Veröffentlicht: 16.September 2013 um 10:30 Uhr - vor 7 Monaten aktualisiert

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Sind Altkleidersammler wirklich Katzenfänger? – Teil 2/6

weißer Transporter

Im ersten Teil dieses Themas haben wir mit dem Gerücht "Altkleidersammler als Katzenfänger" aufgeräumt und logische Erklärungen für die verschiedenen Punkte gefunden. In diesem Teil soll es nun darum gehen, warum Katzen verschwinden, woher diese Gerüchte rund um Altkleidersammler kommen und was sie nach sich ziehen.

Warum verschwinden Katzen wirklich?

Die Gründe, warum Katzen wirklich verschwinden sind vielfältig. Sie können sich im Freigang verirren, verletzen, zu Tode kommen, von anderen Menschen mitgenommen, eingefangen und getötet werden. Auch gefährliche Straßen, Hunde und die Tatsache, das manche Katzen zu neugierig, unkastriert oder unerfahren im Freigang sind, können dazu führen, dass die eigene Katze nicht mehr nach Haus zurückkommt. Nicht zuletzt ist auch der Umstand, dass immer noch viel zu wenige Katzen gekennzeichnet (Chip oder Tattoo) sind, ein Grund, warum sie für immer verschwinden.

Katzen sollten erst etwa mit dem Alter von 12 Monaten, kastriert, geimpft und gechipt in den Freigang entlassen werden. Eine Eingewöhnungszeit von etwa 4-6 Wochen sollte einer neu zugezogenen Katze gegönnt werden, um sich vollständig mit ihrer neuen Umgebung vertraut zu machen. Lässt man Kitten zu jung hinaus, sind sie noch zu verspielt und neugierig, um richtig auf Gefahrensituationen zu reagieren. So kann das eigene Kitten schnell unter dem nächsten Auto landen oder sich verirren.

Sind Katzen und Kater unkastriert, so streifen sie durch große Gebiete auf der Suche nach Sexualpartnern und können durch ihren extrem ausgeprägten Sexualtrieb schnell den Respekt vor Gefahren verlieren. Auch häufige Rangkämpfe und Ansteckung mit Infektionskrankheiten sind für freilaufende unkastrierte Tiere weitere Gefahren. Ist das potente Tier derart mit seinem Drang beschäftigt, läuft es weiter weg von Zuhause und findet vielleicht den Rückweg nicht mehr. Wenn es ihn denn finden will, schließlich gibt es in der Welt voller rolliger Katzen so viel zu entdecken und zu bespringen.

Sind gefährliche Straßen, Hunde oder Nachbarn in der Nähe, so sollte man der Katze nur mit Vorsicht Freigang gewähren. Entweder greift man direkt auf einen gesicherten Garten oder eine gesicherte Terrasse zurück oder schränkt die Zeiten des Freigangs ein. Möglich wäre es beispielsweise, wenn die Katze nur in den Abendstunden hinausgelassen wird, wenn Menschen und Tiere nicht mehr so zahlreich auf den Straßen sind.

Die meisten Katzen die verschwinden, wurden tot gefahren, sind bei anderen tierlieben Menschen untergekommen oder sitzen (von tierlieben Menschen eingefangen) im nächsten Tierheim. Da aber leider auch heutzutage nur wenige Katzen gekennzeichnet sind, ist es nicht möglich, den eigentlichen Halter zu kontaktieren, wenn ein Tier aufgefunden wird. Auch darum ist es so wichtig, seine Tiere vor dem ersten Freigang kennzeichnen zu lassen!

Warum werden im Zeitraum von Altkleidersammlungen so viele Katzen vermisst?

Sind Altkleidersammler unterwegs, so ist das Augenmerk auf die Katzen in der Umgebung – angestachelt durch zahlreiche Gerüchte – umso schärfer. Besonders dann fällt es natürlich extrem auf, wenn Katzen verschwinden und jeder erinnert sich daran, dass ja Altkleidersammler in der Nähe waren. Alle anderen Gründe, warum Katzen verschwinden, werden dabei komplett ausgeblendet. Standen keine Sammeleimer vor der eigenen Türe und die Katze verschwindet, waren sicher in den Parallelstraßen oder im nächsten Stadtteil Altkleidersammler unterwegs. Oder sie sind gar heimlich in der Nacht gekommen, natürlich ohne, dass sie jemand gesehen hat.

Kurz: verschwinden Katzen waren es fast ausschließlich immer die bösen Altkleidersammler. Dass in den Erzählungen aus 2 verschwundenen Katzen plötzlich mehr ein halbes Dutzend wird, erfährt sowieso niemand. So oder so ähnlich verläuft auch das Spiel "stille Post". Dass (fast) alle Katzen nach einer Weile wieder wohlbehalten in ihrem Heim auftauchen, wird natürlich vergessen zu erwähnen.

Wenn die Katzen nicht eingefangen werden, wie kann es dann sein, dass sie nie wieder auftauchen?

Auch dies hat mehrere Gründe. Alle voran sind es 5 besonders häufige Gründe: die Katze wurde schlicht und ergreifend durch irgendeinen Grund getötet (überfahren, lebensgefährlich verunfallt oder von anderen Menschen misshandelt), ist in einem anderen Zuhause untergekommen oder fühlt sich draußen derart wohl, dass sie nicht mehr nach Haus zurück will. Oder aber sie hat sich vollkommen verirrt und findet einfach nicht mehr nach Haus.

Einer der triftigsten Gründe aber, warum Katzen dauerhaft als "verschollen" in Statistiken und Erzählungen geführt werden, ist die Tatsache, dass die meisten Menschen ganz simpel vergessen ihre aufgetauchten Tiere als gefunden wieder aus Suchmeldungen zu entfernen. Nicht alle Katzen, die offiziell gesucht werden, sind auch noch "flüchtig": nicht selten sitzen sie seit Tagen, Wochen oder Monaten bereits wieder auf dem kuscheligen Sofa. Ihr Halter hat in der Aufregung und vor lauter Wiedersehensfreude einfach vergessen ihr Auffinden auch zu melden – das ist nachvollziehbar und höchst menschlich, wer denkt bei einem Wiedersehen denn noch an Suchanzeigen?

Warum werden diese Gerüchte verbreitet?

Vermutlich hauptsächlich deshalb, weil fast Jeder solche Geschichten kennt und diese Gerüchte sowieso überall verbreitet sind. Es ist äußerst menschlich, immer nach Antworten und Gründen zu suchen, wenn einem selbst oder lieben Familienangehörigen etwas Schlimmes passiert. Irgendwer muss ja Schuld sein, wenn die eigene Katze verschwindet, selten werden solch emotionale Themen logisch angegangen. Es wird meist nicht darüber nachgedacht, dass es auch andere – weitaus realistische – Gründe für das Verschwinden von Katzen gibt.

Es kann einfach nicht sein, dass die Katze durch ganz triviale Gründe zu Tode gekommen ist oder sich einfach verirrt hat. Mancher Katzenhalter hält sich lieber an alten Märchen fest, als der Realität ins Auge zu sehen: Freigang ist für Katzen etwas Wunderschönes, allerdings unbestritten auch manchmal gefährlich. Wenn man seine Katzen dieser "Gefahr" aussetzt, ist es einfach nur logisch, dass irgendwann einmal etwas passieren kann. Es kann gutgehen, auch Jahrzehnte lang, leider kann es aber auch passieren, dass irgendwann einmal etwas passiert. Das einzusehen fällt vielen Menschen schwer. Stattdessen brauchen sie andere Erklärungen.

Welchen Ursprung haben diese Gerüchte ursprünglich überhaupt?

Eine Quelle für diese Gerüchte zu finden, fällt nicht schwer. Ein im Jahre 1986 erstmals veröffentlichter Roman von Heinz G. Konsalik mit dem Titel "Wer sich nicht wehrt" erzählt von Tierfängern in weißen Lieferwagen, die Katzen und Hunde zu Geschäftszwecken und für Tierversuche einfangen und gewinnbringend verkaufen. Zitate aus diesem Buch werden in einem folgenden Teil (Teil 5) dieses Thema veröffentlicht.

Was ist so gefährlich an diesen Gerüchten?

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Menschen, die diese Gerüchte verbreiten denken aber nicht daran, welche Folgen dies nach sich ziehen kann. Zum Einen sollte man dabei die Folgen für die Altkleidersammler bedenken und zum Anderen die Folgen für die vermisste Katze und ihren Halter.

Altkleidersammler können aufgrund dieses weit verbreiteten Gerüchts ihrer Arbeit nicht mehr vernünftig nachgehen. Grundsätzlich Jeder, der Altkleider sammelt, steht unter Generalverdacht. Eimer werden vernichtet, gestohlen, Mitarbeiter werden angepöbelt, grundlos beschuldigt und schlecht gemacht. Kennzeichen, Namen und Geschäftsdaten werden veröffentlicht und weiter verbeitet, alles natürlich mit dem unterschwelligen Vorwurf, dass die Menschen, die dahinter stehen perfide Katzenfänger und -schänder sind. Klasse für Menschen, die auch nur ihr tägliches Brot verdienen und eigentlich gar nichts mit diesen Gerüchten zu tun haben, außer in den Köpfen übereifriger und uninformierter Menschen, oder?

Wie würde man sich selbst fühlen, wenn man aufgrund seines Berufs, verfolgt, beleidigt und grundlos beschuldigt wird, nur weil manche Menschen sich nicht informieren, bevor sie laut schreiend und Schilder schwenkend auf einen und die eigene Firma losgehen? Sicherlich nicht besonders gut…

Auch für Katzenhalter, deren Katze verschwunden ist, kann dieses Gerücht schlimme Folgen haben. Manchmal wird die Suche nach der verschwundenen Katze aufgegeben, wahre Horrorszenarien der eigenen gehäuteten und gequälten Katze machen sich im Kopf breit. Die Katze sitzt in der Zeit irgendwo eingesperrt im Keller, in der Garage und verhungert und verdurstet jämmerlich. Oder sie liegt verletzt in der näheren Umgebung oder im Tierheim. Aber Dosi kommt nicht, denn ihr/ihm hat jemand den Floh vom "Altkleidersammler als Katzenfänger" ins Ohr gesetzt: die Katze ist also verloren… Wie traurig für alle Beteiligten!


Wie man das Risiko minimieren kann, dass die eigene Katze spurlos verschwindet, was man tun sollte, falls es doch einmal passiert, was der deutsche Tierschutzbund zu diesen Gerüchten sagt und Zitate aus Heinz G. Konsaliks Buch finden sich in den nächsten Teilen dieses Themas.

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