27.April 2014 20:04 Uhr aus unserem Alltag 9

Zu Gast bei den nackten Wilden

- oder: meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Nacktkatzen

Nacktkatze

Lesezeit ca.: 6 Min., 8 Sek.

Während der Vorbereitungsphase für den Gastartikel über Nacktkatzen bot mir meine Namensvetterin Miriam an, mir selbst ein persönliches Bild von ihren Nacktkatzen zu machen. Gestern war es dann so weit und ich durfte die "nackten Wilden" kennen lernen.

Mit Kamera und vielen Fragen bewaffnet machte ich mich also auf den Weg und wurde herzlich – von Miriam und den Katzen – empfangen. Da ein Mädels-Tag (mit DVD-schauen) geplant war, waren wir insgesamt 6 und es war ganz schön Trubel. Die Katzen hat das nicht abgeschreckt – im Gegenteil: so viele Hände, die streicheln, spielen und Leckerchen verteilen können ;)

Nacktkater Bruce spielt mit der Federangel

Ich liebe Katzen, bin Neuem gegenüber aufgeschlossen und erlebe gern erst einmal Alles selbst, bevor ich mir mein Urteil bilde. Das Katzen-begrüßen, Streicheln und Knuddeln kommt bei mir einfach als automatischer Reflex, weswegen ich keine Berührungsängste hatte. Die kleinen "Nacktärschchen" fühlen sich zwar ungewohnt, aber keineswegs unangenehm an. Ein wenig so, als würde man über einen Frauenarm streicheln: leichter Flaum und warme, glatte Haut.

Auch, wenn sie "Nacktkatzen" heißen, sind sie nicht vollkommen unbehaart. An manchen Körperstellen wachsen feine, weiche Härchen und die Verteilung der Haare sieht manchmal recht lustig aus: hier ein Büschelchen am Bauch, dort ein paar Haare an der Seite… Besonders interessant fand ich, dass Kater Darwin eine vollkommen behaarte, dunkle Nase hat. Miriam erklärte mir, dass die Behaarung der Nase charakteristisch für kanadische Sphynx-Katzen sei. Im Gegensatz zu den anderen Nacktkatzen-Rassen wie Don Sphynx und Peterbald, die – wenn sie schon behaarte Nasen haben – gleich im ganzen Gesicht "haarig" wären.

Nacktkater Darwin

Alle Katzen waren sehr neugierig, verschmust, verspielt und freuten sich über die mitgebrachten Leckerchen. Keine von ihnen zeigte irgendeine Scheu und sie ließen sich durch den Besuch nicht verunsichern. So oft ich auch von Vorurteilen lese oder höre, konnte ich ehrlich gesagt keine Unterschiede zu behaarten Katzen finden – Klar, sie haben kein Fell, aber ihr Verhalten und ihre Orientierung waren vollkommen "normal".

Nacktkater Bruce schaut in die Kamera

So haben alle von Miriams Katzen Tasthaare, teilweise in deren Länge recht unterschiedlich. Aber Laufen, Kommunizieren und Springen waren eben nicht behindert. Das durfte ich auch hautnah miterleben :D Beim Hocken auf dem Boden (Stinktiere fotografieren) wurde ich erst einmal als Aussichtsplattform und gemütliche, warme Unterlage missbraucht: Katze Gina hatte mich – wie bereits im Gastartikel angekündigt – als "netten Sitzplatz" auserkoren ;)

Auch beim Spielen miteinander und beim genauen Beobachten fiel direkt auf, dass Mimik und Körpersprache für Nackis kein Problem sind.

Nacktkatzen putzen sich gegenseitig

Mich hat fasziniert, dass man bei allen vier Katzen eine unterschiedliche Hautzeichnung erkennen konnte. Da wird dann wieder deutlich, woher die Fellfarbe bei unseren pelzigen Katzen kommt: von der Haut. Da Nackies eben kein Fell haben, kann man das "Fellmuster", die Zeichnung und die Farben direkt auf der Haut sehen. Torties (oder auch "Glückskatzen" genannt, also dreifarbige Katzen) haben als "Nacktversion" eben auch dreifarbige Haut.

Was auf viele Menschen befremdlich wirkt, war für mich eher interessant: Bei Nacktkatzen sieht man Alles in einer "provokanten" Deutlichkeit: Zitzen (ja, auch Kater haben welche ;) ), Bauchnabel (wer sieht den schon bei Katzen mit Fell?), Po, Geschlechtsteile, Schwanz, Zehe usw. Mir machte das wieder einmal deutlich, wie unsere Katzen mit Fell "unten drunter" aussehen.

Nacktkater Bruce entspannt sich auf Dosis Schoß

Im Übrigen durfte ich auch erleben, dass direkte Sonne und auch Kälte den Katzen scheinbar nichts anhaben. Während wir Mädels uns mittags bei Sonne auf dem Balkon aufhielten und uns abends den Hintern ab froren, witschten die Katzen rein und raus oder ließen sich längere Zeit bei uns nieder. Kater Bruce hat gar eine "exklusive", streifenförmige Bräune im Nacken :D Durch das in-der-Sonne-liegen und die kleinen Fältchen im Nacken konnte die Haut an dieser Stelle nicht gleichmäßig bräunen.

Im Gastartikel machte Miriam deutlich, dass Nacktkatzen eine dickere Haut hätten, die vor Kälte, Sonne, aber auch vor Kratzern schützt: Ich zumindest konnte beim Katzen-Begrabbeln keinen einzigen Kratzer finden, obwohl gerade die beiden jungen Kater sich ordentlich gebalgt haben ;)

Bruce und Darwin liegen übereinander in der Schlafhöhle




Mein Fazit dieses Tages:
Alles in allem war der Tag lustig, fröhlich und gemütlich. Aber auch lehrreich: nicht Jeder darf eine "Nacki" persönlich kennenlernen. Dafür danke ich Miriam recht herzlich und auch den anderen Mädels, die diesen Tag so außergewöhnlich und toll gemacht haben! Für mich selbst kommen "Nackis" zwar nicht in Frage, aber ebenso steht fest, dass die geläufigen Vorurteile aus der Luft gegriffen sind. Wie bei jeder anderen Katzenrasse auch, kann es bei den Nacktkatzen-Rassen Exemplare geben, die so manch Einer als "Qualzucht" im weiteren Sinne einordnet (vollkommen fehlende Tasthaare), die Regel aber sind diese Exemplare scheinbar nicht.

Nacktkatze Gina spielt mit der Federangel


Die gewöhnungsbedürftige Optik ist nicht Jedermanns Geschmack, aber die fehlenden Haare sind für Nacktkatzen keine "Behinderung". Menschen, die beim Anblick von nackten Körperteilen Unbehagen überfällt, sollten sich keine Nacktkatze anschaffen, aber wissen, dass auch diese Tiere "Katzen wie du und ich" sind. Ich persönlich finde sie weder "wunderhübsch", noch "hässlich" – gewöhnungsbedürftig halt. Der Charakter allerdings ist zweifellos liebenswert.

Bruce ist genervt




den Horizont erweitern – Update September 2015

In den letzten eineinhalb Jahren durfte ich noch andere Nacktkatzen von anderen Haltern – teilweise sogar richtig gut – kennenlernen. Diese konnten mich ebenfalls nicht von den Vorurteilen überzeugen. Auch, wenn für mich selbst trotz Allem weiterhin nur Katzen mit Fell in Frage kommen, gibt es unter meinen "Nacktbekanntschaften" durchaus zwei Exemplare, die mir richtig ans Herz gewachsen sind. Da die Beiden von einer lieben Freundin gehalten werden, die ich regelmäßig besuche und mit der ich täglich Kontakt habe, bekomme ich viele Einblicke, die man als Außenstehender sonst nicht bekommt.

Ich kann sagen, dass bisher alle Nacktkatzen, die ich kennengelernt habe, keinerlei Einschränkungen hatten. Sie sind aktive, anhängliche, menschenfreundliche und neugierige Tiere. Keine von ihnen hatte jemals einen Sonnenbrand, wird eingecremt oder mit Pullovern gekleidet, Keine davon friert mehr als Katzen mit Fell. Keine davon hat Probleme mit der Orientierung (in der Nacht) oder beim Klettern – auch nicht jene, die kurze, gekräuselte oder keine Tasthaare haben. Ehrlich gesagt konnte ich noch keine Nacktkatze finden, auf die die oft ausgesprochenen Vorurteile zutreffen – und ich kenne nicht nur eine Handvoll Nackihalter persönlich, sondern habe auch mit mehreren Dutzend losen Kontakt über das Internet.

Die Meisten von ihnen bekommen regelmäßig die Krallen geschnitten und Viele – nicht alle – werden ab und zu gebadet, damit der Hauttalg (= natürliche Sonnencreme und Hautschutz) nicht die Poren verstopft und die Haut unrein wird. Interessanterweise scheint man aber die Intervalle, in denen gebadet werden muss, oft mit hochwertiger Ernährung vergrößern zu können – logisch, auch Fellkatzen haben bessere Haut, wenn gut gefüttert wird.

Ich bin ein Mensch, der gegen pauschale Vorurteile ist. Für mich zeigt sich auch hier wieder, dass nicht alles schlecht oder "abnormal" oder "pervers" sein muss, nur, weil es bei mir keine überbordende Begeisterung auslöst. Auch etwas, das für mich nicht in Frage kommt, muss ich nicht rundheraus ablehnen.

7643 vor einem Monat

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bisher wurden 8 Kommentare zum Artikel geschrieben:

  1. Super geschrieben, und ich kann die Erfahrungen aus meiner Sicht nur bestätigen :-)
    Gequält sieht für mich anders aus ;-)

  2. Toller Artikel :)
    Habe neben meinen Fellis auch eine Nacki und sie ist einfach ein wunderbares Wesen und hat auch die Mutter meines Freundes und meine Familie verzaubert. Auch wenn diese solche Katzen damals gar nicht toll fanden :D

    Grüsse ♥

  3. Hallö,
    Ich persönlich finde Nacktkatzen (und auch Hunde) nicht hässlich :D meine Mutter will sich wenn sie das geld hat noch einen Nackthund kaufen und ich unterstütze sie da voll.

  4. Hallo Miri, ich habe seit einer Woche eine don sphynx 5mon.alt und ein kater.

    Ich habe gemerkt das er unangenehm riecht… ihn schon gebadet aber es hört nicht auf!

    Was stimmt mit ihm nicht?

    Bitte hilf mir….

    Liebe grüße Ricarda mit ihrer don sphynx dakota;)

    • Huhu Ricarda!
      Er riecht unangenehm? Ist das mehr Körpergeruch oder kommt er aus einer bestimmten "Richtung"? Das kann an vielem liegen: Geschlechtsreife, weniger gutes Futter, Zahnprobleme, Erkrankungen an Magen, Darm oder Niere…

      • Hallo miri, danke dir für deine Antwort.
        Also am besten zum Tierarzt gehen…

        Seine haut riecht nicht aber die Bettwäsche. Er pupst auch viel aber der Geruch ist es nicht;)

        Vllt ist er ja schon mit 5mon. Geschlechtsreif!?
        Und es liegt daran…

        Meine zwei anderen Kater haben nie so gerochen oder so einen Duft abgegeben…

        Sollte ich mit 5mon. Noch baby Nahrung füttern?

        LG

      • Huhu Ricarda!
        Kittenfutter braucht keine Katze: vernünftiges Nassfutter und davon so viel, wie er braucht. Dass er mit 5 Monaten geschlechtsreif ist, kann durchaus sein. Normalerweise kastriert man zwischen dem 4ten und 6ten Lebensmonat. Jetzt wäre also ein guter Zeitpunkt ;)

  5. Ab wann kastrieren?
    Jetzt schon?
    LG

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