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Coronavirus SARS-CoV-2 / COVID-19: Ist mein Haustier gefährdet?

Kater Muffin ist nicht krank, aber neugierig ;)

Kater Muffin ist nicht krank, aber neugierig ;)

07. Februar 2020
Lesezeit ca.: 5 Min., 10 Sek.   • zu den Quellen springen
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Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 hält derzeit die ganze Welt in Atem. Während die Zahl der Infizierten steigt und viele Länder bereits strikte Eindämmungsmaßnahmen beschlossen haben, herrscht noch viel Verwirrung und Unsicherheit. Viele Tierhalter fragen sich, ob sich Hund, Katze und Co. mit dem neuen Coronavirus anstecken können. Die offiziellen Aussagen dazu werden in diesem Artikel näher beleuchtet.


SARS-CoV-2

Das SARS-CoV-2 gehört zur Familie der Coronaviren. Diese Virengruppe ist bereits seit Jahrzehnten bekannt und hat ihren Ursprung in Säugetieren. Mehr zum SARS-CoV-2, Schutzmaßnahmen und dem derzeitigen Wissensstand findest du im Blogartikel Coronavirus SARS-CoV-2 / COVID-19: Was ist das und wie schütze ich mich?.

SARS-CoV-2: Keine Hinweise auf Ansteckung von Haustieren

WHO-Erklärung: Kein Beweis für Ansteckung mit Coronavirus von Haustieren

Die WHO erklärt auf ihrem Banner, dass es derzeit keine Beweise für eine Ansteckung von Haustieren gibt ‐ (c) WHO

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Haustiere das SARS-CoV-2 verbreiten. Die weltgrößten Gesundheitsbehörden WHO, CDC und ECDC geben offiziell bekannt, dass Haustiere derzeit nicht mit Ansteckung mit dem SARS-CoV-2 in Verbindung gebracht werden[3,4,5,6,8,9,10,11]. Zwar wurden bei Abstrichproben eines Hundes in Hongkong geringe Virusmengen gefunden, dies bedeutet jedoch nicht, dass er sich angesteckt oder das Virus weitergegeben hätte. Der Hund gehört einer erkrankten Halterin, zeigt aber selbst keinerlei Symptome.



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Da Viren jedoch schnell mutieren können und der derzeitige Wissensstand zum SARS-CoV-2 nicht abschließend ist, kann sich diese Einschätzung in Zukunft ändern. Dabei bedeutet eine Mutation nicht zwangsläufig, dass das Virus auf andere Spezies übergreift, ansteckender oder tödlicher wird – auch das Gegenteil kann der Fall sein[2]. Zudem ist momentan noch völlig unklar, ob das Virus überhaupt wieder vom Menschen auf andere Säugetiere übertragen werden kann.

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Virusnachweise bei Tieren in Hongkong und Belgien: Einzelfälle mit ungeklärten Umständen

Screenshots verschiedener Medien zu Haustieren und Covid-19

Leider sind die Schlagzeilen diverser Medien irreführend und falsch

In den letzten Tagen wurde bekannt, dass insgesamt drei Haustiere in Hongkong und Belgien schwach positiv auf das SARS-COV-2 getestet wurden. Dabei handelte es sich um zwei Hunde und eine Katze. Diese lebten eng mit infizierten Personen zusammen. Leider verbreiten zahlreiche Boulevard-Medien diesbezüglich schlecht recherchierte Meldungen und schüren dadurch noch mehr Angst.

Denn zur Zeit ist weder geklärt, ob die Tiere infiziert oder nur kontaminiert waren, noch ob durch sie eine weitere Ansteckung auf den Menschen erfolgen kann[12,13,14]. Der durchgeführte Test kann nur aussagen, ob das Virus an / auf / in den getesteten Proben gefunden wurde.

Ungeklärt: Infektion oder Kontamination?

Dabei kann das Virus beispielsweise durch An-Husten, An-Niesen oder per Übertragung durch (ungewaschene) Hände auf die Tiere bzw. die getesteten Ausscheidungen gelangt sein. Ähnlich wie es auch bei Oberflächen geschieht, z. B. Türklinken. In diesem Fall würde es sich um eine "Kontaminierung" handeln. Das Virus könnte sich nicht vermehren und nicht durch die kontaminierten Tiere übertragen werden.

Erst, wenn das Virus in den Körper und das Blut des Tieres gelangt, sich dort vermehrt, spricht man von "Infizierung". Und auch erst dann bestünde theoretisch die Möglichkeit, dass das Tier auch für den Menschen ansteckend sein könnte. Mit den derzeitig verfügbaren Tests kann aber nicht geprüft werden, ob sich das Virus auch im Blut der Tiere befindet ‐ das Tier also wirklich angesteckt oder infiziert wurde. Dies können erst zukünftige Tests zeigen.

Untersuchungen zum Infektionsrisiko sind leider auch nicht immer verlässlich

Bei derzeit weltweit über 960.000 infizierten Menschen [Stand: 02.04.2020][16] und einer Zahl von drei positiv getesteten Proben von Haustieren kann weiterhin nicht von einer Gefahr durch Haustiere ausgegangen werden.

Zwar verleiten die Ergebnisse einer neuen Studie aus China zu der These, Frettchen und Katzen ‐ besonders jüngere ‐ könnten sich mit SARS-CoV-2 anstecken und sogar untereinander verbreiten. Jedoch ist diese Studie und ihre Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Denn weder wurden ihre Durchführung und Ergebnisse ‐ wie in Wissenschaftskreisen eigentlich üblich ‐ wissenschaftlich überprüft, noch entspricht eine Ansteckung unter Laborbedingungen der in einer häuslichen Umgebung.

Experten für Virologie halten weiterhin an ihrer Einschätzung fest, dass Haustiere bei der SARS-COV-2-Pandemie keine Rolle spielen. Eine durch IDEXX an über 3.500 Hunden, Katzen und Pferden durchgeführte Studie bekräftigt diese Einschätzung[14,15].

Keine Verbindung mit dem Felinen Coronavirus oder FIP

Wie bereits erwähnt, gibt es auch ein Coronavirus, das speziell Katzen betrifft: das Feline Coronavirus (FCoV). Schätzungen zufolge sind 20 ‐ 90 % aller Katzen davon betroffen[1]. Das heißt, sie tragen es in sich und können andere Katzen damit anstecken. Es löst in der Regel nur leichte Durchfallsymptome aus, viele infizierte Katzen zeigen jedoch keinerlei äußerliche Anzeichen.

Aus bisher unbekannten Gründen kann dieses eigentlich harmlose Virus in seltenen Fällen (etwa 5%[1]) mutieren. Das mutierte Virus (FIPV) löst dann die lebensbedrohliche Krankheit Feline infektiöse Peritonitis (FIP) aus. Da die Erforschung einer erfolgreichen Therapie gegen FIP derzeit noch in den Kinderschuhen steckt, sterben viele Katzen daran.

Wichtig

Weder das FCoV noch das mutierte FIPV oder das CCoV (Hunde-Coronavirus) stehen in Verbindung mit der derzeitigen SARS-CoV-2-Krankheitswelle. Menschen können sich nicht mit diesen Viren anstecken und Katzen bekommen durch andere Coronaviren keine FIP!

Forschung am neuen Coronavirus vielleicht auch für die Katze von Vorteil?

Bereits seit Jahren wird zur Heilung FIP-erkrankter Katzen geforscht. Seit Anfang letzten Jahres wird immer öfter von erfolgversprechenden Therapieansätzen berichtet. Die dabei eingesetzten Medikamente sind zur Zeit jedoch nicht offiziell zugelassen. Auch eine wirklich wirksame Impfung gegen FIP ist nicht auf dem Markt.

Der derzeitige Krankheitsausbruch des SARS-CoV-2 veranlasst Forscher in aller Welt, sich wieder näher mit Coronaviren, ihrem Aufbau und möglichen Vorsorgemaßnahmen zu befassen. So wird beispielsweise verstärkt an Impfungen gegen das neue Virus gearbeitet[7]. Möglicherweise könnte diese Entwicklung dazu führen, dass auch eine Impfung gegen das Coronavirus der Katze in greifbarere Nähe rückt.

Gut zu wissen

Die Versorgung mit Futter und veterinärmedizinischen Leistungen ist bis auf Weiteres gesichert. Auch in der Coronakrise sind Tierbedarfsläden und Tierärzte weiterhin für uns da!

zuletzt überarbeitet: 02.April. 2020
Aufrufe insgesamt: 5410


Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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