21.September 2013 10:30 Uhr Meinung & Tipps 0

10 einfache Tipps für bessere Katzenfotos

Muffin beißt in die Spielangel

Lesezeit ca.: 9 Min., 10 Sek.

Ich denke, alle Dosenöffner schießen gerne Fotos von ihren Katzen. Ob Schlafen, Spielen, Putzen, Raufen oder Dösen: Momente, die man gerne festhalten möchte, gibt es viele. Doch manch Einer von uns ist nicht ganz zufrieden mit seinen Katzenfotos. Wer sich kein teures Equipment und ein eigenes Heimstudio leisten möchte oder kann, muss trotzdem nicht auf tolle Katzenfotos verzichten. Auch mit "Kompaktknipse" und Handykamera sind ausdrucksstarke, tolle Katzenfotos möglich. Man muss nur wissen, wie!

Hier zehn einfache Tipps von uns:

die eigene Technik beherrschen

Keine Angst, weit schweifende Erklärungen und Formelsammlungen gibt es hier nicht! Wichtig ist, dass du deine Kamera "aus dem effeff" beherrscht, denn oftmals sind Momente, die wir besonders gern fotografieren möchten, im Sekundenbruchteil vorbei. Da ist es wichtig, dass du die grundlegenden Funktionen deiner Kamera kennst und sie auch schnell und ohne großartig nachzuschauen einstellen kannst. Wenn du schon einmal etwas von "Blende", "ISO" und "Verschlusszeit" gehört hast: umso besser. Wenn nicht: auch gut! Denn die meisten modernen Kameras haben spezielle Programme, die automatisch Einstellungen vornehmen. Mit diesen Einstellungen lassen sich bereits oft sehr gute Ergebnisse erzielen.

Die Programme, die du (als Laie) für die Katzenfotografie am besten nutzen solltest, sind das Porträtprogramm oder das Sportprogramm. Das Porträtprogramm hat den Vorteil, dass es den Hintergrund schön unscharf werden lässt. Es ist allerdings manchmal überfordert mit den schnellen Bewegungen unserer Miezen. Dann solltest du auf das Sportprogramm zurückgreifen. Es kann Bewegungen gut einfrieren und sorgt auch (oft) für einen unscharfen Hintergrund. An den meisten Kameras sehen die Symbole für diese Programme ziemlich ähnlich aus: das Porträtprogramm zeigt die Silhouette eines Menschen oder einen Kopf und das Sportprogramm zeigt ein sich bewegendes Männchen (Skifahrer).

für viel gutes Licht sorgen

Auch, wenn es für unser menschliches Auge nicht so aussieht: in Innenräumen ist es oft dunkel – Zumindest für die Kamera. Ihr ist das übliche Licht von Deckenlampen oft nicht genug. Das sieht man den Fotos dann auch an: dunkle, flache, im schlimmsten Fall verwackelte Bilder sind das Ergebnis von zu wenig Licht. Doch was können wir dagegen tun?

Derjenige von euch, der bereits ein wenig Erfahrung im Fotografieren hat, wird es sich schon denken: "ISO-Wert erhöhen!". Der sogenannte "ISO-Wert" ist sozusagen eine Skala, die aussagt, wie lichtempfindlich der Sensor-Chip der Kamera ist. Diese Skala reicht oft von 100-3200.

Ist es hell (also genug Licht zum Fotografieren da) reichen ISO 100. Ist es dunkler und die Kamera bekommt wenig Licht, sollte der ISO-Wert höher gestellt werden. Der Sensor "saugt" dann quasi mehr Licht ein. Ein ISO-Wert von 400-800 ist – je nach Kamera – bei schlechterem Licht angebracht. Aber Vorsicht: stellst du den ISO-Wert zu hoch ein, dann kann es zum sogenannten Rauschen kommen: die Bilder sehen aus, als seien sie zu heiß in der Waschmaschine gewaschen worden.

Reicht es immer noch nicht, den ISO-Wert höher zu stellen, so kannst du alternativ (oder zusätzlich) eine Lampe neben dein Fotomotiv stellen, aber bitte nicht zu nah heran ;) Eine sehr gute Lichtquelle ist übrigens vollkommen umsonst und braucht keinen Strom: die Sonne. Sonnenlicht hat eine tolle Atmosphäre und wirft keine harten Schatten, es ist das ideale Fotolicht ;)

Von zwei anderen Varianten, mehr Licht zu bekommen, rate ich ab: Blitz und längere Verschlusszeit. Die längere Verschlusszeit sorgt dafür, dass – wie der Name schon sagt – die Zeit, in der der Verschluss geöffnet ist, länger wird. Es trifft so also länger Licht auf den Kamerasensor. Der Nachteil dieser Methode ist, dass Bewegungen nicht richtig eingefroren werden. Bewegt die Katze in der Zeit die Pfote, wird die Pfote verschwommen aufgenommen oder die halbe Katze sieht auf dem Foto plötzlich halb durchsichtig und wie ein Geist aus ;)

Vom Blitz rate ich wegen mehreren Punkten ab. Zum Einen ist das Augenlicht unserer Katzen sehr empfindlich, die Pupillen ziehen sich bei viel Licht zusammen, auch den sogenannten "Rote-Augen-Effekt" gibt es bei Katzen. Die reflektierende Netzschicht im Auge wirft das einfallende Licht zurück: die Katze bekommt glühende "Alien-Augen". Doch der Blitz sorgt oft auch für harte Schatten und extrem aufgehellte nahe Bereiche. Zudem sind die meisten Katzen nicht besonders angetan, vollgeblitzt zu werden. Eine Flucht unseres Fotomotivs wollen wir aber möglichst vermeiden. Kurz: der Blitz kann die ganze Lichtsituation und Atmosphäre "versauen".

das "Drumherum"

Muffin liegt auf der Seite

Muffin döst ganz entspannt

Noch viel wichtiger als teures Equipment, perfekte Kamera-Einstellungen und alles Licht der Welt ist meiner Meinung nach das Drumherum beim Fotografieren. Die Katze sollte und muss entspannt sein, damit gute Fotos gelingen. Wird Druck auf die Katze ausgeübt oder sie soll gegen ihren Willen irgendwo sitzen bleiben, sieht man das den Fotos später auch an.

Fotografieren soll Spaß machen – Katze wie Dosi! Spielzeuge, eine Lieblingsdecke, Leckerchen und eine Menge Geduld gehören zum Fotografieren dazu.

Ein weiches Kissen und eine Wärmflasche sorgen neben guten Zureden schon von allein dazu, dass die meisten Katzen still sitzen. Zwischendurch sollte ausgiebig gespielt werden, um keinen Frust bei der Katze aufkommen zu lassen: immer nur stille sitzen ist ja doof ;) Ich rate davon ab, der Katze durch die ganze Wohnung mit der Kamera im Anschlag hinterher zu laufen: Stress ist nicht gut für Models!

der richtige Hintergrund trägt viel zum guten Foto bei

Tiffy schaut in die Kamera

ein ruhiger Hintergrund lenkt nicht von Tiffys genervtem Blick ab ;)

Viele von uns kennen das sicher: wir sind der Meinung, das perfekte Foto geschossen zu haben, schauen aufs Kamera-Display und entdecken, dass der Hintergrund das ganze Bild ruiniert. Wie wichtig ein neutraler, möglichst unscharfer Hintergrund für ein Foto sein kann, sieht man oft erst, wenn man sich über solche Situationen ärgert.

Wer das Porträtprogramm nutzt oder die Kamera manuell so einstellen kann, dass der Hintergrund verschwimmt, hat schon viel für ein bestechendes Foto getan.


nah ran an die Katze

Muffin schaut in die Kamera

Muffin kommt ohne störenden Hintergrund gut zur Geltung

Viele Dosis machen den "Fehler" dass sie die Katze mitten im Raum fotografieren, während sie selbst weiter weg stehen. Solche Fotos sind oft uninteressant und verwirrend. Wer gute Fotos möchte, sollte sein Fotomotiv nah ranholen und möglichst wenig vom Hintergrund abbilden.

Wir fotografieren ja die Katze, nicht die gesamte Wohnungseinrichtung. So fällt es dann auch weniger auf, wenn Staubflocken oder Krümmelchen von den Katzen auf dem Teppich verteilt wurden ;) Zu viel oder zu unruhiger Hintergrund lenkt zudem auch vom Hauptmotiv – deiner Katze – ab und das soll ja möglichst vermieden werden.

Fotos, die mehr vom Hintergrund zeigen, sind eher etwas für fortgeschrittenere Fotografen, welche die Regeln der Bildkomposition und dem Lenken des Blicks verstehen. Auch solche Fotos mit bewusst eingesetzen Nebenmotiven und sogenanntem "negativen Raum" können sehr spannend sein. Allerdings leider meist auch nur dann, wenn man es bewusst und gut überlegt einsetzt.


.. und noch näher

Tiffys Pfoten

Katzenpfoten können faszinierend sein

Detailaufnahmen der eigenen Katze sind oftmals sehr interessant und machen Fotos zu dem, was sie eigentlich sein sollen: ein Medium, das Gefühle transportiert. Jede Katze hat ihre Eigenheiten – ob Pigmentflecken am Mäulchen, eine besonders gezeichnete Nase, einen toll geformten Fleck am Bauch – all diese Besonderheiten machen die eigene, individuelle Katze aus.

Warum dann nicht solche Einzigartigkeiten auch zeigen?

die richtige Perspektive

Wer selber schon ein bisschen fotografiert hat, wird schnell gemerkt haben: die "richtige" Perspektive gibt es nicht! Es kommt immer darauf an, was man mit dem Foto beim Betrachter auslösen möchte. Grob gesagt gibt es drei Perspektiven, in denen fotografiert wird: Die Froschperspektive, auf Augenhöhe und die Vogelperspektive. Die meisten von euch werden diese Ausdrücke schon einmal gehört haben.

Bei der Froschperspektive werden Motive von einer niedrigen Position aus aufgenommen. Fotografiert man eine Katze in der Froschperspektive erreicht man damit den Eindruck von Größe. Die Katze wirkt groß, stattlich und majestätisch, für Rassen wie die Maine Coon ist das ideal. Allerdings kann diese Perspektive auch eine unangenehme Folge haben: je nachdem, wie man fotografiert, kann die Katze manchmal dicklich aussehen, auch, wenn sie dies eigentlich nicht ist.

Tiffy liegt auf einem Regal

Tiffy aus der Froschperspektive (von unten fotografiert)

Die Katze auf Augenhöhe zu fotografieren ist eigentlich der beste und vor allem neutralste Blickwinkel. Die Proportionen der Katze wirken echt, nicht zu lang oder zu dick. Auch die Tatsache, dass die Katze in einer Linie mit dem Auge des späteren Betrachters abgebildet ist, macht das Foto sympathisch. So ist der "Einstieg" beim Betrachten einfacher und das Foto hinterlässt einen guten Eindruck.

Bei Aufnahmen aus der Vogelperspektive fotografieren wir die Katze von einer leicht (oder stark) erhöhten Position aus. Dadurch wirkt die Katze kleiner, zerbrechlich und oft auch süß. Kitten aus dieser Perspektive zu fotografieren gibt dem Foto meist noch den letzten Schliff. Dickere Katzen können so auch etwas schlanker "gemogelt" werden.

Das Bild zeigt ein Foto aus der Vogelperspektive:

Muffin aus der Vogelperspektive

Muffin aus der Vogelperspektive (von oben fotografiert)


Fotos im Hoch- oder Querformat?

Diese Entscheidung beeinflusst oft die ganze Atmosphäre im Bild. Wenn wir den Rat beherzigen, möglichst wenig Hintergrund zu zeigen, wird sich daraus in den meisten Fällen auch das Format automatisch ergeben. Wichtig ist, das Hauptgeschehen im Bild festzuhalten, ohne zu viel Unnützes zu zeigen und ohne zu viel wegzulassen. Das ist oft auch eine Frage der Erfahrung und Übung. Möchten wir die Katze beim Spiel zeigen, kann es gut sein, wirklich nur Gesicht, Pfoten und Spielzeug zu zeigen. Manchmal macht es aber auch einen gewissen Reiz aus, wenn mehr gezeigt wird.

die Augen sind der Spiegel zur Seele

Tiffy schaut genervt in die Kamera

scharf abgebildete Augen in Höhe des Betrachters fesseln den Blick

Die Augen einer Katze sind faszinierend und fesseln jeden Menschen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, sie möglichst scharf abzubilden und Blickkontakt herzustellen. Eine Katze, die interessiert in die Kamera schaut ist gleich viel interessanter, als wenn sie nur verschlafen vor sich hin döst. Für uns Menschen ist der Blick in die Augen oft wichtig und baut Vertrauen auf. Auch bei der Katze suchen wir den Blickkontakt.

Sind die Augen unscharf, kann das den Unterschied zwischen einem tollen Foto und "Datenmüll" ausmachen.

Porträts sollen porträtieren

Muffin schaut verträumt

Muffin in typischer „Abhäng“-Position

Nur langweilig herumsitzende und in die Kamera schauende Katzen sind auf die Dauer auch langweilig. Zudem wollen wir unsere Katzen ja auch nicht als Deko-objekt, sondern als Lebewesen mit Charakter, Macken und Vorlieben abbilden. Das macht sie sympathischer, einzigartiger und interessanter – auch für andere Betrachter.

Wer seine Katze also in Situationen erwischt, die typisch für sie sind, ihren Charakter eindeutig zeigen oder eine besondere Macke festhalten, ist auf einem guten Weg zum tollen Foto.



In diesem Sinne: "gut Licht!"

6724 vor über einem Jahr

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