Veröffentlicht: 19.Oktober 2014 um 16:00 Uhr - vor über 2 Jahren aktualisiert

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Wie machst du das? – Katzen das Bürsten schmackhaft machen

Kasimir fühlt sich beim Bürsten wohl

Nicht selten höre ich Dosis von Langhaarkatzen verzweifelt fragen, wie sie ihre Stubentiger an das Bürsten gewöhnen können. Scheinbar sind nicht wenige langhaarige Katzen gar nicht gut aufs Bürsten zu sprechen und wehren sich mit Krallen und Zähnen gegen das blöde "Ding". Und nicht selten führt das dazu, dass die Katzen Filzknoten oder regelrechte Filzplatten mit sich rumschleppen. Solche Knoten und Filzplatten schränken nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Bewegungsfreiheit der Katzen ein und können im schlimmsten Fall zu extremen Hautproblemen wie Ekzemen und eingerissener Haut führen.

Da ich kein Fan davon bin, die Katzen dann unter Zwang zum Bürsten zu nötigen oder mit Scheren oder Nahtauftrennern gegen die Haarwust zu kämpfen, haben wir für uns eine gänzlich andere Methode gewählt, um für alle Bewohner unseres Haushalts das Bürsten zu einem tollen Wellness-Event zu machen. Denn auch mein Langhaar-Perser Kasimir hatte Phasen, in denen ich ihm mit der Bürste nicht näher rücken durfte. Zwar war er von Kitten an von seiner Züchterin an das Bürsten gewöhnt, doch irgendwann ging gar nichts mehr, ohne, dass er flüchtete oder richtig fuchsig wurde.

In diesem Artikel möchte ich euch erzählen, wie ich es geschafft habe, dass ich Kasimir heute unter wohligem Schnurren bürsten kann und er es sogar einfordert.

Wenn gar nichts mehr geht: die Schur

Manchmal kann es Sinn machen, die Katze vor dem Bürsten-Training erst einmal scheren zu lassen. Zum einen sind dann alle Knoten und Filzplatten weg, die beim Bürsten ziepen und reißen könnten. Und zum Anderen dauert das Bürsten-Training bis zum ersten Erfolg doch seine Zeit und es muss vermieden werden, dass die Katze in dieser Zeit Knoten entwickelt oder negative Erfahrungen im Zusammenhang mit der Bürste macht. Wenn die Haare kurz sind, können sich keine Knoten bilden und wir als Dosis müssen uns keine Gedanken darum machen, wie wir sie schnellstmöglich wegbekommen. Wir geben der Katze so die Chance, die Bürste noch einmal "neu kennenzulernen" – ohne Schmerzen, ohne Zwang, ohne Druck.

Nicht alle Katzen müssen zum Scheren narkotisiert oder sediert werden. Ruhige, vertrauensvolle Vertreter brauchen dabei nur Ruhe und geschickte Hände. Ob ihr dazu zum Hundefrisör oder zu eurem Haustierarzt geht, ist zum Teil auch Vertrauenssache. Wichtig ist, die Katze dabei nicht zu stressen, ihr Pausen zu gönnen und selbst Ruhe auszustrahlen. Manche Dosis scheren ihre Katzen auch ganz allein zuhaus. Nicht alle Katzen vertragen eine Schur bzw. das fehlende Fell auch psychisch: es soll Stubentiger geben, die sich danach nicht so recht wohlfühlen. Allerdings gibt es auch viele Katzen, die ohne das kiloschwere Fell regelrecht aufblühen.

Kasimirs Kurzhaarfrisur

Kater Kasimir mit Kurzhaar-Frisur



Kasimir ist so ein Fall: sobald seine Haare kurz sind, habe ich einen vollkommen "anderen" Kater. Mit einer Kurzhaarfrisur sieht er zwar gewöhnungsbedürftig aus, aber sein Verhalten zeigt mir deutlich, dass er sich mehr als wohl fühlt. Er spielt mehr, genießt engen Körperkontakt, ist lebenslustiger und wird nicht selten sogar richtig frech ;) Aus diesem Grund gehört die Schur bei uns regelmäßig alle 3 bis 4 Monate zum Pflichtprogramm. Mittlerweile lässt er sich zwar sehr gern bürsten, aber die kurzen Haare tragen viel zu seinem Wohlbefinden bei. Die Schur dauert jedes Mal nur etwa 10 Minuten und Kasimir nimmt das Prozedere ohne großen Stress oder Gegenwehr an. Für 3 Monate wohlfühlen nehmen wir diese 10 Minuten gerne in Kauf.

Nicht alle Katzen müssen jedoch regelmäßig geschoren werden, wenn sie sich an das Bürsten gewöhnen. Oftmals reicht eine einmalige Schur, um Ordnung in das Haarchaos zu bringen und die Katze positiv auf die Bürste zu konditionieren.

welches ist die richtige Bürste?

unsere Katzenbürste

unsere „Katzenbürste“ .. und Muffins Nase ;)



Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass das "richtige" Werkzeug entscheidend dazu beiträgt, wie die Katze auf das Bürsten reagiert. Manche Bürsten sind zu starr und der Katze unangenehm. Manche reißen mehr als dass sie bürsten und wiederrum andere sind zwar angenehm für die Katze, schaffen es aber nicht, durch die Haare hindurch zu kommen. Hier ist Rumprobiererei und ein wenig Glück gefragt. Wir haben zahlreiche Bürsten ausprobiert und sind am Ende da gelandet, wo ich es nicht erwartet hätte ;) – bei "meiner" Wildschweinborsten-Bürste. Sie ist längst nicht mehr wirklich meine, sondern eher die der Katzen. Ursprünglich habe ich sie im DM-Drogerie-Markt für die Pflege meiner langen Haare gekauft, aber es kommt ja oft anders, als man denkt ;)

Kasimir kam eines Tages mit ins Bad, als ich meine Haar damit bürstete und schaute mir zu. Ich habe einfach aus einer Laune heraus über seinen Rücken gestrichen und wir beide haben bemerkt, dass diese Bürste scheinbar nicht so unangenehm ist wie viele andere. Sie hat teilweise weiche Wildschweinborsten und zum anderen Teil flexible Plastikborsten mit Noppen. So wird die Kopfhaut massiert und gleichzeitig das Haar entwirrt. Die Bürste war damals nicht wirklich preiswert, aber ich habe sie gerne an Kasimir abgetreten ;) Nachdem sich das erste Streicheln mit der Bürste als angenehm erwies, habe ich bewusst regelmäßig mit dem Bürsten-Training begonnen.

Es kann ratsam sein, für den Beginn des Trainings eine neue Bürste zu kaufen, mit der die Katze noch keine negativen Erfahrungen gemacht hat – quasi ein Neubeginn der Freundschaft zwischen Bürste und Katze ;) Oft werden weiche Babybürsten sehr gern angenommen. Dass solche Bürsten keine Knoten entwirren und das Fell nicht wirklich durch bürsten ist für den Anfang erst einmal egal: die Katze soll einfach nur lernen, das Gefühl zu genießen.

aller Anfang ist schwer

Kasi wird gern am Rücken gebürstet

Ich halte Kasimirs Schwanz fest und bürste seinen Rücken



Katzen die Bürsten hassen, sind oft nur mit langem und regelmäßigem, sanften Training davon zu überzeugen. Wichtig ist, dass die Katze von Beginn des Trainings an mit der Bürste nur positive Erfahrungen macht. Ihr solltet also vermeiden, die Katze (grob) festzuhalten, sie anzumeckern oder ihr mehr "anzutun" als sie freiwillig zulässt. Anfangs kann es wirklich frustrierend sein, wenn die Katze nach nur einem Bürstenstrich in die Bürste beißt oder Reißaus nimmt. Aber: das gehört alles zu unserem Plan ;) Ihr solltet langsam und vor allem ohne große Aufregung anfangen. So ist es zum Beispiel möglich, die Bürste bei den abendlichen Kuschelstunden zunächst nur neben der Katze liegen zu haben. So gewöhnt sie sich zumindest schon einmal an die Anwesenheit der Bürste und merkt, dass auch dann nicht zwangsläufig etwas unangenehmes passieren muss.

Toleriert sie die Bürste neben sich, ist der nächste Schritt ein einzelner Bürstenstrich zwischen dem Streicheln mit den Händen. Das Ganze sollte wie selbstverständlich und ohne großes "Bromborium" von euch durchgeführt werden: weder solltet ihr für das Holen der Bürste vom Platz aufstehen müssen, noch solltet ihr das Streicheln dafür groß unterbrechen. "Einfach" bürsten eben ;) Es sollte das Selbstverständlichste der Welt sein, dass auch mit der Bürste gestreichelt wird – je mehr ihr angespannt seid, umso mehr überträgt sich das auf die Katze. Zuerst nur einen Bürstenstrich an einer besonders angenehmen Stelle, am nächsten Tag zwei Bürstenstriche usw.

Nachdem sich die Katze diesen einen Bürstenstrich hat gefallen lassen, kann sie belohnt werden. Ob mit Leckerchen oder lieben Worten ist egal. Es kommt auf die Vorlieben der eigenen Katzen an, was hier am besten wirkt. Bei uns reichen leise, liebe Worte.

Wird der Katze das Bürsten zu viel, beißt sie in die Bürste oder haut ab: lasst sie! Wer keinen Bock mehr hat, darf gehen und wird nicht festgehalten oder angemeckert. Das Bürsten soll schließlich auf freiwilliger Basis und mit einer positiven Einstellung geschehen. Bis ihr an dem Punkt angelangt seid, wo eure Katzen mehrere Bürstenstriche tolerieren, kann es je nach Abneigung und Charakter der Katze teilweise sogar Wochen dauern. Ihr müsst unbedingt Geduld haben und der Katze die Entscheidung zugestehen, zu gehen, wenn sie es möchte. Irgendwann wird sie es freiwillig zulassen und sich – dank der Belohnungen und positiven Erfahrungen – vielleicht sogar gerne bürsten lassen. Und genau das ist ja unser Ziel.

Bürsten als Wellness-Event für die Katze

am Bauch bürsten

den Bauch zu bürsten ist Vertrauenssache…



Aus dem Bürsten kann ein regelrechtes Event werden, das Dosi und Katze Entspannung bringt und von beiden Seiten als angenehm empfunden wird. Dazu bedarf es manchmal viel Durchhaltevermögen und eine Menge Geduld. Ihr solltet dabei nicht angespannt, aufgeregt oder genervt sein. Die Katze sollte sich vollkommen entspannen können und darauf vertrauen können, dass nichts "böses" mit ihr passiert. In der Regel ist es so, dass sich Katzen das Bürsten am Rücken noch einigermaßen gefallen lassen, an empfindlichen Stellen wie dem Bauch oder den Innenseiten der Schenkel wirds dann aber kritisch. Auch beim Trainieren des Bürsten an diesen heiklen Stellen solltet ihr ruhig bleiben und keinen Zwang ausüben.

Ebenso wie zu Beginn des Trainings sind hier vor allem Rantasten und Selbstverständlichkeit zwei wichtige Schlüssel. Die Katze darf sich ruhig wehren und "zicken": wir haben dafür Verständnis – wer lässt sich schon gern an solch intimen Stellen mit so einem unangenehmen Ding wie der Bürste berühren? Wenn sie aber merkt, dass das "einfach dazu gehört", regelmäßig gemacht wird und es sogar noch eine Belohnung gibt, wird es oft zumindest toleriert. Kasimir ist auch heute noch nicht wirklich begeistert, wenn ich mit der Bürste zwischen die Beine gehe, aber er lässt es zumindest zu. Ich mache es dann immer ganz schnell und "lenke" ihn danach mit tollem Bürsten auf dem Rücken ab ;)

das gibt Sicherheit: ein Ritual aufbauen

am Bauch bürsten

..wenn möglich, sollte das im Stehen geschehen



Kasimir wird fast ausschließlich im Stehen gebürstet, das gibt ihm Sicherheit und eine gewisse Kontrolle über das, was er zulassen kann. Denn auch das ist ein wichtiger Punkt: viele Katzen bekommen Angst oder empfinden es als unangenehm, wenn sie auf den Rücken oder die Seite gelegt werden. Sofern sich das beim Bürsten vermeiden lässt, solltet ihr das also besser nicht tun. Muss ich Kasi auf die Seite legen um besser an Knötchen heran zu kommen, liegt er oft auf meinem Schoß und darf sich mit den Hinterpfötchen an meinem Bauch abstützen: scheinbar brauch er das, um sich sicher zu fühlen. Das ist natürlich in Ordnung und wird genau so auch ermöglicht. Manchmal geht es aber auch ganz ohne das. Nämlich dann, wenn er schon sehr entspannt ist und ich ihn quasi schnurrend einfach auf die Seite kippen kann ;)

Mittlerweile kommt er mir aus freien Stücken ins Bad hinterher gelaufen und schreit mich regelrecht an, wenn ich ihn nicht bürste ;) Ich nehme mir etwa eine halbe Stunde Zeit für ihn und Tiffy – Muffin findet Bürsten unheimlich und braucht es als Kurzhaarkater auch nicht zwingend. Beide sitzen neben mir im Bad und schnurren um mich herum ;) Zuerst bürste ich lange Kasimirs Rücken, bis ich mich vorsichtig dem Schwanz zuwende: eine Hand bürstet, während die andere Hand dem Schwanz Halt gibt. Dann widme ich mich zur Belohnung wieder dem Rücken. Kasimir toleriert nur eine gewisse Zeit lang das Bürsten an unangenehmen Stellen, ich muss also schnell sein und zum Ausgleich danach längere Zeit die angenehmen Stellen "bearbeiten", dann hat er auch lang genug Geduld mit mir, dass ich den Rest des Körpers bürsten darf ;)

Danach kommen wir zu den heiklen Stellen wie Bauch und Beine. Ich halte eine Hand auf seinem Rücken (nicht runterdücken – nur die Hand auflegen!) und ziehe die Bürste mehrmals durch die Vorderbeine hindurch. Damit bürste ich das Fell zwischen den Vorderbeinen durch und verhindere, dass er den Rücken durchdrückt, um sich der Bürste zu entziehen ;) Die "Rücken-bürsten-Belohnung" folgt dann sofort im Anschluss. Die Barthaare, der Kragen, das Kinn und das Brustfell werden danach gebürstet, das findet Kasimir angenehm und lässt sich dabei das Kinn von mir abstützen. Als nächstes wird der Bauch gebürstet: wieder halte ich eine Hand auf dem Rücken und fahre mit der Bürste mehrmals durch das Bauchfell. Damit Kasimir keinen Tobsuchts-Anfall bekommt wird danach wieder der Rücken gebürstet ;)

Fell zwischen den Hinterbeinen bürsten

eine ganz heikle Stelle: zwischen den Hinterbeinen



Als letztes stecke ich ihm die Bürste zwischen die Hinterbeine und streiche von oben zu den Pfoten mehrmals durch das Fell. Auch jetzt muss ich den Rücken wieder zur Belohnung bürsten. Das Ganze dauert im Grunde genommen keine halbe Stunde, da ich aber mit viel Ruhe und Bedacht herangehe und wir ja sowieso keinen Zeitdruck haben, nehmen wir uns die Zeit, die wir brauchen. Wenn Kasimir nach dem Bürsten des ganzen Körpers noch Lust hat, wird eben der Rücken so lange gebürstet, bis einer von uns beiden genug hat. Wir sollen es ja beide genießen können ;)

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6 Kommentare - Hinterlasse eine Kratzmarkierung!

  1. Gute Tipps! Hoffe, dass sie bald auch bei meiner Stubentigerin helfen :-)

  2. Das werde ich mal bei Garfield versuchen. Er mag es bisher auch am liebsten nur auf dem Rücken, Kopf und unterm Kinn. :)

  3. Tja, das Zauberwort heißt wirklich Zeit & Ruhe!
    Bei Allegra hat es als bürstunwillige plüschige Kurzhaarkatze auch Monate gedauert. Inzwischen schnurrt sie dabei :-) Und an der stehenden Katze anzufangen macht wirklich Sinn. Allerdings setze ich mich vor die Küchenfensterbank wenn Allegra dort liegt bzw. grast – also quasi auf Augenhöhe zum Köpfchengeben. Und falls es ihre Laune zulässt kommt zwischen den Streicheleineiheiten immer mal die Bürste zum Einsatz. Also die linke Hand zum Streicheln und die rechte für die Bürste. Und ein Teebeutel mit Baldrian wirkt ziemlich entspannend, wenn der dann in Katzennähe rumliegt. Dann ist sie nämlich beschäftigt …
    LG Silke

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