Veröffentlicht: 09.Dezember 2014 um 18:00 Uhr - vor 8 Monaten aktualisiert

Interview mit dem Förderverein Eifeltierheim e.V.

Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und durfte in den zwei Jahren, in denen ich Blog und Info-Seite führe, schon viele interessante Leute mit noch interessanteren Tätigkeitsschwerpunkten kennenlernen. Der Bereich "Tierschutz" interessiert mich da besonders. Durch den einen oder anderen guten Kontakt darf ich ab und zu auch mal einen Blick "hinter die Kulissen" werfen und bin immer wieder ergriffen von dem Herzblut, den so viele Tierschützer in ihre "Arbeit" stecken. Wobei die Worte "Arbeit" und "Tierschutz" für viele Menschen ja nicht wirklich zusammenpassen. Ich möchte euch mit diesem Interview zeigen, welche Arbeit das wirklich ist.

Vielleicht ermutigt das ja den einen oder anderen von euch, auch mal mitanzupacken – oder zumindest die Berufung dieser Leute ein wenig ernster zu nehmen. Denn Tierschutz geht uns alle was an: Wegschauen gilt nicht! Frau Krenz vom Förderverein Eifeltierheim e.V. hat mir für dieses Interview meine neugierigen Fragen zur Arbeit in und ums Tierheim beantwortet:

Erzählen Sie unseren Lesern bitte ein wenig über Ihren Verein: Seit wann besteht er und wie viele Mitglieder hat er? Wie viele Pflegestellen arbeiten mit Ihrem Verein zusammen?
Frau Krenz: Der Verein besteht seit 2005, er hat zur Zeit ca. 380 Mitglieder. Pflegestellen: 8-10 verteilt über das ganze Gebiet.



Für welche Bereiche sind Sie zuständig? Welches sind Ihre häufigsten Aufgaben?
Frau Krenz: Unser Verein arbeitet im Vulkaneifelkreis mit den VG1 Hillesheim, Obere Kyll, Gerolstein, Daun und Kelberg und im Kreis Wittlich – Land und der VG Wittlich, sowie in Ausnahmefällen im Grenzgebiet der Kreise.

1: Anmerkung: die Abkürzung "VG" steht für "Verbandsgemeinde" – ein Verbund verschiedener Ortsgemeinden



Ihr Verein betreibt auch ein Tierheim. Wie viele Katzen leben derzeit dort? Was sind die häufigsten Abgabegründe?
Frau Krenz: Im Tierheim leben im Schnitt 60 – 80 Katzen, und Nager, keine Hunde.



Wie lange bleiben die Katzen durchschnittlich bei Ihnen? Gibt es Tiere, die scheinbar besonders schwer zu vermitteln sind? Welche Katzen finden schnell ein neues Zuhause?
Frau Krenz: Eine durchschnittliche Verweildauer sagt nicht viel aus. Manche Katzen bleiben nur Tage, manche über ein Jahr, manche bleiben auch als unvermittelbar auf den Pflegestellen hängen oder können als Hofkatzen abgegeben werden. Verweildauer durchschnittlich 3-4 Wochen.

Es gibt Zeiten – wie z.B. die Sommerferien, davor geht gar nichts, am besten wird im Herbst vermittelt. Sehr hilfreich ist dabei das Internet, z.B. die Seite vom Eifeltierheim Altrich. Dort wird von vielen Menschen nach Katzen gesucht.

Gut zu vermitteln sind meist die Katzenbabys, zahm und verschmust. Gerade ältere Menschen sollten aber auch daran denken, dass es traurig ist, wenn die Katze den Menschen überlebt. Deshalb vermitteln wir gern die ausgewachsenen älteren lieben und ruhigen Katzen an die Altersgruppe Ü-50.



Wie ist der Vermittlungsablauf in Ihrem Verein? Unter welchen Bedingungen werden bei Ihnen Katzen in ein neues Zuhause vermittelt? Gibt es Vor- und Nachkontrollen?
Frau Krenz: Die aufgenommenen Katzen werden fotografiert und mit Beschreibung ins Internet gestellt. Sie werden tierärztlich untersucht und evtl. kastriert. Auf der Pflegestelle warten sie dann auf ihre neuen Besitzer.

Bei der Vermittlung haben wir alle in erster Linie das Wohl der Katze im Auge. Kleine, ängstliche Welpen werden möglichst nicht in Einzelhaltung vermittelt, auch nicht als Kinderspielzeug zu Kindern, die nicht vorsichtig mit den Tieren umgehen können. Freigänger nicht unbedingt an eine Hauptverkehrsstraße, Wohnungskatzen brauchen je nach Temperament und Naturell eine große Wohnung oder am besten ein ganzes Haus. Die Tiere werden abgegeben, mit der Option, sie zurückzunehmen, wenn sie sich nicht wohlfühlen oder wenn die neuen Besitzer nicht klarkommen mit ihnen.



Viele Menschen halten die Vermittlungsgebühr, die für Tiere aus dem Tierschutz verlangt wird für überzogen. Welche Kosten werden damit tatsächlich gedeckt? Ist so eine Vermittlungsgebühr überhaupt kostendeckend?
Frau Krenz: Die Vermittlungsgebühr ist kein Kaufpreis. Sie richtet sich nach den Kosten, die eine Katze in der Pflegestelle verursacht. In erster Linie geht es um Arztkosten. Kastrationen kosten heute bereits 80-120 Euro, Impfungen, Entwurmen, Entflohen und die Behandlung von Krankheiten wird zusammen gerechnet. Wir müssen sehen, dass diese Kosten wieder hereinkommen. Bei einer alten Katze, die für 150,– Euro keiner will, muss auch mal für weniger vermittelt werden, dafür kann man für besondere z.B. Rassekatzen, auch mal mehr nehmen.

Man kann davon ausgehen, dass die Kosten nur durch die Schutzgebühr nicht gedeckt wird. Ein Teil der Finanzierung unserer Arbeit wird durch die Mitgliederbeiträge gesichert. Allgemein kann man sagen, dass keine Überschüsse erzielt werden.



Jedes Jahr aufs Neue beklagen sich Tierheime und Tierschutzvereine über die sogenannte "Kittenschwemme", viele Tierheime verhängen einen Aufnahmestopp und stehen vor großen Problemen. Was steckt hinter dem Begriff "Kittenschwemme"? Wie wird sie ausgelöst und was ist so schlimm daran?
Frau Krenz: Wenn man weiß, dass Katzen bis zu 3 x im Jahr bis zu 5 Junge bekommen können, lässt sich leicht ausrechnen, wie die Population bei unkastrierten frei laufenden Katzen explodiert. Die Katzenbabys können relativ schnell geschlechtsreif werden und sich ebenfalls vermehren. Dagegen hilft nur die Kastration von allen frei laufenden Katzen. Aber auch Wohnungskatzen werden unkastriert Probleme machen.

So entsteht jedes Jahr die sogenannte Kittenschwemme. Das Problem ist bundesweit bekannt. Viele Städte haben bereits eine Kastrationspflicht eingeführt. Leider lässt sich diese Pflicht nicht flächendeckend einführen. Besonders auf den Bauernhöfen kommt es immer wieder zu einer explosionsartigen Vermehrung, wenn z.B. 10 Katzenmütter Junge bekommen. Wer kann die Kosten für die Kastration dann noch tragen? Oft wird dann einfach ein Fütterungsverbot erlassen. Dies führt dann zur Verelendung der Tiere, aber nicht zur Eindämmung der Population. Auch kranke und schwache Katzen vermehren sich. Sie wandern ab und streunen durch die Orte auf der Suche nach Futter.

Kranke, halb verhungerte Katzen, bieten keinen schönen Anblick, sie verbreiten u.U. Darmparasiten. Zum Schutz der Katzen, der Menschen, der Vögel usw. muss die Population der frei lebenden Katzen eingedämmt werden. Die Tierschutzvereine und Tierheime sind mit dieser Arbeit restlos überfordert. Die Tiere können nicht alle aufgenommen, tierärztlich behandelt, kastriert und vermittelt werden.



Wie könnte man Ihrer Meinung nach die Kittenschwemme eindämmen? Was halten sie von einer gesetzlich vorgeschriebenen Kastrationspflicht?
Frau Krenz: Die Kastrationspflicht sollte bundesweit eingeführt werden. Leider ist die neueste Änderung des Tierschutzgesetzes nicht weit genug gegangen.



Betreiben Sie Futterstellen für Streuner? Wie verläuft eine Fangaktion von Katzen?
Frau Krenz: Unser Verein – einzelne Mitarbeiterinnen – unterhalten zum Teil schon seit 20 Jahren mehrere Futterstellen, d.h. täglich hinfahren und füttern.



Wie erfahren Sie von Tieren, die Hilfe benötigen? In welcher Verfassung sind solche Tiere?
Frau Krenz: Bei den bekannten aktiven Mitarbeiterinnen gehen täglich 30-60 Anfragen ein, Bitten um Hilfe:

  • Aufnahme von eigenen Tieren wegen Krankheit, Allergie, Aufnahme in ein Pflegeheim oder Tod
  • Kümmern um zurückgelassene Tiere
  • Kümmern um ausgesetzte Tiere, zugelaufene Tiere, herumstreunende Tiere



Nicht nur das Pflegen und Beherbergen von Tieren gehört zu Ihren Aufgaben. Ebenso betreiben Sie Aufklärungsprojekte und Spendenaktionen. Auf welche Weise versuchen Sie die Menschen zu erreichen? Wie sind Ihre Erfahrungen damit – bringen solche Informationsangebote langfristig etwas?
Frau Krenz: Leider lernen die Menschen immer erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Manche achten dann wenigstens künftig darauf, dass ihre Katzen kastriert sind. Aufklärungsarbeit kann nicht im großen Stil geleistet werden, weil jeder Tierschutzverein mit der anderen Arbeit – Einsätze in Notfällen – überlastet ist. Natürlich werden verschiedene Spendenaktionen durchgeführt, mit mehr oder weniger Erfolg. Manchmal spenden Firmen oder Privatpersonen, die unsere Arbeit kennen gelernt haben.



Welche Probleme machen Ihrer Erfahrung nach den Tierschutz am schwierigsten? Was könnte/sollte sich verbessern, damit Ihre Arbeit erleichtert wird?
Frau Krenz: Der Tierschutz ist ein weites Feld. Ein besonderes Problem ist das Katzenproblem. Man kann das nur durch Kastration lösen. Die Einstellung der Menschen muss sich in diese Richtung bewegen. Die Länder sollten mit einer Kostenübernahme zumindest an den Brennpunkten helfen. Also z.B. den Landwirten die Kostenübernahme anbieten, wenn diese im Gegenzug die Tiere füttern.



Wie kann man Ihren Verein bei seiner Arbeit unterstützen? Gibt es derzeit etwas, was Sie besonders dringend benötigen?
Frau Krenz: Mit Spenden und durch Mitarbeit. Geld nutzt uns nur dann etwas, wenn wir das Personal haben, um unsere Aufgaben zu erfüllen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten – Futterstellen betreuen, Tiere aufnehmen und versorgen (Pflegestellen), Fangaktionen, Spenden sammeln, Info-Stände. Gut wäre, wenn viele Menschen Partei ergreifen für die Tiere, die uns schutzlos ausgeliefert sind. Helfen Sie Tieren, die kein Zuhause haben.



Gibt es noch etwas Wichtiges, das Sie meinen Lesern zum Abschluss mitteilen möchten?
Frau Krenz: Wir helfen nicht nur den Tieren, sondern fast in jedem Fall auch einem oder vielen Menschen.
Viele Male wenden sich Menschen in höchster Not aus Sorge um ihre Katze an uns. Genau so viele können sich beim Tierschutz ein Kätzchen holen und damit eine Bereicherung für ihr Leben. Zum Ausgleich für all das Elend, dass wir mit ansehen müssen, erreichen uns auch viele Dankschreiben.




Ich danke Frau Krenz und dem Förderverein Eifeltierheim e.V. ganz herzlich für ihr offenes Ohr und die Beantwortung der Fragen! Aber noch viel mehr dafür, dass sie täglich diese Arbeit leisten, um hilfebedürftigen, "vergessenen" oder verstoßenen Tieren wieder ein wenig Lebensfreude und einen würdevolles Leben zurückgeben. Wer den Verein unterstützen möchte oder einfach nur neugierig geworden ist, findet die Internetseite des Vereins hier: www.foerderverein-eifeltierheim.de

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