Veröffentlicht: 11.Oktober 2013 um 19:30 Uhr - vor 8 Monaten aktualisiert

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Von der Schwierigkeit Kitten zu vermitteln

schwarzes Kitten leckt sich das Maul

Ich versuche auch anderen Katzenhaltern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. So auch in diesem Fall. "Dank" dem Rat ihrer Tierärztin ("Nein, Kater muss man nicht vor dem ersten Lebensjahr kastrieren. Auch nicht, wenn geschlechtsreife Katzen in der Nähe sind, in dem Alter sind sie ja noch gar nicht potent" – Na, danke auch!) hat meine Bekannte nun 5 kleine Kitten zuhaus rumwuseln.

Da sie schon allein mit der Aufzucht und der Haltung vollkommen überfordert ist und zudem noch kaum Ahnung von der Vermittlung von Kitten hat, habe ich mich angeboten, die Kitten zu vermitteln.

Jeder, der hier und auf meiner Infoseite aufmerksam mitgelesen hat, weiss, was ich von unseriösen Verkäufern und ihrer Einstellung zum Kittenverkauf halte. Also war klar, dass ich alles mir Mögliche tue, damit die Kleinen in ein artgerechtes, verantwortungsbewusstes neues Zuhause ziehen können. Dass sich die Suche nach einem solchen Zuhause fast als unmögliches Ziel herausstellen sollte, wird mir in den letzten Wochen immer mehr bewusst.

Die Anzeige ist derart gestaltet, dass Jedem – der aufmerksam liest – klar wird, dass die kleinen Monster nicht vor der 12. Woche und nur zu zweit oder zu anderen Kitten vermittelt werden. Auch, dass man die Kleinen ohne vorherigen Besuchstermin nicht wie einen Fernseher aus der Ferne reservieren kann, ist – aufgrund mancher Anfragen – noch hinzugefügt worden. Trotz allem bestehen Anfragen in fast allen Fällen aus "Interessenten", die die Kitten früher, alleine oder zu ihren erwachsenen Katzen (in ganz schlimmen Fällen sogar zu Katzenomis und -opis) dazu holen möchten.

Anfragen, die direkt nach einem einzelnen Kitten fragen, beantworte ich höflich und frage nach dem Alter des bereits vorhandenen Kittens (wir erinnern uns: in der Anzeige steht "nicht in Einzelhaltung, nur zu anderen Kitten"). In 19 von 20 Fällen bekomme ich darauf nie wieder eine Nachricht vom betreffenden Interessenten. In den restlichen Fällen erklärt man mir, dass die eigene 8jährige Katze ja noch total verspielt sei und einen Spielkameraden brauche. Wenn ich dann erkläre, warum die Vergesellschaftung eines Kittens zu so einem alten Tier nicht ratsam ist, höre ich ebenfalls nichts mehr.

Manche Interessenten scheinen die allgemeinen Regeln der Höflichkeit gar überhaupt nicht zu kennen: Kein "Hallo", keine Verabschiedung, kein Name angegeben. Stattdessen werden mir teils unlesbare, teils patzige, teils unverständliche Einzeiler im Telegrammstil entgegen geschmissen. Ich frage mich manchmal, ob das daran liegt, dass die Leute es gewohnt sind, im "virtuellen Raum" nicht mehr Zeichen zu schreiben als nötig – irgendwann mal gab es ja so eine Erfindung, die nannte sich "SMS", da musste man für den Versand mehr zahlen, wenn eine gewisse Zeichenanzahl überschritten war – oder ob sie generell einfach nur unhöflich sind.

Mir gruselt es vor solchen Anfragen und ich denke, manche Leute vergessen einfach, dass am anderen Ende der Leitung auch ein Mensch sitzt. Ein Mensch, der sich Gedanken um die Vermittlung und das neue Zuhause von fünf kleinen, schutzbedürftigen Lebewesen macht. Ein Mensch, dem es nicht scheissegal ist, wo die Kleinen einmal hinkommen (auch, wenn es nicht meine eigenen sind) und der nicht nur auf das schnelle Geld und "Hauptsache:weg!" aus ist. Solche "Verkäufer" gibt es ja zuhauf.

Vielleicht ist auch deshalb das Benehmen und die Vorstellung mancher Interessenten derart "ungenügend". Mit dem Gedanken im Hinterkopf "Die muss die ja eh verschachern, da ist es doch egal, ob ich nen guten Eindruck mache" reicht eben auch der Telegrammstil…

Ich jedenfalls warte noch auf den "Silberstreif am Horizont" und versuche, positiv zu denken. Für alle, die sich jetzt fragen, warum und weshalb kein Kitten in Einzelhaltung oder zu erwachsenen Katzen, möchte ich noch ein paar Punkte ausführen:

Warum kein Kitten in Einzelhaltung?

Katzen sind keine Einzelgänger, dies ist schon vor Jahrzehnten (genauer gesagt 1979) durch Studien herausgefunden und auch öffentlich zugänglich bekannt gemacht worden. Bei vielen Menschen scheint dies aber auch heute – im Internetzeitalter, wo man sich über alles, nur eben nicht Katzenhaltung schlau macht – noch nicht angekommen zu sein. Einzelkatzen leiden unter Einsamkeit, fehlender kätzischer Kommunikation und oft einer Menge Frust. Verhaltensprobleme wie Depression, Unsauberkeit, Zerstörungswut und Aggression sind oft die Folge von Einzelhaltung. Der Großteil der Katzen ist ohne Artgenosse mehr als unglücklich. Manche Katze zeigt dies sehr deutlich, mache leidet still in sich hinein – wie bequem für Dosi.

Kitten, die den Umgang mit Mutterkatze und Geschwistern gewohnt sind in Einzelhaltung zu zwängen, "rächt" sich oft schon sehr früh und ausgeprägt durch schmerzhafte und lästige Macken: Hände und Füße von Dosi werden zerbissen und zerkratzt, die ganze Wohnung wird im Eifer umdekoriert, das Kitten schreit nachts, weil es Einsamkeit nicht gewohnt ist usw. Viele Katzenhalter sind bei solchem Verhalten erbost oder glauben, das eigene Kitten hätte einen "Knall" oder zeige diese Verhaltensweise gar aus "purer böser Absicht".

Warum kein einzelnes Kitten zu erwachsenen Katzen?

Kitten sind klein, zart und zerbrechlich. Die Zusammenführung von Katzen geht mitunter recht brutal zu: Schläge, Bisse und Raufereien können und werden in den meisten Fällen vorkommen. Ein Kitten, dass sich in so einem Fall gegen ein ausgewachsenes Tier wehren soll, ist mehr als benachteiligt. Es kann sich nicht wehren, wird ernsthaft verletzt (nein, einen "Welpenschutz" gibt es bei Katzen nicht!) und könnte im schlimmsten Fall total verstört reagieren.

Zudem kommt, dass Kitten naturgemäß neugierig, voller Energie und Dummheiten stecken. Die erwachsene Katze ist aber in der Regel ruhiger. Werden die Spielaufforderungen von dem kleinen Wirbelwind "Kitten" zu zahlreich, zu nervig und lästig, gibts auch mal kräftig eins auf den Deckel: die erwachsene Katze hat einfach in der Regel keine Lust, so oft zu spielen. Egal, wie verspielt sie ist.

Das Ende vom Lied: Erwachsene Katze dauergenervt und total überfordert, Kitten unterfordert und aufgedreht, beide Katzen und Dosi unglücklich. Im schlimmsten Fall wird das Kleine bei Annäherung derart verprügelt, dass es sich fortan gar nicht mehr an die große Katze herantraut. Oder aber die erwachsene Katze zieht sich zurück und lebt zukünftig abgeschottet auf dem Schrank, unterm Bett oder nur in einem Zimmer. Voila: so entstehen ernsthafte Verhaltensstörungen Teil 2.

Warum kein einzelnes Kitten zu alten Katzen?

Die alte Katze möchte in der Regel nur noch ihre Ruhe. Vereinzelte Spielzeiten sind den Herrschaften genehm, aber bitte mehr auch nicht. Auch alte Katzen, die sich noch gut gehalten haben, sollte man kein einzelnes Kitten vorsetzen. Probleme wie oben beschrieben sind bei junggebliebenen Senioren genauso zu erwarten wie bei erwachsenen (nicht alten) Katzen.

Warum Kitten nicht über das Internet reservieren?

Bei Onlinekaufhäusern, im Katalog und bei Auktionshäusern ist das üblich: man zahlt oder reserviert, bevor man die "Ware" gesehen und kennengelernt hat: man hat ja in aller Regel auch immer noch ein Widerrufsrecht. Da aber bei der "Ware Kitten" beide Seiten einverstanden sein müssen, sollten Katzen und Kitten nicht ohne vorheriges Kennenlernen reserviert oder angezahlt oder verkauft werden. Was ist denn, wenn die/der neue Dosi findet, die Katze passt optisch oder charakterlich nicht? Was ist, wenn das Kitten die neuen Dosis doof findet?
Kitten sind Lebewesen, die nach ihrem Charakter – nicht vorrangig nach ihrem Aussehen – ausgesucht werden sollten. Wer sich schon beim Kennenlernen partout nicht versteht, wird es im späteren Zusammenleben sehr schwer haben.

Zudem muss natürlich auch der Vermittler der Kitten die Interessenten einschätzen können. "Ist dieser Mensch gut genug für meine Kitten? Werden sie es dort gut haben?" kann man nicht mal eben übers Telefon oder zwei E-Mails einschätzen.

Wer immer noch nicht genug zu diesen Themen gelesen hat, kann auf unserer Infoseite in den Bereichen
"Auswahl der „richtigen“ Katze", "Einzelhaltung?!", "wie suche ich eine passende Zweitkatze aus?", "Eingewöhnung / Zusammenführung" und "häufige Fehler in der Katzenhaltung" mehr finden.

Jetzt gönne ich mir einen Beruhigungstee und wünsche euch allen ein ruhiges Wochenende.

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