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Katzenfutter: Warum eine Aussage über den Tauringehalt schwierig ist

Das Futter der Marke "Lucky Cat" steht stellvertretend für viele Katzenfutter aus dem Discounter: die Zugabe von 220mg Taurin pro Kilo Futter sind oft Standard

Das Futter der Marke "Lucky Cat" steht stellvertretend für viele Katzenfutter aus dem Discounter: die Zugabe von 220mg Taurin pro Kilo Futter sind oft Standard

18. Februar 2022
Lesezeit ca.: 4 Min., 17 Sek.  
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Wir alle wollen unsere Katzen möglichst gesund ernähren. Dazu gehört eine bedarfsdeckende Versorgung mit Nährstoffen. Einer der für die Katze wichtigen Nährstoffe ist dabei Taurin. Ob ein Katzenfutter jedoch genügend Taurin enthält, um die Katze optimal zu versorgen, ist aus den Angaben der Futterverpackung nur schwer herauszulesen. Einerseits muss eine Zugabe von Taurin nämlich gar nicht angegeben werden – Andererseits sagt uns die Menge der Zusätze nicht automatisch etwas über den Gesamtgehalt aus. Besonders bei Futtern aus den Discountern kann eine zusätzliche Gabe von Taurin in manchen Fällen sinnvoll sein.

Zu wenig Taurin macht die Katze krank – und was ist mit "zu viel"?

Klar ist: Taurin ist für die Katze ein essentieller Nährstoff. Das heißt, sie muss ihn mit der Nahrung aufnehmen um ihren Bedarf zu decken. Denn sie kann ihn nicht in ausreichender Menge selbst aus Bausteinen ihrer Nahrung herstellen. Nimmt die Katze auf Dauer zu wenig Taurin mit der Nahrung auf, drohen unter Anderem Herz- und Augenerkrankungen, sowie Fruchtbarkeitsstörungen und Nervenprobleme.

Der Taurinbedarf der Katze ist hoch, denn sie nutzt es vor allem, um damit Gallensäure zu bilden. Taurin wird im Darm der Katze resorbiert, mit Kot und Urin ausgeschieden oder durch Darmbakterien abgebaut. Da es durch das Erhitzen bei der Herstellung von Nass- und Trockenfutter teilweise unbrauchbar gemacht wird, braucht eine mit Fertigfutter gefütterte Katze mehr davon als zum Beispiel roh gefütterte Katzen.

Derzeit scheinen keine Nebenwirkungen durch eine Taurinüberversorgung bei der Katze bekannt zu sein. Und das teilweise auch, weil belastbare Forschungsergebnisse fehlen. Meist werden Ergebnisse vom Menschen auf die Katze übertragen.

Zusatz im Großteil der Katzenfutter liegt weit über den Mindestempfehlungen

Angabe der Zusatzstoffe auf einem Katzenfutteretikett

Dieses Futter der Marke "MACs" enthält 1500 mg Taurin pro Kilogramm Futter – weit ausreichend für die Ernährung der Katze

Aus all diesen Gründen werden für industriell hergestelltes Katzenfutter nur Mindestmengen an Taurin empfohlen, keine Höchstmengen. Und diese Mindestmengen liegen letztlich höher als die Empfehlungen pro Kilogramm Katze, denn es wird noch ein "Sicherheitspuffer" eingerechnet, der die Verluste durch den Erhitzungsprozess ausgleichen soll.

Diese Mindestempfehlungen liegen bei 2000mg Taurin in der Trockensubstanz für ein Kilo Nassfutter und 1000mg in der Trockensubstanz pro Kilogramm Trockenfutter (bei einem Erhaltungsbedarf von 100kcal, vgl. z. B. FEDIAF Nutritional Guidelines Seite 78).

Vereinfacht umgerechnet wären das etwa 400mg Taurin für Nassfutter (mit 80% Feuchte) und 900mg für Trockenfutter (mit 10% Feuchte) auf ein Kilogramm Futter. Futter, die so viel oder mehr Taurin zugesetzt haben, sollten den Bedarf der Katze also gut abdecken. Auffallend sind hier allerdings die Nassfutter der Supermärkte und Discounter (z.B. Aldi, Lidl, Penny etc.): sie enthalten fast alle nur einen Zusatz von 220mg Taurin auf ein Kilo Futter. Damit deckt ihr Zusatz nur knapp die Hälfte der empfohlenen Gesamtmenge.

Ein Großteil der Alleinfuttermittel aus dem Zoofachmarkt – online und offline – enthält dagegen weit mehr als das: 1.500 mg Taurinzusatz sind hier die Regel.

Nur Deklarationen lesen reicht nicht aus – Taurinzusatz ist nicht deklarationspflichtig

Doch auch Futter, denen weniger zugesetzt wird oder die den Taurinzusatz gar nicht deklarieren, können unter Umständen bedarfsdeckend sein. Denn einerseits ist die Menge an Zusätzen nicht auch gleich die Gesamtmenge. Andererseits muss ein Taurinzusatz erst gar nicht in der Deklaration des Futters auftauchen.

Jedes fleischige, tierische Teil enthält Taurin. Körperteile mit viel Muskelmasse sind dabei ganz vorn dabei: Zunge, Herz und Oberschenkel sind nur drei Beispiele dafür. Wie viel Taurin diese Inhaltsstoffe jedoch nach der Verarbeitung des Futters noch enthalten, bleibt uns als Verbraucher*innen unbekannt. Ein klein wenig wird es – je nach Qualität und Verarbeitung des Futters – sicherlich sein, aber keine große Menge.

Ist ein Taurinzusatz gar nicht auf der Futterverpackung angegeben, kann trotzdem welches zugesetzt sein. Denn der deutsche Gesetzgeber legt mit dem "Leitfaden zur Kennzeichnung von Einzelfuttermitteln und Mischfuttermitteln" fest, dass in beispielsweise Katzenfutter nur Zusatzstoffe angegeben werden müssen, für die ein Höchstgehalt festgelegt wurde. Auf Taurin trifft das jedoch nicht zu. Dementsprechend muss es auch nicht zwingend auf der Verpackung stehen.

Glauben ist nicht wissen – nur Laboranalysen geben Auskunft

Alles in allem ist es also in manchen Fällen schwer zu sagen, ob ein Katzenfutter genug Taurin enthält um unsere Katzen bedarfsgerecht zu versorgen. Denn nur alleine der Blick auf die Deklaration sagt oft leider wenig bis gar nichts aus. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kauft Futter, bei dem ein Taurinzusatz deklariert ist. Und zwar zu mindestens 400mg bzw. 900mg Taurin pro Kilo Futter.

Bei geringeren Mengen ist nicht sicher, ob der Bedarf der Katze auch wirklich gedeckt ist. Hier würde nur eine – teure und aufwändige – Laboranalyse jeder einzelnen Dose Aufschluss geben. Möchtest oder musst du solches Futter (z.B. aus den Discountern) dennoch verfüttern, ist es empfehlenswert, selbst Taurin zuzusetzen. Und zwar so viel, dass du insgesamt auf etwa 50mg Taurin pro Kilo Katze und Tag kommst. Denn das deckt ihren Bedarf sicher.

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zuletzt überarbeitet: 20.Februar. 2022
Aufrufe insgesamt: 1363

Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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