01.August 2014 18:00 Uhr Bücher & Medien 2

Buch „Katzenflüstern“

Buch Katzenflüstern

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Lesezeit ca.: 8 Min., 18 Sek.

Ich bin ein recht offener und neugieriger Mensch. Auch über Dinge, die andere Dosis von vornherein als "Humbug" abstempeln, informiere ich mich erst einmal selbst, bevor ich ein Urteil für mich fälle. Eins dieser Themen ist die Tierkommunikation.

Bei der Tierkommunikation tauscht man mit der Katze auf geistiger Ebene Gefühle, Gedanken und Bilder aus. So entsteht eine Art Dialog, bei der man Verhaltensprobleme lösen, verschwundene Tiere wiederfinden oder kranken Tieren Linderung verschaffen kann – so viel zur Theorie. Menschen, die die Tierkommunikation betreiben und Dosis mit guten Erfahrungen in diesem Bereich sind überzeugt davon, dass dies möglich ist. Es gibt aber auch kritische Stimmen – man kann einen Erfolg oder Misserfolg eben oft nicht sichtbar messen.

Ich habe dazu keine wirklich festgelegte Meinung und fand es spannend, mehr darüber zu erfahren. Das Buch "Katzenflüstern" von Nicole Schöfmann verspricht laut Klappentext eine "praktische Anleitung zur Tierkommunikation für alle Katzenfreunde". Auch sollen viele Ursachen für bestimmtes Verhalten von Katzen einmal "anders" erklärt werden. Ich war neugierig, habe das Buch gelesen und möchte euch heute meine Meinung zu diesem Buch weiter geben.


Infos zum Buch:
Titel: "Katzenflüstern"
Verlag: Allegria
Autorin: Nicole Schöfmann
Preis: 8,95€
ISBN: 978-3-548-74437-7
Seitenzahlen: 251 Seiten
Erscheinungsjahr: 2008
Softcover

Inhalt und Aufmachung

Das Buch ist auf gräulich-gelbem mattem Recycling-Papier gedruckt, der Text ist in schwarzer, dünner Schrift verfasst. Fast das gesamte Buch ist in grau/schwarz/weiß gehalten, bis auf den 8-seitigen Mittelteil. Er enthält einige Farbfotos auf glänzendem Papier. Überschriften sind in schwarzer Fettschrift – teilweise kursiv – gehalten. Das Buch enthält 9 Grafiken und Illustrationen, sowie 4 Tabellen. Insgesamt ist der Inhalt auf 12 Kapitel aufgeteilt. Auch zahlreiche Anhänge sind abgedruckt.

Auf den ersten 14 Seiten erklärt die Autorin, wie sie selbst ihre Fähigkeiten zur Tierkommunikation entdeckt und ausgebaut hat. In Kapitel eins erklärt die Autorin auf vier Seiten, aus welcher Sicht – ihrer Erfahrung nach – eine Katze den Menschen sieht. Kapitel zwei umfasst ebenfalls vier Seiten und bringt dem Leser näher, wie die Autorin über das spirituelle Leben der Katze denkt. Die nächsten 16 Seiten bilden das Kapitel drei. In diesem Abschnitt geht es um die Katzensprache, also das, was eine Katze sagen könnte, wenn sie mithilfe der Tierkommunikation kontaktiert. Auch über die Katzensinne und die Energien der Katze wird in diesem Kapitel geschrieben.

Das vierte Kapitel erklärt, wer Tierkommunikation erlernen kann, wie lange es ungefähr dauert, was man beachten sollte und welche Probleme am häufigsten auftreten. Dies wird auf 5 Seiten geschildert. Das folgende – fünfte – Kapitel befasst sich mit den Vorbereitungen zu dem im Buch erklärten 10-Wochen-Kurs zum Erlernen der Tierkommunikation. So werden auf den 25 Seiten, die das Kapitel umfasst, Einstiegsübungen und Grundbegriffe erklärt.

Kapitel sechs streckt sich auf 17 Seiten. Es erklärt den 10-Wochen-Kurs und zeigt die einzelnen Inhalte der jeweiligen Wochen auf. Die nächsten 14 Seiten bilden das siebte Kapitel. In diesem Kapitel wird die Kommunikation mit vermissten Katzen erklärt und auch Gründe angeführt, warum Katzen verschwinden.

Kapitel Acht trägt den Titel "Kranke Katze – kranker Mensch?" und versucht zu erklären, warum Katzen krank werden. Hier wird auch die Aura der Katze – bestehend aus sieben Schichten – näher erklärt. Ebenso finden sich Inhalte zu den Themen Chakren der Katze und Farben der Aura. In dieses Kapitel ist auch der farbige Mittelteil eingelassen. Auf den verschiedenen Farbfotos werden verschiedene Situationen der Kommunikation und auch alternative Heilmethoden wie etwa Reiki oder Akupunktur angedeutet. Die verschiedenen Chakren der Katze werden erklärt. Dies alles findet auf 44 Seiten Platz.

Die folgenden neun Seiten thematisieren die häufigsten Katzenkrankheiten und ihren energetischen Hintergrund. Auch Markieren, psychische Probleme und Gesundheitsvorsorge werden angesprochen. Kapitel zehn bringt dem Leser erste-Hilfe-Maßnahmen näher. Auf 16 Seiten erfährt man, wie man beispielsweise im Falle einer Vergiftung, eines Bisses, eines Herzanfalls oder einem Autounfall vorgehen sollte, um eine erste Versorgung durchdacht durchzuführen.

"Leben und Sterben auf vier Pfoten" heisst das elfte Kapitel, das 28 Seiten fasst. Wie der Titel schon andeutet, wird hier das Älter-werden und Sterben der Katze thematisiert. Der Leser erfährt, wie eine Katze – nach Meinung der Autorin – das Sterben empfindet, was ihr das Sterben und den "Übergang" erleichtert und wie es für die Seele der Katze nach dem Tod weiter geht.

Das zwölfte Kapitel besteht aus 2 Seiten und trägt den Titel "Gebt ein Zehntel weiter!". In diesem kurzen Inhaltsbereich erklärt die Autorin aus ihrer Sicht, warum Spenden einen positiven Kreislauf in Gang bringt, von dem Jeder profitieren kann.

Die nun folgenden Anhänge befassen sich mit den Anfängen der Tierkommunikation, den "Unterstützern" der Tierkommunikation, verschiedenen Heilmethoden und der Notfallapotheke für Katzen. Auch häufig gestellte Fragen zu Katzen finden hier Erwähnung. Darauf folgen Glossar, Literaturhinweise, Kontaktadressen und ein paar Seiten Werbung. Dieser Teil des Buchs macht etwa 56 Seiten aus.

Was mir an diesem Buch gefällt

Die einzelnen Grafiken machen das Verständnis der teils ungewohnten Begriffe einfacher. So werden beispielsweise alle Auraschichten im Text erklärt und auch anhand eines gezeichneten Bildes verdeutlicht. Die Übungen zum 10-Wochen-Kurs sind kurz und einfach verständlich erklärt. Der Anhang bietet ausführlichere Erklärungen zu Begriffen, Grundlagen und anderen wichtigen Dingen im Zusammenhang mit der Tierkommunikation.

Was mir an diesem Buch nicht gefällt

Da viele Begriffe erst im Anhang wirklich verständlich erklärt werden war das Lesen und Verstehen der Texte nicht besonders einfach. Es war oft mühselig, zwischen eigentlichem Inhalt und Anhang zu wechseln, um die entsprechenden Erklärungen zu den Begriffen zu suchen. So stockte bei mir der Lesefluss teils erheblich, Lesevergnügen kam entsprechend leider nicht auf. Viele der Aussagen und Begründungen für das jeweilige Katzenverhalten wirkt extrem konstruiert, menschliche Gedanken werden auf die Katze übertragen. Es werden esoterische Begründungen hervorgebracht für Dinge, die sich auch vollkommen logisch erklären lassen.

Als Beispiel sei hier der Inhalt zur Futterverweigerung von neuem Futter genannt: die Autorin erklärt, dass die Katze die Schwingung der Nahrung erkenne und darum Neues verweigern würde. Jeder, der sich ein wenig mit dem Thema auseinander gesagt hat, weiss, dass die sogenannte "Neophobie" bei Katzen nicht selten ist. Anderes/Neues Futter schmeckt ungewohnt, riecht ungewohnt. Da Katzen vorallem über den Geruchssinn entscheiden, was sie fressen und was nicht, ist es nicht verwunderlich, dass ungewohntes Futter erst einmal stehen gelassen wird. Das hat rein gar nichts mit irgendwelchen Schwingungen zu tun. Solche weit hergeholten Interpretationen finden sich im Buch recht häufig.

Seite 116 hat mich Schmunzeln lassen und bietet direkt ein Totschlag-Argument gegen eventuelle Kritiker der angewandten Methoden. Zitat: "Diese Heiltechniken bewirken immer eine Form von Gesundung, vollständige Heilung ist allerdings immer abhängig von der inneren Bereitschaft des Empfängers." Man könnte übersetzen: "Wenn du nicht gesund wirst, dann lag es wohl daran, dass du nicht offen genug warst oder nicht genug daran geglaubt hast."

Ein wenig unverständlich war für mich der Einschub der erste-Hilfe-Maßnahmen. Warum ist dies Teil eines Buchs über Tierkommunikation? Die Vermenschlichung, dass eine Katze den Eingriff der Kastration als Quälerei empfindet, mag ich nicht ganz teilen. Natürlich sorgt sie unter Umständen für Verwirrung, besonders im Zusammenhang mit der Narkose und dem begrenzten Verständnis der Katze für medizinische Eingriffe. Aber keine Katze würde wohl – würde sie es denn verstehen und vor die Wahl gestellt – jahrelange ungedeckte Rolligkeit, Potenz und die damit einhergehenden Schwierigkeiten im sozialen Gefüge (Mobbing, Unsauberkeit, Rangkämpfe) und die gesundheitlichen Gefahren einem 30-minütigen Eingriff vorziehen.

Alles in Allem wird der 10-Wochen-Kurs – der ja eigentlich Hauptbestandteil des Buches sein sollte – mehr als sträflich vernachlässigt. Kurz wird der Ablauf erklärt und die Zeiteinteilung angesprochen, mehr Inhalt findet man allerdings nicht. Es werden zahlreiche Vorurteile bedient, teils abenteuerlich anmutende Geschichten erzählt und unbelegte Behauptungen aufgestellt.

Die Autorin erklärt zu Anfang, dass man sich die Kommunikation mit der Katze nicht als eine Art Dialog mit präzisen Worten und Sätzen vorstellen solle, sondern eher wie einen Austausch von Bildern, Gefühlen und Empfindungen. Bei den Geschichten, die sie im Laufe des Buchs aus ihrem Alltag erzählt, können sich die jeweiligen Katzen und Kater aber erstaunlich präzise und wortgewandt ausdrücken. Diesen Widerspruch fand ich durchaus "interessant". Für mich war das ein weiterer Punkt, der mir den Inhalt des Buchs recht unglaubwürdig machte.



Fazit für mich:
Obwohl ich eine echte Leseratte bin, die auch für einen "dicken Schinken" in der Regel nicht mehr als zwei Tage braucht, habe ich mich durch dieses Buch wirklich hindurch gequält. Nicht nur die teils nicht (oder erst im Anhang – ständig blättern macht ja Spaß!) erklärten Begriffe, sondern auch die "abgehobenen" Thesen und Aussagen der Autorin waren für mich echte Stolperfallen. Ich habe ein wenig das Gefühl gehabt, dass die einfachsten Dinge mit Zwang auseinander gezogen und auf die "esoterische Scheine" geschoben wurden, um dem Beruf Tierkommunikatorin einen Sinn zu geben. Statt "weltliche" und nachvollziehbare Begründungen zu liefern ist die Rede von verblassten Auren, gestopften Chakren, Hausgeistern, Engeln und Karma.

Wer mit diesen Themen vertraut ist, sie nachvollziehen kann und an sie glaubt, dem wird dieses Buch sicher eine Hilfestellung in Sachen Tierkommunikation sein. Für alle Anderen liest es sich wohl meiner Meinung nach eher "freaky" und weit hergeholt. Von uns gibt es eindeutig keine Empfehlung! Ich habe mir andere Bücher zu diesem Thema empfehlen lassen und werde mir diese stattdessen noch einmal näher ansehen – so bald ich wieder Bedarf habe.

2676 vor über 2 Jahren

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Vielen Dank für das Ausdrucken dieser Seite. Weiterführende Infos zum Thema, aber auch viele andere interessante und wichtige Themen findest du auf www.Katzen-fieber.de. Bitte beachte, dass auch die Bilder, Texte und Grafiken dieser Druckversion dem Urheberrecht unterliegen. Jegliche Weiterveröffentlichung ist untersagt. Das Zitieren der Texte ist nur mit Erlaubnis und Link zur Quelle erlaubt.

bisher wurden 2 Kommentare zum Artikel geschrieben:

  1. Danke für diesen ausführlichen Bericht! Ich finde es faszinierend, wie manche Menschen mit Tieren kommunizieren oder auf sie einwirken können, aber mit Esoterik tu ich mich schwer. Insofern weiß ich dank deiner Rezension, dass das keine Lektüre für mich ist.

    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!
    Viele Grüße,
    Friederike

    • Huhu Frederike!
      Ich denke, dass jeder Dosi auf die ein oder andere Art mit seinen Stubentigern kommuniziert – nur nennen wir das nicht gleich „Tierkommunikation“. Ich war recht überrascht über den Inhalt des Buchs, weil ich nicht gedacht hätte, dass die Aussagen darin teilweise so extrem abgehoben sein würden. Ich sehe mich weiter nach Büchern um, die auch für Dosi ohne esoterischen Einschlag geeignet sind, denn das Thema interessiert mich schon ;)

      Liebe Grüße und ebenfalls ein schönes Wochenende wünscht dir
      Miriam

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