch meine Katzen der Meinung, ich bräuchte mal ein positives Erlebnis 😉

Wenn wir genauer nachdenken, machen unsere Katzen doch im Alttag Vieles richtig. Sie gehen zuverlässig aufs Klo, kratzen nur am Kratzstamm und hören auch ‐ meistens jedenfalls 😉 ‐ auf unser "Geh bitte da runter". Wir vergessen nur allzu oft, dass das nicht selbstverständlich ist. Ehrlicherweise werden wir meist erst daran erinnert, wenn es bereits Verhaltensprobleme gibt. Ein Lob im Alltag kann uns das aber wieder ins Gedächtnis rufen. Das hat einerseits für die Katze eine sehr positive Wirkung, für uns andererseits aber auch: einfach mal den Fokus auf positive Dinge lenken und wertschätzen, was gerade richtig toll läuft.

Ab und zu ein einfaches "Toll, dass du am Kratzbaum kratzt!" hellt also unsere Stimmung auf, stärkt die Bindung zur Katze und gibt ihr ein gutes Gefühl. Letztlich können auch die Bindungen zwischen den verschiedenen Katzen davon profitieren: wer in einem Umfeld mit "good vibrations" lebt, strahlt das aus und gibt das weiter. Und er wird in unangenehmen Momenten nicht so schnell aus der Bahn geworfen.

Wir haben also alle etwas davon und es ist kein großer Aufwand.

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zuletzt überarbeitet: 11.Juni. 2020
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Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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2 Antworten zu “Erziehung von Katzen: Mein Plädoyer für mehr Lob im Alltag”

  1. Nicole.G sagt:

    Mir wird gerade beim Lesen bewusst, ich lobe unbewusst. Meine Katze ist Gesellschaftspieslerin und wenn ich für irgendwas in den Keller gehe, rennt sie mit und geht auf ihr Klo. Ich lobe. Sie kratzt am Kratzbaum, ich lobe mit “oh, so ein starkes Mädchen”. Ich rufe sie rein und sie kommt angesprintet und wied gelobt. Wobei ich das aber nie als Erziehungsmaßnahme betrachtet habe, das meiste hat sich irgendwann ergeben.
    Aber prima, dass du drauf hinweist, denn man sollte generell im Leben mehr loben, nicht nur seine Katze.

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