Veröffentlicht: 06.Mai 2014 um 18:00 Uhr - vor 6 Monaten aktualisiert

5389 Aufrufe, 19 Kommentare, Kategorie: Interviews & Gastbeiträge, Markierungen:

Interview mit Autorin Doreen Fiedler

Bücher über das Barfen für Katzen

Autorin Doreen Fiedler hat Anfang April diesen Jahres ihre ersten beiden Barf-Bücher veröffentlicht. Ihre Bücher "einfach Barf – Leitfaden für natürliche Katzenernährung" und "Katzenernährung nach dem Vorbild der Natur" bieten für den Barfer – und den, der es noch werden will – großartige Lektüre rund um die artgerechte Ernährung der Katze. Uns hat sie freundlicherweise in einem Interview Rede und Antwort gestanden, viel Spaß beim Lesen!

Wie lange barfst du schon und warum hast du angefangen zu barfen?
Doreen: Ich barfe seit Frühjahr 2007. Ich hab angefangen zu barfen, weil Herr Lehmann1 eine futtermittelbedingte Osteomalazie hatte.

Da muss ich mein Wörterbuch rauskramen. :D Was genau ist das?
Doreen: Osteomalazie ist eine Knochenkrankheit, die u.a. bei Kalziummangel auftritt. Als die Diagnose kam, meinte mein Tierarzt, dass ich darauf achten soll, dass Herr Lehmann genug Kalzium und Vitamin-D bekommt.



Kannst du dich noch dran erinnern, wie lange die Umstellung bei euch gedauert hat und wie du deine Katzen umgestellt hast?
Doreen: Oh ja, an die Umstellung kann ich mich noch ganz genau erinnern – damals war Tante Milli noch bei uns :(
Sie war am schwierigsten umzustellen. Ich dachte wirklich, sie ist die erste Katze der Geschichte, die es vorzieht vor’m gefüllten Futternapf zu verhungern, als "das da" zu fressen. Bei ihr hat es so 6 oder 8 Wochen gedauert, dann ist der Knoten geplatzt und sie hat Barf gefressen, als hätte es noch nie etwas anderes gegeben.

Herrn Lehmann hab ich innerhalb von etwa 2 Wochen umgestellt und Marla hat morgens im Tierheim noch Trofu gemümmelt und abends hat sie eine vollsupplementierte Barf-Mahlzeit gefressen. Ich hab meine Katzen mit untermischen, Parmesan und Sojasoße umgestellt ;)



Was spricht für dich fürs barfen?
Doreen: In erster Linie spricht für mich für’s Barfen, dass ich genau weiß, was bei meinen Katzen im Napf landet. Und ich weiß, dass es ihren natürlichen Ernährungsgewohnheiten als Fleischfresser entspricht. Bei meinen Kandidaten kommt natürlich noch hinzu, dass ich mit dem Futter gezielt auf die Krankheiten einwirken kann. Herr Lehmann hat ja Herzkrankheiten, Forl2 und jetzt neu die IBD3 und Marla hat Spondylose4.


Woher beziehst du deine Infos übers barfen?
Doreen: Ich lese unglaublich viel. Ich hab einige Bücher über den Katzenstoffwechsel und Katzenkrankheiten und lese auch viele Studien und Dissertationen. Alles, was irgendwie mit Katzenernährung und Katzenstoffwechsel zu tun hat verschlinge ich und versuche dann, diese Erkenntnisse im Barf umzusetzen.


Gibt es auch Tierärzte und "Ernährungsexperten", die du um Rat fragen kannst?
Doreen: Ja, die gibt es! In meiner jetzigen Tierklinik ist "mein" Stammtierarzt begeistert vom Barfen. Mit ihm kann ich mich über die Nährstoffversorgung unterhalten und wir beraten uns bspw. über Nährstoffergänzungen, Zusatzstoffe, Bedarfswerte usw.



Das klingt himmlisch ;) Es ist ja nicht so verbreitet, dass Tierärzte das Barfen empfehlen. Woran meinst du liegt das? Hast du auch schon schlechte Erfahrungen diesbezüglich gemacht?
Doreen: Grundsätzlich waren erstmal alle Tierärzte ausnahmslos skeptisch, als ich ihnen gesagt habe, dass ich barfe. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man einfach nur mit den Ärzten reden muss. Sie haben es immer zumindest akzeptiert, als sie gemerkt haben, dass ich wirklich weiß, was ich tue und nicht einfach Fleisch ohne alles in den Napf gebe. Ich denke, genau diese Art "barfen" erleben Tierärzte leider viel zu häufig und sind deshalb vermutlich erstmal grundsätzlich "dagegen". Aber ich habe noch keinen Tierarzt erlebt, der mich weiterhin vom barfen abbringen wollte, als er gemerkt hat, dass ich meine Katze mit meinem Futter mit allem versorge, was sie benötigen und weiß, was ich da tue.



Was hat sich seitdem du barfst, für dich und deine Katzen verändert?
Doreen: Ich verbringe mehr zeit in der Küche für meine Katzen :D – Nein, ernsthaft: Seit ich barfe, interessiere ich mich noch mehr für Katzen und ihre Besonderheiten. Und je mehr ich lese, desto mehr merke ich, wie außergewöhnlich Katzen sind.



In wie fern haben sich gesundheitliche Auswirkungen gezeigt?
Doreen: Da ich kranke Katzen habe, ist das natürlich schwierig zu sagen. Herr Lehmann hat schon seit immer einen Herzklappenfehler und dadurch bedingt hat er eine HCM5 entwickelt. Diese Herzerkrankung ist seit Jahren stabil und hat sich nicht verschlimmert. Auch die HCM haben wir mit erstaunlich geringer Medikamentendosis sehr gut im Griff und seit der Diagnose hat sie sich nicht verschlimmert.

In der Ernährung achte ich fürs Herz auf bestimmte Fettsäuren und einen relativ hohen Tauringehalt. Ich denke, dass sich seine Krankheiten so stabil halten und er mit seinen fast 11 Jahren noch richtig fit ist, zeigt mir, dass meine Art der Ernährung nur richtig sein kann. Marla hatte schlimm Zahnstein und oft Zahnfleischentzündungen. Das haben wir ohne Zahnbehandlung nur durch Ernährung toll im Griff. Der Zahnstein ist so gut wie weg und die Zahnfleischentzündung ist auch Vergangenheit.
Auch ihre Spondylose (vermutlich bedingt durch zu hohen Vitamin-A-Gehalt in ihrer früheren Ernährung) haben wir mit Barf und Physiotherapie sehr gut im Griff. Sie benötigt keine schulmedizinischen Medikamente und die Spondylose ist seit 2 Jahren nicht schlimmer geworden. Herr Lehmann hatte außerdem zu Fertigfutter-zeiten sehr oft Durchfall. Der ist völlig verschwunden.



Wie reagiert deine Umwelt aufs Barfen?
Doreen: Zuerst waren alle skeptisch oder geschockt oder haben mich für bekloppt erklärt :D "Du musst ja Geld haben!" war eigentlich die häufigste Reaktion. "Das gute teure Fleisch für die Katzen" und solche Sachen kamen aus meinem Umfeld. Aber inzwischen haben sie sich damit abgefunden und finden es sogar gut, dass ich das Futter für meine Katzen selber mache, weil sie sehen, wie gut es ihnen damit geht. Und als ich meiner Mutter ;) mal vorgerechnet habe, dass ich mit Barf günstiger komme als mit handelsüblichem Nassfutter, fehlt ihr auch dieses Argument.



Wie kamst du darauf, eigene Bücher zu schreiben?
Doreen: Das war eine Idee, die in der Form "eigentlich müsste mal jemand ein vernünftiges Barf-Buch schreiben" schon einige Zeit in meinem Kopf herumgeisterte. Ich fand es zu meinen Anfängen wirklich ärgerlich, dass es keine Literatur zum Thema gab. Es ist einfach mühsam, sich die vielen Infos aus den unterschiedlichsten Quellen zusammensuchen zu müssen. Leider habe ich mit der Zeit auch festgestellt, dass viele Informationen vor allem im Internet veraltet oder zum Teil sogar falsch sind. Ich dachte dann immer an die armen Katzen, die vielleicht falsch zusammengesetztes Futter bekommen, weil es ihre wohlmeinenden Dosis einfach nicht besser wissen.

Welche Falschinformationen begegnen dir am häufigsten?
Doreen: Am bedenklichsten finde ich die Information, dass man Katzen 20% rohes Fleisch ohne Nährstoffzusätze füttern kann, wenn man ansonsten Fertigfutter füttert. Und auch die Aussage Knochen, Knochenmehl und Bierhefe wegen des enthaltenen Magnesiums nicht bei CNI6 zu füttern ist nicht richtig.

Wie wäre es deiner Meinung nach richtig?
Doreen: Diese 20%-Regel kann Nierenkrankheiten begünstigen. Die Nieren sind sowieso die natürliche "Sollbruchstelle" einer Katze, da finde ich es gefährlich, diese auf diese Weise noch zu strapazieren. (siehe Nachtrag vom 09.05.2014) Und bzgl. Knochenmehl und Bierhefe – es ist richtig, dass diese Suppis Magnesium enthalten. Aber Magnesium hat nichts mit CNI zu tun. Magnesium soll möglichst vermieden werden bei Struvitsteinen, aber für CNI ist Magnesium kein "gefährlicher" Nährstoff.



Wie lange hast du für beide Bücher gebraucht und vor welche Probleme wurdest du gestellt?
Doreen: Ich habe letztes Jahr angefangen zu schreiben. Ich habe für beide Bücher fast ein Jahr vom tatsächlichen Beginn bis zur Veröffentlichung gebraucht. Am problematischsten war, ausreichend Zeit zu finden. Ich habe hauptsächlich am Wochenende oder manchmal noch abends nach Feierabend geschrieben. Zuerst habe ich die "Katzenernährung" geschrieben. Insbesondere, als ich die ganzen Krankheitskapitel geschrieben habe, hatte ich natürlich auch Probleme, genügend Literatur zu finden. Es ist nicht leicht, neuere Literatur über Katzenkrankheiten und die entsprechende Diät zu finden.



Wo hast du dann letztendlich recherchiert?
Doreen: Vor allem eine Moderatorin aus meinem Forum hat mir oft geholfen und Zeitschriften-Artikel für mich besorgt, von denen ich bspw. nur die Zusammenfassung hatte. Wir kennen uns schon lange und sie ist Biologin und kommt von Berufs wegen an irre viel Literatur.
Insbesondere das journal of feline medicine and surgery ist eine wahre Goldgrube für mich gewesen.

Canan Czemmel hat mir beim Layout geholfen. Nur ihr ist es zu verdanken, dass die Bücher optisch so ansprechend geworden sind. Ich finde, sie hat ganz wundervolle Arbeit geleistet. Weitere Forenmitglieder haben die Bücher Korrektur gelesen. Also im großen und ganzen waren die Schwierigkeiten beim Schreiben Zeit und Literatur.



Gibt es bestimmte Tricks oder Kniffe, die du meinen Lesern fürs barfen mitgeben möchtest?
Doreen: Der allerwichtigste Trick ist es meiner Meinung nach, sich nicht verrückt zu machen ;) Barfen ist einfach nur Katzen füttern. Wichtig ist, sich einmal klar zu machen, was Katzen natürlicherweise fressen, dann bekommt man automatisch ein gutes Gefühl dafür, was ins Futter gehört, und was besser nicht. Wenn man die Grundzüge verstanden hat, ist alles halb so schlimm. Wenn die Katzen merken, dass man plötzlich anfängt "Gewese" ums Futter zu machen, werden viele Katzen misstrauisch und verweigern das neue Futter. Wenn man aber mit einer gewissen Normalität und Selbstverständlichkeit an die ganze Sache herangeht, dann wird die Katze viel besser mitbarfen ;)



Gibt es noch irgendetwas Wichtiges, was du unbedingt noch erwähnt haben möchtest?
Doreen: Mir ist es wichtig, dass sich jeder Katzenhalter mit den Bedürfnissen seiner Katze auseinandersetzt. Ich fänd es schön, wenn sich jeder Katzenhalter selbst ein bisschen einen Kopf machen würde. – "Was ist meine Katze eigentlich für ein Tier?" "Was braucht sie?" Und: "Wie kann ich ihr das bieten, was sie braucht, um gesund und glücklich zu sein?"

Ich glaube, das ist mir bei der ganzen Sache am wichtigsten: dass es den Katzen insgesamt gut geht. Ein großer Punkt ist natürlich die Ernährung, aber die ist nicht alles.



Anmerkungen:
1 "Herr Lehmann" ist Doreens Kater
2 "FORL" ist eine Zahnerkrankung
3 "IBD" steht für "inflammatory bowel disease" – eine chronische Darmerkrankung
4 "Spondylose" ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, welche häufig mit Deformierungen einhergeht
5 "HCM" ist eine Erkrankung des Herzmuskels
6 "CNI" ist eine bei Katzen häufig vorkommende Nierenerkrankung



Ich danke Doreen herzlich für ihre Zeit und Geduld, mir meine Fragen zu beantworten! Ebenso danke ich ihr für die Bücher, die nun ebenfalls fest zu unserer "Wissensdatenbank" gehören.



Nachtrag 09.05.2014 :
Da mich so einige Zuschriften erreicht haben, wie und warum Doreen die 20%-Regel für gesundheitsgefährdend hält, habe ich mich noch einmal in ihre Bücher vertieft und mir angesehen, was sie zu diesem Thema schreibt. Für alle, die das Buch "Katzenernährung nach dem Vorbild der Natur" zuhaus haben: die Seiten 105 und 106 beziehen sich auf dieses Thema. Für alle, die dieses Buch nicht haben, hier eine kleine Zusammenfassung:

Im Buch schreibt Doreen, dass nicht nur die Menge an Nährstoffen zur Versorgung wichtig ist, sondern auch das genaue Verhältnis mancher Nährstoffe zu anderen, beispielsweise das Kalzium-Phosphor-Verhältnis und das Kalium-Natrium-Verhältnis. Gibt man zu einer (in diesen Punkten) ausgewogenen Nassfutter-Mahlzeit noch unsupplementiertes Fleisch, würden sich diese Verhältnisse ungünstig verschieben. Denn auch Fleisch enthält Phosphor und Kalzium. Auch die Jodversorgung der Katze soll so nicht optimal sein.

Unser Beispiel: Eine 4-Kilo-Katze bekommt normalerweise 300g Futter mit je 2000mg Kalzium und Phosphor pro Kilo. Da sie umgestellt werden soll, bekommt sie nun nur noch 80% ihrer Tagesration und 60g rohe Hähnchenbrust. Die 240g Futter enthalten dann umgerechnet je 480mg Kalzium und Phosphor. Die Hähnchenbrust enthält aber 8,4mg Kalzium und 126mg Phosphor. Die Katze bekommt so nun also insgesamt 488,4mg Kalzium und 606mg Phosphor, was einem Verhältnis von 0,8 zu 1 entspricht.

Nichtsdestotrotz kommt sie zu dem Fazit, dass man gesunden Katzen bis zu zwei Wochen geringe Mengen unsupplementiertes Fleisch anbieten kann. Bei kranken Katzen jedoch (besonders bei Nierenerkrankungen) sollte man zumindest ein Kalzium-Supplement verwenden.

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7 Pingbacks

  1. www.katzen-forum.net -

    […] Ich habe hier schon öfters gelesen, dass einmal pro Woche Rohfleisch ohne Zusätze ok sei. Nun habe ich folgendes Interview gelesen und bin etwas verunsichert: […]

  2. www.katzen-forum.net -

    […] 1-2 mal eine kleine Portion pro Woche ist sicher kein Problem. 20% der Wochenration wären mir persönlich zuviel, da dies das Kalzium/Phosphor-Verhältnis schon ziemlich verschieben würde. […]

  3. Das kaufen? – Katzen Forum -

    […] Hier findest du auch eine Beispielrechnung dazu (ganz unten in den Kommentaren, von Doreen Fiedler). […]

  4. Was haltet ihr von Fertigbarf? – Katzen Forum -

    […] Was ich dir als Untermauerung meiner Ansicht (die unter Barfern auch weit verbreitet ist) bieten kann, ist folgender Link. Das ist ein Interview mit Doreen Fiedler, Autorin zweier Barf-Bücher, wovon das erste als das derzeit beste Barfbuch angesehen wird […]

  5. Anonymous -

    […] Das mit den 20 % gilt als veraltet. Hier eine Erklärung dazu. Wenn man regelmäßig Rohfleisch gibt (und damit auch unter 20 % bleibt), muss man supplementieren. Da reicht schon wöchentlich eine Fütterungsportion. […]

  6. Anonymous -

    […] ist auch die beste Zahnpflege, die es gibt. Das mit den 20 % stimmt leider trotzdem nicht. Hier kannst du nachlesen, wieso dem so […]

  7. Anonymous -

    […] Hier gibt es das Ganze mal in Zahlen, für diejenigen (ich zähle grundsätzlich auch zu ihnen ), die das nicht nur gesagt brauchen, sondern faktisch sehen wollen.
    Es ist vor allem wegen des Ca/P-Verhältnisses. […]

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12 Kommentare - Hinterlasse eine Kratzmarkierung!

  1. Hallo :)

    auf welcher Grundlage beruhen die folgenden Aussagen?

    Welche Falschinformationen begegnen dir am häufigsten?
    Doreen: Am bedenklichsten finde ich die Information, dass man Katzen 20% rohes Fleisch ohne Nährstoffzusätze füttern kann, wenn man ansonsten Fertigfutter füttert.

    Wie wäre es deiner Meinung nach richtig?
    Doreen: Diese 20%-Regel kann Nierenkrankheiten begünstigen. Die Nieren sind sowieso die natürliche „Sollbruchstelle“ einer Katze, da finde ich es gefährlich, diese auf diese Weise noch zu strapazieren.

    Interessierte Grüße
    Christine

    • Huhu Christine!
      Da dies ein Interview mit einer anderen Person ist, kann ich persönlich dir leider nicht sagen, auf welchen Grundlagen diese Aussagen beruhen. Ich vermute aber mal ganz stark, dass Doreen sich das aus fachbezogenen Quellen erarbeitet hat, um zu so einem Schluss zu kommen.

      Vielleicht solltest du einfach Doreen selbst – beispielsweise über ihr Forum – kontaktieren und sie selbst fragen.

      Liebe Grüße
      Miriam

  2. Gern möchte ich mich zu der 20%-Regel noch einmal selbst zu Wort melden.
    Miriam hat es schon sehr gut erklärt und auch an einem Beispiel vorgerechnet.

    An vielen Stellen vor allem in Internet wird geschrieben, dass man bis zu 20% unsupplementiertes Fleisch füttern kann, wenn man ansonsten ein ausgewogenes Alleinfutter füttert, weil das Alleinfutter so mit Nährstoffen überversorgt ist, dass dies die Nährstoffdefizite im Fleisch ausgleichen würde.
    Ob dies tatsächlich so ist, vermag ich so pauschal nicht zu beurteilen, da kommt es auch immer ganz auf die verwendete Futtersorte an. Insbesondere hochwertigere Futtersorten haben in der Regel gar keine so hohe Überversorgung mit Nährstoffen.

    Es kommt aber bei der Nährstoffzusammensetzung nicht nur auf die absoluten Mengen, sondern auch auf die Verhältnisse von manchen Nährstoffen zueinander an. Ein für die Nieren besonders wichtiges Verhältnis ist das von Kalzium zu Phosphor. Diese beiden Nährstoffe sollten in der Nahrung für gesunde Katzen etwa im Verhältnis von 1:1 bis 1,1:1 vorliegen. Nierenkranke Katzen sollten sogar Nahrung mit einem Verhältnis von 1,5:1 erhalten.
    Wenn man nun zu dem ausgewogenen Fertigfutter 20% Fleisch ohne Kalziumsupplement geben würde, so verschiebt sich das Kalzium-Phosphor-Verhältnis durch den Phosphorüberschuss im Fleisch wie in Miriams Beispiel auf 0,8:1. Es kommt zu einem Kalziummangel bei gleichzeitigem Phosphorüberschuss, was Nierenerkrankungen wie CNI begünstigen kann. Schon nach wenigen Wochen können bei der Fütterung mit einem Phosphorüberschuss Nierenschädigungen auftreten.
    Aus diesem Grund kann ich die 20%-Regel nicht empfehlen sondern empfehle, zumindest einen Kalziumausgleich zu schaffen, indem bspw. je kg Fleisch ca. 5 g Eierschale ergänzt werden.

    Ich hoffe, meine Erklärungen haben zum besseren Verständnis beigetragen. :)

    • Huhu Doreen!
      Danke für deine ausführlichen Schilderungen! So muss ich nicht mehr nur vermuten, ob ich dich richtig verstanden habe, sondern weiss es jetzt ;) Ich denke, damit sollte diese Frage mehr als erschöpfend beantwortet sein :D Falls nicht, hast du uns ja den Link zu dem Forum da gelassen, damit weitere Fragen direkt an dich gerichtet werden können.

      Liebe Grüße
      Miriam

    • Hallo!
      Ja,die Erklärung hat mir sehr weitergeholfen. Ich muss dazu sagen, dass ich das Buch nicht gelesen habe, da ich nach Frankenprey-Prinzip BARFe. Daher kam mir einfach die lose aus dem Zusammenhang gezogene Aussage „20% unsupplementiertes Fleisch ist nicht gut für die Nieren“ etwas merkwürdig vor, aber klar, wenn man die Verhältnisverschiebung mit einrechnet, ist es logisch.
      Ich hab‘ das gleich mal im Katzenforum geteilt :-)
      LG
      Lara

    • Dann raetst du analog auch davon ab, jemals mit Fertigsupplementen wie felini complete abzuwechseln (bei ansonsten Barfen mit natuerlicher Supplementierung), da ja da oft auch nicht die „richtigen“ Verhaeltnisse hergestellt werden koennen, da sie ja pauschal auf alle Fleischsorten passen muessen?

      • Huhu Barfine,
        wenn deine Frage an Doreen gerichtet sein sollte, dann erreichst du sie in ihrem Forum. Der Link ist im Artikel und auch als Link im Kommentar.

        Falls deine Frage an mich gerichtet sein sollte – ich kann natürlich nicht für Doreen antworten -: Fertigsupplemente können für den Einsteig und die Abwechslung geeignet sein, wenn man sie richtig anwendet. Im Fall von Felini Complete ist noch Kalzium zugesetzt, was einen erhöhten Phosphorgehalt im Fleisch weitestgehend ausgleicht. Natürlich erreicht man so unter Umständen keine voll ausgewogene Mahlzeit (weil so ein Fertigsupplement eben nicht auf jedes Fleisch angepasst ist), aber ab und zu einmal sollte es in Ordnung sein. Besser als gänzlich unsupplementiertes Fleisch ist es alle Male.

        Liebe Grüße
        Miriam

  3. Danke für die Erklärung, mir war nicht klar, dass sich die Kritik an der Regel ausschließlich auf den Phosphorüberschuss bezieht. Ich dachte, es ginge um das Verhältnis an sich und auch nicht nur bei Phosphor-Kalzium, sondern auch bei den anderen Verhätlnissen.

    • Huhu!
      Natürlich sind auch die anderen Verhältnisse und Mengen bei der 20%-Regel nicht unbedingt ausgewogen, das Kalzium-Phosphor-Verhältnis ist dabei jedoch das, was ins Auge springt und als besonders wichtig betrachtet werden kann. Also ist in dem Fall Phosphorüberschuss und Verhältnis wichtig. Durch die Gabe von Kalzium (so wie im Felini Complete beispielsweise) beeinflusst man das Kalzium-Phosphor-Verhältnis ja in eine ausgewogenere Richtung und mäßigt den Phosphorüberschuss zugleich.

      Liebe Grüße
      Miriam

      • Dann habe ich es ja jetzt richtig verstanden, der einzige sinnige Kritikpunkt an der 20% Regel (im Vergleich zum Komplettsupplement)ist der Phophorüberschuss. Die Unausgewogenheit in den anderen Verhältnissen und Mengen, hätte ich ja bei purem Fleisch genauso wie bei Komplettsupplementen, daher kann dies ja nicht der Ausschlag sein, das eine zu akzeptieren und das andere nicht.

        Und nur um das klarzustellen, ich bin kein Verfechter von purem Fleisch ohne alles, ich barfe selbst mit natürlicher Supplementierung. Ich wollte nur verstehen, ob eben auch Fertigsupplemente abzulehnen sind aufgrund der „falschen“ Verhältnisse.

      • Huhu!
        Richtig, bei unsupplementiertem Fleisch hätten wir Phosphorüberschuss und ein verschobenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis (je nach Fleischsorte und Fertigfutter). Im Fall von Fertigsupplementen ist das weitestgehend nicht so – auch da muss man eben auf die Fleischsorten achten. Ich persönlich lehne die Komplettpräparate nicht unbedingt ab, es kommt halt immer drauf an, wie und wie oft man sie einsetzt. Soweit ich mich erinnere, wird auch in den Büchern von Doreen nicht komplett davon abgeraten.

        Wie immer ist halt die Abwechslung und ein wenig Mitdenken hier Pflicht.

        Liebe Grüße
        Miriam

    • Hi!
      Also bei mir in der Gruppe wird in der Regel dazu geraten, Komplettsupplemente nur maximal ein halben Jahr lang als einziges Futter zu füttern. Wer es länger füttern will, sollte wenigstens verschiedene Fertigsupplemente benutzen, um eventuelle Mängel der einen Marke mit den Vorzügen der anderen auszugleichen. Ich selbst füttere einige Rezepte nach Frankenprey, einige mit Suppies und auch ein paar mit Komplettsupplementen. Ich sage immer, Abwechslung ist alles, so kann es nie besonders lange zu einer Über- oder Unterversorgung kommen.
      Denn darum ging es ja, wenn ich Doreen richtig verstanden habe, auch bei der 20%-Sache. Für den Übergang kann man das durchaus mal machen, aber es wird ja häufig auch Leuten begleitend zur Ernährung mit NaFu geraten und somit z.T. über Jahre hinweg betrieben, und wenn immer die gleiche Verhältnisverschiebung über Jahre hinweg vorliegt, kann das eben schädlich sein.

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