04.August 2017 18:00 Uhr Recherche 10

Betrug beim Rassekatzenverkauf – So wird betrogen (1/4)

Lesezeit ca.: 8 Min., 35 Sek.

Wie wir alle wissen, sind Vereinszugehörigkeit und Papiere für jedes einzelne Tier nur ein Kriterium, um einen Vermehrer von einem wirklich seriösen Züchter zu unterscheiden. Ein Kriterium von Vielen, aber bei Weitem nicht das Wichtigste. In den letzten Jahren sind mir viele – teilweise echt extreme – Fälle untergekommen, in denen "Vermehrern mit Papieren" ahnungslose Käufer betrogen haben.

Ich möchte mit der heute startenden, 4-teiligen Artikelserie ein wenig auf Betrug beim Rassekatzenkauf aufmerksam machen. Folgende Teile erwarten euch:
Teil 1/4: "So wird betrogen"
Teil 2/4: "So gehts richtig"
Teil 3/4: "Wie dagegen vorgehen?"
Teil 4/4: "Fazit?"

So nicht! – In welcher Form wird betrogen?

Leider sehr, sehr üblich ist es, dass Mixtiere als Rassekatzen verkauft werden. Es gibt auch Rassen, die offiziell nicht anerkannt werden, die aber trotzdem Papiere und Stammbäume haben. Vereine, die für Mixe, Tiere unbekannter Herkunft oder bewusst gefakter Herkunft Papiere ausstellen, gibt es leider auch. Da werden Eltern erfunden, Daten verfälscht und Tiere absichtlich "verwechselt", nur damit die Papiere einigermaßen plausibel erscheinen. Ein Verein, der seinen Stempel aufs Papier setzt, kann also beim Betrug durchaus mit im Boot sein. Vereinsvorsitzende, die Vetternwirtschaft betreiben, mit der ganzen Familie den Verein schmeissen und sich gegenseitig gefälschte Papiere ausstellen, kommen leider auch vor. Manchmal stecken auch direkt mehrere Mitglieder eines Vereins unter einer Decke und schützen sich gegenseitig. Teils aus Angst, dass die eigene zweifelhafte Zucht auffällt – teils, weil sie es selbst nicht besser wissen wollen. Denn auch manche Züchter haben keinerlei Ahnung davon, wie man einen Stammbaum überprüft, wie man in/nach Linien forscht und glauben alles, was man ihnen erzählt.

… wenn der "Züchter" betrügt

Wenn es um die Papiere geht, wird weiterhin bei Alter, Geschlecht, Farbe, Zuchtbuchnummer gelogen. Da sind die Eltern des Tieres dann mal jünger als das Kitten oder es hat gleichgeschlechtliche Eltern. Oder aber es kommt bei einem Wurf eine Farbe oder Rasse heraus, die es in dieser Konstellation unmöglich geben könnte. Oder aber die Vorfahren haben bei anderen Würfen andere Daten, eine andere Rasse oder tauchen gleich gar nicht im Stammbaum auf. Manche Züchter "mogeln" auch bei der Datenweitergabe an den Verein: verstorbene Kitten werden nicht gemeldet, ganze Würfe unterschlagen und unter der Hand verkauft, nicht vorhandene Würfe erfunden, falsche Angaben über die Herkunft gemacht. Nicht alle Vereine prüfen die angegebenen Daten und tragen sie ungeprüft einfach stumpf in ihre Unterlagen ein, sie verlangen teilweise nicht einmal Nachweise. Auch vorgeschriebene Gesundheitsuntersuchungen werden erlogen. Ansteckende Krankheiten, die dem Verein gemeldet werden müssen, werden verschwiegen.

Es scheint in gewissen Kreisen durchaus in Mode zu sein, sich Tiere ohne Papiere aus zweifelhaften Vermehrerkreisen zu besorgen und diese offiziell in seine Zucht einschreiben zu lassen. Ist der Verein da nicht genau oder beteiligt, habt ihr ganz schnell ein Tier gekauft, von dem gar nichts bekannt ist. Und das weniger Arbeit und Kosten verursacht als ein selbst gezüchtetes Tier. Dass der "Züchter" selbst Tiere aus zweifelhafter Herkunft mit chronischen Infektionskrankheiten gekauft und gegen diese Krankheiten gekämpft hat, hält ihn nicht immer davon ab, mit genau solchen Tieren auch zu züchten. Dass solche Infektionskrankheiten dann gleich die nächste Generation "beglücken" scheint entweder unbekannt oder gänzlich egal.

… wenn sogar der Tierarzt mit im Boot sitzt

Dem Käufer gegenüber werden Infektions- und Erbkrankheiten, Deformationen, folgenreiche Unfälle und Parasiten verschwiegen. Gesundheitstests werden erfunden, teilweise auch mit gefälschten Papieren "nachgewiesen". Auch gefälschte oder verfälschte Impfpässe sind nicht selten. Und nicht immer sind diese gefälschten Papiere durch den Züchter selbst erstellt/verfälscht: es gibt leider durchaus Tierärzte, die für ein wenig Zubrot beide Augen ganz fest zudrücken oder auch einmal eine Unterschrift leisten, die da eigentlich gar nicht hingehört. "Blanko-Impfpässe" und -gesundheitszeugnisse scheinen ebenfalls durchaus stapelweise in so mancher "Züchter"-Schublade zu liegen: der Doc kennt einen ja schon jahrelang, da kann man sowas schonmal machen … Dass Tierärzte dadurch ihre Zulassung verlieren könnten, ist ihnen oft sehr bewusst, aber wenns nicht auffliegt ….

Letztlich wird auch in vielen Fällen kein Kaufvertrag ausgefertigt, der Rechte und Pflichten beider Seiten schriftlich festhält. Dieser enthält nämlich manchmal "zu viele" Daten, die letztlich vielleicht gar nicht stimmen… Und wer nichts Schriftliches in der Hand hat, hat hinterher schlechte Karten. Ebenso siehts mit Kontaktdaten aus: manche "Züchter" haben "Zuchtaußenstellen" im gesamten Bundesgebiet oder sogar darüber hinaus. Und vermehren so an vielen verschiedenen Stellen, ohne wirklichen Überblick. Dass der "Züchter" vielleicht gar nicht da wohnt, wo er angibt, fällt euch gar nicht auf, wenn ihr Tiere vom Parkplatz abholt… Und dass sein eigentliches Zuhause heruntergekommen ist, die Tiere darin eingepfercht auf dem Dachboden oder Keller dahinvegetieren oder vor sich hin versterben, fällt dann natürlich auch nicht auf. Natürlich sind auch Telefonnummern dann entweder ganz erlogen oder nicht mehr erreichbar. Euch fällt es erst auf, wenn ihr den Verkäufer wegen einem kranken Tier kontaktieren wollt.

… wenn die Tiere "passend" gemacht werden

Für jede Rasse gibt es Rassestandards. Diese legen offiziell zugelassene Augen-, Fellfarben und Körperstaturen fest. Tiere, die diesen Standards nicht entsprechen, sind bei nachweisbar reinrassigen Vorfahren natürlich auch reinrassig, eignen sich aber nicht zur Weiterzucht. Selbst, wenn ihr nicht mit diesen Tieren weiterzüchten wollt, könnt ihr daran auch oft erkennen, ob da in der Linie "gemogelt" wurde.

Besonders dreist aber sind bewusst "umettikettierte" Generationsangaben z. B. bei Hybridrassen wie der Savannah. Hier wird mit Kürzeln (F1-F5) die Verwandtschaftsnähe zum Serval ausgedrückt: F1 beispielsweise ist näher am Serval als F5. Da die Haltung und Zucht von Serval-nahen Tieren in manchen (Bundes-)Ländern aber verboten bzw. mit strengen Auflagen verbunden ist, wird bei manchem "Züchter" aus einem F3-Tier "mal eben" ein F5-Tier. Das kann nicht nur das Zusammenleben mit solchen Tieren – vor allem für Anfängerhalter – schwierig gestalten, sondern auch den Käufer in echte Schwierigkeiten bringen. Wer aufmuckt, dem wird mit Offenlegung gedroht: wer schießt sich schon selbst gern ins Knie? Mal ganz davon abgesehen, dass andere, ehrliche Züchter auf Ausstellungen dann ganz schön in die Röhre gucken und die ganze Rasse in Verruf gerät, weil ein "F5-Tier" ja so wild ist…

Im Übrigen werden von manchen "Züchtern" auch Hauskatzen mit getupfter Fellzeichnung als Bengal oder Serval verkauft: nein, nur weil die Katze Punkte hat, ist sie keine Hybridrasse!

… ganz krass bis "harmlos" – Betrug hat viele Gesichter

Manche "Züchter" gehen sogar so weit, euch zu bedrohen, bei euch einzubrechen, eure Wohnung zu verwüsten oder euch Detektive auf den Hals zu schicken, um eure "Leichen im Keller" zu finden, die man gegen euch verwenden kann – wenn ihr es wagt, über diese Dinge öffentlich zu sprechen. Dann werdet ihr also nicht nur ganz mies über den Tisch gezogen, sondern müsst auch um euer Wohl – und das eurer Lieben – fürchten, wenn ihr den Mund aufmacht und euer Recht einfordern wollt. Mafia lässt grüßen – und das leider nicht nur im Film.

Noch eher harmlos ist es da, wenn über den Charakter eines Tieres, seine Macken und Eigenheiten gelogen wird. Dass das Tier dann eigentlich gar nicht in euren Haushalt passt, ist egal – wenn das Geld geflossen ist, ist das eben euer Problem. Dass ihr statt eines Katers ein Kitten-Kätzchen bekommt, passiert leider auch nicht so selten. Und nicht immer steckt Absicht dahinter, manchmal durchaus schon. Dass bei der Aufzucht nur das Nötigste – wenn überhaupt – gemacht wird, wird euch dann auch nicht erzählt. Die Tiere leben in Käfigen, in abgetrennten Räumen, bekommen – entgegen der Beteuerungen – Billigfutter und werden vernachlässigt. Dass es nur eine – oder gar keine – Impfung gab, kann der "Vermehrer" vielleicht verschleiern, vielleicht lügt er euch aber auch vermeintlich plausible Gründe vor. Könnt ihr ja selbst nachholen. Die (Früh-)Kastration wurde auch nicht durchgeführt und das Tier ist massiv unsauber oder voller Würmer.

Es scheint manchmal alles erlaubt zu sein, damit die Kasse klingelt.

Welche Folgen kann das haben?

Mal abgesehen von eher "harmlosen" Fällen, in denen ein Tier "nur" die falsche Farbe oder das falsche Geschlecht hat, sich aber trotzdem gut ins neue Zuhause integriert, gibt es auch problematischere Fälle. Zum Beispiel, wenn das Tier einen anderen als den "versprochenen" Charakter hat – was bei der Entwicklung von Kitten natürlich nicht ganz auszuschließen ist. Dennoch kann das den Haussegen aber empfindlich stören oder ein harmonisches Zusammenleben sogar gänzlich unmöglich machen.

Wenn nur das neu zugezogene Tier an Erbkrankheiten leidet und daran verstirbt, ist dies schon schlimm genug. Eine Katastrophe für alle Beteiligten wird es aber dann, wenn Parasitenbefall oder Infektionskrankheiten verschwiegen werden. Flöhe, Würmer, Milben und Giardien, die dann alle Tiere im Haushalt befallen, sind da noch das kleinere Übel. Richtig fies wird es, wenn ansteckende, tödlich verlaufende Krankheiten den ganzen Bestand dahinraffen. Und das innerhalb von Tagen bis Wochen nach dem Einzug des neuen Tieres. Auch darum ist mehrwöchige Quarantäne für Tiere aus zweifelhafter Herkunft mehr als wichtig!

Mir sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Tiere vom "Vermehrer mit Papieren" Katzenschnupfen oder Katzenseuche ins neue Zuhause eingeschleppt und auch alt eingesessene Tiere angesteckt haben. In nicht wenigen dieser Fälle verstarben alle Tiere. In manchen Fällen überlebten einige Tiere und waren fortan chronisch krank. Das ist nicht nur mit Kosten von einigen tausend Euro, sondern auch mit enormen emotionalen Belastungen für den Halter und Qualen für die Tiere verbunden.






Auf welche Punkte ihr beim Rassekatzenkauf achten könnt, um all das zu vermeiden, erkläre ich euch im nächsten Teil.

3836vor einem Monat

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Über Miriam


Miriam ist 34 Jahre alt und lebt seit 16 Jahren mit Katzen zusammen. Vor acht Jahren begann sie, ihr Wissen über artgerechte Katzenhaltung durch die Recherche in verschiedenster Fach-Lektüre zu erweitern. Mit jeder Menge Neugier und (Galgen-)Humor teilt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen Interessierten. Nebenbei hat sie bereits ein Buch veröffentlicht, gibt Seminare zur Rohfütterung und hält Vorträge über verschiedene Aspekte der artgerechten Katzenhaltung. Himbeeren und Sushi machen ihr das Leben mit ihren drei pelzigen Sklaventreiberinnen erträglicher.

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bisher wurden 7 Kommentare zum Artikel geschrieben:

  1. Ich habe mehrere Rassekatzen Zuchtvereine angerufen
    und gefragt ob sie mir einen Züchter nennen können, der gerade einen Wurf Perserkatzen hat. Ich bekam einen Züchter genannt, fuhr hin und ging mit einem Perser
    Pärchen nach Hause. Nach 10 – 14 Tage, hatten meine Tochter, unsere beiden Hauskatzen und ich, merkwürdige Flecken auf der Haut, die ich mir als Insektenstiche erklärte. Unsere Babys wollte ich beim Tierarzt mal vorstellen und der entdeckte auch bei Ihnen diese Flecken.
    Er machte das Licht aus, schaltete eine Lampe ein und meinte, die Tiere haben Hautpilz. Ich zeigte ihm meine Flecken, auch Hautpilz. Er sagte mir sofort von welchem Züchter ich die Katzen gekauft habe, weil der schon seit langem Katzen mit Hautpilz verkauft. Ich wütend beim Rassekatzenverein angerufen
    (natürlich auch beim Züchter aber der wies das empört von sich). Der Züchter hat es „nur“ abgestritten aber die „Dame“ vom Rassekatzenverein wurde unsagbar pampig
    und bedrohte mich, weil ich ihr nicht den Namen von dem Tierarzt gesagt habe. Das ist jetzt schon knapp 20 Jahre
    her und beide Katzen wurden 16 Jahre alt. Aber die
    Zuchtvereine scheinen ja nicht alle seriöser geworden zu sein.

  2. Ich bin total entsetzt! Gibt es vielleicht auch nur eine klitzekleine Sache auf dieser Welt, bei der man nicht betrogen wird? Warum werden von hochbezahlten Leuten Gesetzte und Vorschriften erlassen, wenn sich keiner daran halten muss? Oder warum ist es so einfach ist, diese Vorschriften zu umgehen. Weil diese gewissenlosen Leute durch die Missachtung der Vorschriften und Gesetze noch mehr Geld verdienen und das auf Kosten der Tiere und der Halter der Tiere. Leider ist es nur ein weiteres Beispiel, was falsch läuft, weil nur Geld für viele Leute wichtig ist und sie nicht erkennen, was das Leben wirklich schön und lebenswert macht. Sie sind nicht fähig zu lieben und haben die Liebe eines Tieres auch nicht verdient.

    • Das Problem ist hier, dass Gesetze und Verordnungen ihre Grenzen haben. Aber ja: überall kann man beschissen werden – sogar morgens beim Brötchenkaufen ;) Was nicht heisst, dass hinter jeder Ecke ein Betrüger lauert.

  3. Hallo
    Wahrscheinlich wurde schon oft hier so kommentiert, aber es gibt genug arme Katzen in Tierheimen und bei den ehrenamtlichen Tierschutzhelfern.
    Warum eine Rassekatze kaufen???????
    Echte Tierliebhaber kaufen keine (Rasse-)Tiere bei Züchtern. Das ist Fakt!!

    S.Ries

    • Hallo Stefan!
      Es ist Fakt, dass nicht alles schwarz/weiss ist. Ich kaufe ein Rassetier, weil alles dafür getan wurde, dass Erb- und Infektionskrankheiten nicht ihr Leben – und das meiner anderen Katzen – verkürzen. Ich kenne Laras Vorgeschichte genau, ich kenne ihre Eltern und die Omi persönlich, kenne alle Macken. Ich kann auf böse Überraschungen gern verzichten und tue meinen Teil dafür, das Risiko entsprechend zu minimieren.

      Und nein, solche Kommentare gibt es eher nicht hier :D Einfach aus dem Grund, weil die meisten Leser nicht nur einen Artikel von mir lesen.

  4. Finde den Artikel top.schwarze schaafe gibt’s leider überall.im Katzenform wird man echt angefeindet bei normalen fragen.und ich kaufe mir lieber eine Rasse Katze aus einem normalen Haushalt als aus einer Berufs Zucht wo es meiner Meinung nach nur ums Geld geht.inzucht ist da dann auch üblich.und der arme Kater wohnt im Keller um Deckgebühren zu sparen.

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