Veröffentlicht: 17.September 2013 um 10:30 Uhr - vor 7 Monaten aktualisiert

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Sind Altkleidersammler wirklich Katzenfänger? – Teil 3/6

Die ersten beiden Teile dieses Themas befassen sich mit dem Mythos "Altkleidersammler als Katzenfänger". In diesen beiden Teilen wurde bereits erklärt, woher diese Gerüchte kommen und welcher Wahrheitsgehalt wirklich dahinter steckt. Auch die wahren Gründe, warum Katzen verschwinden, wurden erklärt.

Doch wie schütze ich mich davor, dass meine Katze eines Tages auf-nimmerwiedersehen verschwindet? Was kann ich tun, um das Risiko, dass die eigene Katze plötzlich nicht mehr nach Haus kommt, zu minimieren? Was tue ich, wenn meine Katze verschwindet? Wie suche ich meine verschwundene Katze richtig bzw. am effektivsten?

Zuerst einmal bleibt zu sagen, dass jeder Katze, die Freigang genießt, irgendwann einmal in ihrem Leben etwas passieren kann, was dazu führt, dass sie zu Tode kommt, nicht mehr nach Haus kommt oder sich verirrt. Das gehört zum Freigang dazu. Er ist einer der tollsten Erfahrungen, die eine Katze machen kann, allerdings leider auch oft gefährlich. Nichtsdestotrotz gibt es einige Punkte, die man als Dosi beachten kann, um vermeidbare Gefahren und Gefahrensituationen zu verringern.

Was kann ich tun, damit meine Katze nicht verschwindet? Wie kann ich das Risiko minimieren?

Es ist wichtig, Katzen erst dann Freigang zu gewähren, wenn sie alt genug, kastriert, geimpft und gekennzeichnet sind. Zudem sollten sie eine Eingewöhnungszeit von etwa 4-6 Wochen in ihrem neuen Zuhause gehabt haben, um sich an ihre Umgebung zu gewöhnen, bevor sie nach draußen entlassen werden.

richtiges Alter für den Freigang

Katzen sind mit etwa 9-12 Monaten so weit, Gefahren richtig einzuschätzen und ihnen mit Respekt zu begegnen. Jüngere Katzen sind noch zu neugierig und verspielt, um sich draußen zurecht zu finden. Zudem sind sie im Alter von etwa einem Jahr auch kräftig und ausgewachsen genug, um sich gegen kätzische Rivalen zu verteidigen.

Freigänger kastrieren lassen!

Unkastrierte Katzen streifen auf der Suche nach Sexualpartnern sehr weit, überqueren Straßen und begeben sich "vernebelt vom Hormonüberschuss" unbedacht in Gefahren. Ausserdem sind besonders sie durch heftige Rangkämpfe und Deckakte der Gefahr ausgesetzt, sich mit Infektionskrankheiten anzustecken, welche letztlich zum Tod führen können. Werden die Katzen nur kastriert heraus gelassen, ist ihr Revier in der Regel kleiner, sie sind häuslicher und sind weniger oft in Revierstreitigkeiten verwickelt. Auch die Gefahr von ansteckenden Krankheiten ist geringer, da sie weniger kämpfen und keinem Deckakt mehr nachgehen.
Sie verteidigen ihr Revier weniger aggressiv gegenüber ihren Artgenossen, Verletzungen werden so also weniger. Sie gehen vorsichtiger auf die Pirsch und werden nicht von ihrem Sexualtrieb in weit entfernte Gebiete gelockt. Gefahren werden so ohne den Ballast der "Verliebtheit" eingeschätzt. Sie verirren sich also weniger und sind "klarer im Kopf".

Freigänger kennzeichnen und registrieren lassen!

Gekennzeichnete Katzen (Chip oder Tattoo) können ihrem Besitzer immer zugeordnet werden, sollten sie doch einmal eingefangen werden oder im Tierheim landen. Ein Tattoo beispielsweise ist oft schon aus weiterer Entfernung zu sehen und die Katze wird nicht für einen Streuner gehalten und eventuell von Tierschützern oder übereifrigen Nachbarn eingefangen oder angefüttert.

Das Kennzeichnen der Katze ist allerdings nur der erste Schritt. Um aufgefundene Katzen sicher und eindeutig einem Halter zuordnen zu können, müssen die Katzen der Katze natürlich auch irgendwo registriert sein, um bundesweit abgefragt werden zu können. So sollte man als Dosi seine Katze also nicht nur chippen und/oder tätowieren lassen, sondern sie auch in Haustierregister wie TASSO e.V. oder dem deutschen Haustierregister eintragen lassen. Die Daten in diesen Registern müssen natürlich immer aktuell gehalten werden, das heißt sie müssen bei Umzug, Auszug und oder Tod der Katze entsprechend zeitnah geändert werden.

der Katze eine Eingewöhnungszeit lassen

Eine Katze, die eine zu kurze Eingewöhnungszeit im neuen Zuhause hatte, kann sich nicht nur in ihrer Umgebung verirren, sie hat auch noch keine genügende Beziehung zu ihrem neuen Heim und ihren neuen Haltern aufgebaut. Da ist das Risiko, dass sie verschwindet, natürlich größer.

Gefahren in der Umgebung analysieren

Doch nicht nur die Vorbereitung der Katze ist in dem Fall wichtig. Auch die Umgebung der Katze sollte vor dem ersten Freigang bedacht analysiert werden. Sind viel befahrene Straßen, Schnellstraßen, besonders energiegeladene Hunde, katzenhassende Nachbarn oder andere Gefahren für die Katze in der Nähe, so sollte man darüber nachdenken, ob und wann der Freigang für die Katze sicher ist.

Wird die Situation allgemein nicht als sicher eingeschätzt, so kann man der eigenen Katze zumindest im eigenen Garten oder der Terrasse (beides sicher eingezäunt) Freilauf gewähren. Dieser Kompromiss eignet sich immer dann gut, wenn zwar in der Umgebung Gefahren lauern, aber die Katze trotzdem frische Luft schnuppern soll.

Hat man alle angesprochenen Gefahren bedacht und so gut es geht beseitigt oder verringert, ist die Katze zwar nicht einhundert prozentig sicher, hat aber immerhin gute Chancen, ein langes, glückliches Leben im Freigang zu führen. Alle Gefahren kann man als Dosi nie bedenken oder vorhersehen, das muss von vornherein klar sein! Allerdings kann man tun, was möglich ist, um der Katze einen guten Start zu bieten. Katzen sind stark, flink, wehrhaft und gewitzt: viele Gefahren, denen sie täglich begegnen werden sie allein lösen und Dosi wird davon rein gar nichts mitbekommen.

Was soll ich tun, wenn meine Katze verschwunden ist?

Zuerst einmal: tieeef durchatmen und nicht in Panik oder Schreckstarre verfallen! Je organisierter und umfassender man jetzt als Dosi vorgeht, umso größer sind die Chancen, die Katze schnell und wohlbehalten wieder zu finden. Als erstes sollte man sich fragen:
"Wann wurde die Katze zuletzt gesehen?", "Wo wurde die Katze zuletzt gesehen?", "Gab es Veränderungen, die erklären, warum die Katze weg ist?" Hat sie sich vielleicht in letzter Zeit häufiger mit Mitkatzen oder Rivalen angelegt oder ist gar ein neuer Mitbewohner (menschlich oder tierisch) eingezogen? Hat sie sich erschrocken und ist darum fort? Ist die erfahrene Freigängerin oder Wohnungskatze?

Folgende Suchmaßnahmen sollten eingeleitet werden:

  • Tasso und das deutsche Haustierregister benachrichtigen (auch dann, wenn die eigene Katze nicht gekennzeichnet und/oder registriert ist! Hier können Suchtipps gegeben werden und eine Suchmeldung wird online veröffentlicht)
  • Suchmeldungen in der näheren Umgebung verteilen (mit Bild der Katze / wo zuletzt gesehen / wann zuletzt gesehen / besondere Merkmale / Name und Alter der Katze / Kennzeichnung ja oder nein? (nicht die Kennzeichnungsdaten veröffentlichen!))
  • Tierärzte, Tierheime und Tierfachmärkte in der näheren Umgebung informieren und auch dort Suchzettel aufhängen
  • Im Tierheim, Fundbüro, bei Tierärzten und beim örtlichen Entsorungshof nachfragen, ob eine Katze gefunden wurde, auf die die Beschreibung passt (Entsorgungshöfe beseitigen aufgefundene tote Katzen, auch diese schreckliche Möglichkeit bitte nicht ausschließen!)
  • Bei Nachbarn klingeln und sie bitten, zusätzlich mit nach der Katze zu schauen. Sie bitten, in Garagen, Schuppen und Kellern nach der Katze zu sehen. Am besten sogar selbst nachschauen.
  • Suchgänge bei Tag und Nacht durchführen. Dabei nach der Katze rufen, mit ihrem Lieblingsleckerlie rascheln und in Sträucher, Hecken, Schächte und in Gärten schauen.
  • Bei nächtlichen Suchgängen ist die Chance eine ängstliche Katze zu finden größer, da der Lärm des Tages sie verschrecken kann. Im schlimmsten Fall meldet sie sich dann auch nicht auf vertraute Rufe. Also eine Taschenlampe mitnehmen und die Umgebung ableuchten. Auch, wenn die Katze sich nicht meldet, reflektieren ihre Augen das Licht und können so Aufschluss darüber geben, wo sich ein Tier versteckt.
  • Futterplätze mit gewohntem Futter in der näheren Umgebung aufstellen und regelmäßig kontrollieren (kein Futter unbeaufsichtigt herumstehen lassen, das lockt Ungeziefer an und stört die Nachbarn).
  • Regelmäßige Anrufe in Tierheimen, bei Tierärzten, im Entsorgungshof und im Fundbüro machen. So bleibt die Suche immer aktuell, Hinweisen kann zeitnah nachgegangen werden und die Aufmerksamkeit bei allen Beteiligten lässt weniger nach.
  • Auch weiter entfernte Tierheim und Tierärzte anrufen und dort nach aufgefundenen Katzen fragen. Nicht selten verirrt sich ein Tier außerhalb des vertrauen Reviers oder wird unabsichtlich oder absichtlich mitgenommen.
  • Die Hoffnung nicht aufgeben. Oft werden verschwundene Katzen auch nach Monaten (teilweise gar noch nach Jahren) wieder gefunden!
  • Ist die Katze zurück, alle beteiligten Institutionen (Fundbüro, Tierärzte, Tierheime, Tasso, Haustierregister) benachrichtigen und Suchmeldungen löschen.



In den nächsten drei Teilen dieses Themas wird die Stellungnahme des deutschen Tierschutzbundes und TASSO e.V. zum Thema "Altkleidersammler als Katzenfänger", sowie Zitate aus Heinz G. Konsaliks Buch "Wer sich nicht wehrt" – dem Ursprung des Mythos – veröffentlicht.

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