21.September 2013 14:47 Uhr Recherche 0

Der Ursprung des Katzenfänger-Mythos

Buch wer sich nicht wehrt

Lesezeit ca.: 4 Min., 1 second

In den ersten fünf Teilen dieses Themas haben wir uns näher mit den Hintergründen und dem Wahrheitsgehalt des Gerüchts "Altkleidersammler als Katzenfänger" befasst. Dieses Gerücht ist derart verbreitet, dass man sich fragt, wo diese abenteuerlichen Geschichten ihren Ursprung haben. In Teil 2 habe ich bereits kurz erwähnt, dass dieser Mythos auf eine erfundene Geschichte – einen Roman von Heinz G. Konsalik zurückgeht. In diesem letzten Teil des Themas möchte ich gern allen Interessierten ein paar Zitate aus dem Buch vorstellen.

Aus diesen Zitaten will schnell deutlich, dass der Inhalt des Romans deutliche Parallelen zu unseren heutigen Gerüchten aufweist.

Infos zum Buch
Titel: "Wer sich nicht wehrt"
Autor: Heinz G. Konsalik
Verlag: W. Goldmann Verlag GmbH, München
Erstauflage: Januar 1986
ISBN: 978-3442083862
Seitenzahlen: 254 Seiten

der Inhalt des Buchs

In dem Roman "Wer sich nicht wehrt" von Heinz G. Konsalik geht es um eine skrupellose Familie, die Hunde und Katzen von der Straße einfängt und diese zu Versuchszwecke an Tierversuchslabore verkauft. Auch aus Vorgärten werden unbeaufsichtigte Tiere frech gestohlen. Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück, die Papiere der entwendeten Tiere zu fälschen, um bei ihrem Verkauf an die Labore keinen Verdacht zu erwecken. Andere Tiere wie Affen und Kaninchen werden angekauft und gewinnbringend weiterverkauft.

Der Roman spinnt ein Netz aus weitreichenden, mafiaähnlichen Strukturen, in denen die armen Tiere die Leidtragenden sind. Doch nicht nur die Tiere leiden unter den strafbaren Machenschaften der Tierfänger: Jeder Halter, dem ein Tier gestohlen wird, leidet mit. So auch die beiden Hauptfiguren, die beiden Kinder Michael und Ludwiga, neun und acht Jahre alt. Ihre Haustiere – der Hund Pumpi und die Katze Micky – werden auf einem gemeinsamen Spaziergang entführt. Zusammen mit ihren Eltern versuchen sie im Lauf des Romans die Strukturen der Tierfänger zu durchschauen und ihnen das Handwerk zu legen.


Zitate aus dem Buch "Wer sich nicht wehrt"

Die folgenden Textstellen stammen alle aus dem oben genannten Buch von Heinz G. Konsalik. Seiten- und Zeilenangaben machen das Finden und Vergleichen der Inhalte etwas leichter.

Seite 17, Zeile 14-16 und 22-24:

[…]", ein Lieferwagen. Micky und Pumpi rennen auf diesen zu, kriechen darunter, der Wagen fährt wieder an – und Hund und Katze sind weg."
[…]
"Ein Kastenwagen. VW oder Ford, das habe ich nicht so genau erkannt." – "Und weiß war er!"


Seite 34, Zeile 4-8:

"[…]ihre Lieblinge vom einem Tierfänger gestohlen worden. Eine Katze und ein Hund. Wir sind uns völlig klar darüber, was mit ihnen geschehen wird. Sie werden qualvoll in einem Forschungslabor zu Tode gequält werden."



Seite 70, Zeile 19-25:

"Aber den Kerlen ist nichts nachzuweisen. Alle Tiere, ob geklaut oder woher sie auch kommen, erhalten hier Papiere. Verkaufsquittungen, Einfuhrbescheinigungen, Briefe von angeblichen Vorbesitzern – das alles liegt blanko im Büro und wird bei den Einlieferungen ausgefüllt. Nichts ist ihnen zu beweisen!"


Seite 115, Zeile 11-14:

"Für diese […]-Versuche braucht man keine wertvollen Zuchttiere. Da genügen auch auf der Straße eingefangene Hunde und Katzen…"


Seite 132, Zeilen 10-12 und 22-24:

"Beide wurden von Tierfängern am hellichten Tage, vor den Augen der Kinder, auf der Straße in einen Lieferwagen gelockt. […] Jeder weiß, wo die Tierfänger die Tiere hinbringen, ja , dass sie sogar im Auftrag arbeiten, also stehlen. Für Versuche in Kliniken, Fabriken, Labors aller Art…[…]"


Seite 169, Zeilen 16-24:

"Am hellichten Tag wird ein Hund aus einem Villenvorgarten gestohlen…" […] ".. der Gärtner hört nur noch das Anfahren eines Wagens und erklärt […], dass es sich um kein großen Auto gehandelt hat, dem Klang des Motors nach.. " – "Etwa ein VW-Kastenwagen?"


Seite 235, Zeile 10-13:

"Sie haben Pumpi und Micky geklaut!" sagte Mike mutig. "Jawohl, geklaut, mit einem weißen VW-Kastenwagen, der im Boden eine Klappe hatte. Da rein haben sie Pumpi und Micky gelockt, […]"


Seite 245, Zeile 7-10:

Mit einer Paste, die den Geruch heißer Hündinnen ausströmte, hatte er zwölf Rüden unter seinen Wagen gelockt und durch die Bodenklappe hochgezogen.

Fazit zum Thema "Altkleidersammler als Katzenfänger

Diese Zitate zeigen deutlich, dass die heutigen Gerüchte den Inhalten aus dem Roman "bis aufs Haar" gleichen. Es gibt keinen Punkt, der heute in den Gerüchten verbreitet wird und nicht schon in diesem Roman aufgeführt wurde: angebliche Lockstoffe, weißer Transporter, Bodenklappe, gefälschte Papiere, Tierversuche usw. Für mich zeigt dies – zusammen mit allen anderen Teilen dieses Themas – dass in dem Gerücht "Altkleidersammler als Katzenfänger" kein kleinstes Körnchen Wahrheit steckt. Sondern dass der Mythos vielmehr auf einer altbekannten erfundenen Geschichte beruht und nicht auf Tatsachen.

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Über Miriam


Miriam ist 34 Jahre alt und lebt seit 16 Jahren mit Katzen zusammen. Vor acht Jahren begann sie, ihr Wissen über artgerechte Katzenhaltung durch die Recherche in verschiedenster Fach-Lektüre zu erweitern. Mit jeder Menge Neugier und (Galgen-)Humor teilt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen Interessierten. Nebenbei hat sie bereits ein Buch veröffentlicht, gibt Seminare zur Rohfütterung und hält Vorträge über die artgerechte Katzenhaltung. Himbeeren und Sushi machen ihr das Leben mit ihren drei pelzigen Sklaventreiberinnen erträglicher.

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