Veröffentlicht: 31.März 2015 um 18:00 Uhr - vor 3 Monaten aktualisiert

4630 Aufrufe, 8 Kommentare, Kategorie: Meinung & Tipps, Markierungen: ,

bewusste Verbrauchertäuschung oder nur gute Marketingstrategie?

das beste Katzenfutter

Wer sich ein wenig damit befasst, wie die Ernährung einer Katze gestaltet sein sollte, kann die größten Stolperfallen bei der Auswahl des Katzenfutters umschiffen. Leider aber eben auch nur die Größten, denn viele kleine Details kann man als Verbraucher gar nicht erkennen. Wer sich gar nicht mit dem Thema auseinandersetzt, steht oft unsicher da und schlittert zwischen unzähligen Werbeaussagen, PR-Aktionen und bunten Verpackungsaufdrucken den Weg zum satten Kätzchen entlang. Auch die Hersteller und Marketing-Experten der großen Konzerne tun eifrig ihr Übriges, um den Verbraucher weiter einzulullen und vom Denken abzulenken. Dabei helfen nicht nur bekannte Markennamen und Berieselung mit Werbefilmchen, auch bewusst missverständliche Statements zum eigenen Produkt entfachen Laola-Wellen im Kreise der Fans.

Es scheint so einfach zu sein, Verbraucher an der Nase herumzuführen, wenn sie es zulassen. Viele Katzenhalter denken gar nicht nach, was sie ihren Katzen tagtäglich verfüttern: "Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss" scheint hier die Devise zu sein. Fans der großen Marken scheinen sich wohl damit zu fühlen, nichts zu wissen. Für all diejenigen, die zumindest ein klein wenig wissen, sind so manche Werbeaussagen ein Würgen im Hals.

Meine persönliche Shit-Liste der Werbestrategien: TOP-5

Platz 5: "Unser Futter erfüllt die Kriterien der FEDIAF/NRC/etc."

siehe Quellen 1,2 und 3
So weit, so gut. Das Futter enthält also mindestens die Nährstoffe, die von verschiedenen Institutionen empfohlen werden. Bei diesem Statement wird aber glatt unterschlagen, dass möglicherweise auch manchmal zu viel von den jeweiligen Nährstoffen enthalten sind. Und dass eine langfristige Überversorgung ebenso wenig gut ist wie eine Unterversorgung. Ebenfalls wird mit dieser Aussage bewusst im Unklaren gelassen, welches "Drumherum" um die empfohlenen Nährstoffe in den Futterverpackungen enthalten ist. Künstlich Nährstoffe hinzufügen kann Jeder, das macht aber noch lange kein gutes oder gesundes Futter aus! Zudem ist die FEDIAF ein Zusammenschluss von Futterherstellern und anderen "parteiischen" Institutionen, die nach eigenem Gutdünken die Nährstoffempfehlungen der Forschung verändern und weitestgehend ihren "eigenen Brei kochen"!

Man könnte diese Aussage übersetzen mit: "Wir halten die Mindeststandards ein, die wir selbst (mit Anderen, die auch finanzielle Interessen daran haben) aufgestellt haben".


Platz 4: "Kohlenhydrate sind wichtige Energielieferanten" / "Zucker muss deklariert sein" / "Getreide liefert wichtige Eiweiße…"

siehe Quellen 1, 3, 4
Alle diese Aussagen kann man mit einem lauten "NEIN!" zurückweisen. Kohlenhydrate sind für die Katze keine wichtigen Energielieferanten. Sie beziehen ihre Energie aus tierischem Fett und tierischen Proteinen, sie brauchen keinerlei Kohlenhydrate – wenn das Futter vernünftig zusammengesetzt ist. Stattdessen werden Kohlenhydrate, Getreide und andere pflanzlichen Inhaltsstoffe beigemischt, um möglichst preiswert den Energie- und Proteingehalt zu erhöhen. Katzen können bis zu einem gewissen Maß zwar Kohlenhydrate verarbeiten, aber eben sehr ineffizient. Sie sind in gutem Katzenfutter einfach überflüssig! Zudem liefert Getreide keine wichtigen Eiweiße, Vitamine usw. – es liefert billige Eiweiße und Vitamine, mit denen die Katze nichts anfangen kann.

Allein als Ballaststoff ist es in geringen Mengen einigermaßen brauchbar – es gibt allerdings bessere Alternativen. Noch was zum Thema "gekocht = aufgeschlossen und gut verdaulich": Es stimmt: wird Getreide gekocht, kann die Katze es besser verdauen. Trotzdem bleibt es für die Katze unnütz und ungesund. Letztlich müssen auch zuckerhaltige Inhaltsstoffe mitnichten alle deklariert sein.

Man könnte diese Aussage übersetzen mit: "Wir packen grade so viel ungesundes für die Katze in das Futter, dass es nicht (sofort) krank macht."


Platz 3: Kitten-, Seniorfutter und Futter speziell für bestimmte Rassen / verschiedene Geschmacksrichtungen

siehe Quelle 5 und 7
Es ist wohl wahr, dass bestimmte Lebensphasen der Katze (Wachstum, Trächtigkeit, Laktation, Alter) auch bestimmte Anforderungen an ihre Ernährung stellen. Ebenso wahr ist es aber auch, dass die Natur keine Beute speziell für diese Lebensstadien bereit stellt. Wer jetzt logisch denkt, wird sich fragen "Warum dann spezielles Futter dafür?" – Ganz einfach: weil es sich verkauft! ;) Und weil die Leute meinen, es wäre notwendig. Wer diese speziellen Futtersorten mal näher betrachtet und mit den Nährstoffanforderungen vergleicht, wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen: entweder unterscheidet sich nichts – bis auf den Verpackungsaufdruck – von normalem Katzenfutter oder aber bestimmte Nährstoffe sind in höherer/niedrigerer Menge vorhanden, obwohl dies nicht nötig wäre oder sich trotzdem nicht an den Nahrungsanforderungen orientiert.

Ein gut zusammengestelltes Futter kann in jeder Lebensphase verfüttert werden – mal in größeren, mal in kleineren Mengen, mal mit einer natürlichen und artgerechten Nahrungsergänzung abgerundet. Die Strategie, auch für verschiedene Rassen oder gar kastrierte, sterilisierte Tiere oder Katzen mit Freigang andere Nahrung an den Dosi zu bringen, ist ein Werbegag, der sich wohl als äußerst lukrativ erwiesen hat.

Auch die Sache mit den – angeblich – verschiedenen Geschmacksrichtungen ist bei vielen Marken nicht mehr als eine hohle Phrase. Keine Katze wird herausschmecken, ob in den – bestenfalls – 60% Fleisch und Nebenerzeugnissen vom Schwein/Rind nun 4% Kaninchen oder Huhn oder Maulwurf steckt. Einheitsbrei bleibt Einheitsbrei, ob nun ein Bruchteil davon anders schmeckt oder nicht, macht keine verschiedenen Geschmacksrichtungen aus.

Man könnte diese Aussage übersetzen mit: "Solange es sich verkauft, bieten wir jeden Werbegag an und verteidigen ihn!"


Platz 2: "Aber wenn das so schlecht ist, warum dürfen die das verkaufen?" a.k.a. "Meine Katze ist mit Futter XY aber alt und gesund"

Auch – oder gerade weil – diese Aussage nicht von den Herstellern selbst, sondern von den "Marken-Jüngern" immer wieder herausposant wird, gehört sie für mich mehr als eindeutig in die Kategorie "Werbeaussage" – Deutlicher kann man gar nicht zeigen, wie sehr jahrelange Berieselung mit Werbung funktioniert hat. Und deutlicher kann man auch nicht zeigen, wie sehr sich uninformierte Katzenhalter gegenseitig beeinflussen. Von daher ist auch dies für mich eine Art Werbung.

Wenn bloß alles, was nicht sofort deutlich erkennbar krank machen würde, gesund wäre… Wenn bloß alles, was schädlich/ungesund ist, nicht verkauft werden dürfte…

Man könnte diese Aussage übersetzen mit: "Ich möchte nicht nachdenken!"


Platz 1: "Katzen haben keinen Bedarf an […] Fleisch…"

siehe Quelle 6
Ich muss sagen: "WOW"! So etwas irreführendes, schwammiges und eindeutig verdrehtes hab ich in meinem Leben kaum gelesen. Herzlichen Glückwunsch für diese krasse Werbeaussage an den Marketingexperten, der die Antworten auf der offiziellen Felix-Fanpage schreibt! Da wird doch glatt behauptet, dass Katzen "keinen Bedarf an Zutaten, z.B. Fleisch, sondern einen Bedarf an Nährstoffen, z. B Aminosäuren[…]" haben. Ganz streng genommen stimmt diese Aussage. Wenn man aber weiter denkt: derzeit ist es unmöglich, der Katze alle wichtigen Nährstoffe, Aminosäuren, Fettsäuren usw. in der von ihr benötigten Form zuzuführen, ohne, dass sie Fleisch zu sich nimmt. Dementsprechend hat die Katze sehrwohl einen riesigen Bedarf an Fleisch.

Oder wissen wir Verbraucher momentan einfach noch nicht, was da so alles künstlich und preiswert in die Dosen gepackt werden kann, damit die Katze am Leben gehalten werden kann?

Man könnte diese Aussage übersetzen mit: "Solange du lange du es nicht besser weisst, erzählen wir dir ungestraft jeden Schmuh!"


Mein Fazit

Wenn man sich die Werbebroschüren, Aussagen mancher Hersteller und Verpackungsaufdrucke anschaut, scheint vor allem "bunt und niedlich" die Verkaufszahlen zu erhöhen. Inhalt zählt wenig bis gar nicht – weder bei den Aussagen, noch beim Futter selbst. Es ist bemerkenswert und beängstigend zugleich, wie viele Verbraucher darauf hereinfallen (wollen). Hersteller von artgerechterem Futter haben es da schwerer: meist ist das Futter auf den ersten Blick teurer und es ist auch nicht überall (und schon gar nicht im Supermarkt) erhältlich. Wer sich nicht die Mühe machen will, mehr als einen ersten Blick zu riskieren, findet in den Werbeaussagen unzähliger Marken die perfekte Rechtfertigung. Kurzsichtig gedacht, aber scheinbar für Viele ausreichend.

Quellen

Vielen Dank für das Ausdrucken dieser Seite. Weiterführende Infos zum Thema, aber auch viele andere interessante und wichtige Themen findest du auf www.Katzen-fieber.de. Bitte beachte, dass auch die Bilder, Texte und Grafiken dieser Druckversion dem Urheberrecht unterliegen. Jegliche Weiterveröffentlichung ist untersagt. Das Zitieren der Texte ist nur mit Erlaubnis und Link zur Quelle erlaubt.

8 Kommentare - Hinterlasse eine Kratzmarkierung!

  1. Sehr gut auf den Punkt gebracht! Danke dafür. :)

  2. Liebe Miriam,

    ausgezeichneter Artikel,mal wieder :)
    Als Aussage (6) bei FB veröffentlicht wurde, habe ich auch nicht schlecht geschaut, und mich ernsthaft gefragt WAS soll das ?! ( ein Schmunzeln konnte ich mir aber auch nicht wirklich vergreifen, denn dort hat jmdn seinen Job verfehlt ^^ ) Manche Menschen glauben es dann auch wirklich was geschrieben wird,deswegen Daumen Hoch,für deine Aufräum-Arbeit :)

  3. Mal wieder Klasse Artikel!
    Gut das wir weitensgehend weg sind vom Industriefutter :-)

  4. Ja geht uns auch so…. Haste schonmal FEDIAF gegooglt?

  5. Hi wünsche Frohe Ostern :-)
    Interessant, oder?
    Da bekommt man doch gleich einen ganz anderen Blickwinkel auch Werbung/ die Welt

    Finde Deinen Block echt Klasse!

  6. Toller Artikel! Ich musste über die Aussagen echt staunen. Ja so leicht geht es Katzenhalter in die Irre zu führen!

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