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Ein Tier als spontanes Geschenk für das Kind? 5 Gründe, warum das nicht gut geht

Auch, wenn die Katze freiwillig reingeht: bitte nicht verschenken

Auch, wenn die Katze freiwillig reingeht: bitte nicht verschenken

10. April 2020
Lesezeit ca.: 6 Min., 21 Sek.  
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Es ist Ostern. Wie auch an Weihnachten kommt so manches Elternteil auf die wenig glorreiche Idee, seinem Kind spontan ein Tier zu schenken. Zu Ostern bietet sich da ein "Häschen" an. So niedlich anzuschauen, so flauschig und lieb. Und das Kind will es unbedingt, quengelt und weint bittere Tränen. Doch eine Spontananschaffung geht oft ordentlich in die Hose. Die Folgen trägt das Tier: vernachlässigt, ausgesetzt oder ins Tierheim abgeschoben. Um solche Schicksale zu vermeiden, haben viele Tierheime und Tierschutzvereine in den letzten Jahren an den Oster- und Weihnachtsfeiertagen einen Abgabestopp verhängt.
Hier fünf Gründe gegen eine solch spontane Geschenkidee ‐ damit in diesen Tagen auch beim Vermehrer, Züchter und Zooladen keine zukünftigen Opfer gekauft werden.

Die Sache mit dem "Osterhäschen"

So süß ein "Osterhäschen" auch ist: es hat Bedürfnisse, kostet Geld und macht Arbeit. Kaninchen brauchen einen passenden Kumpel, einen seeeehr großen Auslauf und auch passendes Frisch-Futter. Handelsübliches Futter ist oft minderwertig und die Käfige im Zooladen in der Regel viel zu klein. Außerdem sind sie keinesfalls die "Kuscheltiere", für die sie manche Menschen halten. Mehr Infos zu artgerechter Kaninchenhaltung gibts auf www.kaninchenschutz.de

Bereits vor der Anschaffung haben Eltern eine Vorbildfunktion

Die Anschaffung eines Tieres muss gut überlegt sein: es kostet viel Geld und hat Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen. Besonders jüngere Kinder denken oft nicht weit in die Zukunft. Das muss der Erwachsene übernehmen. Im Idealfall bindet er das Kind in die Entscheidungsfindung ein. Dabei lernt das Kind auch, dass manches eben nicht sofort geht und angemessene Vorbereitungszeit braucht. Die wichtigsten Fragen und Anschaffungen können mit dem Kind durchdacht werden. So lernt es, wie viel dazu gehört, wenn ein Tier einziehen soll.

Ebenfalls gehört dazu, alle benötigten Utensilien und Futter für die ersten Tage bereits zuhause zu haben, bevor das Tier einzieht. Das Wissen über artgerechte Haltung, Ernährung, Verhalten und nötige gesundheitliche Vorkehrungen müssen ebenfalls sitzen. Diese Vorbereitungszeit kann Wochen dauern und darf nicht übers Knie gebrochen werden.

Geben sich die Eltern einer spontanen Blitzidee hin, kann das Tier zum Wanderpokal werden, denn das Interesse von Kindern ist eventuell schnell verflogen. Das Tier ist aber weiterhin da und will artgerecht versorgt werden. Für das Kind bleibt die Erfahrung, dass Tiere wenig Wert haben und abgeschoben werden können, wenn sie "lästig" sind ‐ ein überaus egoistischer Weg.

Eine reiche Erfahrung fürs Kind ‐ Verantwortung hauptsächlich für die Eltern

Das Zusammenleben kann Kindern den Umgang mit Tieren und das Thema Tierschutz nahe bringen, so dass beide Seiten profitieren. Es ist eine unglaublich tolle Erfahrung zu sehen, wie beide auf- und zusammenwachsen. Dabei lernt der kleine Mensch viel fürs Leben, den Respekt vor der Natur und anderen Lebewesen.

Das ist aber nur dann möglich, wenn die Eltern dabei Vorbild sind. Wenn sie selbst respektvoll mit Tieren umgehen und dem Kind zeigen, dass auch ein Tier ein Lebewesen ist, dass es zu achten gilt. Und zwar mit allen seinen Bedürfnissen und der damit verbundenen Arbeit. Denn nicht nur wenn Kinder sehr jung sind, gilt: die Hauptverantwortung für ein Familientier bleibt bei den Eltern. Sie sind es letztlich, die für die Hauptarbeit, die Kosten und unbequemen Entscheidungen zuständig sind. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen und die Kinder altersgerecht in die Arbeit einbinden. Sie anhalten, auch langfristig am Ball zu bleiben.

Denn auch das ist eine Lernerfahrung bei der Haustierhaltung: Das Tier muss immer versorgt werden, nicht nur dann, wenn es "neu" ist. Im Zweifelsfall bleibt diese Arbeit an den Eltern hängen, wenn die Kinder das Interesse an ihrem neuen Haustier verlieren.



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Kontakt zwischen Kind & Tier: Bitte nur mit richtiger Einweisung

Kinder sind voll von überschwänglicher Liebe. Aber manchmal motorisch auch etwas ungeschickt oder grob. Sie können die Körpersprache des Tiers (noch) nicht lesen und würden manchmal auch etwas gegen seinen Willen tun. Kleine Kinder quietschen oft vor lauter Freude und rennen wankend auf das heißgeliebte Tier zu. Kinderhände grabschen dann ins Fell, ziehen an Ohren und Schwänzen. Das alles kann dem Tier Angst machen und es verletzen. Dabei meint es das Kind in den meisten Fällen keineswegs böse.

Trotzdem folgen im schlimmsten Fall Bisse, Kratzer und Tritte. Im günstigsten Fall flüchtet das Tier nur ‐ wenn es kann. Aber immer ist das eine sehr negative Erfahrung für Kind und Tier, die langfristig prägen kann.

Aus dem Grund ist es wichtig Kindern zu erklären, wie sie mit Tieren umgehen sollten. Den sanften Umgang und das "Lesen" des Tieres zu vermitteln. Auch das Respektieren von Ruhephasen und Ablehnung muss dem Alter des Kindes entsprechend gelehrt werden. Und das immer und immer wieder. Grundlegende Regeln gelten für Kind und Tier, sie sollten immer eingehalten werden. Auch hier greift die Vorbildfunktion und die Verantwortung der Eltern: auch einmal eingreifen, wenn es zu viel wird. Sonst kann es Tränen, Bisse und Kratzer geben, auch das Tier kann verletzt werden: Für Niemanden ist das lustig.

Einstellung der Eltern entscheidet über Erfolg oder Albtraum

Verantwortungsbewusstsein und Vorbildfunktion der Eltern sind im Zusammenleben mit Kind und Tier grundlegende Eckpfeiler. Auch die Fähigkeit, rationale Entscheidungen zu treffen und Konflikte zum Wohle der Betroffenen aufzulösen gehört unbedingt dazu. Diese Eigenschaften prägen ein Kind das ganze Leben lang. So müssen auch die Eltern unbedingt reif genug sein, um die Tragweite von Entscheidungen abzuschätzen und zu ihrer Verantwortung zu stehen ‐ das ganze Tierleben lang.

Immer wieder muss ich verzweifelte Hilferufe von Jugendlichen lesen, deren Eltern ihnen verbieten mit einem kranken Tier zum Tierarzt zu gehen. Oder die aus Geiz eine ausreichende Menge an Futter oder die Kastration verweigern. DAS DARF NICHT SEIN!. Denn es ist nicht nur für das Tier eine Qual, sondern auch für die Jugendlichen:

Die Erfahrung, dass Eltern dem Leid des Familientiers gegenüber gleichgültig sind und den Jugendlichen in eine unmöglich zu lösende Lage bringen ist langfristig negativ prägend! Sie sind in einer Zwickmühle und müssen verzweifelte Entscheidungen treffen: entweder mit seelischer Not dem Tier beim Leiden zusehen oder den Familienfrieden zerstören und negative Konsequenzen beim Alleingang riskieren… Kein liebendes Elternteil bringt sein Kind in eine solche Lage!

Stattdessen müssen sich Eltern auch bewusst sein, dass sie selbst auch einmal Unrecht und das Kind Recht hat. Denn auch Kommunikation, Dazulernen und Sorgen-Ernstnehmen gehört zum Elternsein dazu.

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Auch ein "Nein" kann eine lehrreiche Erfahrung fürs Kind sein

Eltern müssen eine ganze Menge bedenken ‐ zum Wohl von Kind und Tier. Ein Spontankauf, nur um den Quengeln des Kindes nachzugeben, rächt sich später garantiert. Und bringt nur noch mehr Arbeit und Tränen mit sich als einen klaren Cut zu machen. Auch ein "Nein" ist manchmal nötig und die einzig richtige Entscheidung, wenn ein Tier und seine Bedürfnisse nicht ins momentane Familienleben passen.

Denn auch das "Nein" ist eine unglaublich wichtige Lektion für das Kind. Mit einer Erklärung zum "Warum?" sind zwar Tränen und der ein oder andere Wutausbruch nicht verhindert ‐ langfristig aber Tierleid. Dadurch lernt das Kind deutlich mehr, als wenn seinen Wünschen immer nachgegeben wird. Auch, wenns für die Eltern manchmal schwer ist 😉

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zuletzt überarbeitet: 22.April. 2020
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Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Mein Name ist Miriam. Vor 19 Jahren zog die erste Katze bei mir ein. Dabei habe ich viele Anfängerfehler gemacht und aus ihnen gelernt. Also beschloss ich, mich durch Fachlektüre und -vorträge weiterzubilden. Das Ergebnis davon kannst du unter Anderem hier im Blog nachlesen.


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