Veröffentlicht am Dienstag, 25.Februar 2014 um 18:00 Uhr
bearbeitet am 6.November 2014


Veterinär Äskulapstab

Regelmäßiges Impfen – muss das sein?

Das jährliche Impfen gehört bei vielen Katzenhaltern zur Gesundheitsvorsorge. Mittlerweile gibt es jedoch viele kritische Stimmen und abweichende Impfempfehlungen. Oft herrscht Verwirrung und Unsicherheit, da viele Quellen – unter Anderen vielleicht auch der eigene Tierarzt – viele unterschiedliche Aussagen zu Impfungen bei Katzen treffen.

Wichtig ist es, auf die individuelle Situation von Halter und Katze einzugehen und darauf abgestimmte Impfpläne zu erwägen. Nicht jede Katze ist gleich, nicht jede Katze benötigt genauso viele Impfungen wie die Andere. Dieser Artikel soll Fragen rund um Impfungen bei Katzen beantworten.

Warum überhaupt impfen? Wie zuverlässig sind Impfungen?

Mit der Impfung wird der entsprechende Virus entweder geschwächt (Lebendimpfung) oder komplett abgetötet (Totimpfung) in die Katze eingebracht. Dadurch soll eine Abwehrreaktion des Körpers hervorgerufen und ein sogenanntes "Immungedächtnis" erzeugt werden: wird der gleiche Virus später noch einmal vom Körper der Katze erkannt, wird dieser ebenso als "Eindringling" eingestuft und entsprechend bekämpft.

Die Wirksamkeit einer solchen Impfung ist je nach Impfstoff unterschiedlich. Nicht jeder Virus bleibt über Jahre hinweg unverändert und kann so vom Körper nicht so gut erkannt werden. Ebenso sind an manchen Erkrankungen mehrere Viren und Krankheitserreger beteiligt – so zum Beispiel am Katzenschnupfen-Komplex. Bei solchen Erkrankungen bietet die Impfung keinen garantierten Schutz vor Ansteckung.

Oft ist jedoch der Krankheitsverlauf bei geimpften Tieren weniger akut und die Krankheit klingt schneller und mit weniger Folgeschäden ab.

Wie lange hält die Immunisierung durch eine Impfung?

Die Wirkdauer von Impfungen sind ein Thema für sich. Es gibt Studien, die die Wirkdauer auf – je nach Impfstoff – 3 bis 8 Jahre beziffern. Allerdings sind diese Erkenntnisse umstritten. Die Hersteller der Impfseren geben – vorsichtshalber – einen Impfintervall von einem Jahr an. Und viele Tierärzte unterstützen das und geben es so an ihre Klienten weiter. Dazu muss gesagt sein, dass diese Ein-Jahres-Spanne keineswegs die tatsächliche Wirkdauer beziffert! – Die Hersteller sind vom Gesetzgeber nur nicht verpflichtet, die Wirksamkeit länger als diesen Zeitraum zu testen. Und sie scheinen es auch nicht zu tun. Wirklich abgesicherte Kenntnisse über die Wirkdauer von Impfseren gibt es also nicht.

Wie sicher sind Impfungen? Welche Impfreaktionen und -schäden gibt es?

Als Impfreaktionen werden jene Krankheitssymptome bezeichnet, die direkt – nach Stunden oder Tagen – nach der Impfung auftreten und innerhalb kürzerer Zeit verschwinden. Dazu zählen beispielsweise Empfindlichkeit an der Impfstelle, Appetitlosigkeit, Fieber und allergische Reaktionen. Auch Symptome der Krankheit gegen die geimpft worden ist können abgeschwächt auftreten.

Als Impfschäden werden solche Reaktionen bezeichnet, die längerfristiger und schwerwiegender sind. Sie können von Lahmheit, Blindheit über Epilepsie, Nervenschäden und Krebs an der Impfstelle (Impf- oder Spritzensarkom) reichen. Von Impfherstellern, Tierärzten und nicht-betroffenen Katzenhaltern werden diese Impfreaktionen und deren Zusammenhang mit Impfungen oft klein geredet. Betroffene Halter jedoch sind sich über den Zusammenhang sicher.

Welche Katzen sollten regelmäßig geimpft werden?

Katzen, die einem größeren Infektionsdruck ausgesetzt sind sollten öfter und regelmäßiger geimpft werden. Dies kann unter Umständen auf Katzen im Züchterhaushalt, Freigänger und Tierheim-Katzen zutreffen.

In welchen Abständen sollte geimpft werden? Was sollte geimpft werden?

Diese Entscheidung hängt allein von den Lebensumständen und der Gesundheit der Katze ab. Im Allgemeinen wird bei Wohnungskatzen zu einer Grundimmunisierung (8. bis 10. Lebenswoche und 12. bis 16 Lebenswoche) und anschließender Auffrischungsimpfung im Alter von einem Jahr geraten. Darüber hinaus empfehlen manche Stellen die Auffrischung alle drei Jahre, andere Stellen raten dazu, die Katze nicht mehr impfen zu lassen. Auch bei Freigängern wird oft Ähnliches empfohlen.

Die Impfung gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche sollte bei jeder Katze durchgeführt werden. Optional sind Impfungen gegen Tollwut und den felinen Leukämie-Virus (FelV). Diese machen unter Umständen für Freigänger-Katzen durchaus Sinn, für reine Wohnungskatzen jedoch weniger. Impfungen gegen FIP (feline infektiöse Peritonitis) sind derzeit generell noch zu umstritten. als dass hier allgemeine Impfempfehlungen für eine solche Impfung sprechen. Die meisten Quellen halten sie für unnötig.

Viele Katzenzüchter sind mittlerweile dazu übergegangen, ihre Kitten erst in einem Alter ab 12 Wochen das erste Mal zu impfen. Neuere Untersuchungen zur Antikörperkonzentration haben gezeigt, dass der natürliche Immunschutz durch die Muttermilch die Wirksamkeit von Impfungen behindern kann.

Welche Katzen sollten besser nicht mehr geimpft werden?

Katzen, welche auf vorherige Impfungen ungewöhnlich heftig reagiert haben und alte Katzen (ab 8-10 Jahre) sollten nach Aussagen vieler Quellen gar nicht mehr geimpft werden. Hierbei spielt die "Nachteil-Nutzen-Abwägung" eine große Rolle.

Auf was muss ich bei/vor der Impfung achten?

Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Katze zum Zeitpunkt der Impfung völlig gesund und parasitenfrei ist! Eine Impfung ist auch immer ein kleiner "Krieg" im Katzenkörper: gesunde, immunstarke Tiere kommen damit am besten zurecht. Genau so wichtig ist es aber auch, dass die Katze in die Hinterbeine/Oberschenkel oder den Schwanz statt in den Nacken geimpft wird: treten wider Erwarten doch einmal Impfschäden wie Impfsarkome auf, kann und sollte die entsprechende Stelle amputiert werden.


Weiterführende Infos:

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  1. Sehr interessant!!

  2. Dein Artikel verstärkt meine bisherige Meinung, die ich mir selber durch viele Infos gebildet habe. Also, unnötige Impfungen sollten vermieden werden.
    Dennoch bin ich etwas unsicher. Am Samstag wird unser Kitten (BKH, 12 Wochen) bei uns einziehen. Wir sind schon gut vorbereitet. Der kleine ist dann lt. Züchterin 2 x gegen Katzenschnupfen und 2 x gegen Katzenseuche geimpft.
    Da es eine reine Wohnungskatze ist, stellt sich mir nun die Frage, wann ich wieder zum Impfen gehen soll.????? Oder nicht mehr Impfen?
    Wie machst Du es?

    Das Wichtigste noch: Dein Blog ist der Hammer!!!!! Es gibt nix informativeres im www!

    • Huhu Ela,
      vielen lieben Dank für dein großes Lob!
      Das Thema „Impfungen“ ist sehr kontrovers und hier Ratschläge zu geben finde ich persönlich recht grenzwertig. Ich kann sagen, wie offizielle Empfehlungen sind, welche möglichen Nebenwirkungen es gibt und was man bereits untersucht hat, aber alles darüber hinaus ist – denke ich – individuelle Einstellungssache. Jeder Dosi muss allein damit leben, wenn von wenig-impfen oder zuviel-impfen möglicherweise Schaden bei seinem Tier entsteht, deshalb bin ich da etwas zurückhaltend. Die offiziellen Empfehlungen zu Impfungen und noch ein wenig mehr (eben Untersuchungen usw.) – und auch entsprechende Quellen – findest du auf unserer Infoseite im Bereich „Impfungen„. Ich nehme an, dass du auch nach der Lektüre noch nicht ganz sicher sein wirst: das liegt einfach daran, dass es hier kein „richtig“ oder „falsch“ geben kann – zu Vieles ist unerforscht, zu Vieles wird reißerisch verbreitet. Man kann sich nur informieren und sich für sich selbst ein Bild machen.

      Meine Tiere sind grundimmunisiert gegen Schnupfen und Seuche (8.+12. Woche und Booster nach einem Jahr) – mehr nicht. Sie sind Wohnungskatzen und hatten noch nie Probleme – selbst dann nicht, als uns der Katzenschnupfen eingeschleppt wurde. Ob ich das Jedem so empfehlen würde: Jein, kommt drauf an ;) Dir würde ich aber empfehlen, zumindest den Booster mit einem Jahr noch zu geben, erst dann ist die Grundimmunisierung richtig abgeschlossen. Ob und wann du dann später noch mal impfen lässt, musst ganz allein du entscheiden.

      Liebe Grüße
      Miriam

  3. Habe 2 SamtpfotenLilly u Garfield und gehe regelmäßig alle 18 Monate mit beiden zum TA um sie gegen Katzenschnupfen sowie Katzenseuche impfen zu lassen, denn laut meinem TA hält eine Impfung mit den neuen Impfstoffen 1,5 Jahre vor. Lilly(12 Jahre) bekam ich im Alter von 15 Monaten u Garfield(7 Jahre) ist seit dem Alter von 12 Wochen bei mir. Beide sind Hauskatzen.

    • Huhu Jörg,
      eine Wirkdauer von 1,5 Jahren wäre mir ganz neu. Hast du dir mal den Beilagezettel zeigen lassen bzw. mal selbst geschaut? Es gibt seit einigen Jahren offizielle Empfehlungen zu Impfungen – die leider aber noch nicht allen Tierärzten bekannt sind – und die Auffrischungen (je nach Impfung) auf 2-3 Jahre beziffern. Ich glaub, da solltest du dich nochmal unabhängig von den Aussagen deines Tierarztes schlau machen.

      Liebe Grüße
      Miriam

  4. War gerade heute mit meinen Samtpfoten zum impfen. Beide bekommen das Präparat Virbagen felis RCP. Hab mir mal die Medikamentenbeschreibung besorgt: http://portal.dimdi.de/amispb/doc/pei/Web/2603506-palde-20121001.pdf
    Wiederholungsimpfung alle 1-2 Jahre. Also liege ich mit 1,5 Jahren doch nicht verkehrt… Nur für die Tollwutimpfung ist Auffrischung alle 2-3 Jahre notwendig, jedoch da meine beiden ja Wohnungskatzen sind hab ich auf die Tollwutimpfung verzichtet.

    • Huhu Jörg,
      auch für die Impfung gegen Seuche und Schnupfen reichen Auffrischungen im Abstand von 2-3 Jahren. Schau mal in die Impfempfehlungen des Bundesverbands praktizierender Tierärzte. Hersteller schreiben einen gewissen Zeitraum in ihrem Beipackzettel, der aber längst nichts über die tatsächliche Wirkdauer aussagt. Das ist ein sehr komplexes Thema, auf Tierärzte und Hersteller sollte man sich da als letztes verlassen.

      Liebe Grüße
      Miriam

  5. Huhu liebe Miriam,
    erstens sehr guter und interessanter Artikel….Ich halte seit ca.20 Jahren Katzen und habe bis auf die übliche Standard-Impfung im Welpenalter nie geimpft…Zum einen weil ich bis heute der Meinung bin das es nur dem Tierarzt und der Pharmaindustrie was bring (volle Geldbeutel) und zum anderen konnte mir bis heute nicht mal der TA sagen was da genau drin ist in so einer Impfung.
    Ja meine Katzen waren immer Freigänger und sind , so wie ich es mit dem Impfen handhabe bis zu 24 Jahre alt geworden… Ein sehr gutes Buch ist auch zu dem Thema „Impfen- das Geschäft mit der Angst“ bezieht sich zwar auf Menschen aber ist trozdem empfehlenswert. Ivh werde es weiter wie bisher handhaben und hoffe du auch mit der Seite,die ich weiterempfehle und auch weiter besuchen werde…
    Alles,alles liebe aus Münster und ganz lieben Gruß an deine Tiger

  6. Hallo,
    Guter Artikel! Was ich nicht wußte, dass åltere Katzen nicht mehr geimpft werden sollten. Meine sind 8 und ich habe sie in den ersten 4jahren impfen lassen.
    Vielleicht möchten die Tierärzte auch einfach verdienen, ich habe noch keinen erlebt, der sich kritisch geäußert hat und schon garnicht über die Risiken informiert hat. Wirklich gelungener Artikel! Allerdings hätte ich mich total verrückt gemacht, wenn ich das Jahre früher gesüßt hätte!.

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