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[Offtopic] Wie ich zur Insektenhaltung kam…. Gottesanbeterin Elvira und Co.

Indische Riesengottesanbeterin (Hierodula membranacea) Elvira

Indische Riesengottesanbeterin (Hierodula membranacea) Elvira

24. April 2020
Lesezeit ca.: 9 Min., 15 Sek.  

4 Kommentare

Da ich in den letzten Wochen zahlreiche Nachfragen wegen Gottesanbeterin Elvira von euch erhalten habe, gibt es heute einen etwas themenfremden Artikel. Hier möchte ich euch ein wenig über meine anderen Haustiere erzählen. Denn ich lebe nicht nur mit Lara und Janis zusammen, sondern auch mit zwei Insektendamen. Elvira und Houdine sind seit einigen Monaten ebenfalls Teil unserer Girl Group ;)

Faszination für Gottesanbeterinnen bestand schon jahrelang

Indische Riesengottesanbeterin

Elvira als sie noch nicht ausgewachsen war…

Ich kann gar nicht mehr sagen, wann ich das erste Mal auf Mantiden aufmerksam wurde. Jedenfalls haben sie mich direkt fasziniert. Und zwar nicht so sehr die Tatsache, dass manche Weibchen ihren Kerlen bei der Paarung so richtig "nahe kommen" ;) Es ist eher die Optik, die Fressweise und dass etwas so Kleines so ein perfekter Jäger sein kann. Da hat die Natur echt gute Arbeit geleistet. Ich selbst durfte zwar nie Gottesanbeterinnen in freier Wildbahn erleben ‐ denn ja, in fast allen Ländern der Erde einschließlich Deutschland gibt es heimische Arten ‐ aber ich habe so manche Minute vor Terrarien verbracht und gestaunt.

Manch einem von euch mag jetzt ein eisiger Schauer über den Rücken laufen, ich weiß ;) Aber wir sind ja alle anders gestrickt. Ich kanns auch nicht erklären.

Wie Eins zum Anderen kam…

Australische Gespenstschrecke

Australische Gespenstschrecke (Extatosoma tiaratum), links meine "Houdine" in braun, rechts Flechtenform ("lichen")

Fasziniert war ich schon lange, kam aber nie auf die Idee, dass man Insekten als Haustiere halten könnte. Ja klar, dass manche Menschen Vogelspinnen halten war mir bewusst. Aber Gottesanbeterinnen oder anderes Getier? Kam mir nie in den Sinn. Später dann habe ich gedacht, die Haltung sei furchtbar kompliziert und irgendwie auch nichts für mich.

Bis dann ich meine erste Terraristikmesse besuchte… Mein Partner hielt schon verschiedene Insekten, bevor ich in sein Leben trat. Als ich "neu" bei ihm war, hatte er allerdings keine. War vielleicht auch besser so :D Aber im Lauf der Monate kam bei ihm doch der Wunsch auf, wieder welche zu halten. Und weil ich neugierig und offen bin, habe ich ihn auf die Terraristika in Hamm begleitet. Vieles hat mich echt geschüttelt, das muss ich zugeben. ;)

Terrarium für eine australische Gespentschrecke

Houdines Terrarium – Wer sie entdeckt, darf gerne einen Kommentar hinterlassen ;)

Je mehr ich mich jedoch mit den Krabblern beschäftigte, umso mehr wurde aus Ekel Interesse. Wir haben viel über die Haltung von Insekten im allgemeinen und Gottesanbeterinnen im Besonderen geredet. Ich war angefixt und habe alles gelesen, das mir zwischen die Finger kam. Und so langsam wurde klar, dass ich mir das durchaus auch zutrauen würde. Beim Besuch meiner zweiten Terraristikmesse kam ich dann mit Gottesanbeterin Elvira – einer indischen Riesengottesanbeterin – zurück ;) Seitdem hat sich meine Sicht auf Insekten stark gewandelt.

Die Insektenhaltung hat mich verändert

Wandelndes Blatt

Ein wandelndes Blatt (phyllium philippinicum)

Seit meiner Kindheit leide ich unter einer enorm ausgeprägten Phobie vor Spinnen. Das fängt bei Schweißausbrüchen an, geht über Zittern am ganzen Körper und endet in schlimmen Fällen in Heulkrämpfen. Die Vernunft schaltet sich in solchen Momenten komplett ab. Vielmehr hat sie sich in der Vergangenheit komplett ausgeschaltet. Heute verfüttere ich selbst regelmäßig Insekten an Elvira und nehme manche Insekten bei meinem Partner auch mal freiwillig und gerne auf die Hand.

Auch mit Spinnen komme ich ein klein wenig besser zurecht. Ich halte immer noch teilweise Sicherheitsabstand und habe ein flaues Gefühl im Magen, aber die große Panik hat sich in kleinere verwandelt ;) Ich bekomme keinen Fluchtreflex mehr und kann durchaus auch genauer hinschauen. Das alles ist schleichend passiert, ohne dass ich es selbst bemerkt hätte. Aber natürlich freue ich mich sehr darüber.

Spinnen und so manch anderes Getier werden in diesem Leben sicher nicht mehr meine besten Freunde. Aber der enorme Stress, die extreme Angst ist nicht mehr da. Das erleichtert viele Situationen enorm! Ich kann endlich wieder in den Keller ohne zu Zittern und ständig alles ängstlich nach Spinnen abzusuchen.

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Fütterung mit lebendigen Insekten in der Theorie und Praxis

Indische Riesengottesanbeterin

Elvira – hier noch nicht ausgewachsen – zeigt ihre beeindruckenden Fangarme

Ich muss aber zugeben, dass zwischenzeitlich enorme Zweifel aufkamen. Gottesanbeterinnen fressen andere kleine Insekten. Und zwar lebendig. Das war mir bereits vor der Anschaffung klar ‐ zumindest in der Theorie. In der Praxis hatte ich das noch nie erlebt und auch selbst keine Insekten verfüttert.

Und in der Praxis ekele ich mich immer noch vor so manchem kleinen Insekt. Ich musste also erst einmal herausfinden, mit welchen Futterinsekten Elvira und ich umgehen können. Denn ich muss die Futterinsekten ja nicht nur verfüttern, sondern auch in der Zwischenzeit halten, ernähren und damit umgehen. Mittlerweile bin ich bei mittelgroßen Heuschrecken angekommen und alle sind zufrieden.

Die Faszination wächst ‐ und damit auch meine "Sammlung"

Männliche Asiatische Blütenmantis

Männliche Asiatische Blütenmantis "Hilde"

Was soll ich sagen? Ich bin auf den Geschmack gekommen und interessiere mich immer mehr für Insekten. So ist es für euch sicher nicht verwunderlich, dass Elvira mittlerweile nicht mehr das einzige krabbelige Haustier bei mir ist ;) Zwischenzeitlich hatte ich eine zweite Gottesanbeterin: Hilde. Er ‐ ja, fragt nicht, Geschlechtsbestimmung ist bei den kleinen Dingern als Anfänger schwer :D ‐ war eine asiatische Blütenmantis. Da Männchen aber nicht so lange leben wie Weibchen und auch diese Art nicht unbedingt langlebig ist, ist er inzwischen leider schon verstorben.

Doch Hildes Box blieb nicht lange leer. Denn Houdine ‐ eine australische Gespenstschrecke ‐ hat sich wortwörtlich eingeschmuggelt. Sie muss beim Saubermachen der Terrarien meines Partners in meinen Rucksack gefallen sein und hat die eineinhalbstündige Rückfahrt zu mir überlebt *staun* Offensichtlich wollte sie hierher, also durfte sie bleiben :D

Larven einer australischen Gespenstschrecke: kurz nach dem Schlupf und nach der ersten Häutung

Gespenstschrecke "Houdine" einen Tag nach ihrem Schlupf (19.01.2020) und nach ihrer ersten Häutung (27.01)

Beim Einzug war sie frisch geschlüpft und nur etwa einen Zentimeter klein. Weil sie mir kurz nach dem Einzug auch einmal unbemerkt entwischt ist, hat sie ihren Namen verdient. Seitdem hat sie sich mehrmals gehäutet, ist robust und wohlauf. Da Gespenstschrecken Pflanzenfresser sind, kann ich ihr Futter einfach beim Spazierengehen einsammeln ;)

Außerdem habe ich mich noch in zwei weitere Arten verliebt *hust* Wandelnde Blätter und kubanische Blattschrecken haben es mir echt angetan. Erstere machen ihrem Namen alle Ehre und sehen aus wie echte Blätter. Die Blattschrecken erinnern mich an Erbsenschoten mit Knopfaugen ;) Australische Gespenstschrecken, wandelnde Blätter und kubanische Blattschrecken sind alle Pflanzenfresser und geben sich zum Beispiel mit Brombeerblättern zufrieden. Ein wandelndes Blatt hätte ich schon gerne, für Blattschrecken kann ich leider nicht den benötigten Platz aufbringen. Mal schauen, was die Zeit bringt.

Funfact

Wandelnde Blätter und australische Gespenstschrecken pflanzen sich parthenogenetisch fort ‐ das heißt, sie brauchen keine Männchen, um befruchtete Eier zu legen. Aus diesen Eiern schlüpfen dann allerdings auch nur Weibchen. Gottesanbeterinnen und Blattschrecken brauchen einen Partner, um sich zu vermehren.

Katzen vs. Insekten

Terrarium mit Schloss

Elviras Terrarium mit Beleuchtung und Schloss

Die Box mit den Heuschrecken steht in der Wohnzimmervitrine. So bekommen sie genug Licht, sind aber vor den Katzen geschützt. Denn ja, je größer die Futterinsekten werden, umso eher ziehen sie Laras und Janis’ Aufmerksamkeit auf sich. Da wird die geschlossene Box belagert und auch angepfötelt.

Interessanterweise sind aber die großen Heuschrecken für Lara echt unheimlich :D Lasse ich sie in der Wohnung hüpfen, tätschelt Janis sie erst zärtlich an und mutiert dann zum Raubtier, sobald sie herumspringen. Sie würde sie auch fressen, ohne mit der Wimper zu zucken. Lara allerdings macht auf dicke Hose, wenn die Heuschrecken in der Box sind und bekommt Angst, sobald sie frei herumhüpfen :D

Katze starrt Gespentschrecke an und sitzt im Terrarium

Besonders Lara ist natürlich neugierig, das (noch) leere Terrarium wird ausgiebig inspiziert

Elvira und Houdine selbst sind uninteressant für die beiden Plüschmädels. Die meiste Zeit bewegen sie sich schließlich langsam und Elvira wird erst dann schnell, wenn sie nach Beute packt. Da Insekten Tiere zum Beobachten und eben nicht zum ständig-aus-dem-Terrarium-holen sind, gibt es hier nicht wirklich Momente, in denen sich alle begegnen könnten.

So sehr ich meine Katzen liebe und kenne, da vertraue ich ihnen definitiv nicht. Der Instinkt ist eben ein wichtiger Faktor, den Katzen nicht abstellen können ‐ egal, wie lange sie auf-Haustier-gezüchtet wurden. Aus dem Grund hat Elvira ein Glasterrarium mit Schloss: katz kann es nicht umwerfen oder eigenständig öffnen. Schließlich neigen beide Plüschweiber zum Pföteln und können sehr kreativ werden.

Auch bei meinen Insekten ist mir gute Haltung wichtig

Kubanische Blattschrecke

Kubanische Blattschrecke, weiblich

Gottesanbeterinnen leben auf der ganzen Welt verteilt, in verschiedenen Klimazonen. Sie unterscheiden sich nicht nur in Größe und Aussehen, sondern auch in ihren Haltungsbedingungen. So braucht jede Art eine andere Terrariumgröße, Luftfeuchtigkeit und/oder Temperatur. Auch, wenn es "nur" Insekten sind, ist es mir dennoch wichtig, sie ihren Bedürfnissen entsprechend zu halten. Dabei stand natürlich das Infosammeln an erster Stelle. Wie auch in Katzenthemen achte ich hier logischerweise auf ernstzunehmende Quellen und bleibe am Ball.

Auch wandelnde Blätter gibt es in verschiedenen Arten mit unterschiedlichem Aussehen: von hellgrün über rötlich bis zu extra großen Tieren (8 – 12 cm). Hier unterscheiden sich die Haltungsbedingungen aber nicht wirklich. Sie zusammen mit anderen pflanzenfressenden Insekten zu halten, ist möglich. Allerdings ist es bei kleinen Terrarien und engem Besatz möglich, dass die Tiere angefressen werden ‐ sie sehen halt aus wie Blätter ;) Insgesamt sind sie recht pflegeleicht in der Haltung.

Box mit Heuschrecken und Thermo-/Hygrometer

Die Box meiner Heuschrecken (links) und das Thermo-/Hygrometer in Elviras Terrarium (rechts)

Das gilt auch für die australische Gespenstschrecke. Diese kann übrigens ‐ je nach Genetik und Umgebung ‐ in mehreren verschiedenen Farben auftreten: von braun über grün bis schwarz/grün ("lichen" oder "Flechtenform").

Letztlich sollen aber auch die Futterinsekten bei mir ein einigermaßen angenehmes Leben führen. Sie werden zwar verfüttert, aber bis dahin biete ich ihnen Versteckmöglichkeiten, frisches Futter und eine saubere Box mit ausreichend Belüftung. Ob sich das auf ihre Qualität als Futter für Elvira auswirkt, ist mir dabei erst einmal zweitrangig.

Viel wichtiger ist mir das mein Gewissen und meine Prioritätensetzung ;) Aus dem Grunde verzichte ich auch darauf, mir eine kubanische Blattschrecke ins Haus zu holen: so faszinierend und toll ich sie auch finde, ich habe leider nicht genug Platz für ein Terrarium in der benötigten Größe.



Wie siehts bei dir aus? Hälst du neben Katze und Hund vielleicht auch noch etwas "exotischere" Haustiere?

zuletzt überarbeitet: 30.April. 2020
Aufrufe insgesamt: 456


Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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4 Antworten zu “[Offtopic] Wie ich zur Insektenhaltung kam…. Gottesanbeterin Elvira und Co.”

  1. Ursel sagt:

    Liebe Miriam,

    danke für diesen tollen Beitrag! Ich war eine von denen, die mehr über deine Elvira wissen wollte. Auch ich finde diese Tiere spannend und unglaublich schön. Auch weil sie uns Menschen nichts tun.
    Exotische Haustiere gibt es eher nicht bei uns – nur die üblichen Keller- und Springspinnen. Und im Garten gibts ja auch jede Menge Insekten.
    Ich habe keine Angst vor Spinnen und die Springspinnen heißen bei mir alle “Christel”. Wir hatten mal eine, die wohnte in einer Fensterspalte und kam jeden Abend zur gleichen Zeit hervor. Wir haben sie immer gegrüßt.
    Unser Bienchen (13 Jahre) ist ja als Freigänger sehr viel draussen. Da fängt sie u.a. leider die schönen Libellen, killt sie und lässt sie liegen :-(
    Wovor ich mich ekele sind die “Untermieter” unserer Katzen: Flöhe, Zecken, Milben, Würmer. Deshalb gibt es für Bienchen regelmäßig ihr Spot-on.
    Man muss ja nicht alle Tiere lieben :-)

    Herzlichst Ursel

    • MIRIAM sagt:

      Huhu Ursel,
      Schön, dich wieder hier zu lesen! “Christel” find ich gut :D Vielleicht sollte ich den Spinnen, die mir so über den Weg laufen auch mal Namen geben. Dann sind sie vielleicht noch nen Ticken weniger unheimlich: einen Versuch ist’s auf jeden Fall wert. Du hast recht: Flöhe, Zecken und die ganzen anderen potentiellen Untermieter sind auch ganz und gar nicht meine Sache *grusel*

      Habt ein schönes Wochenende und bleibt bitte gesund!
      Miriam

  2. paolinchen und die 7 zwerge sagt:

    Hallo Miriam, hättest du dieses spannenden Artikel früher geschrieben. Ich hatte im November eine Feldgrille zum Pflege bekommen. Der Nachbar fand ihn in seinem Keller. Ich habe so viel im Internet gesucht aber leider nur wenig bis nichts gefunden! Wie lange sie leben, was sie gerne essen, wie ist ihr lebenszyklus aber da viele Menschen diese Insekten als Futter halten und nicht als Gast, habe ich nicht passendes gefunden. So habe ich improvvisiert: habe ein Trageterrarium (aus Plastik) gekauft, habe ich zu ein drittel mit Erde gefüllt (ich habe nicht gewusst ob er in die Erde reinkriecht und mit Ästchen und Ähre geschmückt. Jeden Abend hat er eine winzige Schüssel mit Wasser bekommen, Insektenfutter und ein Stückchen Obst oder Gemüse (Er liebte Mango). Ich habe ihn Pavarotti genannt weil er am Anfang die ganze Nacht gesungen hat! Einen Morgen im Februar habe ich Pavarotti tot gefunden. Ich hoffe dass ich nichts falsches gemacht habe und dass er gestorben ist weil er am Ende seines Leben war. Ich habe Pavarotti sehr vermisst! Ich hätte ihn im Sommer so gerne wieder die Freiheit gegeben.

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