Veröffentlicht am Dienstag, 20.Januar 2015 um 18:55 Uhr
bearbeitet am 2.April 2015


Muffin niest

Wer steckt hier wen an? – Zoonosen zwischen Katze und Mensch

Sehr oft lese ich die Fragen "Kann ich meine Katze anstecken?" oder "Kann mich meine Katze anstecken?" und habe mich das bei manchen Erkrankungen auch schon selbst gefragt. In diesem Blogartikel möchte ich gern etwas zu Zoonosen schreiben. "Zoonosen" – das sind vereinfacht gesagt Erkrankungen, die zwischen Mensch und Katze (oder auch Hund, Vogel und Kaninchen usw.) hin und her übertragen werden können. Ich habe also ein paar Quellen gewälzt, um dem Thema auf die Spur zu kommen und möchte euch heute an den Ergebnissen meiner Recherche teilhaben lassen.

Was ist überhaupt so eine Zoonose?

Das "Bundesinstitut für Risikobewertung" definiert den Begriff "Zoonose" wie folgt:

"Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Bakterien, Parasiten, Pilzen, Prionen oder Viren verursacht und wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können." Quelle: "Was sind Zoonosen?"

Prionen sind übrigens körpereigene Proteine, die unter Bestimmten Umständen Krankheiten auslösen können. Wie man sieht, können eine ganze Menge "Krankheitserreger" für eine Übertragung zwischen Mensch und Katze – und andersherum – in Frage kommen. Es gibt bestimmte Erreger, die sind "wirtsspezifisch" sind – das heisst, sie befallen nur einen bestimmten Organismus: nur den Hund, nur die Katze, nur den Mensch. Es gibt aber auch Erreger, denen ist es – platt gesagt – egal, wen sie befallen, sie fühlen sich überall wohl ;) Sie sind also nicht wirtsspezifisch.

Und es gibt auch noch eine dritte Gruppe von Erregern: nämlich Jene, die einen bevorzugten Hauptwirt ("Endwirt"), aber auch zahlreiche mögliche Zwischenwirte ("Gastwirte") haben. Die Zwischenwirte ermöglichen dem Krankheitserreger das Wachstum bis zur eigentlichen Reife. In ihm macht der Erreger es sich so lange gemütlich, bis er bereit ist, den Endwirt zu befallen. Im Endwirt dann kann sich der Erreger vermehren, durch ihn werden letztlich weitere infektiöse Eier, Viren usw. verbreitet.

Alle drei Gruppen kommen zur Beantwortung der Frage "Was ist ansteckend?" in Betracht.

Wie werden Zoonosen übertragen?

Nicht nur durch das enge Zusammenleben von Mensch und Katze sind solche Krankheiten übertragbar, auch der Genuss bestimmter Lebensmittel kann sich dazu eignen. Besonders Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Gemüse, Milch oder Eier sind hier zu erwähnen [1]. Sogar ein Mückenstich oder ein Zeckenbiss könnte eine Zoonose übertragen.

Welche "Krankheiten" sind von Katze zu Mensch – und anders herum – übertragbar?

Bakterien

  • "Arcobacter spp" sind Bakterien, die vor allem Durchfall – bei Mensch und Katze – auslösen. Sie können in Fleisch, stehenden Gewässern wie Pfützen, aber auch im Katzenkot vorkommen.
  • "Bordetella bronchiseptica": Auch, wenn eine Übertragung von Bordetella bronchiseptica zwischen Mensch und Katze recht selten ist, ist sie theoretisch möglich [4]. Bordetella sind eine der möglichen Bakterienarten, welche bei der Katze an einer Infektion mit dem sogenannten "Katzenschnupfen"-Komplex beteiligt sind. Sowohl beim Menschen als auch bei der Katze löst eine Infektion eine Erkrankung der oberen Atemwege aus. Häufiges Symptom ist Husten.
  • "Campylobacter spp." kann durch infiziertes Fleisch oder infizierte Haustiere auf den Menschen übertragen werden. Symptome sind Durchfall und Erbrechen. Infizierte Katzen müssen nicht zwangsläufig auch Symptome zeigen, können trotzdem ansteckend sein.
  • "Chlamydia felis": Auch Chlamydien sind an einer Infektion mit dem Katzenschnupfen-Komplex beteiligt. Sie können ebenfalls vom Mensch auf die Katze – und umgekehrt – übertragen werden. Symptome für eine Chlamydien-Infektion ist eine Bindehautentzündung [5].
  • "Clostridien" sind Bakterien, die vor allem Durchfallerkrankungen hervorrufen. Besonders durch infizierte Lebensmittel (Fleisch) können sie von Katze und Mensch aufgenommen werden. Es ist möglich – aber noch nicht abschließend geklärt – dass diese Bakterien auch zwischen Mensch und Katze übertragen werden könnten [6].
  • "Coxiella burnetii": dieser Erreger wird vor allem durch infizierte Zecken an Mensch und Katze übertragen. Von einer infizierten Katze kann er dann wiederrum auf den Menschen übertragen werden – z.B. durch Kontakt mit Katzenkot [7]. Dieses Bakterium ist für die Krankheit "Q-Fieber" verantwortlich: es zeichnet sich durch leichte grippeähnliche Symptome, teilweise aber auch Schüttelfrost, Fieber und starken Kopfschmerzen aus [8].
  • "Enterobacter spp." sind Bakterien, die im Darm vorkommen und beispielsweise über den Kot infizierter Katzen/Menschen übertragen werden können. Infizierte Personen/Katzen müssen nicht unbedingt Symptome zeigen, um ansteckend zu sein. Eine Infektion mit diesen Bakterien kann beispielsweise zu Blutvergiftungen, Harnwegsinfektionen, Haut- oder Augenentzündungen führen [9].
  • "Escherichia coli": Jeder Mensch und jedes Tier hat diese Bakterien im Darm. Durch Kontakt mit infizierten Katzen oder ihrem Kot kann eine Infektion übertragen werden. Sie löst Harnwegsinfektionen, Blutvergiftungen, vor allem aber Magen-Darm-Erkrankungen aus – Bauchweh, Durchfall, Erbrechen und Übelkeit sind die Folge [10,11].
  • "Listeria monocytogenes": werden durch Kontakt mit infizierten Katzen und ihrem Kot übertragen. Eine Infektion kann grippeähnliche Symptome, Durchfall und Erbrechen auslösen [12]. Katzen können sich beispielsweise durch infizierte Lebensmittel anstecken.
  • "Salmonellen" können durch den Kontakt mit infizierten Lebensmitteln (Geflügelfleisch und rohe Eier werden als besonders risikoreich angesehen) oder durch den Kontakt mit dem Kot infizierter Katzen auf den Menschen übertragen. In der Regel zeigen gesunde Katzen keine Symptome einer Infektion, können die Bakterien jedoch auf den Menschen übertragen. Symptome sind beispielsweise Durchfall, Bachweh und Übelkeit [13,14].
  • "Staphylokokken" können durch Bisse und Kratzer einer infizierten Katze übertragen werden oder durch Kontakt mit ihrem Kot. Katzen stecken sich beispielsweise durch den Verzehr von infiziertem Fleisch an. Mögliche Symptome einer Staphylokokken-Infektion sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, aber auch eitrige Wundinfektionen [15].

Parasiten

  • "Bandwurm/Hakenwurm/Spulwurm/Trichinen": über den Kot infizierter Katzen kann sich auf der Mensch mit Würmern infizieren. Auch eine Infektion über den Hund oder kontaminierte Lebensmittel ist möglich. Mögliche Anzeichen für den Wurmbefall beim Menschen sind: grippeähnliche Symptome, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit. Betroffene Katzen haben nicht selten Durchfall, aufgeblähte Bäuche, stumpfes Fell oder sind abgeschlagen [16,17,18,20].
  • "Giardien" sind kleine einzellige Darmparasiten, die durch den Kontakt mit dem Kot infizierter Katzen auf den Menschen übertragen werden können. Sie verursachen übelriechende Durchfälle, Bachweh, Übelkeit und/oder Blähungen [19]. In Deutschland herrscht Meldepflicht bei einer Infektion durch diesen Parasit!
  • "(Krätze-/Räude-)Milben" lösen starken Juckreiz, Hautinfektionen und Hautentzündungen aus [21]. Sie werden von infizierten Katzen auf den Mensch übertragen und anders herum.
  • "Kryptosporidiose" wird durch den Kontakt mit dem Kot infizierter Katzen oder auch durch infizierte Lebensmittel übertragen. Eine Infektion löst Durchfall, Bachweh, Übelkeit und/oder Fieber aus [22].
  • "Sarkosporidien": Auch Sarkosporidien sind durch Lebensmittel und den Kot infizierter Katzen übertragbar [23]. Sie lösen nicht immer Symptome aus, eine Infektion kann sich aber beim Menschen durch Symptome wie Durchfall und Erbrechen zeigen [24].
  • "Toxoplasmose" wird durch den Kot infizierter Katzen oder durch infizierte Lebensmittel (rohes Fleisch, ungewaschenes Obst oder Gemüse) auf den Menschen übertragen. Eine Erstinfektion ist besonders in der Schwangerschaft problematisch: eine Entwicklungsstörung des ungeborenen Babies ist möglich. Eine Infektion bei erwachsenen Menschen und gesunden Katzen verläuft in der Regel symptomlos. Symptome einer Toxoplasmose-Infektion können sein: grippeähnliche Symptome, Fieber, Schwellung der Lymphknoten [25,26].

Pilze

  • "Microsporum Canis": Eine Infektion mit diesem hochansteckenden Pilz ist für alle Haustiere und den Menschen möglich! Symptome sind – meist runder – Haarausfall, gerötete Haut und Schuppenbildung. Nicht nur der Kontakt mit befallenen Tieren, auch der Kontakt mit infizierten Gegenständen und Oberflächen kann zu einer Übertragung führen. In Deutschland herrscht Meldepflicht bei einer Infektion durch diesen Pilz!
  • "Trichophytie" kann durch den Kontakt mit betroffenen Tieren, befallenen Gegenständen und Oberflächen übertragen werden. Symptome sind Hautrötung, Abbrechen der Haare, Haarausfall und teilweise auch Knötchenbildung der Haut [27,28].

Viren

  • "Katzenpocken" sind durch den Biss infizierter Katzen auf den Menschen übertragbar [29]. Katzen werden durch das Fressen infizierter Mäuse mit diesem Virus angesteckt [30]. In Deutschland herrscht Meldepflicht bei einer Infektion durch diesen Virus! Symptome sind Hautveränderungen wie Bläschen oder Knötchenbildung. Bei der Katze kommen diese Hautveränderungen vor allem an den Vorderpfoten und am Kopf vor.
  • "Tollwut" wird durch den Biss infizierter Tiere auf den Menschen übertragen. Symptome sind zunächst Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Später kommen Unruhe, Krämpfe, Aggression und Angst vor Wasser hinzu. Auch Lähmungen können bei infizierten Tieren und Menschen beobachtet werden. Eine Infektion mit dem Tollwut-Virus ist in fast allen Fällen tödlich. [31]. In Deutschland herrscht Meldepflicht bei einer Infektion durch diesen Virus!

Welche sind nicht übertragbar?

Wirtsspezifisch und damit nicht auf den Menschen übertragbar sind beispielsweise das feline Calicivirus oder das feline Herpesvirus. Auch das "Katzen-AIDS-Virus" FIV ist nicht übertragbar. Ebenso wenig das feline Corona-Virus, welches in mutierter Form die feline infektiöse Peritonitis (kurz "FIP") verursachen kann.

Welche Vorsichtsmaßnahmen kann ich berücksichtigen?

Wenn man sich anschaut, wie Zoonosen übertragen werden, gibt es vor allem einen "Knackpunkt": den Katzenkot. Das Reinigen der Toilette sollte also möglichst mit dem Hintergedanken der Hygiene durchgeführt werden: Katzenkot nicht mit bloßen Händen anfassen, Kontakt mit der Haut oder dem Mund vermeiden – ja, ich weiss, aber manchen Menschen muss man alles sagen ;) – und gründliches Händewaschen nach der Toiletten-Reinigung.

Nach der Berührung/Behandlung eines infizierten Tieres sollte man sich die Hände ebenfalls gründlich waschen, damit keine Körpersekrete an empfindliche Stellen gelangen. Bei bestimmten Zoonosen (vor allem Pilzerkrankungen) herrschen sehr strenge Vorsichtsmaßnahmen: diese sind jedoch nur bei Befall zu beachten und werden bei Notwendigkeit (hoffentlich) durch den behandelnden Tierarzt erläutert.

Was ist mit einer Erkältung – kann ich meine Katze anstecken?

Diese Frage kann man mit einem klaren "Kommt drauf an…" beantworten ;):

Die Ansteckung mit einer "Erkältung" (auch "Grippe" oder "Influenza" genannt) zwischen Mensch und Katze scheint derzeit nicht abschließend erforscht. Viel wahrscheinlicher ist hier die Ansteckung zwischen Mensch und Vogel. Die jährliche Grippewelle soll vollkommen ohne Beteiligung von Haustieren verbreitet werden [32]. Nicht alle "Erkältungen" werden jedoch nur durch einen der Influenza-Viren ausgelöst: häufig mischen sich noch andere Krankheitserreger (vor allem Bakterien) in die Erkrankung. Sind diese Bakterien Zoonose-Erreger, so ist die Möglichkeit die Katze anzustecken, auf jeden Fall gegeben.


Quellen/weiterführende Infos:

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2 Pingbacks

  1. www.lieblingskatze.net -

    […] Zoonosen sind Erkrankungen die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können. In diesem Artikel könnt ihr mehr darüber nachlesen […]

  2. Loona und die juvenile Gingivitis – Seite 13 – Katzen Forum -

    […] mal auf die schnelle weil unterwegs bzw Handy usw: http://blog.katzen-fieber.de/2015/01…-katze-mensch/ Scroll mal etwas runter bis zu dem Abschnitt mit den Bakterien…. __________________ LG von […]

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  1. Vielen Dank für die verständliche Aufbereitung dieser komplexen Materie! Es ist beruhigend, Bescheid zu wissen – wobei ich hoffe, dass ich diese Informationen nie benötige :-)

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