03.Juni 2014 18:00 Uhr Fundstücke & andere Katzenhalter 3

Interview mit Kerstin Benker von purrmania

Kerstin mit Kater Platon

Lesezeit ca.: 7 Min., 3 Sek.

Vor etwas über zwei Wochen habe ich euch berichtet, dass ich die "Hund & Katz" Messe in Dortmund besucht habe. Und dass ich dort einen überaus interessanten Stand gefunden habe, dessen Geschäftsphilosophie mich schlichtweg begeistert hat. Kerstin Benker hat mit der Firma "purrmania" etwas geschaffen, was für mich die konsequente Fortsetzung des "naturnah-Gedanken" beim Barfen ist: ausgesuchte Katzen-Produkte aus natürlichen Materialien.

Da ich ein sehr neugieriger Mensch bin, wollte ich natürlich mehr erfahren und habe Kerstin zu einem Interview gebeten. Im heutigen Artikel könnt ihr lesen, was Kerstin aus dem Nähkästchen plaudert.


Seit wann gibt es Purrmania und wie kamst du auf den Gedanken, selbst Katzenspielzeug zu entwerfen?
Kerstin: Purrmania habe ich im Mai 2012 gegründet. Ich war schon lange sehr unzufrieden mit handelsüblichem Katzenspielzeug. Wir haben zwei Kater, Aristoteles & Platon. Aristoteles hat jedes Spielzeug, welches ich kaufte, innerhalb von 5 Minuten zerstört. Platon dagegen hat sich für fast nichts interessiert, dabei musste gerade er beschäftigt werden. Mir persönlich war insbesondere auch die Optik vieler Produkte ein Dorn im Auge, denn ich liebe Designermöbel, klare Formen und Farben und konnte mich partout nicht damit anfreunden, meinen Kerlen rosa Pfötchenprint-Plüsch zu kaufen.



Alle deine Produkte sind handgemacht aus ausgesuchten Materialien. "Massenproduktion" und "Chemie" gibt es bei euch nicht. Erzähle uns doch bitte mehr über den Hintergedanken deiner Firma.
Kerstin: An allererster Stelle steht für uns die Katze bzw. die vielen Katzen unserer Kunden. Sie sollen Spaß haben und dazu gehört auch die Unbedenklichkeit. Schon bei der Auswahl der verwendeten Materialien legen wir ebenso großen Wert auf die Herkunft wie auf die Qualität. So weit möglich, verwenden wir Bioqualität und Rohstoffe natürlichen Ursprungs.

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus und wie viele Mitarbeiter habt ihr? Wie/Wo werden deine Produkte hergestellt?
Kerstin: Unsere Produkte stammen mit Ausnahme der SEHBO-Kollektion aus unserem Berliner Atelier. Hier entwerfe ich die Produkte und stelle sie auch selbst her. Vor großen Messen und in der Vorweihnachtszeit hole ich mir Unterstützung von Aushilfen. Zum großen Ärger unserer Kater befindet sich das Atelier hinter verschlossenen Schiebetüren, zu gerne würden sie helfen und testen aber aus hygienischen Gründen sind Materialien und Produkte natürlich absolut tabu. Neben großen Arbeitsflächen zum Filzen, Knüpfen und Nähen befinden sich im Atelier auch der Packtisch und Schubkästentürmen mit fertigen Produkten – die stapeln sich ordentlich hoch, denn in den vergangen 2 Jahren haben wir über 110 Produkte entwickelt und hergestellt.

Dein Mann hatte auf der Messe etwas von einem Entwicklungshelfer-Programm erzählt: Was hat es damit auf sich?
Kerstin: Mein ganzes Umfeld, meine Familie und meine Freunde lieben purrmania, selbst wenn sie gar keine eigenen Katzen haben. Sie sind gerne hautnah dabei, haben Ideen, Anregungen und auch mal ein offenes Ohr und eine helfende Hand. Meine liebe Freundin Deborah ist Amerikanerin und hat lange Zeit in Nepal und dem Himalaya gelebt, um dort insbesondere auch kleinen Handwerksbetrieben betriebswirtschaftlich auf die Sprünge zu helfen.

Als sie nach Berlin kam, hat sie die Firma SEHBO gegründet, um nachhaltige Produkte aus traditioneller Herstellung zum fairen Arbeitslohn nach Europa zu bringen. Wir tauschen uns regelmäßig aus, und so ist mir insbesondere die Flechtkunst positiv aufgefallen. Ich habe einige Designvorschläge entwickelt und die fleissigen Mädels in den Dörfern Nepals sind begeistert von der Idee, für purrmania Spielzeuge herzustellen, obwohl sie selbst noch nie mit einer Katze gespielt haben und bei dem Gedanken auch gewaltig kichern müssen. Der Rotary-Club Katmandu unterstützt das Projekt in Form von Schulungen in Sachen Qualitätssicherung und Hygiene.

Burmakitten mit Filzring

Wie sammelst du Inspirationen für neue Produkte?

Kerstin: Das kann ich gar nicht so genau sagen, Ideen kommen mir immer und überall! Am häufigsten allerdings bei der Beobachtung von Katzen, denn sie haben einen eigenen Kopf und eigene Vorstellungen von dem, was sie toll finden. Viele Katzen klauen zum Beispiel mit Vergnügen Haargummis, die kleine runde Form aber auch die Möglichkeit, ein Spielzeug leicht im Mäulchen tragen zu können, ist einfach extrem anziehend.

Nur sind diese nicht für diesen Zweck gemacht, deshalb haben wir Ring entwickelt, ein Haargummiersatz aus reinem Schurwollfilz. Ring ist ein absoluter Dauerrenner in unserem Programm! Auch Gespräche mit Stammkunden oder Sonderwünsche sind oftmals die Basis für die Entwicklung neuer Produkte. Ein Stammkundenkater war zum Beispiel sehr begeistert von unserer Angel spider und hat sich eine extragroße Spider ohne Angel gewünscht. Und natürlich auch bekommen! Aus der Idee wurde tarantula, eine große Filzspinne mit fest verknüpften Baumwollbeinen.

Wie sind die Reaktionen auf deine Produkte? Ist es schwer, mit großen Herstellern und konventioneller Produktion zu konkurrieren?
Kerstin: Die Reaktionen sind durch die Bank großartig. Wir bekommen von unseren Kunden, aber auch von Züchtern, Tierheilpraktikern, Tierschützern und sogar der Tierindustrie spitzenmäßiges Feedback. In 2013 haben wir für den deutschen Futterhersteller Animonda sogar eine kleine Kollektion aus 6 Produkten entwickelt und produziert, die exklusiv in deren Züchterportal und im Onlineshop von Pet Experts erhältlich sind.

In Sachen Attraktivität für Katzen und Haltbarkeit sind mit Liebe von Hand hergestellte Produkte der industriellen Ware um Längen voraus. Unsere Materialien und das moderne Design sind ebenfalls weit vorne im Vergleich. Wo wir natürlich nicht mithalten können, ist der Preis industriell gefertigter Waren, aber unsere Kunden wissen, dass sie ein Qualitätsprodukt erwerben, das ihren Katzen lange Freude bereiten wird.

Was sagen deine eigenen beiden Kater zu deinem Job? Profitieren sie vom Ideenreichtum und der unerschöpflichen Quelle an neuem Spielzeug?
Kerstin: Ich habe einen Spieljunkie, der gar nicht genug bekommen kann und einen Spielmuffel, den ich immer und immer wieder animieren muss. Spielstunden gehören für uns zum Tagesablauf wie Essen und Schlafen. Der spielbegeisterte Aristoteles darf oft viele Variationen durchtesten, bevor ein Produkt meinen und seinen Vorstellungen entspricht. Mit Platon dagegen habe ich das beste Messinstrument in Sachen Attraktivität, denn es ist meine persönliche Mission, besonders auch die kleinen Faultiere vom Sofa zu holen.

Ich nehme an, deine Kater sind bei euch für die "Qualitätskontrolle" verantwortlich. Gibt es ein bestimmtes Spielzeug aus eurem Sortiment, dass sie besonders gern haben?
Kerstin: Ich sag immer, Katzen sind ein wenig wie Frauen, die brauchen öfters mal was Neues… ;) Favoriten sind hier eigentlich alle Angeln, die wir im Wechsel durchspielen, der Zankzipfel triple, der immer auf dem Sofa bereit liegt und die Filzrasselbälle rattle. Ein vollkommen neues Spielverhalten habe ich bei dem Wurfpuschel dart entdecken können: Aristoteles ist der Meinung, gleich nach dem Fangen einen Purzelbaum machen zu müssen, zum Quieken!

Kater Platon spielt mit einer Federangel

Gibt es noch etwas Wichtiges, das du meinen Lesern zum Abschluss mitteilen möchtest?

Kerstin: Ich höre immer wieder: Meine Katze spielt nicht! So ganz kann ich es nicht glauben, denn in jeder Katze steckt eine Spielernatur, sonst wäre sie nicht überlebensfähig. Das Spiel ist selbst Großkatzen wie Löwen und Tigern angeboren, sie brauchen es, um für die Jagd und das Leben zu trainieren. Gerade Katzen in Wohnungshaltung können im Laufe der Jahre regelrecht apathisch werden, wenn sie unterfordert sind.

Ich wünsche mir, dass jeder Leser sich die Zeit nimmt, Spielzeug für seine Katze zu finden, dass diese wirklich interessiert. Manchmal liegt es auch am Verhalten des Menschen. Einen Ball hinlegen reicht oft nicht, er soll sich bewegen. Vielleicht schaut die Katze 10 x nur hinterher. Vielleicht 100 x. Aber so kann man ihre Vorlieben austesten und sie für gemeinsame Spielstunden begeistern.

Auch der gezielte Einsatz von Catnip kann helfen, denn es wirkt anregend, vergleichbar mit unserer Stimmung nach einem Gläschen Sekt. Das Spiel ist nicht nur Zeitvertreib und Fitnesstraining, sondern es stärkt und prägt auch die Bindung zwischen Mensch und Tier. Bitte nehmt euch die Zeit füreinander!




Ich danke Kerstin vielmals für ihre offene, freundliche Art und ihr Vertrauen in uns! Wir wünschen ihr für purrmania weiterhin viel Erfolg und natürlich viele neue Kunden! Es ist ein schönes Gefühl, dass da noch jemand ist, der sich um die Gesundheit unserer Stubentiger beim Spielen Gedanken macht.

Übrigens: die tollen Fotos stammen von der Fotografin Juliane Meyer. Die tollen purrmania-Produkte könnt ihr in Kerstins Online-Shop auf purrmania.de kaufen.

2103 vor 2 Tagen

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bisher wurden 2 Kommentare zum Artikel geschrieben:

  1. Lieben Dank für das tolle Interview, war mir eine Freude!

    • Huhu Kerstin!
      Danke, dass du auch vorbeischneist!
      Ich habe zu danken für deine Offenheit im Interview und fand den Kontakt zu dir wirklich unkompliziert!

      Liebe Grüße
      Miriam

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