Veröffentlicht: 31.Januar 2014 um 18:00 Uhr - vor über einem Jahr aktualisiert

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Buch „Katzen barfen leicht gemacht“ von Ines Adam

Buch Katzen barfen leicht gemacht

Dieser Testbericht wurde zum letzten Mal vor mehr als einem Jahr bearbeitet. Der Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Es gibt leider nur wenige Bücher über die Rohernährung von Katzen – auch Barf genannt. Eines dieser Bücher erhielt ich als Geschenk und möchte es euch heute vorstellen. Da ich grundsätzlich neugierig bin und der Titel viel verspricht, war ich sehr gespannt auf den Inhalt dieses Buches. Oft wird das Barfen von Katzen als kompliziert beschrieben und viele Dosis scheuen sich deshalb vor dem Schritt der Umstellung.

Zwar weiss ich schon sehr viel über die Rohernährung von Katzen, jedoch weiss ich auch, dass es nicht unbedingt einfach ist und einige Grundlagen beherrscht sein wollen. Ein Buch, das verspricht die Rohernährung von Katzen einfach zu machen musste ich also lesen – vielleicht hätte ich ja noch was lernen können.

Infos zum Buch:
Titel: "Katzen barfen leicht gemacht"
Autorin: Ines Adam
Verlag: Pro Business GmbH – Book on Demand
Preis: 14,90€
ISBN: 978-3-86386-197-1
Seitenzahlen: 53 Seiten

Inhalt und Aufmachung

Das 53-seitige Buch – vielmehr Heftchen – ist leider sehr lieblos gestaltet. Die DIN A5-formatigen Seiten bestehen aus großer, dünner schwarzer Schrift auf reinweißem Hintergrund. Überschriften und Hervorhebungen sind ebenfalls in schwarz: Überschriften sind lediglich dünn unterstrichen, Hervorhebungen fett gedruckt. Das Heft kommt mit 12 qualitativ weniger ansprechenden Farbfotos und insgesamt 5 Tabellen aus.

Nach dem zweiseitigen Vorwort kommt die Autorin gleich zur Sache: Eine kurze Einleitung beschreibt die Inhalte von industriell hergestelltem Futter. Auf den folgenden Seiten wird beschrieben, was die Katze braucht, welche Nährstoffe für die Katze wichtig sind und welche Bestandteile sich zur Rohfütterung von Katzen eignen: So wird auf Fleischsorten, Fettquellen und Ballaststoffe eingegangen.

Die nächsten Abschnitte befassen sich mit der Verfütterung von Fisch, dem Kalzium-Phosphor-Verhältnis und der Knochenfütterung. Empfehlenswerte Zusätze werden angesprochen und eine Tabelle vergleicht den Nährstoffbedarf der Katze mit den Gehalten von Puten- und Hühnerfleisch, sowie Rinderhack. Es werden fertige Supplement-mischungen angesprochen und Vorschläge zu Wochenrezepten gegeben.

Sollte der eigenen Miez eine Zutat der Rezepte nicht gefallen, so werden auch alternative Rezeptbestandteile angegeben. Tipps zur Umstellung auf Barf finden sich neben einem kurzen Exkurs zur Unsitte des Fütterns fremder Katzen ebenso. Die speziellen Anforderungen an die Ernährung kranker Katzen (Nierenerkrankungen, Harnsteine, Diabetes) und während verschiedener Lebensphasen werden ebenfalls kurz angerissen.

Auf den letzten vier Seiten findet der Leser Links zu weiteren Infos, Bezugsquellen und das kurze Stichwortverzeichnis. Natürlich darf auch eine ganze Seite Werbung für ein weiteres Buch der Autorin nicht fehlen. Damit sind alle 53 Seiten dank ausgedehnt großer Schrift und platzfüllenden Farbfotos schon voll.

Was mir an diesem Buch gefällt

Das Heft gibt grundlegende Infos zum Barfen und warnt vor allzu groben Schnitzern wie dem Verfüttern erhitzer Knochen. Die kurzen Erläuterungen zur Ernährung bei Krankheiten sind einfach gehalten und gut verständlich. Verbote in der Katzenernährung wie rein vegetarische oder gar vegane Kost sowie ätherische Öle (Kräuter) und das Verfüttern von Schweinefleisch/Wildschweinfleisch sind kurz und einprägsam formuliert.

Die Aussage, dass Proteine bei Nierenerkrankungen besonders leicht verdaulich und hochwertig sein sollten und nicht in der Menge verringert werden sollten, wie es bei speziellen industriell hergestellten Diätfuttermitteln der Fall ist, ist zu begrüßen. Ebenfalls gefreut habe ich mich über die Tatsache, dass die Autorin den Katerbauch nach der Kastration als normal bezeichnet und betont, dass es sich dabei nicht um Übergewicht handelt. Vielen Katzenhaltern ist beides leider heute noch nicht klar.

Was mir an diesem Buch nicht gefällt

Die Aufmachung des Buches ist mehr als nüchtern und zudem wenig ansprechend: die Farbwahl (schwarze, dünne Schrift auf glänzendem. reinweißem Hintergund) macht das Lesen von Texten unnötig schwer und anstrengend. Da das Heftchen jedoch nur aus 53 großbeschriebenen Seiten besteht, kommt der Leser gar nicht erst in die Situation, dass das Lesen ermüdend wäre: nach einer Dreiviertelstunde des Lesens ist man auch schon "erlöst".

Es gibt weder ein Inhaltsverzeichnis, noch eine logische Gliederung oder Formatierung: das Buch besteht aus zusammenhanglosen Textabschnitten – ein liebloses Chaos ohne roten Faden. Der Inhalt ist leider ebenso oberflächlich wie unvollständig. Die Autorin leistet sich grobe Patzer in der Erklärung, vergisst wichtige Dinge und streut stattdessen völlig unpassende Inhalte ein.

Direkt der erste Abschnitt nach dem Vorwort befasst sich mit Inhaltsstoffen von Fertigfutter – meiner Meinung nach für ein Barf-Heft überflüssig. Weiter gehts mit dem ersten groben Patzer, der mich nur amüsiert schmunzeln ließ: die Autorin behauptet, in den meisten Dosenfuttern wäre nur 4% Fleisch enthalten. Ein Irrglaube, dem sonst nur uninformierte Menschen aufsitzen.

Die Tabelle zum Nährwertbedarf ist laut Aussagen der Autorin aus Mittelwerten verschiedenster Empfehlungen zusammengestellt – welche Empfehlungen das sind, wird verschwiegen: das ist natürlich ideal zum Vergleichen! Es wird angegeben, dass sich die Werte auf 1 Kg Trockenmasse des Futters beziehen, was Trockenmasse ist und wie sie errechnet wird, wird ebenfalls nicht angesprochen – Barfen soll ja leicht sein ;)

Der Abschnitt "Wieviel Fett darf sein?" gibt Auskunft über mögliche Fettquellen, nicht aber – wie sinnig – eine Auskunft über das "wieviel". Der selbe Abschnitt wirft Lachsöl direkt mal als Fettquelle ins Rennen. Tatsächlich dient es zum Ausgleich der Fettsäuren und ist keine Fettquelle. Hier wird Sahne als Mittel bei zu hartem Kot angepriesen – schön, dass die Autorin eine Seite später erklärt, dass Katzen davon Durchfall bekommen – ja, der Output kommt dann wohl schneller als erwartet *kopfschüttel*. Hier hätte sich der Rat zu Ballaststoffen wie Möhren empfohlen, aber der wird nicht gegeben.

Im Abschnitt über das Verfüttern von Fisch werden "interessante" Tipps gegeben, aber viel wichtigere vergessen. Die Autorin warnt vor einer "Fischvergiftung" und rät dazu, Fisch vorsichtshalber nur gegart anzubieten. Ganz vergessen wird die "Thiaminase-Problematik", bei der in bestimmten Fischsorten enthaltene Enzyme die Aufnahme des B1-Vitamins hemmen und so langfristig zu Mangelerscheinungen führen können. Das soll der Leser wohl selbst herausfinden – die Autorin wollte Barf ja "einfach" machen.

Ein wunderlicher Abschnitt ist der über das Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Es wird davon gesprochen, dass sich diese beiden Nährstoffe gegenseitig beeinflussen: ist von einem zuviel oder zuwenig, wird das Andere vom Katzenkörper nicht vollständig aufgenommen und verwertet. Es wird betont, wie wichtig das richtige Verhältnis ist – ohne jedoch das Zahlenverhältnis anzugeben. Stattdessen wird erklärt, dass die Verfütterung von Knochen alles in richtigem Maße "in die Katz" bringen würde. Statt Knochen könne man auch Eierschalenmehl oder Kalziumpulver geben – wieviel von was wird nicht erklärt.

Direkt weiter gehts mit dem Abschnitt über empfehlenswerte Zusätze, wo das Lachsöl wiederrum als Fettquelle angegeben wird und Taurin als sauer/bitter beschrieben wird, weshalb es besser mit warmen Wasser vermischt werden sollte. Dass unverdünntes Taurin ätzend/reizend ist wird – hupps – nicht erwähnt, das Vermischen mit Wasser nur als "empfehlenswert" angegeben. So ein extrem grober Schnitzer darf in einem solchen Buch einfach nicht passieren!

Zum Feuchtigkeitsgehalt der Barf-Mahlzeiten wird nichts geschrieben, stattdessen soll frisches Trinkwasser – am besten ein Trinkbrunnen, dessen Bezugsquelle auf den hinteren Seiten angegeben ist – angeboten werden. Der Abschnitt, der erklärt, dass ätherische Öle für Katzen tödlich sein können, hätte sich die Autorin sparen können. Diese Wirkung wurde im vorherigen Abschnitt zu Kräutern bereits erwähnt.

Zu den angegebenen Wochenrezepten nur kurz: Lachsöl wird wieder mal als Fettquelle benannt, eine Zugabe wird nur 2mal in der Woche angegeben. Es fehlt jegliches Blut, Weizenkeimöl als pflanzliches Öl wird empfohlen, Leber als Vitamin-A-Quelle völlig vernachlässigt und die Taurinmengen werden nur als Teile von Messlöffeln (20g, 50g, 100g, 1000mg?) angegeben.

Der Einschub über das Füttern fremder Katzen ist hier völlig fehl am Platz und nimmt nur Platz weg. Die Aussage "Katzen können ohne Schaden zu nehmen sehr hartnäckig fasten […]" (Seite 40) ist der nächste grobe Schnitzer, der mich fast zum Ausrasten gebracht hat. Nein, Katzen dürfen und sollten nicht fasten! Schon gar nicht länger als 24 Stunden, denn es kann sich eine nicht heilbare krankhafte Veränderung der Leber (Fettleber oder auch "hepatische Lipidose") entwickeln!



Fazit für mich:
Geldverschwendung! Lieblos, unvollständig, nicht durchdacht und verwirrend. Das Buch beschreibt das Barfen von Katzen als "einfach". Wenn man viele dringend wichtige Infos weglässt und grundlegende Zusammenhänge nicht erklärt, kann es einfach sein. Leider führt es auch dazu, dass sich viele Dosis unüberlegt und nicht genug informiert einfach "ins Abenteuer werfen".
Mich als informierte Dosi hat das Buch sprachlos zurückgelassen. Sprachlos, weil Vieles vergessen wurde, so Manches verdreht und ich es einfach als Frechheit empfinde, so eine qualitativ und quantitativ schlechte Info-Broschüre (denn mehr ist es nicht) für echtes Geld an die Leser zu bringen.

Es macht mir den Anschein, als hätte sich die Autorin 2 Stunden an das Textverarbeitungsprogramm "Word 95" gesetzt, ein paar einfache Texte stichwortartig heruntergeschrieben und zum Schluss noch ein paar alte Bilder von der eigenen Festplatte hineinkopiert: fertig ist das Buch! – Ja, da hat es sich die Autorin tatsächlich "einfach" gemacht!

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