Buchkritik

Buch “Das Kuscheltierdrama”

Das Buch "Das Kuscheltierdrama" von Prof. Dr. Achim Gruber

Das Buch "Das Kuscheltierdrama" von Prof. Dr. Achim Gruber

26. April 2019
Lesezeit ca.: 6 Min., 40 Sek.  
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2 Kommentare


Hinweis: Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag kosten- und bedingungslos zum Test-Lesen überlassen.

Im Wandel der Zeit ist der Mensch seinen Haustieren immer näher gekommen: sie leben im selben Haus, teilen ihr Leben und oft auch das Bett. Dass eine solche Nähe auch Nachteile für beide Seiten haben kann, vergessen wir leider oft. Die dadurch entstehenden gesundheitlichen Probleme können uns jedoch alle treffen. Und oft treffen sie uns unerwartet. Es gilt also, sich die Probleme, welche mit der engen Mensch/Tier-Beziehung einhergehen, stärker präsent zu machen. Einen Anstoß dazu soll das Buch "Das Kuscheltierdrama" des Tierpathologen Prof. Dr. Gruber liefern. Ich durfte es lesen und möchte euch heute meinen Eindruck dazu niederschreiben.

Infos zum Buch:
Titel: "Das Kuscheltierdrama – Ein Tierpathologe über das stille Leiden der Haustiere"
Verlag: Droemer Verlag
Autor: Prof. Dr. Achim Gruber
Preis: 19,99€ (E-Book 14,99)
ISBN: 978-3-426-27781-2
Seitenzahlen: 274(312) Seiten
Erstveröffentlichung: 01.03.2019
Hardcover

Inhalt und Aufmachung

Der Großteil des Buchs besteht aus schwarzem Text auf matten, cremeweißen Papier. Die 13 farbigen Abbildungen des Buchs befinden sich auf den acht glänzend weißen Seiten in der Buchmitte. Nach Vorwort und Einleitung folgen die fünf Inhaltsteile. Sie bestehen jeweils aus vier bis 13 Unterkapiteln. Im ersten Teil "Auf der Fährte des Tierpathologen" erfährt der Leser auf 41 Seiten Näheres über die Arbeit eines Tierpathologen. Ausbildung, Einsatzgebiete und Wissensspektrum werden ebenso erwähnt wie die Geschichte des Berufs. Die folgenden 38 Seiten stellen den zweiten Inhaltsteil: "Angeklagt". Hier werden vier Fälle von Tierschutzverstößen näher unter die Lupe genommen.

"Angesteckt" ist die Überschrift des dritten Inhaltsteils. Es dreht sich alles um Infektionskrankheiten und Zoonosen. Vier Fälle werden näher beschrieben. Der vierte Inhaltsteil erstreckt sich auf 98 Seiten und nimmt damit den größten Teil des Buchs ein. In "Reinrassige Irrwege" werden vom Autor Beispiele für die vielen verschiedenen Gesundheitsbeeinträchtigungen unserer Haustiere durch Zucht beschrieben. Die nächsten sechs Seiten sind unter dem Titel "Im Spiegel" zusammengefasst. Hier beschreibt der Autor seine Sicht auf das – teilweise widersinnige – Verhältnis zwischen Mensch und (Nutz-)Tier. Es folgen Danksagung, Leseempfehlungen und Register.

In der Einleitung definiert der Autor selbst das Ziel des Buchs: die Mensch/Tier-Beziehung sorgloser zu gestalten. Und zwar, indem auf gesundheitliche Risiken und Schutz beider Seiten hingewiesen werden soll.

Mein Eindruck vom Buch "Das Kuscheltierdrama"

Die Schrift bildet einen guten Kontrast zum Papier. Sie ist groß genug, um ein angenehmes Leseerlebnis zu ermöglichen. Die einzelnen Inhaltsteile sind klar voneinander abgegrenzt. Die Überschriften passen gut zum Text. Durch kleinere Überschriften werden die einzelnen Unterkapitel jeweils noch einmal getrennt. Ich empfand es als etwas verwirrend, dass manche Geschichten ein eigenes Kapitel bilden und andere über mehrere Kapitel (und Überschriften) laufen. Da sie auch oft ineinander überleiten, war es für mich auf den ersten Blick oft schwierig zu erkennen, wann eine Geschichte endet und eine neue beginnt.

Die Sprache des Buchs ist größtenteils einfach verständlich, wenn auch teilweise durchaus anspruchsvoll. So werden nicht selten medizinische Fachtermini genutzt, die zwar häufig erklärt werden, beim "normalen" Leser jedoch eher für ein Stocken im Lesefluss sorgen dürften. Beispiele:

[…] spezielle Immunzellaggregate, die […] durch Mykobakterien induziert werden […]
[…] verläuft die Tuberkulose eher mit Kolliquationsnekrosen […] Also mit verflüssigenden Gewebsuntergängen […]– Zitate Seite 178, Zeilen 23-24 und 29-30

Die Abbildungen im Buch sind allesamt mehrfarbige Zeichnungen. Sie alle haben einen Bezug zum Text und machen diesen anschaulicher. Da der Leser jedoch immer zwischen Textstelle und dazugehöriger Abbildung blättern muss, stört dies meiner Meinung nach den Lesefluss.

Die Unterschiede zwischen Bakterien, Parasiten, Viren und Pilzen werden einfach nachvollziehbar erklärt. Das erleichtert dem Leser das Verständnis so mancher nachfolgender Textstelle. Die Beschreibung zum Begriff der Zoonose trägt zum nachvollziehen der Grundaussage des Buchs bei.

Detaillierte Beschreibungen

Zusammenhänge und Folgen von Krankheiten werden im Buch häufig detailliert und anschaulich beschrieben. Die Beschreibungen von Praxisfällen im ersten Teil des Buchs sind stellenweise sehr anschaulich. Meiner Meinung nach in zumindest einem Fall schon zu sehr. So wird der Zustand von Wasserleichen ertränkter Hunde derart plastisch und extrem detailliert beschrieben, dass der Leser ein deutliches Bild vor Augen hat. In meinen Augen schriftlich gutes Handwerk, aber durchaus nichts für schwache Mägen und vor allem auch vollkommen unnötig: auch ohne die genaue Beschreibung (Seite 51, mit 24 Zeilen immerhin eine dreiviertel Seite lang) der Beschaffenheit von Haut, Körperöffnungen und Körperflüssigkeiten wäre dieser Fall von Tierqual tragisch genug angekommen. Insgesamt finde ich den ersten Teil leider wenig gelungen. Der Autor schweift ab, schiebt – zwar durchaus interessante, aber für den Kern des Inhaltsteils weniger relevante – Passagen ein. Es fiel mir sehr schwer, hier einen roten Faden zu erkennen.

Die restlichen Geschichten des Buchs sind durch die teilweise verwendete wörtliche Rede, die Beschreibung der Charaktere und ihrer Gefühle nah dran am Leser. So haben sie jedoch eher Romancharakter und unterscheiden sich damit von anderen Kapiteln, in denen eher sachliche Beschreibungen vorherrschen. Teilweise wirken sie wie Kriminalgeschichten, haben einen Spannungsbogen und ein abgeschlossenes Ende.

Zucht als Gruselkabinett mit gesundheitlichen Folgeschäden

Der vierte Teil des Buchs macht mit seinen 98 Seiten fast die Hälfte des Buchs aus. Der Autor beschreibt hier Erbkrankheiten, Deformationen und die damit einhergehenden gesundheitlichen Schäden bei betroffenen Tieren. Meiner Meinung nach ist eine solche Aufklärung – auch in einem solchen Umfang – absolut angebracht. Zeigt es doch in aller Deutlichkeit, wie der Einfluss des Menschen Tiere krank machen kann. Die zahlreichen Beispiele geben einen guten Eindruck davon, welche Nachteile Tiere – hier vor allem Hunde – durch Zucht, im Großen wie im Kleinen, erleiden können.

Ich hätte es jedoch für äußerst wichtig empfunden, klar zu machen, dass auch Mischlinge nicht vor solchen erblich bedingten Folgeschäden gefeit sind. Der Autor vermittelt im Gegenteil den Eindruck, Mischlinge seien pauschal gesünder, weil sie sich ohne (züchterische) Einmischung des Menschen vermehren würden. Dies ist jedoch ein Trugschluss, der Leser und betroffene Halter in falscher Sicherheit wiegen könnte. Fast alle Mischlinge entstehen durch Vermehrung unter menschlichem Willen. Durch die unbekannte Herkunft und den unbekannten Gesundheitszustand der Elterntiere und die Vermehrung ohne genetisches Wissen, besteht hier leider oft ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. So vereinen Mischlinge nicht selten die Erbkrankheiten mehrerer Rassen in sich.

Aufrütteln als Ziel

In meinen Augen rüttelt das Buch den aufmerksamen Leser gründlich auf: Unser Zusammenleben mit Tieren und unser Einfluss auf sie kann für beide Seiten Nachteile haben. Die verschiedenen Geschichten zeigen Beispiele, die im Kopf bleiben. Besonders die Inhaltsteile über Infektionskrankheiten und Zoonosen lassen mich zukünftig doch ein bisschen anders auf engen Kontakt mit Haustieren schauen. Ich konnte viele neue Informationen aus dem Buch mitnehmen oder mir noch einmal vor Augen führen: wem ist schon bewusst, dass Tuberkulose auch heute noch ein Thema ist und zwischen Mensch und Katze übertragen werden kann? Mir war dies nicht bewusst.

Das vom Autor in der Einleitung selbst verfasste Ziel, den sorgsameren Umgang zwischen Mensch und Tier zu fördern, ist in meinen Augen nur teilweise gelungen. Klar und deutlich kommen die Risiken zum Ausdruck, mögliche Schutzmaßnahmen oder Empfehlungen kommen zu kurz oder werden gar nicht erst angesprochen. Leider fiel es mir durch die uneinheitliche Struktur noch schwerer, beim Lesen den Grundgedanken des Buchs im Hinterkopf zu behalten.

Fazit für mich

Das Buch befasst sich mit für beide Seiten negativen gesundheitlichen Folgen einer engen Beziehung zwischen Haustier und Mensch. Der interessierte Leser erfährt eine Menge über die möglichen Risiken. Empfehlungen zur Vermeidung finden sich weniger. "Das Kuscheltierdrama" von Tierpathologe Prof. Dr. Gruber ist sicherlich kein "Must-Have", aber dennoch eine stellenweise lehrreiche, stellenweise unterhaltsame Lektüre. Ich persönlich kann mich mit Struktur und Schreibstil nicht anfreunden. So interessant und wichtig der Inhalt ist, ich persönlich denke, eine andere Form hätte ihn deutlicher hervorgebracht.

zuletzt überarbeitet: 07.Juli. 2019
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Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Ich bin 36 Jahre alt und halte seit 18 Jahren Katzen. Derzeit lebe ich mit meinen beiden Katzen Janis und Lara im schönen Ruhrpott. Meine Neugier treibt mich seit zehn Jahren dazu, mein Wissen über Katzen ständig zu erweitern. Auf diesem Blog geht es nicht nur um persönliche Erfahrungen, sondern auch um praxisnahe Tipps und die Wissensvermittlung.

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2 Antworten zu “Buch “Das Kuscheltierdrama””

  1. Liebe Miriam,

    Deine durchaus kritische Rezension kam für mich gerade zur richtigen Zeit. Ich hatte schon überlegt, mir dieses Buch zu kaufen. Jetzt warte ich glaube ich doch lieber, bis ich es mir in der Bibliothek ausleihen kann.

    Liebe Grüße
    Sabine und Slimmy

  2. Ursel sagt:

    Liebe Miriam,

    Prof. Gruber hatte ich zuerst in einem WDR-Radio-Interwiev gehört und war sofort angefixt, aus dem Tagesgeschäft eines Tierpathologen mehr zu erfahren. Habe mir das Buch sofort gekauft und förmlich verschlungen. Mental schwankte ich beim Lesen zwischen Abscheu, Grusel, Lachen und Weinen.

    Ich hätte mir mehr Ausführlicheres gewünscht, aber das Lesen hat doch die Sensibilität für Tierleid (die man ja sowieso schon empfindet) nochmal erhöht. Als allergrößtes Problem sehe ich die industrielle Massentierhaltung und die Gier nach Profit. Die Lobby ist anscheinend zu mächtig, die Parteien (Grüne!) zu machtlos oder unwillig, daran etwas zu ändern.

    Ob man seine Katze mit ins Bett nimmt oder nicht, kann man wenigstens selbst entscheiden (ich hatte kurz Bedenken nach dem Lesen, aber da uns krankheitstechnisch noch nie etwas widerfahren ist, lassen wir die Katzen weiterhin mit ins Bett).
    Und man kann auch darauf achten, welches Fleisch man kauft. Jetzt tut sich ja offensichtlich was. Fraglich nur, ob die Angaben über die Tierhaltung nur ein Marketing-Gag sind. Denn Fleisch aus den allerschrecklichsten Tierfabriken der Stufe 1 wird als “Konventionell” bezeichnet. Allerdings sehe ich auch, wie schwierig es ist, da konsequent zu sein. Nicht jedermanns Portmonee verkraftet die manchmal bis zum Fünffachen höheren Preise für Bio. Und – welches Fleisch ist im Katzenfutter?

    Aber danke für deine Rezension und herzliche Grüße
    Ursel

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