09.Januar 2015 18:00 Uhr Bücher & Medien 0

Buch „Katzen-Tricks mit Clicker“

Buch Katzentricks mit Clicker

Dieser Testbericht wurde zum letzten Mal vor mehr als einem Jahr bearbeitet. Der Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Lesezeit ca.: 6 Min., 18 Sek.

Hinweis:Dieses Rezensionsexemplar wurde mir von der Autorin kostenlos zum Testen überlassen.

Bücher über das Clickern mit Hunden gibt es zuhauf, entsprechende Lektüre über das Training mit Katzen wird erst in den letzten Jahren immer populärer. Schließlich kann man die "eigensinnigen Stubentiger" ja nicht erziehen, richtig? ;) Da ich selbst mit meinen Katzen clickere, bin ich natürlich an neuen/anderen Büchern übers Katzen-Clickern immer interessiert. Die Tier-Verhaltenstherapeutin Dayana Winkler hat uns vor einigen Wochen ein Exemplar ihres neuen Clicker-Buchs zugesandt, damit wir es und einmal ansehen können. Heute möchte ich euch meine Meinung zu diesem Buch ausführlich näher bringen.

Infos zum Buch:
Titel: "Katzen-Tricks mit Clicker – Happy Cats"
Verlag: Müller Rüschlikon Verlag
Autorin: Dayana Winkler
Preis: 9,95€
ISBN: 978-3-275-01999-1
Seitenzahlen: 96 Seiten
Vorliegend: 1. Auflage 2014

Inhalt und Aufmachung

Das Buch enthält zahlreiche zu den Erklärungen passende Farbfotos. Die Schrift ist schwarz – serifenlos – auf weißem Hintergrund gehalten. Tipps, Hinweise und kurze Zusammenfassungen sind optisch hervorgehoben in farbigen Kästchen abgedruckt. Überschriften sind in lila gehalten, die Bildunterschriften in schwarzer Fettschrift. Die Kapitel sind durch eine Seite mit großem Farbfoto, Kapiteltitel und einem kurzen Themenüberblick voneinander abgrenzt.

Insgesamt teilt sich das Buch in 5 Kapitel. In Kapitel eins – 14 Seiten – wird eine Einführung in das Clickertraining gegeben. So werden hier die klassische Konditionierung, Primärverstärker und Signalverknüpfungen angesprochen. Ebenso sind Shapen und das Targettraining Themen dieses Teils. Zudem wird dem Leser erklärt, wie man Verhaltensketten aufbaut.

Die folgenden 20 Seiten bilden das zweite Kapitel. Es trägt den Titel "Nützliches für den Katzenalltag" und beschreibt das Trainieren von Krallen schneiden, bürsten, das Transportkorb-Training und die Angstbewältigung. Auch das Abtrainieren von Möbelkratzen, das Kommando "Nein", das Benutzen der Katzenklappe und der Rückruf werden angesprochen. Ebenso werden das Training von "spielen ohne Krallen" und die Unterstützung einer Zusammenführung zwischen zwei Katzen erklärt.

Das dritte Kapitel erstreckt sich auf 28 Seiten und erklärt viele interessante Tricks zur Unterhaltung. So werden Nasen-, Boden- und Körpertarget beschrieben. Auch "Sitz", Männchen, Pfote geben, Rolle, Bleib und "gib 5" sind beschrieben. Die Autorin erklärt ebenso, wie man der Katze das auf-die-Seite-legen, drehen und in-die-Kiste-gehen beibringen kann. Weitere beschriebene Tricks sind: Platz, Vorderpfoten kreuzen, Winken, auf die Decke gehen, Küsschen geben, Gib 10, Slalom durch die Beine oder Leckerlie fangen. Ebenso sind Putzen auf Kommando, Miau auf Kommando und Zurückgehen Teil dieses Kapitels.

Kapitel 4 beschreibt auf 20 Seiten Probleme und Lösungen. So findet der Leser hier Inhalte zum Clickern mit alten, passiven, aktiven und ängstlichen Katzen. Auch das Clickern mit mehreren Katzen wird angesprochen. Ebenso die Möglichkeiten, die Trainings-Sessions mit der Kamera aufzunehmen und Ergebnisse in einem Trainings-Tagebuch festzuhalten. Das letzte Kapitel – Kapitel 5 – beschäftigt sich auf 7 Seiten mit dem Katzenagility. Angesprochen werden hier Tricks wie durch-den-Reifen-springen, Slalom, Weitsprung, Hochsprung und Balancieren.

Danach folgen ein einseitiges Autorenprofil und zwei Seiten Werbung für andere Bücher aus dem Müller Rüschlikon Verlag.

Was mir an diesem Buch gefällt

Besonders toll finde ich den kurzen Überblick am Anfang jedes Kapitels: hier sind alle Zwischenüberschriften abgebildet, damit der Leser auf einen Blick erkennt, was ihn erwartet. Dass auch ein "Jackpot"-Leckerchen und ein Abbruchsignal erklärt werden ist etwas, dass ich bisher in noch keinem Clicker-Buch lesen konnte, obwohl ich Beides für wichtig halte. Gut fand ich auch, dass genau erklärt wird, warum ein Leckerchen allein – ohne Click – und das Weglassen von Leckerchen im Verlauf des Trainings nicht ratsam sind. Auch, warum man möglichst nicht mit dem Leckerchen in der Hand locken sollte ist nachvollziehbar erklärt. Die Autorin gibt Tipps, wie man die "richtigen" Belohnungen für das Clickern aussuchen kann und gibt zahlreiche Beispiele.

Die einzelnen Tricks sind sehr detailliert beschrieben, teilweise auch mit verschiedenen Trainings-möglichkeiten und mit Anregungen, wie man diese Tricks später ausbauen kann. Im Inhaltsteil über das Möbelkratzen wird Wert darauf gelegt, die Gründe für das Kratzen zu erklären und es werden neben dem Clickern noch weitere wichtige Hinweise zum Abstellen des Problems gegeben. Besonders toll fand ich den Hinweis, dass – und wie – auch mit gehörlosen Katzen geclickert werden kann: statt Clicker wird einfach eine Taschenlampe benutzt. Das ist eine einfache, aber sehr effektive Methode, auf die man auch erstmal kommen muss ;)

Was mir an diesem Buch nicht gefällt

Beim Lesen des Buchs hatte ich öfter das Gefühl, dass die Erklärungen eher für Dosis geeignet sind, die sich bereits mit dem Clickern auseinander gesetzt haben. Anfänger werden sich vielleicht durch einige Erklärungen verwirrt fühlen. So wird einerseits angemerkt, dass Verhaltensketten "von hinten nach vorne" eingeübt werden sollen – die Erklärung konnte ich selbst nicht ganz nachvollziehen – andererseits werden manche im Buch beschriebenen Verhaltensketten genau andersherum beschrieben. Es wird darauf hingewiesen, dass man die Leckerchen auch später nicht ausschleichen sollte, andererseits werden Tricks erklärt, bei denen man einfach nicht anders kann – z.B. beim Möbelkratzen. Ich glaube, dass diese Widersprüche ganz schön verwirren können: vor allem, weil nicht erklärt wird, in welchen Fällen wie herum trainiert werden sollte oder wann das Leckerchen weggelassen werden kann.

Recht unglücklich gewählt finde ich die Formulierung zum Transportkorb-Training auf Seite 39 "Clicken und belohnen Sie sofort und öffnen dann wieder die Tür[…]" : ein Anfänger wird sich wohl fragen "Leckerchen durch die geschlossene Tür? Oder durch die Belüftungsschlitze? Warum kann ich nicht erst die Tür öffnen?". Das mag pingelig erscheinen, provoziert jedoch meiner Meinung nach Missverständnisse. Ebenso unglücklich finde ich, dass zwar in Kapitel 2 Tricks beschrieben werden, die Nasen- und Bodentarget voraussetzen, diese beiden Übungen jedoch erst in Kapitel drei beschrieben werden.

Es wird der unterhaltsame Trick "Miauen auf Kommando" beschrieben. Wichtig hätte ich persönlich noch gefunden, darauf hinzuweisen, was man tut, wenn die Katze gar nicht mehr damit aufhört, weil sie immer mehr Leckerchen verdienen möchte ;) – "die Geister, die ich rief…". ich glaube, dass so mancher Dosi damit Probleme bekommen könnte.

Ebenfalls als etwas verwirrend empfand ich einen Teil des Zusammenführungstrainings. Zitat Seite 28: "Wenn beide Tiere entspannt an der offenen Tür sitzen[…]". mal im Ernst: welche Katze bleibt entspannt und brav an der offenen Tür sitzen, wenn auf der anderen Seite Aktion herrscht und Leckerchen verteilt werden? :D Entweder wird hier die Methode parallel zur Gittertür-Methode beschrieben – ohne es zu erwähnen – oder aber man hat gerade als Anfänger alle Hände voll zu tun und eine Menge Unsicherheit.



Fazit für mich:
Das Buch erklärt viele nützliche und spaßige Tricks, oftmals sehr detailliert und nachvollziehbar. Ich finde es sehr gut, dass verschiedene Möglichkeiten erklärt werden, mit denen jeder Dosi seinen Weg finden kann. Ich glaube, dass das Buch eher als weiterführende und nicht als Anfänger-Lektüre geeignet ist. Ich hatte ein wenig das Gefühl, dass die Autorin manchmal vergisst, sich in den Clicker-Anfänger hineinzuversetzen: wenn man sich mit bestimmten Themen sehr lange beschäftigt, vergisst man oft, welche grundlegenden Erklärungen wichtig sind und welche Hinweise eher verwirrend können. Ich persönlich kann das Buch definitiv empfehlen – allerdings eben für Dosis mit ein wenig Erfahrung und Clicker-Wissen.

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Über Miriam


Miriam ist 34 Jahre alt und lebt seit 16 Jahren mit Katzen zusammen. Vor acht Jahren begann sie, ihr Wissen über artgerechte Katzenhaltung durch die Recherche in verschiedenster Fach-Lektüre zu erweitern. Mit jeder Menge Neugier und (Galgen-)Humor teilt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen Interessierten. Nebenbei hat sie bereits ein Buch veröffentlicht, gibt Seminare zur Rohfütterung und hält Vorträge über die artgerechte Katzenhaltung. Himbeeren und Sushi machen ihr das Leben mit ihren drei pelzigen Sklaventreiberinnen erträglicher.

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