Buchkritik

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag kosten- und bedingungslos zum Test-Lesen überlassen.

Buch “Artgerechte Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen”

Das E-Book 'Artgerechte Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen'

Das E-Book 'Artgerechte Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen'

15. November 2019
Lesezeit ca.: 5 Min., 29 Sek.  

1 Kommentar

Hybrid-Katzenrassen üben auf viele Menschen eine große Faszination aus: die Bekanntesten unter ihnen sind wohl Savannah und Bengalen. Die immer größer werdende Anzahl an Züchtern solcher Rassen macht die Anschaffung leichter. Leider ist der Wunsch nach "Wildnis im Wohnzimmer" nicht immer gut überlegt. Es gibt derzeit kaum umfangreiche, neutrale Lektüre auf dem Markt, die über die Haltung dieser Tiere aufklärt. Die Autoren Katerina Mirus und Florian Glaudo haben das mit der Veröffentlichung ihres aktuellen Buch geändert. Nach der Lektüre bleibt kaum etwas von naiven Vorstellungen über die Haltung übrig.


Infos zum Buch:
Titel: "Artgerechte Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen – Raubkatzen in menschlicher Obhut"
Verlag: tredition
Autoren: Katerina Mirus & Florian Glaudo
Preis: 9,99€ (E-Book), 25,99€ (Paperback), 32,99€ (Hardcover)
ISBN: 978-3-7497-4886-4 (E-Book), 978-3-7497-4886-0 (Paperback), 978-3-7497-4886-7 (Hardcover)
Seitenzahlen: 152 Seiten
1. Auflage, 2019


Die Autoren lassen auch Bilder sprechen

Das Buch besteht überwiegend aus schwarzem Text auf weißem Papier. Die Schriftgröße ist angenehm zu lesen, fett geschriebene Überschriften teilen die einzelnen Textbereiche voneinander ab. Die Sprache ist größtenteils einfach verständlich. Die vereinzelt verwendeten Fachworte werden dabei nachvollziehbar – auch anhand von Beispielen – erklärt. Im Buch sind sowohl schwarz/weiß- als auch Farbfotos zu finden. Die jeweilige Bildunterschrift ist passend zum Foto und gibt in vielen Fällen die abgebildete Katzenart an.

Besonders wichtige Hinweise heben sich durch rote, kursive Schrift und einem großen Ausrufezeichen deutlich vom restlichen Text ab. Tipps dagegen kommen in grüner Schrift daher.

Viel Wissen kompakt und einfach rübergebracht

Das Buch enthält insgesamt 28 Inhaltsbereiche, die noch einmal in verschiedene Unterkapitel eingeteilt sind. Dabei beginnt es mit allgemeinen Beschreibungen über Hybridrassen, Sinne und Verhalten von Katzen. Mit der Beschreibung von Psyche und Bedürfnissen hat der Leser alle grundlegenden Infos, um tiefer ins Thema einzusteigen.

Denn das eigentliche Thema des Buchs ist – wie der Titel schon erahnen lässt – artgerechte Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen. So werden zunächst generelle Anforderungen an die Haltung dieser speziellen Katzen beschrieben. Danach gehts ans "Eingemachte": Gehegeplanung, -einrichtung und Sicherheitsaspekte. Der Leser erfährt ebenso etwas über Ernährung, Trinkverhalten und den richtigen Umgang mit Raubkatzen.

Geistiger Beschäftigung durch Enrichment, Activity Feeding und Clickertraining widmen die Autoren zahlreiche Seiten. Beschreibungen zu Paarungsverhalten, (Hand-)Aufzucht und Lebensphasen runden den Inhalt ab. Am Ende finden sich neben dem Nachwort auch nützliche Adressen und Quellenangaben.

In der Einführung formulieren die Autoren selbst das Ziel des Buchs: mit veralteten Denkweisen aufräumen, aufklären und den jeweiligen Katzen zu einem besseren Leben zu verhelfen.


Über die Autoren

Katerina ist Fotografin und tauscht sich regelmäßig mit Züchtern, Haltern und Zoos aus – sowohl in Deutschland, als auch in Tschechien. Sie arbeitet nicht nur als Autorin, sondern ist zudem Tierpsychologin und macht derzeit eine Weiterbildung zur Tierheilpratikerin.

Florian sammelt sein Praxiswissen auch durch die Zucht mehrerer Kleinkatzen und Hybridrassen. So hält er beispielsweise Servale, Bengale und Savannahkatzen. Immer wieder übernimmt er beschlagnahmte Tiere und arbeitet eng mit dem Zoo Krefeld zusammen.


Struktur und Optik werden dem Inhalt nicht gerecht

Beim Lesen hatte ich manchmal Probleme dem roten Faden des Buchs zu folgen. Denn die einzelnen Überkapitel sind optisch wenig klar abgegrenzt. Lange Schachtelsätze machen so manchen Inhalt schwer verdaulich. Größe, Platzierung und Farbigkeit der Fotos variieren im Buch stark. So ergibt sich manchmal ein etwas unruhiger Eindruck. Die Hinweise in roter und grüner kursiver Schrift tragen dazu bei. Sie sind zudem schlecht lesbar.

Ich als Leser hätte mir für die Einführung eine Kurzvorstellung der häufig gehaltenen Hybridrassen und Kleinkatzen gewünscht.

Gedankenanstöße, Praxisbeispiele und Fachbezüge machen den Inhalt aus

Ganz wunderbar für mich als Leser waren die zahlreichen Verweise auf Studien und wissenschaftliche Untersuchungen. So kann ich dem Geschrieben nicht nur Vertrauen entgegenbringen, sondern bei Bedarf selbst weiter recherchieren. Bei den Themen Gehegebau und Haltungs- bzw. Zuchtgenehmigungen wird auf die jeweils im eigenen Landkreis zuständigen Behörden verwiesen. Schließlich sind die Vorgaben überall anders und ändern sich auch von Zeit zu Zeit. Die allgemeinen Infos und Tipps der Autoren liefern jedoch klare Orientierungslinien.

Insgesamt gibt das Buch einen umfassenden Überblick über die Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen. Dabei zeigen Katerina und Florian deutlich, dass das Ganze nichts "für nebenher" ist. Dass die Entscheidung dazu gut überlegt sein muss. Auch Geldbeutel, Wissen und Wille zur artgerechten Haltung sind gefragt. Das alles schaffen sie in einer neutralen, aufklärenden Art und Weise. Der erhobene Zeigefinger bleibt in der Tasche, ein generelles Abraten ist nicht zu spüren.

Auch für Hauskatzenhalter eine Bereicherung

Wer – wie ich – eher aus der "Hauskatzenecke" kommt, wird sich über die Angabe der Katzenart in den jeweiligen Bildbeschreibungen freuen. Aber auch viele Inhalte sind eins-zu-eins auf die Hauskatzenhaltung zu übertragen: Verhalten, Sinne, Sicherheit. Dass hier ausführlich über giftige Pflanzen und Lebensmittel gesprochen wird, macht wohl so manches Katzenleben sicherer. Auch Themen wie Mobbing, Verteidigungsschlaf und geistige Beschäftigung sind für uns Hauskatzenhalter ebenso oft wichtige Themen.

Dass die Autoren sich auch der Ernährung und dem damit verbundenen Drumherum widmen, begrüße ich sehr ;) Nicht nur das "Was?", sondern auch "Wie?" wird erklärt. So zum Beispiel auf Seite 91:

Die Nahrungsbeschaffung ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Katzenlebens. […] Das Futter nur in einen Napf zu stellen und sich nicht weiter zu kümmern, ist keine gute Alternative! – Zitat, Seite 91

Mein Gesamteindruck vom Buch "Artgerechte Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen"

Insgesamt bietet das Buch meiner Meinung nach einen guten Einblick in die Haltung von Kleinkatzen und Hybriden. Alle wichtigen Aspekte sind angesprochen. Die besonders wichtigen erhalten viel Raum und sind unmissverständlich. Schön finde ich, dass das Ganze auch Negativaspekte und Aufwand beleuchtet, ohne erhobenen Zeigefinger oder unterschwellige "ist nicht machbar”"Einstellung.

Jeder Leser, der leichtsinnig an die Sache herangehen wollte, wird wohl Abstand von der Haltung nehmen. Jeder, der die Haltung mit einer gewissen Ernsthaftigkeit überlegt, findet wertvolle Ansätze und sogar noch weiterführende Lektüreempfehlungen.

Ich persönlich habe nun einen weit besseren Einblick in die Thematik, auch, wenn ich zu vielen Themenbereichen bereits Vorwissen hatte: durch das Buch konnte ich das Wissen vertiefen und andere Einblicke erhalten.

Mein Fazit in Kürze
Katerina Mirus/Florian Glaudo, "Artgerechte Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen", 1. Auflage, Preis 9,99 – 32,99€
Optik & Struktur
 
Lesefreundlichkeit
 
Recherche
 
Preis-/Leistung:
 
für wissbegierige Katzenhalter

zuletzt überarbeitet: 11.Dezember. 2019
Aufrufe insgesamt: 161


Über Miriam

Miriam hält Katze Janis auf dem Arm

Ich bin 36 Jahre alt und halte seit 18 Jahren Katzen. Derzeit lebe ich mit meinen beiden Katzen Janis und Lara im schönen Ruhrpott. Meine Neugier treibt mich seit zehn Jahren dazu, mein Wissen über Katzen ständig zu erweitern. Auf diesem Blog geht es nicht nur um persönliche Erfahrungen, sondern auch um praxisnahe Tipps und die Wissensvermittlung.

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Eine Antwort zu “Buch “Artgerechte Haltung von Kleinkatzen und Hybridrassen””

  1. Liebe Miriam,
    das Buch hört sich spannend an, und wenn wir mit unserem grauen Mädchen-Trio-Infernale nicht schon voll ausgelastet wären, dann würde ich mir aus reinem Interesse das Buch wahrscheinlich besorgen …

    Aber die drei grauen Mädels Jahrgang 2017 sollten nun eigentlich unsere letzten Kitten sein. Denn wir sind dafür jetzt einfach zu alt geworden und haben auch nicht mehr die Nerven für solche tolldreisten Katzenkinder-Abenteuer ;-)

    Doch nach unseren Erfahrungen der letzten 2 Jahre wäre wirklich wünschenswert, wenn es mehr solcher Bücher über die verschiedenen Rassekatzen gäbe. Denn als ich nach Russenkitten im Internet suchte, habe ich mit Interesse auch Anzeigen und Berichte über Bengalen und Savanah gelesen. Und schnell war mir klar, dass die zu wild und anspruchsvoll für uns sind. Auch hatten wir zeitweilig nochmals mit Abessiniern überlegt, aber auch da hatte ich die Befürchtung, dass wir uns kleine Wildkatzen ins Haus holen würden. Und so kamen wir schnell zu dem Entschluß, dass es nach Maus & Allegra nochmals Russinnen sein sollten. Aber jedes Mal, wenn ich in den Anzeigen las, dass sie kaum haaren und sehr gut für die Wohnungshaltung geeignet sind, dachte ich kopfschüttelnd an unsere kleine Maus, die hoch oben in unseren Bäumen saß; und Allegra, die stundenlang voll Freude die Abendstunden auf unserem Hausdach verbrachte.

    Und als wir dann nach dem Mause-Tod auf der Suche nach ‘gebrauchten’ Russen die 9 Monate alte Mila und den Kater Heisenberg kennenlernten, war klar, dass diese Teenager trotz liebevoller Haltung und recht großem Lebensraum in einer Etagenwohnung unterfordert waren. Und bei einer Anzeige bei der zwei recht junge Russinnen als ‘sehr ruhig und machen nichts kaputt’ beschrieben wurden, taten mir die Katzenmädchen einfach nur leid, denn sie konnten ihr angeborenes Temperament anscheinend nicht in der sterilen Wohnung ausleben.

    Im Nachhinein hatten wir wahrscheinlich 2001 – als Maus und Allegra bei uns einzogen, mit unseren beiden Russinnen von jungen Züchterinnen sehr viel Glück. Auch wenn uns die kleine Maus schon als Katzenkind reichlich Nerven gekostet hat, und vorzugsweise den Tier-Notarzt am Sonntag benötigte. All’ das hatte ich mit den beiden Vorgänger-Katern nicht erlebt. Und unser Trio-Infernale toppt diese Erfahrungen nun nochmals. Flo und Krümel legen sich jetzt sogar mit Ratten in unserem Hochbeet an. Deswegen mussten beide im letzten Jahr sogar zum Tierarzt. Und nun haben sie anscheinend dazu gelernt – denn in den letzten Tagen legten sie uns 2 tote Jungratten vor die Gartentür. Diese 3 Mädchen wären überhaupt nicht für die Wohnungshaltung geeignet. Sie gehen bei schlechtem Wetter trotzdem raus. Und wenn mal eine Ausgangsperre verhängt wird, dann gehen sie im wahrsten Sinne die Wände hoch. Kaum vorstellbar, dass ihre Eltern und Ahnen wohl nur in der Wohnung/Haus gehalten wurden. Solche wilden Gene schlummern halt auch über Generationen noch immer in Stubentigern …

    Liebe Grüße von Silke, die hier jetzt wieder häufiger mitliest

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