11.November 2014 18:00 Uhr Meinung & Tipps 2

12 Punkte, an denen du einen guten Tierarzt erkennst

Veterinär Äskulapstab

Lesezeit ca.: 4 Min., 41 Sek.

Einen wirklich guten Tierarzt zu finden ist nicht leicht. Nach Meinung mancher Tierhalter müsste er alles wissen, keine Fehler machen und am besten so gut wie keine Kosten verursachen. Bei solch hohen Erwartungen ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Wiederrum andere Halter gehen am liebsten gar nicht zum Tierarzt und warten ab, bis gar nichts mehr geht – der Tierarzt wirds schon richten und wenn nicht, ist er eben unfähig. Ich bin der Meinung, man sollte als Dosi hier die "goldene Mitte" treffen: nicht leichtgläubig alles übernehmen was der Tierarzt sagt, dennoch zeitnahe Behandlungen durchführen lassen und vor allem dem Tierarzt mit Respekt begegnen.

Eine gesunde Skepsis an den Tag zu legen kann nicht schaden, dennoch sollten Respekt und Sachlichkeit im Umgang miteinander grundlegend sein. Weder ist der Tierarzt pauschal ein "Gott in weiß", noch ist er "der geldgierige Pharmavertreter direkt aus der Hölle". 12 Tipps, um einen guten Tierarzt zu finden, bei dem man Vertrauen und ein gutes Gefühl haben kann:


  • Er behandelt dich mit Respekt, lässt dich ausreden und geht auf deine Fragen, Ängste und Zweifel ein. Er hört sich genau an, welche Krankheitszeichen, Symptome und Verhaltensauffälligkeiten du bei deinem Tier beobachtet hast.
  • Er erklärt dir den Verlauf, die Alternativen und Risiken zu Operationen und schwierigen Behandlungen.
  • Du hast bei der Behandlung deines Tieres Mitsprache- und Einspruchrecht. Er verabreicht nicht ungefragt Medikamente oder Spritzen an dein Tier.
  • Auch sachliche und zielführende Diskussionen und Zwischenfragen zu den Hintergründen und der Sinnhaftigkeit von Behandlungen müssen möglich sein. Antworten wie "Ich hab das schließlich studiert" oder "das wird immer so gemacht" zeugen von wenig Respekt und Kompetenz!
  • Er behandelt dein Tier nicht grob (z.B. im Nackengriff aus der Transportbox ziehen) oder schreit es an.
  • Fragen zu Medikamenten, Nebenwirkungen und Dosierungen werden – zur Not auch mehrmals – freundlich und ausführlich beantwortet.
  • Er führt nur jene Untersuchungen durch, die zur Findung der Diagnose wirklich nötig sind. Darüber hinaus gehende Untersuchungen werden nur in Absprache mit dir gemacht und nicht mit fadenscheinigen Begründungen aufgedrängt.
  • Falls du bestimmte Untersuchungen wünschst, wird dies nicht leichtfertig abgetan. Du kennst dein Tier am besten und hast gute Gründe, bestimmte Untersuchungen zu fordern. Sind diese tatsächlich unnütz, wird dir dein Tierarzt das auch ehrlich sagen und begründen.
  • Er verschreibt Medikamente (Antibiotika, Kortison, Wurmkur) nicht auf Verdacht, sondern nur bei gesicherter Diagnose und Notwendigkeit.
  • Ein Tierarzt kann und muss nicht alles wissen. Sollte er sich unsicher sein, die entsprechenden Diagnosemöglichkeiten nicht haben oder nicht viel Wissen in dem Spezialgebiet haben, so sagt er dies ehrlich und überweist dich an einen entsprechenden Fachtierarzt.
  • Er untersucht dein Tier bei jeder Erstvorstellung gründlich (Ohren, Fell, Zähne, Gewicht) – und nicht nur an Stellen, die "nicht in Ordnung" sind – bevor er Medikamente verabreicht oder verschreibt.
  • Er bildet sich weiter und verbreitet keine Falschinfos oder veraltetes Wissen. Besonders "beliebte" Themen in diesem Fall sind: "eine Katze muss zur Kastration erst rollig werden, markieren oder 6-10 Monate als sein, sonst drohen Wachstumsverzögerungen, Harnwegprobleme oder psychische Schäden", "Trockenfutter ist gut für die Zähne", "die Wurmkur wird strikt regelmäßig und auch bei Verdacht verabreicht", "Barf ist grundsätzlich schlecht" oder "Jedes Tier muss jedes Jahr geimpft werden".


Was du tun kannst, um den Tierarzt zu unterstützen

Aber auch du kannst und solltest Einiges tun, um den Tierarztbesuch so angenehm und gut organisiert wie möglich zu machen:

  • Beobachte dein Tier genau, schreibe Verhaltensveränderungen und ungewöhnliche Beobachtungen auf (Was? Seit wann? mögliche Ursache?). Auch wichtige Fragen solltest du dir im Vorfeld notieren, ebenso Namen und Dosierung der entsprechenden Medikamente. Bei der Aufregung des Tierarztbesuchs vergisst du sonst die Hälfte. Dein Tierarzt kann nur dann zielführend helfen, wenn er umfassend informiert ist und sich auf deine Schilderungen verlassen kann.
  • Erwarte nicht von ihm, dass er alles weiss. Das kann er nicht, denn er ist auch nur ein Mensch. Bedenke, wie viele Tierarten er täglich behandelt – vom Hamster bis zur deutschen Dogge – und mache dir klar, dass ein "normaler" Tierarzt so ein wenig von allem wissen muss – keineswegs alles.
  • Behandle ihn mit Respekt: lass ihn ausreden, überdenke seine Aussagen und werde nicht unfreundlich. Auch, wenn er Fehler macht, ist er deswegen kein schlechter Mensch!
  • Versuche ihn so gut es geht bei der Findung der Diagnose zu unterstützen und halte dich an seine Angaben zur Dosierung und Dauer der Behandlung/Medikation.
  • Auch du solltest nicht unwissend über dein Tier in eine Sprechstunde stolpern: die wichtigsten Grundlagen in Ernährung, Haltung und Verhalten sind Pflicht! Der Tierarzt ist kein Sachbuch und wird nicht dafür bezahlt, dir Grundwissen beizubringen. Ein Besuch beim Tierarzt oder eine seiner Aussagen spricht dich nicht davon frei, selbst nachzudenken!
  • Wenn du etwas nicht verstehst, frage nach und lass dir alles genau erklären. Es wäre unfair dem Tierarzt gegenüber, wenn du nach dem Besuch enttäuscht bist, weil du etwas nicht verstehst oder nicht nachvollziehen kannst.
  • Gehe deinem Tier zuliebe rechtzeitig zum Tierarzt und doktere nicht selbst mit Hausmittelchen herum, von denen du nichts verstehst. Eine unnötig herausgezögerte Behandlung kann schlimmstenfalls dazu führen, dass Krankheiten chronisch werden, langwierige und teure Therapien notwendig sind, die Katze Gliedmaßen oder Sinnesorgane "einbüßt" und unnötig Schmerzen leidet. Zu lange zu warten verringert die Chance auf (schnelle) Heilung!
7855vor einer Woche

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Über Miriam


Miriam ist 34 Jahre alt und lebt seit 16 Jahren mit Katzen zusammen. Vor acht Jahren begann sie, ihr Wissen über artgerechte Katzenhaltung durch die Recherche in verschiedenster Fach-Lektüre zu erweitern. Mit jeder Menge Neugier und (Galgen-)Humor teilt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen Interessierten. Nebenbei hat sie bereits ein Buch veröffentlicht, gibt Seminare zur Rohfütterung und hält Vorträge über verschiedene Aspekte der artgerechten Katzenhaltung. Himbeeren und Sushi machen ihr das Leben mit ihren drei pelzigen Sklaventreiberinnen erträglicher.

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bisher wurden 1 Kommentar zum Artikel geschrieben:

  1. Zu meiner Liste für die Tierarztwahl gehört auch:

    – Wichtig, was passiert bei Notfällen außerhalb der Sprechzeiten?
    Gibt er eine Notfallnummer an, oder arbeitet er mit Tierkliniken / Tierambulanzen zusammen?

    – Und last not least, gibt es Sprechzeiten die ich auch als Beruftätiger wahrnehmen kann (abends, samstags)?

Schreib mir, was du darüber denkst







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